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1. Buchheim Museum: Sammlung Buchheim – Inside Out? Gemälde, Zeichnungen un...
2. Haus der Kunst München: Rebecca Horn
3. Museum Brandhorst München: ALEX KATZ: PORTRÄTS UND LANDSCHAFTEN
4. Buchheim Museum Bernried: Franz S. Gebhardt-Westerbuchberg (1895–1969). P...
5. Stuttagrt: MODIGLIANI. MODERNE BLICKE
6. Bernried: Leo von König. Liebe, Kunst & Konventionen
Donnerstag 02.05.2024
Buchheim Museum: Sammlung Buchheim – Inside Out? Gemälde, Zeichnungen und Drucke
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Sammlung Buchheim – Inside Out? Gemälde, Zeichnungen und Drucke

Buchheim Museum Bernried
Ausstellung vom 27. April 2024 bis 12. Januar 2025

Bernried – Es gibt kaum etwas, was Lothar-Günther Buchheim und seine Ehefrau Ditti nicht gesammelt hätten. Seit dem Tod des Alleskönners im Jahr 2007 haben Schenkungen, Zustiftungen und Ankäufe vielfach aus privatem Besitz den Bestand des Museums erweitert. Hervorzuheben ist die umfangreiche Zustiftung von Joseph Hierling mit Werken des Expressiven Realismus. In diesem Sinn ist das Buchheim Museum der Phantasie im Geiste seines Gründers höchst lebendig und von erstaunlicher Vielfalt.
Für den Maler und künstlerischen Tausendsassa Buchheim war die Betrachtung von Kunst stets ein Fest fürs Auge. Er wollte Zusammenhänge und Zusammenklänge am liebsten im direkten Nebeneinander anschaulich werden lassen. Seine besondere Neigung galt der Kunst auf Papier. In den Strichen einer rasch hingeworfenen Zeichnung mochte der schaffende Künstler die direkteste Verbindung zwischen Auge, Emotion und Hand sowie letztlich zum Betrachter erkennen. Die gemeinsame Präsentation von Gemälden mit Zeichnungen und Druckgrafiken greift Maximen des Buchheim’schen Kunstverständnisses auf. Aus konservatorischen Gründen dürfen sie jedoch in aller Regel nur rund drei Monate dem Licht ausgesetzt werden. Deshalb folgen auf Handzeichnungen und Aquarelle, Druckgrafiken, die wiederum von farbigen Druckgrafiken abgelöst werden. Die Hängung versucht ferner entlang klassischer Themen der Kunstgeschichte neuere Erwerbungen mit den Werken zu vergleichen, die noch von Buchheim selbst gesammelt worden sind. Schließlich ermutigt Inside Out den Betrachter, sich ein eigenes Urteil über Status und künftige Entwicklung der Sammlung zu bilden. Anlass für diese Standortbestimmung ist die 2025/26 anstehende Erweiterung des Museumsgebäudes.
Die Ausstellung »Sammlung Buchheim – Inside Out? Gemälde, Zeichnungen und Drucke« gliedert sich in insgesamt neun Themenbereiche.

Künstler(selbst)porträts
Das Selbstbildnis gehört spätestens seit Dürer zum Habitus eines Künstlers. Ebenfalls in die Renaissance reichen die Freundschaftsbildnisse zurück. Selbstverständlich suchte man im 20. Jahrhundert nach neuen Wegen für solche Aufgaben. Intim und malerisch kühn zugleich ist Heckels Porträt des schlafenden Pechstein von 1910. Albert Birkle hat sich 1921 in der Art eines Schnappschusses gemalt. Tief in die Psyche des Bildhauers Ernst Barlach dringt Leo von König mit dessen Bildnis von 1937 ein. Sein vom Leben gezeichnetes zerfurchtes Gesicht mit den müden Augen sagt mehr, als Worte es je vermöchten.

Porträts
Beim Sujet der Porträts verlässt die Kunst des 20. Jahrhunderts vielfach das gewohnt Abbildhafte. In Karl Schmidt-Rottluffs Frau im roten Kleid von 1920 dominiert ein Farbklang aus Grün, Gelb und Rot, der beim Inkarnat jenseits tradierter Sehgewohnheiten liegt. Ähnliches gilt für Georg Tapperts Sitzende in rotem Kleid. Soll man deshalb Birkles virtuos gemaltes Porträt der etwas kapriziös erscheinenden Frau Jochum im Dirndl von 1934 als Rückschritt ansehen? Beispielhaft dringt Lothar-Günther Buchheim in seinem Bildnis Ellen durch deren maskuline Sitzhaltung im männlichen Bademantel in neue Interpretationsformen weiblichen Selbstbewusstseins vor.

