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7. DIE STIMME DES REGENWALDES
8. ASTRONAUT
9. MILLA MEETS MOSES
10. ENFANT TERRIBLE
11. PELIKANBLUT – AUS LIEBE ZU MEINER TOCHTER
12. ÜBER DIE UNENDLICHKEIT
Donnerstag 15.10.2020
DIE STIMME DES REGENWALDES
Ab 22. Oktober 2020 im Kino
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Die wahre Geschichte von Bruno Manser. 1984: Auf der Suche nach einer Erfahrung jenseits der Oberflächlichkeit der modernen Zivilisation reist Bruno Manser in den Dschungel von Borneo und findet sie beim nomadischen Stamm der Penan. Die Begegnung verändert sein Leben für immer. Als die Penan von massiver Abholzung bedroht werden, nimmt Manser den Kampf gegen die Waldzerstörung mit einem Mut und einem Willen auf, die ihn zu einem der berühmtesten und glaubwürdigsten Umweltschützer seiner Zeit machen.

Ein Film von NIKLAUS HILBER


1984: Der 29-Jährige Schweizer BRUNO MANSER reist in den Dschungel von Sarawak, dem malaysischen Teil auf der Insel Borneo. In einem der ältesten Regenwälder der    Welt ist er auf der Suche nach einem der letzten Nomadenvölker der Erde: den PENAN. Manser ist getrieben von einem Traum: Von der modernen Zivilisation der eigenen Heimat entfremdet strebt er nach einem Leben, wie es die Menschen führten, bevor Industrialisierung und Konsumrausch ihren Lebensalltag prägten. Manser trifft nach abenteuerlicher Suche auf eine Penan-Sippe und folgt dieser in respektvoller Distanz, um die Penan zu beobachten und ihre Lebensweise zu studieren. Die Penan sind irritiert vom seltsamen Fremden und ignorieren ihn, doch Manser gelingt es, ihr Vertrauen zu gewinnen. Häuptling ALONG SEGA nimmt Manser wie einen Sohn unter seine Fittiche und bringt ihm alles bei, was es für ein Leben im Dschungel braucht. Eine junge Penan-Frau, UBUNG, verliebt sich in den weissen Besucher, doch Manser hält sich zurück, da er weiss, dass er Ubung früher oder später wieder verlassen muss.

1987: Als die Penan auf dem Weg in ein neues Jagdgebiet sind, machen sie eine erschütternde Entdeckung. Holzfäller haben ein riesiges Gebiet des Regenwaldes abgeholzt. Manser beschwert sich beim verantwortlichen Manager und erfährt, dass der grösste Teil der Penan- Gebiete durch die neue Regierung zur Rodung freigegeben wurde. Mit dem Export von Tropenholz nach Europa soll Malaysia zu einer Industrienation aufsteigen – ein Vorhaben, das für die Penan das Ende ihrer Lebensweise bedeutet.Manser überzeugt Sega und die Penan, für ihr Land zu kämpfen. Gemeinsam mit anderen Penan-Sippen beginnen sie, Holzfällerstrassen zu blockieren. Auf diese Weise gelingt es ihnen, einen Grossteil der malaysischen Holzindustrie stillzulegen. Das weckt die Aufmerksamkeit der Medien, allen voran die des jungen Journalisten JAMES CARTER-LONG, den der Aufstand der scheuen Penan gegen die Mächtigen beeindruckt. Er bietet sich Manser als ein Sprachrohr an, um dessen Landrechtsforderungen direkt zur Regierung zu tragen.

1984: Der 29-Jährige Schweizer BRUNO MANSER reist in den Dschungel von Sarawak, dem malaysischen Teil auf der Insel Borneo. In einem der ältesten Regenwälder der    Welt ist er auf der Suche nach einem der letzten Nomadenvölker der Erde: den PENAN. Manser ist getrieben von einem Traum: Von der modernen Zivilisation der eigenen Heimat entfremdet strebt er nach einem Leben, wie es die Menschen führten, bevor Industrialisierung und Konsumrausch ihren Lebensalltag prägten. Manser trifft nach abenteuerlicher Suche auf eine Penan-Sippe und folgt dieser in respektvoller Distanz, um die Penan zu beobachten und ihre Lebensweise zu studieren. Die Penan sind irritiert vom seltsamen Fremden und ignorieren ihn, doch Manser gelingt es, ihr Vertrauen zu gewinnen. Häuptling ALONG SEGA nimmt Manser wie einen Sohn unter seine Fittiche und bringt ihm alles bei, was es für ein Leben im Dschungel braucht. Eine junge Penan-Frau, UBUNG, verliebt sich in den weissen Besucher, doch Manser hält sich zurück, da er weiss, dass er Ubung früher oder später wieder verlassen muss.

1987: Als die Penan auf dem Weg in ein neues Jagdgebiet sind, machen sie eine erschütternde Entdeckung. Holzfäller haben ein riesiges Gebiet des Regenwaldes abgeholzt. Manser beschwert sich beim verantwortlichen Manager und erfährt, dass der grösste Teil der Penan- Gebiete durch die neue Regierung zur Rodung freigegeben wurde. Mit dem Export von Tropenholz nach Europa soll Malaysia zu einer Industrienation aufsteigen – ein Vorhaben, das für die Penan das Ende ihrer Lebensweise bedeutet.Manser überzeugt Sega und die Penan, für ihr Land zu kämpfen. Gemeinsam mit anderen Penan-Sippen beginnen sie, Holzfällerstrassen zu blockieren. Auf diese Weise gelingt es ihnen, einen Grossteil der malaysischen Holzindustrie stillzulegen. Das weckt die Aufmerksamkeit der Medien, allen voran die des jungen Journalisten JAMES CARTER-LONG, den der Aufstand der scheuen Penan gegen die Mächtigen beeindruckt. Er bietet sich Manser als ein Sprachrohr an, um dessen Landrechtsforderungen direkt zur Regierung zu tragen.