Aktdarstellungen
Der nackte menschliche Körper bildet eine traditionelle Aufgabe der Kunst. Bis weit in das 19. Jahrhundert griff man meist auf mythologisch oder religiös verbrämte Themen zurück. Max Beckmanns Weiblicher Akt von 1908 hat dagegen seine übliche göttliche Verkleidung abgelegt. Gleichzeitig hat er aber nichts mit den ihre Nacktheit völlig natürlich darbietenden Mädchen und Frauen der »Brücke«-Maler zu tun. Obwohl sie
aus konservatorischen Gründen nur in der ersten Laufzeit gezeigt wird und zudem eher sachlich als expressiv geprägt ist, wird man Otto Dix’ minutiöser Zeichnung Das Erwachen aus dem Jahr 1922 ihren Platz als Hauptwerk in der Sammlung Buchheim nicht streitig machen.

Stadtbilder
Das hektische Treiben im Moloch Großstadt mit allen sozialen oder sittlichen Verwerfungen wird im 20. Jahrhundert zu einem wichtigen Thema in der Kunst. Ein nur in der ersten Laufzeit ausgestelltes Hauptwerk in diesem Genre ist Albert Birkles Nächtliche Leipziger Straße in Berlin von 1923, in der sich Unruhe und Angst einer ganzen Epoche spiegelt. Dabei ist nachrangig, ob es sich um ein Werk des Expressionismus handelt oder dem expressiven Realismus zuzurechnen ist. Es fällt jedoch auf, dass in der Sammlung unter den Gemälden der »Brücke«-Künstler solche Themen eher selten zu finden ist. Hier dominiert die Druckgrafik als Medium. Maler wie Dix, Beckmann und andere haben die Nachtseiten ihrer
Zeit dagegen durchaus thematisiert.

Interieurs
Mit dem Gemälde Fleischerladen von 1906 demonstriert Lovis Corinth, wie weit sich damals die Kunst von der üblichen Beschaulichkeit früherer Interieurs entfernt hat. Zugleich wird das Genre zu einer Art Experimentierfeld. Die Freunde von Max Kaus verharren ohne jegliche Kommunikation in einem von wenigen kräftigen Farben dominierten Ensemble. Dies gilt in gewissem Maße auch für Ferdinand Dorschs Blaue Stühle von 1920, in der die Sitzmöbel Anlass für ein demonstrativ gesetztes Blau sind. Ungeachtet der akzentuierten Farbigkeit inszeniert Ernst Ludwig Kirchner 1921 sein Interieur nach geradezu bürgerlichen Maßstäben. Otto Mueller nutzt um 1922 einen Spiegel zur Vorstellung dreier Akte und verweist zugleich auf Picassos Demoiselles d’Avignon von 1907 zurück.

Landschaften
Spiegelt sich in Landschaften eine Flucht aus der Geschichte? Oder handelt es sich um den fälligen Tribut an ein seit Jahrhunderten von der bildenden Kunst gepflegtes Genre? Es bleibt gleichwohl bemerkenswert, wie sich Bernd Zimmer in Gemälden wie Tinzenhorn 6 von 2014 an Ernst Ludwig Kirchners rund 80 Jahre älteren Berglandschaften von 1931 reibt und doch ein Maler des frühen 21. Jahrhunderts bleibt. Hier stoßen zwei starke künstlerische Potenzen aufeinander, die sich sogar ex post noch gegenseitig zu steigern vermögen. Nicht nur dem Format nach intim ist Paula Modersohn-Beckers Moorlandschaft mit Birkenstämmen, in der Bäume gleichsam zu Persönlichkeiten stilisiert werden.

Stillleben
Mit Landschaften stößt man keine Revolutionen in der Kunst an, mit Stillleben auch nicht? Warum auch? Darf man sich nicht an schönlinigen Formen oder prächtigen Farben einfach erfreuen? Das aber leistet die farbliche Delikatesse in Emil Noldes Mohn-Bild auf höchstem Niveau, das freilich nur in der ersten Laufzeit gezeigt werden kann. Andererseits scheint sich in Ernst Ludwig Kirchners geradezu hektischem Stillleben mit Maske von 1914/15 der Erste Weltkrieg zu spiegeln. Lässt sich dann die düstere, von Schwarz und Rot geprägte Amaryllis von Werner Scholz aus dem Jahr 1937 als Fanal der künftigen Schrecknisse interpretieren? Und antwortet nicht das 1953 entstandene Stillleben der alten Seezeichen von Max Kaus auf die informellen Skulpturen jener Zeit?