Von Along Sega erhält Manser deprimierende Nachrichten: Die Abholzung schreite stetig voran und viele Penan würden durch ein staatliches Siedlungsprogramm dazu verführt, den Dschungel zu verlassen – so auch Ubung. Manser ist am Boden zerstört. Um die Weltöffent- lichkeit darüber zu informieren, erklimmt Manser am G7-Gipfel in München die Staatskanzlei und befestigt vor staunenden Journalisten ein Transparent. Dennoch wird Mansers Petition von Ortegas Kommission abgelehnt. Das Siedlungsprogramm, von Malaysias Lobbyisten als  „Entwicklungshilfe“ proklamiert, war der EG und ihrem Hunger nach günstigem Tropenholz ein willkommenes Argument. Manser wähnt sich rundum gescheitert. Doch dann erhält er von überraschender Seite einen unerwarteten Tipp: der UNO Generalsekretär BOUTROS BOUTROS-GHALI schlägt ihm vor, bei der „International Tropical Timber Organization“ (ITTO), einer Unterorganisation der UNO, einen Zertifizierungsstandard durchzusetzen, der Kriterien zur nachhaltigen Abholzung definiert und fördert. Auf diese Weise liessen sich geschützte Zonen für die Penan und andere Urvölker fordern. Voller Hoffnung unternimmt Manser einen weiteren Versuch, ohne zu ahnen, dass dieser ihn acht lange Jahre beschäftigen wird.

1999: Schliesslich wird auch diese Strategie von den Lobbyisten der Tropenholzproduzenten untergraben, in dem man argumentiert, dass die Penan als Nomaden stetig umherziehen und somit keine Landrechte beanspruchen können, welche unter einen Zertifizierungsstandard fallen. Für Roger Graf ist dieser Rückschlag einer zu viel. Er glaubt nicht mehr an den Erfolg des „Bruno Manser Fonds“ und kündigt. Manser ist wieder auf sich allein gestellt. Obwohl er in Malaysia noch immer Staatsfeind Nr. 1 ist, entschliesst er sich, heimlich in den Dschungel Sarawaks zurückzukehren, mit einer letzten Idee, von der er noch nicht weiss, ob sie fruchten wird: der detaillierten Kartierung der Penan-Gebiete.  Auf dem Weg zu Along Sega kommt Manser in einem ärmlichen Dorf von sesshaft gewordenen Penan vorbei. Dort trifft er unerwartet auf Ubung. Obwohl die Liebe zwischen den beiden nie erloschen ist, kann das Rad der Zeit nicht zurückgedreht werden: Ubung ist mittlerweile verheiratet und hat einen Sohn, der nomadische Lebensstil ist ihr fremd geworden. Schweren Herzens verlässt Manser Ubung. Er bereut, nicht früher zurückgekommen zu sein.

Sega ist überglücklich, als sein „verlorener Sohn“ zurückkehrt. Manser hingegen ist auf einmal melancholisch. Er fragt sich, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn sie damals, als sie erstmals auf die Holzfäller stiessen, anstatt zu kämpfen einfach weiter gezogen wären. Sega ist anderer Meinung: durch den Kampf habe Manser den Penan ein Bewusstsein für ihre Kultur und ihren einzigartigen Lebensstil vermittelt, und dafür seien sie ihm für immer dankbar. Er ist voller Hoffnung, dass sie mit der Kartierung ihrer Gebiete schliesslich ihre Rechte durchsetzen werden. Als sich Manser am nächsten Tag zu den anderen Penan-Sippen aufmacht, um sie über das Kartierungsprojekt  z u  informieren,  verschwindet  er  spurlos  im  Dschungel.  Niemand  weiss, was mit ihm geschehen ist. 2005 wurde er offiziell als verschollen erklärt.


ANMERKUNGEN DES REGISSEURS

Bruno Manser war der bekannteste Umwelt- und Menschenrechtsaktivist der 1980er und 1990er Jahre. Trotzdem ist seine Geschichte auch heute – fast 20 Jahre nach seinem Verschwinden – so relevant wie noch nie: Die zunehmende Globalisierung und der steigende Bedarf an natürlichen Rohstoffen machen den Schutz des Regenwaldes und seiner indigenen Bevölkerung zu einem noch dringlicheren Thema.Faszinierend an Mansers Geschichte war für mich, dass er selbstlos für eine Sache gekämpft hat, die moralisch gerecht ist, obwohl er immer wieder sabotiert wurde, zuerst von den Behörden in Malaysia und später von denen Europas. Was trieb ihn an?

Die Kombination aus Naivität und Beharrlichkeit im Kampf gegen ein globalisiertes Wirtschaftssystem macht ihn zu einer bedeutenden Figur der jüngeren Geschichte.Ich fühlte mich auch von seinem Idealismus angezogen: Er sehnte sich nach einem präzivilisatorischen Paradies – man könnte sagen: nach der ursprünglichen, menschlichen Unschuld. Ich denke, darin liegt eine Sehnsucht, die wir alle in uns tragen. Doch in der modernen Welt schaffen wir es nicht mehr, das, was wir wirklich zum Leben brauchen, von dem zu unterscheiden, was wir einfach nur oberflächlich begehren. Je mehr wir uns mit dem Schreiben des Drehbuchs beschäftigten, desto tiefgründiger und zugleich radikaler wurde Mansers Story: Plötzlich hatten wir ein Stück Menschheitsgeschichte vor uns. Wir verstanden, warum die Penan als Volk für Manser so wichtig waren: Als eine der letzten verbliebenen Urwaldnomaden erinnern sie uns daran, wer wir waren, bevor der Mensch sesshaft wurde und begann, Besitztümer anzusammeln. Es war der Zeitpunkt, an dem wir uns selbst aus dem Paradies vertrieben.

Da die Penan bis heute um ihre Landrechte kämpfen, ihre Geschichte also noch nicht abgeschlossen ist, schien es mir nur folgerichtig, den Film mit realen Penan zu besetzen. Diese Männer und Frauen hatten jedoch keine Ahnung, worum es bei der Schauspielerei oder beim Filmemachen geht, und sie sprechen eine Sprache, die nur sie selber verstehen. Für das Casting bin ich drei Monate durch abgelegene Dschungel-Gebiete gereist und habe mit über 400 Penan Probeaufnahmen gemacht.Da der Name Manser in Malaysia bis heute ein Tabu ist, mussten wir das Vertrauen der Penan gewinnen und sie überzeugen, mit uns ins indonesische Kalimantan zu reisen, wo sie monatelang bei uns lebten und von ihren Familien getrennt waren. Genauso schwierig war es, die Holzfirmen, welche die Drehorte kontrollierten, von unserem Projekt zu überzeugen und im Urwald eine Infrastruktur zu errichten, welche den Anforderungen einer Filmproduktion genügt.Es war mein Bestreben, einen Film zu machen, der sowohl zeitgenössisch wie auch klassisch wirkt: Traditionell in seiner Erzählweise und dennoch modern in der Art, wie er dem Zuschauer Denkansätze liefert und ihn zu einer Auseinandersetzung zwingt. Für die visuelle Gestaltung liess ich mich von der Romantik inspirieren, von epischen Landschaftsbildern und einer gefühlsbetonten Musik. Manser war im Herzen ein Romantiker und ich hoffe, dass der Film einen Teil seiner Seele widerspiegelt.           Niklaus Hilber
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Donnerstag 08.10.2020
ASTRONAUT
Ab 15. Oktober 2020 im Kino
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Sein ganzes Leben lang hat der pensionierte Straßenbauingenieur Angus Stewart (Richard Dreyfuss) davon geträumt, als Astronaut ins All zu fliegen. Nun, mit 75 Jahren, rückt die Erfüllung seiner Sehnsucht plötzlich noch einmal in greifbare Nähe: Im ersten kommerziellen Weltraumflug   des visionären Selfmade-Milliardärs Marcus Brown (Colm Feore) soll ein Freiflugticket über einen  nationalen Wettbewerb vergeben werden. Angus, weit über der Altersgrenze, manipuliert sein Geburtsdatum und nimmt am Wettbewerb teil. Gegen jede Chance kämpft er gegen Vorurteile, seine   eigene schwindende Gesundheit, seine Familie und gegen die Zeit, um das Ticket zu gewinnen und   die Reise seiner Träume anzutreten.

Ein Film von Shelagh McLeod
Mit Richard Dreyfuss, Lyric Bent, Krista Bridges, Colm Feore, Richie Lawrence, Graham Green u.a.

Astronaut werden – das war schon immer Angus großer Traum. Doch nun, mit 75 Jahren, schwindender Gesundheit und im Ruhestand nach einer langen Karriere als Straßenbauingenieur,  hat er seinen Wunsch längst begraben. Seit dem Tod seiner Frau lebt er bei seiner Tochter Molly. Er  verbringt seine Tage damit, seinem schroffen Schwiegersohn Jim aus dem Weg zu gehen und seinem geliebten Enkel Barney unter die Arme zu greifen. Doch dann erscheint eines Nachts ein atemberaubender Komet am Himmel.  
Zur gleichen Zeit kündigt der unkonventionelle Milliardär Marcus Brown einen nationalen Wettbewerb mit Verlosung an. Der Gewinn: ein Freiflugticket für einen Trip ins Weltall! Unter den Teilnehmern sollen für die Vorausscheidung zwölf Kandidaten ausgelost und in Fernsehinterviews vorgestellt werden. Derjenige, der die meisten Stimmen des Publikums bekommt, wird das Goldene  Ticket gewinnen. Barney will unbedingt, dass sein Großvater Angus teilnimmt. Doch Angus weiß, dass seine Tage gezählt sind, und hört nicht auf seinen Enkel.  
Dann erleidet Angus einen kleinen Schlaganfall, was Molly zutiefst verstört. Um seiner Familie nicht zur Last zu fallen, willigt Angus zu Jims Erleichterung ein, in ein Pflegeheim zu ziehen. Zwar ist das der allerletzte Ort, an dem Angus sein will, doch dann schließt er eine ungewöhnliche Freundschaft mit dem durch einen Schlaganfall fast vollständig gelähmten Len. Kurz vor Ablauf des Wettbewerbs rafft sich Angus in letzter Minute doch dazu auf, seine Chance wahrzunehmen. Er  schwindelt sich etwas jünger und wird zur Verlosung zugelassen. Und tatsächlich – sei es Zufall oder Schicksal, wird Angus als einer von zwölf Kandidaten ausgelost. Als sein Schwiegersohn Jim eine Kündigung erhält und seinen Job als Bankmanager aufgeben muss, entwickelt sich zwischen den beiden Männern unerwartet Solidarität. Auch sein Enkel Barney und Angus’ Mitbewohner im Heim verbünden sich, um ihm bei der Vorbereitung für das Fernsehinterview zu helfen.
Als Angus im Raumfahrtzentrum ankommt, entdeckt er auf der Startbahn des Raumflugzeugs Risse,  die ihn beunruhigen. In seinem vergeblichen Versuch, darauf hinzuweisen, wird er immer aufgeregter. Als er schließlich vor der Kamera sitzt, verliert er im Interview die Nerven. Er erleidet während der Sendung einen weiteren Anfall, wird ohnmächtig und im Anschluss disqualifiziert.
Am Boden zerstört über das Scheitern seines Traums, kehrt er in das Pflegeheim zurück. Der Countdown für den Start des Raumflugzeugs läuft. Angus ist sich mit seinem Wissen als  Straßenbauingenieur sicher, dass bei der Konstruktion der Startbahn aus Zeitnot ein wichtiger Schritt ausgelassen wurde. Verzweifelt versucht er eine mögliche Tragödie zu verhindern und fleht Marcus an, ihm zuzuhören: „Die Startbahn ist nicht sicher!“ Doch Marcus bleibt stur – es steht zu viel auf dem Spiel. Seit über 20 Jahren arbeitet er an der Verwirklichung seines Projektes, kommerzielle Weltraumflüge anzubieten. Nun, kurz vor dem Erreichen seines Ziels kann der Start doch nicht wegen des Geredes eines alten Mannes verzögert werden. Doch eine Erschütterung auf der Startbahn bringt Marcus dazu, Angus  und seine Familie aufzusuchen. Demütig und bescheiden   geworden, gesteht er ein, dass Angus Recht hatte. Wie von Angus vorhergesagt, ist der Kalkstein unter der Deckschicht der Startbahn erodiert. Angus fühlt sich endlich wertgeschätzt und willigt ein, bei einer Suche nach der Lösung zu helfen. Es ist Starttag. Die aufgeregten Astronauten sind kurz davor, das Raumflugzeug zu besteigen. Marcus führt sie an. Neben ihm steht, stolz und triumphierend, Angus. Marcus’ Mitarbeiterin hat Angus ihren Platz überlassen. Angus’ Traum steht kurz vor seiner Erfüllung.  