Theater, Zirkus, Varieté
Irgendwo zwischen Großstadtbildern und Interieurs könnte man Darstellungen aus der Welt von Theater, Zirkus oder Varieté ansiedeln. Diese Themen der leichten Muse haben sich von Frankreich aus im frühen 20. Jahrhundert in der Kunstwelt verbreitet. Im Buchheim Museum scheint Robert Liebknecht trotz seines etwas propagandistischen Einschlags mit dem Gemälde Musikhall von 1936 daran anzuknüpfen. Hüthers
Selbstbildnis vor Oktoberfest von 1932 oder Becks Selbst als Clown sind dagegen geradezu melancholisch. Näher am Tingeltangel bewegen sich freilich zahlreiche Arbeiten auf Papier.

Religiöse Themen
Von der traditionellen Bindung an Religion und Kirche hat sich die Kunst im 20. Jahrhundert gelöst. Damit verbundene Themen fehlen in der Expressionistensammlung weitgehend. Lag das an Buchheims persönlicher Einstellung? Immerhin hat er eine Kirche mit Kalvarienberg gemalt. Dort lässt das demonstrativ vorgezeigte Kreuz keinen Zweifel, dass es sich nur um eine Landschaft handeln könnte.
Historienbilder gibt es ebenfalls keine, aber dieses Genre hatte Buchheim bis 1945 in der besonderen Spielart der Propagandamalerei zur Genüge hinter sich gebracht. Dennoch bleiben Zweifel: Könnten Otto Beyers Adam und Eva von 1919 nicht einfach zwei Akte in paradiesischer Umgebung sein? Gewiss jedoch ist Max Kaus’ Triptychon der Kreuzigung ein starkes Beispiel für religiöse Kunst des Expressionismus.

Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1,
82347 Bernried am Starnberger See

Abbildungen:

- Karl Schmidt-Rottluff
Weiden, 1909
Öl auf Leinwand
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
© VG Bild-Kunst, Bonn
Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg

- Erich Heckel
Blick ins Gebirge, 1924
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
© Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen; VG Bild-Kunst, Bonn
Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg

- Hans Purrmann
Garten am Bodensee, 1927
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
© VG Bild-Kunst, Bonn
Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg

- Emil Nolde
Mohn, o. J.
Aquarell auf Japan
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
© Nolde Stiftung Seebüll
Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg

- Robert Liebknecht
Musikhall, Paris, 1936
Sammlung Joseph Hierling im Buchheim Museum der Phantasie
© VG Bild-Kunst, Bonn
Reproduktion: Joseph Hierling
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Sonntag 21.04.2024
Haus der Kunst München: Rebecca Horn
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Rebecca Horn

Ausstellung vom 26. April 2024 bis 134. Oktober 2024
Haus der Kunst München


Das sechs Jahrzehnte umfassende, transmediale Lebenswerk von Rebecca Horn (geb. 1944, Deutschland) befasst sich mit dem Thema der Existenz und der Verwischung der Grenzen zwischen Natur und Kultur, Technologie und biologischem Kapital sowie dem Menschlichen und Nichtmenschlichen. Ob man die Künstlerin als Erfinderin, Regisseurin, Autorin, Komponistin oder Poetin bezeichnen mag, allem voran versteht sie sich als Choreografin. Horn beschreibt ihre Praxis als präzise kalkulierte Beziehungen von Raum, Licht, Körperlichkeit, Ton und Rhythmus, die ein Ensemble bilden. Maschinenwerdung, Tierwerdung oder Erdwerdung in ihren performativen, skulpturalen und filmischen
Arbeiten zielen auf eine von Körpern erfahrbare Präsenz eines sichtbaren, fühlbaren und hörbaren Daseins.

Die Ausstellung „Rebecca Horn“ entwickelt eine der Performativität gewidmete Lesart, die von ihren Anfängen bis zu den letzten Arbeiten erlebbar ist. Horn nutzt die Idee von Inkorporierung und schafft Sinnbilder technisch körperlicher Vernetzung seit ihren ersten Papierarbeiten in den 1960er Jahren, den frühen Performances und Filmen der 1970er Jahre über die mechanischen Skulpturen seit den 1980er Jahren und den raumgreifenden Installationen der 1990er Jahre bis heute. Virtuos verwobene Referen­zen aus Literatur, Kunst- und Filmgeschichte ziehen sich durch ihr gesamtes Lebens­werk. Horns Werk ist eine lebenslange und brisante Erkundung der voranschreitenden Dezentrierung des Menschen.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Der Katalog erscheint bei Spector Books.