DIE REGISSEURIN UND DREHBUCHAUTORIN ÜBER IHREN FILM

Die demographischen Statistiken zeigen, dass die Anzahl älterer Menschen in unserer Epoche so hoch ist wie  nie zuvor in der Geschichte. Dennoch werden Senioren viel zu oft vergessen, herabgewürdigt, angewiesen, „still zu halten“. Doch die Erfahrungen, die ich in den sich über Monate erstreckenden Besuchen bei meiner Mutter im Pflegeheim gemacht habe, haben meine Haltung grundlegend verändert. Nicht nur, weil mir bewusst war, dass ich meine Mutter verlieren würde. Mit anzusehen, wie sich meine Mutter, eine lebenslang unabhängige Frau, in eine zerbrechliche, ängstliche und missachtete alte Dame verwandelte, brach mir schier das Herz. Im Garten des Pflegeheims traf ich auf einen älteren Mann. Er saß in seinem Rollstuhl und  starrte stundenlang in den Himmel. Eines Tages fragte ich ihn „Was genau suchen Sie dort oben...?“ „Einen neuen Anfang...“, sagte er. Diese Unterhaltung war der Ursprung von ASTRONAUT. Angus  hat noch die gleichen Hoffnungen und Wünsche wie ein Teenager. Mit einem einzigen Unterschied:  sein Körper lässt ihn im Stich. Und um das Goldene Ticket für einen Trip in den Weltraum zu gewinnen, braucht er ein bisschen Unterstützung.  
Alte Menschen lassen sich nicht „still halten“, sie wollen gehört werden. Doch sie sind von der Gesellschaft zu Außenseitern gemacht worden, man hört ihnen nicht zu. Viele Charaktere in meiner Geschichte sind in der Position von Underdogs. Es sind Menschen, die sich gegen ihre ungerechte Entlassung wehren, oder ihre Stimme zur Geltung bringen in einer Gesellschaft, die nicht zuhören will – oder einfach wertgeschätzt werden wollen.  
Die Kabbeleien zwischen dem alten Mann, seinem Enkel, und seinem Schwiegersohn im Prozess  des Zusammenraufens erleichtern ihnen die Überwindung der Schwierigkeiten und verleihen auch der Handlung mehr Leichtigkeit. Es war mir wichtig, den Aspekt der „Ungezogenheit“ von alten und gebrechlichen Menschen hervorzuheben. Verzweiflung erzeugt Mitgefühl für die Not älteren Menschen. Unser größter Wunsch ist es, dass diese Geschichte das Gefühl von Hoffnung vermittelt und jeder Familie eine gute Botschaft mitgibt: wenn wir uns gegenseitig helfen, können wir alle, ungeachtet unseres Alters, unsere vermeintlich unmöglichen Träume wahr werden lassen, wir können, im konkreten wie im übertragenen Sinne, unsere ureigene Reise zu den Sternen antreten.  ASTRONAUT erzählt eine sehr persönliche Geschichte. Es ist zugleich eine zeitgemäße Geschichte, von der ich hoffe, dass sie beim Publikum als universell erkannt wird. Denn wir befinden uns alle auf einem Weg ohne Wiederkehr  –  und wäre es nicht großartig, wenn wir, in unseren düstersten Momenten, vielleicht sogar am Ende unseres Lebens, die Reise unserer Träume machen und einen neuen Anlauf nehmen könnten?
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Mittwoch 30.09.2020
MILLA MEETS MOSES
Ab 08. Oktober 2020 im Kino
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Milla (Eliza Scanlen) trifft Moses (Toby Wallace) - vielmehr wird sie bei der ersten Begegnung buchstäblichvon ihm umgehauen. Obwohl Moses sich als Herumtreiber und Gelegenheitsdealer  entpuppt, nimmt sie ihn mit zu sich nach Hause, um ihn  ihren  Eltern vorzustellen. Anna (Essie   Davis) und Henry (Ben Mendelsohn) - eine ehemalige Konzertpianistin und ein ziemlich entspannter Psychiater - sind alles andere als begeistert von Millas neuem Freund. Doch Millas Lebensfreude und ihre Sehnsucht, die Liebe und die Welt zu entdecken, stellen die Familie auf den Kopf. Als die Eltern  merken, dass Moses ihrer kranken Tochter sichtlich guttut, nehmen sie ihn trotz ihrer Bedenken bei sich auf und werden dabei mit ihren eigenen Schwächen konfrontiert.


Ein Film von SHANNON MURPHY
Mit ELIZA SCANLEN, TOBY  WALLACE, ESSIE DAVIS, BEN MENDELSOHN

Voller Energie und ansteckender Lebenslust ist Shannon Murphy mit MILLA MEETS MOSES nicht nur ein hervorragendes Debüt gelungen, sondern auch ein sehr heller und sehr komischer Film. Vater, Mutter, Milla und Moses suchen nach ihren eigenen Wegen, mit Millas Krankheit umzugehen. Dass sie dabei auch immer wieder nachvollziehbar scheitern dürfen, zeichnet Shannon Murphy als große Humanistin aus. Zärtlich und einfühlsam beobachtet sie, wie diese seltsam neurotische Familie langsam zusammenkommt und gemeinsam Trost findet.
MILLA MEETS MOSES (Original Titel: „Babyteeth“), dessen Drehbuch auf dem gleichnamigen Theaterstück von Rita Kalnejais basiert, feierte seine Weltpremiere im Wettbewerb bei den Filmfestspielen in Venedig im Rennen um den Goldenen Löwen.
Toby Wallace wurde dort für seine Darstellung des Moses mit dem Preis für den Besten Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. Ein Preis, den man aber auch ohne weiteres der genialen Eliza Scanlen („Little Women“) hätte verleihen können, so intensiv und gewagt ist ihre Verkörperung der aufmüpfigen Krebspatientin. Auch diese Performance macht MILLA MEETS MOSES sicherlich zu  einem der außergewöhnlichsten und berührendsten Filmdebüts der letzten Jahre.
Als Millas Eltern brillieren Ben Mendelsohn („Star Wars: Rogue One“, „The Outsider““) und Essie  Davis („DerBabadook“). Die australische Regisseurin Shannon Murphy zählt zu der renommierten Variety-Liste der „10 Directors to Watch“ im Jahr 2020.

„Eliza Scanlen ist sensationell.“ IndieWire
„Ein fesselndes Regiedebüt.“ Variety
„Mit einer umwerfenden Farbauswahl, einem schrägen Witz und einem wilden Sinn für Unfug war dies die frischeste Entdeckung.“ The Guardian
„MILLA MEETS MOSES ist eher eine Bombe voller Leben, die einschlägt mit der größtmöglichen Wucht... Es geht um Menschen und deren Umgang miteinander und dieser ist in diesem Film von solch ehrlicher und herzlicher Natur, dass einem manchmal der Mund offen steht, vor allem wenn Milla einfach ohne Rücksicht auf Verluste ihr Leben lebt...Das Ergebnis ist brillant und so ehrlich, dass es einem das Herz zerreißt. Und das ist gut so.“ kino-zeit.de