Kuratiert von Jana Baumann mit Radia Soukni.

Haus der Kunst München,
Prinzregentenstrasse 1
80538 München

Abbildungen:

- Rebecca Horn
Kiss of the Rhinoceros, geöffnet, Stahlkonstruktion, Aluminium und Motor, 1989
Foto: Gunter Lepkowski, Archiv Rebecca Horn
© VG Bild-Kunst, Bonn 2024

- Rebecca Horn
Bleistiftmaske, 1972
Archiv Rebecca Horn
© VG Bild-Kunst, Bonn 2024

- Rebecca Horn
Einhorn, C-Print (Kontaktabzug), 1970
Archiv Rebecca Horn
© VG Bild-Kunst, Bonn 2024
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Freitag 29.03.2024
Museum Brandhorst München: ALEX KATZ: PORTRÄTS UND LANDSCHAFTEN
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ALEX KATZ: PORTRÄTS UND LANDSCHAFTEN

Ausstellung vom 22. März 2024 bis 16. Fabruar 2025
Museum Brandhorts München

Alex Katz hat dem Museum Brandhorst zwei Gemälde geschenkt. Ein Frühwerk aus dem Jahr 1958, das den Maler und Bildhauer George Ortman zeigt, sowie ein aktuelles, sehr persönliches Doppelporträt seiner Frau Ada und seines Sohnes Vincent. Anlässlich dieser großzügigen Schenkung präsentiert das Museum Brandhorst die Ausstellung „Alex Katz: Porträts und Landschaften“, die neben den beiden Neuzugängen auch die reichen Bestände des Künstlers in der Sammlung Brandhorst vorstellt. Nach der großen monografischen Ausstellung „Alex Katz“ 2018/19 vereint die aktuelle Schau erneut Hauptwerke aus allen Schaffensphasen.

Alex Katz, der in diesem Jahr seinen 97. Geburtstag feiert, ist einer der bedeutendsten Vertreter der zeitgenössischen Malerei. Während seiner langen, inzwischen mehr als 70 Jahre umspannenden Karriere verschrieb er sich der Darstellung des Hier und Jetzt, weshalb er seine Kunst als „painting in the present tense“ bezeichnete.


Porträts

In seinen Porträts stellt Katz Familienmitglieder, Bekannte sowie befreundete Künstler:innen – ob einzeln oder in Gruppen – in geradezu schlichter Monumentalität dar. Sein Gespür für malerische Oberflächen steht in einem spannungsvollen Verhältnis zur Formensprache in Film, Mode und Werbung. Nicht zuletzt deswegen wird Alex Katz auch als Vorläufer der Pop-Art gefeiert. Eines der Hauptwerke von Katz ist „The Black Dress“ (1960), in dem er seine Ehefrau Ada sechs Mal abbildet, jedes Mal in einem eleganten schwarzen Cocktailkleid. Die Wiederholung von ein und derselben Figur lässt an einen Filmstrip denken, vergleichbar mit dem seriellen Charakter von Andy Warhols wenige Jahre später entstandenen Porträts von Marilyn Monroe, Liz Taylor und Jackie Kennedy.

Schon früh fand Katz in den Zirkeln zeitgenössischer Dichter:innen, Musiker:innen und Tänzer:innen wichtige Mitstreiter:innen und ästhetische Inspiration. So befinden sich im Museum Brandhorst zwei ikonische Bilder des Choreografen Paul Taylor (1930–2018) und seiner Dance Company. Mit herausfordernder Ruhe steht Taylor in dem 1959 entstandenen Porträt vor uns. Seine gespannte Kraft lässt vermuten, dass er jeden Augenblick und ohne Vorwarnung aus der Bildfläche springen und zu tanzen beginnen könnte. „Kurz bevor wir uns kennenlernten, sah ich Paul das erste Mal tanzen“, so Alex Katz im Rückblick, „damals war seine Choreografie das Überraschendste, das ich als Künstler je gesehen hatte. Pauls Tanzstil vollzog einen radikalen Bruch zur vorherigen Generation: kein Ausdruck, kein Inhalt, keine Form, wie er zu sagen pflegte, von überragender Technik und Intelligenz.“


Landschaften

Seine ersten Erfolge in der New Yorker Kunstszene feierte Katz auf dem Höhepunkt des Abstrakten Expressionismus. Er blieb jedoch stets der figürlichen Malerei verpflichtet. Erst spät, Mitte der 1980er-Jahre, näherte er sich in seinen Landschaften und Stadtansichten der gestischen Abstraktion an. Die Äste, Zweige und Blätter in seinen Bildern erinnern an die spontanen Gesten und „drip paintings“ von Jackson Pollock. Jeder einzelne Pinselstrich lässt sich gegenständlich lesen und erscheint gleichzeitig als autonomes visuelles Zeichen.

In einigen dieser Gemälde wird das Licht selbst – ob direkt, reflektiert oder diffus – zum bestimmenden Thema. Dabei dienen Spiegelungen im Wasser und Darstellungen im Nebel oder bei Dämmerung oft als Mittel, um die Stimmungen verschiedener Tageszeiten einzufangen. „Das sind alles sehr flüchtige Dinge, schnell vorüber“, so Alex Katz. „Ich habe in Landschaften Zwielicht festgehalten, das nur eine Viertelstunde lang zu sehen ist. Das fasziniert mich, weil es sich dabei um echte Highspeed-Wahrnehmung handelt.“


Studien

Durch ihre klare Gestaltung und meisterhafte Maltechnik vermitteln Katz’ Gemälde den Eindruck einer großen Selbstverständlichkeit, als wären sie ganz natürlich in die Welt gekommen. Ihr Entstehungsprozess ist jedoch wesentlich komplexer. Katz’ großformatige Gemälde auf Leinwand entwickeln sich meist aus kleineren Ölstudien auf präparierten Hartfaserplatten. Für seine Landschaften skizziert er für gewöhnlich dieselbe Szenerie zur gleichen Zeit am selben Ort an aufeinanderfolgenden Tagen und wählt schließlich jene aus, die ihm am interessantesten erscheint, um sie dann maßstabgetreu zu vergrößern. Aufgrund ihrer skizzenhaften Spontaneität entfalten diese Studien einen besonderen ästhetischen Reiz.


„George Ortman“ und „Ada and Vincent“

Auch im Alter von 96 Jahren ist Alex Katz noch immer ein enorm produktiver Künstler, wie die jüngere seiner beiden Schenkungen „Ada and Vincent“ beweist. Zwischen „Ada and Vincent“ aus dem Jahr 2023 und „George Ortman“ aus dem Jahr 1958 liegen 65 Jahre. Die Schenkungen schlagen den Bogen zwischen Früh- und Spätwerk und ermöglichen eine Auseinandersetzung mit ästhetischen und inhaltlichen Leitmotiven im Laufe seiner über 70-jährigen Karriere. Beide Werke gewähren Einblicke in das sehr persönliche familiäre Umfeld Katz’ und sind zugleich Zeitdokument des sozialen und künstlerischen Milieus im Downtown New York der 1950er-Jahre. In einer Gegenüberstellung von Landschaften und Porträts zeigt sich, wie virtuos und spielerisch sich Alex Katz an der Grenze zwischen improvisiertem Gestus und kühlem Realismus, traditioneller Malerei und der Auseinandersetzung mit Fotografie und Film bewegt.

Der 1927 geborene Alex Katz, der inzwischen Generationen von Maler:innen inspiriert hat, ist neben Andy Warhol und Cy Twombly – beide sind Jahrgang 1928 – einer der wichtigsten Künstler:innen der Sammlung Brandhorst. Anette und Udo Brandhorst waren bereits früh leidenschaftliche Bewunderer:innen und Förderer:innen von Alex Katz. Die großzügige Schenkung des Künstlers ist nicht zuletzt dieser engen Beziehung zu verdanken.