STATEMENTDER REGISSEURIN SHANNON MURPHY
„Mir ging es bei MILLA MEETS MOSES darum, eine Filmsprache zu finden, die genau den emotionalen und ehrfurchtslosen Ton von Rita Kalnejais’ messerscharfem Skript trifft. Mich hat die  Herausforderung gereizt, den Humor und den Schmerz in jeder Einstellung neu auszutarieren. Dabei konnte es keine halben Sachen geben - unsere Protagonistin, die 15jährige Milla, musste authentisch sein, um glaubhaft darzustellen, wie es ist, sich so lebendig zu fühlen wie nie zuvor, aber dann ganz abrupt auf ihre eigene Sterblichkeit gestoßen zu werden. Zur Sprache des Films  gehört es, die Illusion der Filmerzählung an vielen Stellen zu durchbrechen, sei es durch Text, Musik oder das Wegnehmen der „vierten Wand“, die den Zuschauer vom Geschehen trennt. Auf diese Weise erleben wir mit, wie Millas Geschichte immer mehr Tempo aufnimmt.
Milla verliebt sich in Moses - für sie bietet er die beste Möglichkeit, ihre Grenzen auszutesten und diese auch zu verschieben. Dabei dringen wir auch tiefer in das Leben von Millas Eltern ein und  erleben die Spannungen und die Dysfunktionaltät einer Familie, die sich der Realität stellen muss. Ich  hoffe, dass die Zuschauer mit MILLA MEETS  MOSES eine intensive, tiefgehende Erfahrung machen, nach der sie besser verstehen, wie sie ihre eigenen Beziehungen gestalten wollen und was sie von diesen erwarten.“
Shannon Murphy
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Mittwoch 23.09.2020
ENFANT TERRIBLE
Ab 01. Oktober 2020 im Kino
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Als der 22-jährige Rainer Werner Fassbinder 1967 die Bühne des Antiteaters in München stürmt und kurzerhand die Inszenierung an sich reißt, ahnt niemand der Anwesenden, dass dieser dreiste Typ einmal der bedeutendste Filmemacher Deutschlands werden wird. Schnell schart der einnehmende wie fordernde Mann zahlreiche Schauspielerinnen, Selbstdarsteller und Liebhaber um sich. Er dreht einen Film nach dem nächsten, die auf den Festivals in Berlin und Cannes für Furore sorgen. Der junge Regisseur polarisiert: beruflich wie privat. Aber die Arbeitswut, die körperliche Selbstausbeutung aller Beteiligten und der ungebremste Drogenkonsum fordern bald ihre ersten Opfer.

Ein Film von Oskar Roehler
Mit Oliver Masucci, Hary Prinz, Katja Riemann u.a.


ENFANT TERRIBLE ist eine große Verbeugung des Regisseurs Oskar Roehler (ELEMENTARTEILCHEN, DIE UNBERÜHRBARE) vor der Filmikone Rainer Werner Fassbinder. Mit einer kunstvollen Farb-und Lichtdramaturgie und außergewöhnlichen Kulissen nähert sich Roehler dem Fassbinderschen Universum und verschmilzt mit ihm. Episodenhaft erzählt er aus dem Leben des Künstlers und zeigt dabei dessen ganze Bandbreite: vom genialen Regisseur über den verzweifelt nach Liebe Suchenden bis hin zum unerbittlichen Schikaneur. Dabei kann er sich voll und ganz auf seinen charismatischen Hauptdarsteller verlassen: Oliver Masucci spielt den berühmten Filmemacher nicht nur, er wird eins mit Rainer Werner Fassbinder.
ENFANT TERRIBLE wurde produziert von Bavaria Filmproduktion in Koproduktion mit X Filme Creative Pool, WDR, BR und Arte und wurde gefördert durch Film-und Medienstiftung NRW, Deutscher Filmförderfonds, Film Fernseh Fonds Bayern und Medienboard Berlin-Brandenburg.