Kuratiert von Achim Hochdörfer mit Lena Tilk

MUSEUM BRANDHORST
Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Theresienstraße 35a
80333 München

Abbildungen:

- Alex Katz, Paul Taylor Dance Company, 1963-64
© VG Bild-Kunst, Bonn [2024], Foto: Haydar Koyupinar

- Alex Katz, Grey Coat, 1997
© VG Bild-Kunst, Bonn [2024], Foto: Haydar Koyupinar
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Donnerstag 14.03.2024
Buchheim Museum Bernried: Franz S. Gebhardt-Westerbuchberg (1895–1969). Porträt eines Malerlebens
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»Franz S. Gebhardt-Westerbuchberg (1895–1969). Porträt eines Malerlebens

Buchheim Museum Bernried
Ausstellung vom 02. März 2024 bis 09. Juni 2024

Franz Sales Gebhardt-Westerbuchberg hat ab 1934 viele Jahre in einem Bauernhof oberhalb des Chiemsees als Maler-Landwirt gewirkt. Erst ab 1952 konnte er sich ausschließlich auf die Malerei konzentrieren. Die Ausstellung speist sich bis auf eine Ausnahme aus Werken der Sammlung von Joseph Hierling. Sie präsentiert neben Landschaften, Stillleben und biblischen Historien eine große Zahl von Selbstporträts Gebhardt Westerbuchbergs. Wie kaum ein anderer Zeitgenosse der »verschollenen Generation« hat er sich über seine Selbstbildnisse so intensiv und schonungslos mit seinem Erscheinungsbild auseinandergesetzt. Ferner wird der in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gemalte
Tyll-Zyklus zu sehen sein.
Franz S. Gebhardt-Westerbuchberg fand durch die Internierung im Ersten Weltkrieg in England und den Zeichenunterricht des Bildhauers G. A. Bredow zur Malerei. Seine Lehrjahre an der Münchner Akademie waren von der konservativen Kunst von Adolf Hengeler und Carl Johann Becker-Gundahl geprägt. Bei einer Reise durch Spanien lernte er 1927/28 die dortige Landschaft kennen, die ihn als Maler stark beeinflusste, und er studierte dort die Malerei von Velázquez. Kaum hatte er sich als Maler und Landwirt auf dem Westerbuchberg niedergelassen, musste er während des Zweiten Weltkriegs als Kriegsberichterstatter einrücken. Nach 1945 befreite er sich unter anderem mit dem Tyll-Zyklus und mit den Monotypien zur Passion von den Erlebnissen der Kriegsjahre. Ein Hauptwerk jener Zeit ist das monumentale Triptychon der Kreuzigung. In seiner späten Malerei entstehen zahlreiche Überblickslandschaften, in denen er sich an Jean-Baptiste Camille Corot orientiert.
Ein prägendes Element im Schaffen des Malers Franz S. Gebhardt-Westerbuchberg sind seine Selbstbildnisse. Sie haben ihn sein ganzes aktives Schaffen an entscheidenden Momenten begleitet. Angesichts von mehr als 25 bekannt gewordenen Selbstbildnissen aus allen Phasen seines Lebens nimmt dieser Künstler eine Sonderstellung in der Kunst des 20. Jahrhunderts ein. Von 1923 bis 1968, also wenige Monate vor seinem Tod, hat er immer wieder sein Ebenbild im Spiegel kritisch in den Blick genommen. Als junger Mann posierte er stolz vor der Leinwand im Atelier der Münchner Kunstakademie oder zeigte sich in verschiedenen Rollen. Später nahm er gerne seinen Geburtstag zum Anlass, um sich als Maler die Frage nach dem eigenen Ich zu stellen. Immer wieder präsentierte er sich als Künstler, aber auch als in der Verantwortung für Frau und Söhne stehender Familienvater. In späteren Jahren erlaubte er sich in seinen Selbstporträts Anspielungen auf von ihm verehrte Vorbilder wie Velázquez. Stets aber atmen seine eigenen Bildnisse den gleichen männlich-ernsten Respekt vor dem Leben, wie es seine Landschaften angesichts der Schönheit der Schöpfung ausstrahlen.

Buchheim Museum
Am Hirschgarten 1,
82347 Bernried am Starnberger See

Abbildungen:

- Franz S. Gebhardt­-Westerbuchberg
Kopfweiden am Fluss, vor 1934
Öl auf Leinwand
Sammlung Joseph Hierling im Buchheim Museum der Phantasie
© VG Bild­-Kunst, Bonn 2024

- Franz S. Gebhardt­-Westerbuchberg
Spanischer Fischerhafen, 1963
Öl auf Leinwand
Sammlung Joseph Hierling im Buchheim Museum der Phantasie
© VG Bild­-Kunst, Bonn 2024

- Franz S. Gebhardt­-Westerbuchberg
Golgatha, die Erde bebte..., 1962/64
Öl auf Leinwand
Sammlung Joseph Hierling im Buchheim Museum der Phantasie
© VG Bild­-Kunst, Bonn 2024