DIRECTOR’S NOTE

Wenn sich jemand über die biederen Grenzen des deutschen Erzählkinos hinweg gesetzt hat, dann Fassbinder. Das lässt ihn einzigartig scharf und schillernd dastehen. Mir ging es wie Klaus Richter: den ersten Film, den ich sah, ich war damals 12 und es gab ein „Heimkino“ im Internat, in das etwa 20 Leute passten, war „Händler der vier Jahreszeiten“. Dieser Film hat sich wie ein Geschoss in das Herz des Zwölfjährigen gebohrt. Fortan saß und wartete er, wann der nächste Fassbinder käme. Und er kam bald. Nahezu im Halbjahresrhythmus kamen neue, kleine, teils bizarre, teils tiefenscharfe Filme heraus, die ihren Zerrspiegel auf die Gesellschaft richteten, die kleinbürgerliche, erzreaktionäre, deutsche der frühen Siebzigerjahre, die der 12-, 13-,14-Jährige dann mitnehmen konnte, tief beeindruckt von der Wirkung, die sie in ihm hinterlassen hatten.
Es war eine deutsche Wirklichkeit, die er bisher nicht kannte und über die er bisher nicht nachgedacht hatte. Fassbinders Filme gaben ihm das Werkzeug und die Mittel anheim, dies zu tun. Was zur Folge hatte, dass er selbst früh mit seinen ersten Versuchen zu schreiben anfing. Diese Filme waren ein großer Segen innerhalb der Filmwüste Deutschlands. Und als der 19-Jährige dann nach Berlin ging, auf den Spuren der Einstürzenden Neubauten und eben jenes legendären Fassbinders, der damals immer noch fast ein Berufsjugendlicher war, er war Mitte dreißig, da suchte er schon bald die Orte auf, in der er in der Nähe seines Idols und dessen Stars sein konnte, Ingrid Caven, Kurt Raab, Volker Spengler und wie sie alle hießen, die sich schwer betrunken in der Paris-Bar und im Bermuda-Dreieck rund um den Savignyplatz herumtrieben und dort ihre ausschweifenden Partys feierten, und „drückte seine Nase an die Scheiben“, weil er sich anfangs erst nicht hinein traute. Später lernte er einige von ihnen kennen und hatte selbst die Ehre mit ihnen zu drehen.
Was Fassbinder und seine Truppe so berühmt und berüchtigt machte, war die Tatsache, dass sie es tatsächlich geschafft hatten, mit ihrem giftigen Cocktail unterschiedlichster Filme die kulturelle Landschaft total aufzumischen und ihnen schon der internationale Ruhm dämmerte. Es war eine schwule Truppe von Hasardeuren, Mimen und Teilzeitschauspielern, die dies erreichten, ein bunter Haufen, der überall her kam, aus der tiefsten bayrischen Provinz bis hoch zu den Altstars der UFA. Der Zampano von ihnen, der junge Fassbinder, der sich zum Schluss nur noch mit Spiegelglassonnenbrille und ganz in Leder zeigte und keine Miene mehr verzog, immer zwei Bodyguards, ebenfalls ganz in Leder, um ihn herum, war zu der Zeit der einzige Rockstar im deutschen Kino und ist es bis jetzt geblieben.
Er durfte Hotelzimmer in Cannes verwüsten, Stars ernennen und andere fallen lassen und durfte am Ende auch sein eigenes Leben zerstören, während die anderen ihm dabei zusahen. Er brachte die Exzentrik und das Freiheitsgefühl der schwulen Avantgarde ins deutsche Kino und in den deutschen Kulturbetrieb, indem er auch bei den vielen Filmen, die mit dieser Thematik nichts zu tun hatten, die Form versinnlichte, ästhetisierte und gleichzeitig aktualisierte. Die Themen waren immer neu und aus der Gegenwart bei den richtig guten Filmen. Einzigartig war sein Melodram „In einem Jahr mit dreizehn Monden“, das mit poetischen und theatralischen Mitteln spielte und sie in die Höhe trieb. Fassbinder kam ursprünglich vom Theater, und das merkte man. Er erzählte, ähnlich streng wie Brecht, gesellschaftliche Parabeln. Mutter Küster ist nur ein Beispiel dafür. Fassbinder hatte eben jenen Rock and Roll im Blut, den man nicht kaufen kann. Er machte sie alle berühmt. Und Ruhm, das war auch wichtig. Sich von den Außenseiterpositionen her durch Genialität Ruhm zu erobern und in die Schlüsselposition der internationalen cineastischen Aufmerksamkeit zu kommen. Andy Warhol, Jane Fonda, Dirk Bogarde. Er schielte immer weiter nach Höherem, dabei wurden seine Filme immer hermetischer und verrückter, und er selbst immer kaputter.
Er hatte so viel abzuarbeiten an sich, an der deutschen Gesellschaft, dass ein Leben, so stark auch immer, einfach nicht ausreichen konnte. Der große Zirkus, das Rampenlicht, die Drogen, die Legenden, die er schuf, haben ihn schließlich verschlungen.Für mich war er ein Komet am nachtschwarzen Berliner Himmel, eine grelle Neonreklame, die im Wind flatterte, ein Monolith, der bunte Farben erfand, um sich in Szene zu setzen, der aber eigentlich aus dem kalten, grauen Urgestein der deutschen Nachkriegsgesellschaft gemacht war. Mit all den düsteren Gedanken, dem Pessimismus, den Selbstzweifeln, die dazu gehörten.
Jeder kaputte Held seiner Geschichten, der an sich selbst zugrunde ging, war ein Teil von ihm selbst. Und mit jedem von ihnen starb er selbst ein Stück. Am Ende ist er zu Kreuze gekrochen, wie richtige Rock and Roller dies tun, ausgebrannt und sein Leben in Scherben und ungeheuer einsam. Er hat Freundschaften im Feuerofen seiner Produktivität verbrennen lassen und ist weitergezogen. „Leichen pflasterten“ seinen Weg. 39 Filme haben wir ihm zu verdanken. Es war alles dabei: vom atemberaubenden Melodram über herrliche böse schwarze Komödien bis hin zu den großen Gesellschaftsdramen. Jeder Film war anders, fast jeder Film eine Überraschung. Unfehlbar war er nicht. Perfekte Filme zumachen war nicht sein Anspruch. Dazu war er zu impulsiv, letztlich zu emotional. Er musste Leben vorlegen, um diese lebensnahen Filme zu machen. Das war die Krux. Er hatte keinen Rückzugsort, wohin er sich hätte verkriechen können, wie die anderen. Kunst und Leben waren vollkommen ineinander verflochten. Er war ein sehr junger Mann mit einer großen Weisheit und einer ebenso großen Komik. Er war der Einzigartige, der Prägende unter den deutschen Filmregisseuren und Autoren. Alles für die Kunst und leben, als gäbe es kein Morgen. Nach dieser Devise leben heißt, nicht alt zu werden. Fassbinder blieb es erspart, als Veteran vor sich hinzudümpeln, sich nur noch zu wiederholen und langweiliges Zeug zu machen. Er starb auf dem Höhepunkt seines schöpferischen Ruhms, im Alter von 37 Jahren.
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Donnerstag 17.09.2020
PELIKANBLUT – AUS LIEBE ZU MEINER TOCHTER
Ab 24. September 2020 im Kino
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Wiebke (Nina Hoss) betreibt nicht nur einen eigenen Reiterhof, auf dem unter anderem Polizeipferde trainiert werden, sondern adoptierte mit Nicolina (Adelia-Constance Ocleppo) auch schon einmal ein osteuropäisches Mädchen – mit Erfolg. Ihr neuer Schützling, die fünfjährige Raya (Katerina Lipovska), macht es ihr da nicht ganz so einfach. Sie beschmiert das Bad mit Fäkalien, spießt tote Tiere auf und zwingt schwächere Kinder zu „Doktorspielen“. Und während selbst die Neurologen glauben, dass eine Besserung nur noch in einer spezialisierten Einrichtung erfolgen kann, will Wiebke nicht aufgeben – und greift zu immer extremeren Methoden.

Ein Film von Katrin Gebbe
Mit Nina Hoss, Adelina-Constance Ocleppo, Murathan Muslu u.a.

Schon in ihrem Debüt „Tore tanzt“ beschäftigte sich Katrin Gebbe mit Extremen und auch im Nachfolger „Pelikanblut“ lässt sie ihre von Nina Hoss gespielte Protagonistin ähnliche Grenzerfahrungen machen, die sich zwischen Besessenheit, religiösem Wahn und blanker Sturheit bewegen. Ein gleichsam unangenehm wie faszinierendes Erlebnis.
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Donnerstag 10.09.2020
ÜBER DIE UNENDLICHKEIT
Ab 17. September 2020 im Kino
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Mit seinem neuen Film ÜBER DIE UNENDLICHKEIT fügt der vielfach ausgezeichnete Regisseur Roy Andersson seinem Werk ein neues Meisterwerk hinzu, ein filmisches Nachdenken über das menschliche Leben in all seiner Schönheit und Grausamkeit, seiner Pracht und seiner Einfachheit.
In ÜBER DIE UNENDLICHKEIT nimmt uns eine unverzagte Erzählerin an die Hand und lässt uns traumgleich umherschweifen. Scheinbar nichtige Augenblicke verdichten sich zu intensiven Zeit-Bildern und stehen auf Augenhöhe mit historischen Ereignissen: Ein Liebespaar schwebt über das vom Krieg zerfressene Köln; auf dem Weg zu einem Kindergeburtstag muss ein Vater mitten in einem Wolkenbruch seiner Tochter die Schuhe binden; junge Mädchen beginnen einen Tanz vor einem Café und eine geschlagene Armee marschiert mutlos zu einem Gefangenenlager.
ÜBER DIE UNENDLICHKEIT ist sowohl Ode als auch Klage, ein Kaleidoskop all dessen, was ewig menschlich ist, eine unendliche Geschichte über die Verletzlichkeit unserer Existenz.