- Franz S. Gebhardt­-Westerbuchberg
Krautgarten auf der Fraueninsel, o.J.
Öl auf Hartfaser
Sammlung Joseph Hierling im Buchheim Museum der Phantasie
© VG Bild­-Kunst, Bonn 2024
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Mittwoch 31.01.2024
Stuttagrt: MODIGLIANI. MODERNE BLICKE
MODIGLIANI. MODERNE BLICKE

Staatsgalerie Sturrgart
Ausstellung vom 24. November 2023 bis 17. März 2024

Die Ausstellung »Modigliani. Moderne Blicke« ist die erste Ausstellung zu Amedeo Modigliani seit 15 Jahren in Deutschland. In Kooperation mit dem Museum Barberini in Potsdam ist eine Schau entstanden, die das Bild der Frau im Werk Modiglianis überraschend neu bewertet und viele seiner Arbeiten erstmals in Gegenüberstellung mit Werken deutschsprachiger Künstlerinnen und Künstler der Klassischen Moderne zeigt.Der in Livorno als Sohn einer jüdischen Familie geborene Amedeo Modigliani gilt als einer der bekanntesten Vertreter der Pariser Bohème im Vorfeld und Verlauf des Ersten Weltkriegs. Modigliani porträtierte renommierte Künstler seiner Zeit, darunter Pablo Picasso, Chaim Soutine und Diego Rivera. Für einen regelrechten Skandal sorgte ein weiteres Genre, dem sich der junge Amedeo schon seit seinen Studientagen in Livorno und Florenz verschrieben hatte: der weibliche Akt. Im Rahmen einer Vernissage erregte ein vermutlich im Schaufenster platziertes Werk Modiglianis im Jahr 1917 eine solche Aufregung, dass die Galeristin Berthe Weill alle Akte abhängen musste, um sie vor einer Beschlagnahmung durch die Polizei zu bewahren. Eines dieser Werke, »Der liegende Akt mit weißem Kissen«, zählt heute zu den Höhepunkten der Sammlung der Staatsgalerie. Gemeinsam mit dem Barberini Museum in Potsdam hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, diese Frauenbildnisse, die lange Zeit in der Tradition des Skandals, als Ausdruck der exzessiven Perspektive eines männlichen Künstlers gedeutet wurden, nun als Zeugnisse des sich herausbildenden Selbstbewusstseins der modernen Frau zu begreifen.

Die Ausstellung »Moderne Blicke«, letztmals war eine Schau zum Werk Amedeo Modiglianis in Deutschland vor 15 Jahren zu sehen, rückt daher erstmals auch die Porträts von Frauen in den Fokus – Schriftstellerinnen, Modeschöpferinnen, Malerinnen – kurz Künstlerinnen, die mit ihren Kurzhaarfrisuren und in Männerkleidung wie ein Vorgriff auf die »Neue Frau« in Art Deco und Neuer Sachlichkeit erscheinen.»Die Ausstellung schlägt eine Brücke von der Emanzipation der Frau als Modell – zur Emanzipation der Frau im Kunsthandel (wie Berthe Weill) und der Emanzipation der Frau als Künstlerin (wie Emilie Charmy oder Natalia Gontscharowa)«, sagt Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie.Von Pablo Picasso über Paula Modersohn-Becker bis hin zu Egon Schiele reichen so die Bezüge eines Werkkomplexes, der häufig und vielleicht zu Unrecht außerhalb der großen Stilrichtungen seiner Zeit (wie des Expressionismus und des Fauvismus) platziert wurde. »Moderne Blicke« zeigt daher neben rund 50 Gemälden und Zeichnungen von Modigliani auch 30 Werke von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern aus europäischen und amerikanischen Museums- und Privatsammlungen.

»Erstmals weitet eine Ausstellung zu Modigliani den Blick über Paris hinaus, und zeigt Modigliani auch im Dialog mit deutschsprachigen Künstlern wie Lehmbruck, Klimt, Schiele, Kirchner oder Paula Modersohn-Seite 2 von 2Becker und verdeutlicht, dass bereits während des Ersten Weltkriegs und nicht erst in den 1920er Jahren ein ›zurück zur Figur‹ in verschiedenen europäischen Städten formuliert wurde,« sagt Nathalie Lachmann, Kuratorin der Ausstellung.»Modigliani.

Moderne Blicke« ist eine Große Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg und steht unter der Schirmherrschaft der Botschaft der Italienischen Republik in Deutschland.Sie ist zudem eine Ausstellung der Staatsgalerie Stuttgart und des Museums Barberini, Potsdam. Dort ist sie vom 27.4.24 bis 18.8.24 zu sehen.