Ein Film von Roy Andersson
Mit Martin Serner, Jessica Lothander, Tatjana Delaunay, Anders Hellström u.a.


„Wie wunderschön! Roys Filme gehören der Ewigkeit an.“
Carlos Reygadas

„Roy Andersson schenkt uns wieder einen unendlichen  künstlerischen Genuss.“
Alejandro Iñárritu

„Die melancholische Farce einer flüchtigen Schönheit.“
Paweł Pawlikowski



DER REGISSEUR

Roy Andersson wurde 1943 im schwedischen Gothenburg geboren. 1969 machte er seinen Abschluss an der Hochschule des Schwedischen Filminstituts. Im folgenden Jahr gewann sein erster  Spielfilm, EINE SCHWEDISCHE LIEBESGESCHICHTE, vier Preise auf der Berlinale. Nach GILIAP, seinem zweiten Spielfilm, nahm sich Andersson eine größere Auszeit vom Filmemachen und wurde erfolgreicher Werbefilmer.  
Seine Werbekarriere ermöglichte Andersson, 1981 sein Studio 24 in Stockholm zu gründen, was ihm viel Freiheit für die Filmproduktion und die Entwicklung eines einzigartigen Stils erlaubte.  2000 startete er seine preisgekrönte Trilogie mit SONGS FROM THE SECOND FLOOR, gefolgt von DAS JÜNGSTE GEWITTER (2007). Mit dem dritten Teil, dem Film EINE TAUBE SITZT AUF EINEM ZWEIG UND DENKT ÜBER DAS LEBEN NACH, gewann Andersson 2014 den Goldenen Löwen für den Besten Film bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig.
Filmografie (Auswahl)
2019    ÜBER DIE UNENDLICHKEIT
2014    EINE TAUBE SITZT AUF EINEM ZWEIG UND DENKT ÜBER DAS LEBEN NACH
2007    DAS JÜNGSTE GEWITTER
2000    SONGS FROM THE SECOND FLOOR
1975    GILIAP
1970    EINE SCHWEDISCHE LIEBESGESCHICHTE


INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR ROY ANDERSSON

Einige Themen in ÜBER DIE UNENDLICHKEIT kennt man aus Ihren vorherigen Filmen: Optimismus, aber auch Krieg und Verzweiflung, die Abwesenheit von Gott. Würden Sie sagen, es gibt immer eine Balance zwischen Hoffnung und Verzweiflung?
Das Hauptthema ist die Verletzlichkeit des Menschen. Ich denke, es ist ein hoffnungsvoller Akt, wenn man etwas schafft, das Verletzlichkeit zeigt. Denn wenn man sich der Verletzlichkeit des Menschen bewusst bist, wird man respektvoller und geht sorgfältiger mit dem um, was man hat. Ich möchte die Schönheit des Lebens betonen. Um das zu zeigen, muss man natürlich einen Gegensatz schaffen. Man muss die schlechten und grausamen Seiten des Lebens zeigen.
Betrachtet man zum Beispiel die Kunstgeschichte, sind viele Bilder von einer gewissen Tragik gezeichnet. Aber selbst wenn sie grausame und traurige Szenen des Lebens zeigen, haben die Künstler in gewisser Weise eine Energie übertragen und damit auch Hoffnung erzeugt.

Für jeden Ihrer Filme haben Sie sich von bildender Kunst inspirieren lassen. Woher kommt die Inspiration für ÜBER DIE UNENDLICHKEIT?
Ich interessiere mich für die Künstler der Neuen Sachlichkeit wegen der Strenge ihrer Bilder. Meiner Meinung nach sind sie außergewöhnlich deutlich und detailliert: Alles ist im Fokus, alles ist sehr klar und deutlich. Diese Tiefenschärfe findet man kaum im Film: Der Hintergrund ist immer außerhalb des Fokus. Deswegen finde ich diese Bilder sehr inspirierend für meine Szenen: Alles ist im Fokus, sogar die grotesken Momente im Leben. Ich bin oft sehr eifersüchtig auf die Bilder in der Kunst, weil ich das Gefühl habe, dass Filme nicht dieselbe Qualität erreichen können wie die Kunst. Ich möchte wirklich Filme machen, die so ergiebig sein können wie Bilder.

Gibt es ein bestimmtes Bild, dass Sie zu Ihrem Film inspiriert hat?
Mir gefällt sehr „Das Bildnis der Journalistin Sylvia von Harden“ von Otto Dix.

Die Neue Sachlichkeit existierte in den 1920er Jahren kurz vor der Apokalypse des 2. Weltkriegs. Würden Sie sagen, dass ÜBER DIE UNENDLICHKEIT INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR ROY ANDERSSONauch vor einer Apokalypse an den Start geht?
Ich hoffe nicht. Es wäre sehr pessimistisch zu glauben, dass wir in so einem Moment leben. Ich denke nicht, dass Otto Dix an eine heraufkommende Apokalypse geglaubt hat. Aber er warnte uns vor der Möglichkeit. Jedes seiner Bilder kann als Warnung verstanden werden. Das gilt auch für die alten Meister, die unser Leben darstellten, uns aber auch vor dessen Kürze warnten: „Lasst uns daran erinnern, dass das Leben nicht unendlich ist. Und ihr müsst dankbar für die Zeit sein, die euch bleibt.“

Sie erwähnen auch die Architektur als eine Ihrer Inspirationsquellen. Der schwedische Funktionalismus der 1950er Jahre ist ein ästhetisches Element Ihrer  Filme.  Wo  sehen  Sie  die  Verbindung  zwischen  Funktionalismus  und  Ihrem Film ÜBER DIE UNENDLICHKEIT?
Ich hatte den Ehrgeiz, das Leben mit all seinen Aspekten zu zeigen. Das schließt Funktionalismus und Modernismus mit ein. Es geht um eine Mischung der vielfältigen Möglichkeiten, warum man wie Häuser baut und welche Gesellschaften man gründet. Ich wollte keinen einfachen Stil entwickeln. Vielmehr wollte ich unsere Zeit zeigen.

Sie haben gesagt, dass die Präsenz einer Erzählerin im Film durch Scheherazade aus „Tausendundeine Nacht“ inspiriert war. Haben Sie deshalb eine Frau als Geschichtenerzählerin ausgewählt?
Ja, das war die Entscheidung. Ich war unschlüssig. Zuerst habe ich es mit einem Mann versucht, und sogar mit mir selbst, aber schließlich fand ich es interessanter, eine Frau zu nehmen. Sie ist eine Fee, sehr clever, vielleicht so-gar unsterblich. Das ist das erste Mal, dass ich eine Erzählerstimme im Film verwende. Das ist ist neu für mich. Ich war von der Stimme in HIROSHIMA, MON AMOUR beeinflusst. In bestimmten Szenen beschreibt die Hauptfigur, was der Zuschauer auf der Leinwand zur selben Zeit sieht. Das mochte ich sehr.

Ihre Filme beinhalten immer historische Szenen. Warum sind die so wichtig für Sie?
Ich habe mich schon immer für Geschichte interessiert. Das war mein Hauptfach an der Universität: Ich habe die Geschichte der Literatur, der Philosophie und der Nordischen Sprachen studiert. Mich haben besonders die beiden Weltkriege interessiert. Zum Beispiel war ich von den Fotos der Schauplätze im Ersten Weltkrieg fasziniert, die ich als Teenager gesehen hatte.

Im Film zeigen die Kriegsszenen die Verlierer. Warum?
Ja, Gewinner sind nicht so interessant. In gewissem Sinne sind wir alle Verlierer. Es ist wichtig einzusehen, dass keiner von uns am Ende der Gewinner ist. Ich bin kein Pessimist, aber es ist eine Tatsache, dass es keine Hoffnung gibt. Das Leben ist eine Tragödie. Ich bin nicht die erste Person, die das sagt.

Ging es um Hochmut, der unter anderem von König Karl XII. oder Adolf Hitler in Ihren Filmen dargestellt wird?
Ja, in manchen Lebensabschnitten, besonders wenn du jung bist, machst du Erfahrungen mit Überheblichkeit. Du denkst, du bist unverwundbar, unbesiegbar. Das ist sehr charakteristisch für junge und starke Menschen. Ich habe das auch selbst erlebt, als ich ungefähr 25 Jahre alt war und den Film EINE SCHWEDISCHE LIEBESGESCHICHTE gedreht habe. Das war meine Hochmut-Phase, als ich dachte, ich könnte immer der Gewinner sein, und würde nie verlieren, wenn ich immer kämpfe und hart genug arbeite.

Was verkörpert für Sie die Jugend?
Sie ist die meiste Zeit sehr schön. Ich betrachte gerne Kinder, weil sie nur so vor Ideen sprühen, voller Hoffnung sind und vor Vitalität strotzen. Das ist schön anzusehen. Solange du jung bist, behältst du die Hoffnung, aber dann verlierst du sie Schritt für Schritt, wenn du älter wirst.Zum Beispiel mag ich sehr gern die Szene, in der Vater und Tochter im Re-gen auf ihrem Weg zu einer Geburtstagsparty sind. Der Vater opfert seinen Regenschirm – ein Akt der Selbstlosigkeit – während die Tochter nur die Schuhe zugebunden haben möchte. Das ist so schön anzusehen. Auch in der Szene mit den tanzenden Mädchen, denke ich, ist es wunderschön, die Vitalität dieser jungen Menschen zu sehen, die so glücklich sind, einfach weil sie existieren. Sie lieben es zu tanzen, und deshalb tun sie es. Ihre Energie hat etwas sehr Ansteckendes.

Sie haben einen sehr besonderen Humor. Was finden Sie lustig?
Ich denke, die Wahrheit ist oft sehr lustig. Als ich meine Karriere begann, war ich von Milo¨ Forman, Jiří Menzel und anderen tschechischen Filmemachern inspiriert. Sie haben uns das Leben in einem sehr humorvollen Tonfall erzählt. Sie zeigten oft Menschen, die ein bisschen verloren waren. Keine Loser, aber ein bisschen verloren. Ich mag solche Filme mit dieser Art von Humor sehr: kleine, aber sehr lustige Geschichten. Viele Filmemacher versuchen den Alltagshumor einzufangen, aber man kann leicht dabei scheitern. Ich scheitere auch oft, aber ich gebe nicht auf.

Haben Sie alles in Ihrem Studio gedreht?
Ja, abgesehen von einer Außenaufnahme. Das ist die Szene, in der die deutsche Armee marschiert. Die haben wir in Norwegen gedreht.

Was  waren  aus  einer  technischen  Perspektive  betrachtet  die  herausforderndsten Szenen des Films?
Das war die Szene mit dem fliegenden Paar. Neben dem Bau des Modells von Köln brauchten wir auch für das Setting sehr lange. Der Maßstab ist vielleicht 1:200. Der Kölner Dom zum Beispiel ist einen halben Meter hoch. Die ganze Stadt ist ein riesiges Set. Wir haben einen Monat dafür gebraucht.

Was bedeutet Ihnen diese Szene?
Es ist eine schreckliche Erinnerung an die Geschichte: Eine schöne Stadt wur-de bombardiert und zerstört. Abgesehen davon wollte ich auch zeigen, dass das Leben weitergeht. Liebe, Zärtlichkeit, Sinnlichkeit bleiben. Es war wichtig, diese beiden Seiten des Lebens über einer zerstörten Stadt zu zeigen.

Obwohl  Sie  diese  historischen  Szenen  haben,  gibt  es  in  Ihren  Filmen  eine  Zeitlosigkeit, und hier im Film ist sie sogar im Titel verankert.
Ja, ich wollte diese Szenen, die mit Zeitlosigkeit spielen, obwohl zu sehen ist, dass es September ist oder dass es schneit oder eine historische Szene einem das Gefühl von Zeitlosigkeit gibt. Wie gesagt, ich bin von Bildern inspiriert, also von Kunstwerken, die uns heute ebenso ansprechen wie andere Menschen vor 200 Jahren oder noch früher. Es suggeriert, dass wir Men-schen uns über die Jahrhunderte sehr ähnlich sind. Die „Unendlichkeit“ des Titels hat aber nichts mit der Unendlichkeit des Weltraums zu tun. Es ist also nicht der wissenschaftliche Begriff, sondern vielmehr die Unendlichkeit von Zeichen der Existenz, des Menschseins gemeint.
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