Staatsgalerie Stuttgart
Konrad-Adenauer-Str. 30 – 32
70173 Stuttgart

Abbildungen:

- Amedeo Modigliani
Chaim Soutine, 1915
Staatsgalerie Stuttgart
Stuttgart
© Staatsgalerie Stuttgart

- Amedeo Modigliani
Elena Povolozky, 1917
The Phillips Collection Washington
© The Phillips Collection,
Washington, DC, Erworben 1949

- Gustav Klimt
Johanna Staude, 1917/18
Belvedere Wien
© Belvedere, Wien

- Amedeo Modigliani
Marie (Marie, fille du peuple), 1918
Kunstmuseum Basel
Basel
© Kunstmuseum Basel, Inv. G 1975.8,?
Vermächtnis Dr. Walther Hanhart, Riehen, 1975

- Amedeo Modigliani
Jeanne Hébuterne sitzend im gelben Pullover, 1919
Ohara Kunstmuseum Kurashiki
© Ohara Kunstmuseum, Kurashiki
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Freitag 19.01.2024
Bernried: Leo von König. Liebe, Kunst & Konventionen
Leo von König. Liebe, Kunst & Konventionen

Ausstellung vom 02. Dezember 2023 bis 07. April 2024
Buchheim Museum der Phantasie

Der Maler Leo von König (1871 – 1944) war ein herausragender Vertreter der Berliner Secession und deren langjähriges Vorstandsmitglied. Seit 1943 wohnte er in Tutzing und lernte dort Lothar-Günther Buchheim kennen. Die Freundschaft zur gesamten Familie von König dauerte über viele Jahre an und vertiefte sich zu einem sehr persönlichen Kontakt. Ab 2. Dezember 2023 bis zum 7. April 2024 widmet das Buchheim Museum Leo von König eine große monografische Ausstellung. Grundlage hierfür sind 48 bislang noch unbekannte Gemälde, die 2014 aus dem Nachlass der Eheleute Buchheim ins Museum kamen. Wie die teilweise abgespannten Leinwände in Buchheims Besitz gelangt waren, konnte bisher nicht aufgeklärt werden. Nach Einigung mit den Erben nach Leo und Anna von König befindet sich die Hälfte dieses Konvoluts als Schenkung oder langfristige Leihgabe nach wie vor im Buchheim Museum. Diese Gemälde wurden für die Ausstellung restauriert und wissenschaftlich inventarisiert, um nun erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt zur werden. Ihre Präsentation wird eingewoben in eine umfangreiche Retrospektive mit weiteren Werken des Künstlers aus der Sammlung Buchheim sowie zahlreichen Leihgaben aus privaten Sammlungen und Museen. Neben von Königs hoch geschätzter Porträtkunst spielen dabei auch seine weniger bekannten Landschaften, Tierbilder und mythologischen Motive eine Rolle. Leo von König wird kunsthistorisch als bedeutender Künstler seiner Zeit gewürdigt, aber auch auf der Grundlage aktueller politik- und sozialgeschichtlicher Erkenntnisse betrachtet, denn er erlebte den politischen und gesellschaftlichen Wandel vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis hin zur NS-Herrschaft. Sein Werk spiegelt diese Entwicklung wider. „Selten bietet sich die Gelegenheit eine Ausstellung dieses Umfangs unerschlossener und hochkarätiger Bilder zu unterstützen. Die Förderung des Kataloges dieser Erstpräsentation und Retrospektive war uns ein besonderes Anliegen und ich freue mich schon auf den Besuch dieser gelungenen Ausstellung und auf den Austausch mit den Nachkommen Leo von Königs! Ganz im Einklang mit unserer Stiftungsphilosophie ermöglicht hier das Buchheim Museum neue wissenschaftliche Forschung und öffentliche Auseinandersetzung mit dem Künstler Leo von König.“ Schreibt Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, die den Katalog großzügig unterstützt haben.

Buchheim Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried am Starnberger See

Abbildungen:

- Leo von König
Cilly Außem, um 1932
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See / Langfristige Leihgabe aus Privatbesitz
Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg

- Leo von König
Damenbildnis, o. J.
Öl auf Leinwand
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg

- Leo von König
Studie von zwei Badenden, um 1922
Öl auf Leinwand
Privatbesitz
Reproduktion: Nikolaus Steglich, Starnberg
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