FRITZ WINTERS KOSMOS DER 1930ER UND 1940ER JAHRE
Ausstellung vom 09. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027
Pinakothek der Moderne München
Was machen Kunstschaffende in Zeiten von Diktatur und Krieg? Der erstmals vollständig zugängliche Künstlernachlass von Fritz Winter (1905–1976) eröffnet einen neuen Blick auf eine zentrale Werkphase des abstrakten Malers. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht seine berühmte Werkgruppe „Triebkräfte der Erde“, die der von den Nationalsozialisten verfemte Künstler 1944 nach einer Kriegsverletzung schuf. Die Arbeiten
zeugen von einer eindrucksvollen Auseinandersetzung mit den elementaren Kräften und Gesetzmäßigkeiten der Natur – entstanden in einer kurzen Atempause zwischen zwei Kriegseinsätzen.
Ausgebildet bei Paul Klee und Wassily Kandinsky am Bauhaus in Dessau, fand Fritz Winter ab 1933 keine Ausstellungsmöglichkeiten mehr in Deutschland. 1937 wurde seine Kunst als „entartet“ diffamiert. In zunehmender Isolation konzentrierte er sich ganz auf die Natur. Es entstanden großformatige Abstraktionen, sogenannte Zellen- und Sternbilder, Kristallisationen sowie expressiv-surreale Landschaften. Briefe, Gedichte und historischen Fotoalben aus dem Nachlass des Künstlers zeigen sein Leben im oberbayerischen „Exil“ in Dießen am Ammersee zwischen landschaftlichem Id yll, zunehmender Repression und seinem Einsatz als Soldat an der Ostfront. In diesem Kontext wird die Kunst ein notweniges Mittel der Selbstbehauptung und Selbstvergewisserung.
Winters Beschäftigung mit natürlichen Wachstumsprozessen und kosmischen Energien mündete 1944 in die Werkgruppe „Triebkräfte der Erde“ . Die oft nur DIN-A4-großen Arbeiten zählen zu den bedeutendsten Werken der sogenannten inneren Emigration. In der Ausstellung wird der berühmte Zyklus erstmals den unmittelbar davor und danach entstandenen Kriegszeichnungen gegenübergestellt, in denen der Künstler
seine Eindrücke als Soldat festhielt. Die fein akzentuierten Skizzen und Skizzenbücher zeigen nicht nur unmittelbare visuelle Erlebnisse, sondern auch die menschliche Vernichtungsmaschinerie und die Zerstörung von Lebensräumen. Im Gegenüber wird sichtbar, wie die „Triebkräfte der Erde“ als künstlerische Antwort auf Krieg und Zerstörung entstanden und als Metapher für die Überwindung des Nationalsozialismus gelesen
werden können.
Winters künstlerische Rehabilitation in der Nachkriegszeit ist maßgeblich seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Margarete Schreiber-Rüffer zu verdanken. Während der Künstler bis Mai 1949 in sowjetischer Gefangenschaft blieb, knüpfte sie Kontakte zu ehemaligen Wegbegleitern und engagierten Kunstbegeisterten , publizierte Texte und beschickte Ausstellungen moderner Kunst unter schwierigsten Bedingungen mit Winters Werken . Der neu zugängliche Nachlass des Künstlers sowie Forschungsergebnisse der Sammlung Domnick machen erstmals ihren Anteil als Managerin und Interpretin seines Werks sowie als Archivarin des gemeinsamen Lebens nachvollziehbar.
zeugen von einer eindrucksvollen Auseinandersetzung mit den elementaren Kräften und Gesetzmäßigkeiten der Natur – entstanden in einer kurzen Atempause zwischen zwei Kriegseinsätzen.
Ausgebildet bei Paul Klee und Wassily Kandinsky am Bauhaus in Dessau, fand Fritz Winter ab 1933 keine Ausstellungsmöglichkeiten mehr in Deutschland. 1937 wurde seine Kunst als „entartet“ diffamiert. In zunehmender Isolation konzentrierte er sich ganz auf die Natur. Es entstanden großformatige Abstraktionen, sogenannte Zellen- und Sternbilder, Kristallisationen sowie expressiv-surreale Landschaften. Briefe, Gedichte und historischen Fotoalben aus dem Nachlass des Künstlers zeigen sein Leben im oberbayerischen „Exil“ in Dießen am Ammersee zwischen landschaftlichem Id yll, zunehmender Repression und seinem Einsatz als Soldat an der Ostfront. In diesem Kontext wird die Kunst ein notweniges Mittel der Selbstbehauptung und Selbstvergewisserung.
Winters Beschäftigung mit natürlichen Wachstumsprozessen und kosmischen Energien mündete 1944 in die Werkgruppe „Triebkräfte der Erde“ . Die oft nur DIN-A4-großen Arbeiten zählen zu den bedeutendsten Werken der sogenannten inneren Emigration. In der Ausstellung wird der berühmte Zyklus erstmals den unmittelbar davor und danach entstandenen Kriegszeichnungen gegenübergestellt, in denen der Künstler
seine Eindrücke als Soldat festhielt. Die fein akzentuierten Skizzen und Skizzenbücher zeigen nicht nur unmittelbare visuelle Erlebnisse, sondern auch die menschliche Vernichtungsmaschinerie und die Zerstörung von Lebensräumen. Im Gegenüber wird sichtbar, wie die „Triebkräfte der Erde“ als künstlerische Antwort auf Krieg und Zerstörung entstanden und als Metapher für die Überwindung des Nationalsozialismus gelesen
werden können.
Winters künstlerische Rehabilitation in der Nachkriegszeit ist maßgeblich seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Margarete Schreiber-Rüffer zu verdanken. Während der Künstler bis Mai 1949 in sowjetischer Gefangenschaft blieb, knüpfte sie Kontakte zu ehemaligen Wegbegleitern und engagierten Kunstbegeisterten , publizierte Texte und beschickte Ausstellungen moderner Kunst unter schwierigsten Bedingungen mit Winters Werken . Der neu zugängliche Nachlass des Künstlers sowie Forschungsergebnisse der Sammlung Domnick machen erstmals ihren Anteil als Managerin und Interpretin seines Werks sowie als Archivarin des gemeinsamen Lebens nachvollziehbar.
Fritz Winters Schaffen der 1930er- und 1940er-Jahre steht exemplarisch für ein Künstlerschicksal in der Diktatur. Über das individuell erfahrene Leid hinaus wirft der Rückblick Fragen nach dem Privileg des Überlebenden, nach kollektiver Schuld und nach de n Bedingungen für einen Neuanfang auf. Winters Kunst aus diesen existenziell schwierigen Jahren vermag bis heute zu verblüffen, zu begeistern und zu berühren: Sie ist von hoher ästhetischer Qualität, visuell komplex, inhaltlich deutungsoffen und zugleich zutiefst menschlich.
Neben zahlreichen Neuerwerbungen der Fritz-Winter-Stiftung zeigt die Ausstellung Leihgaben aus der Sammlung Domnick, Nürtingen, der Konrad Knöpfel-Stiftung Fritz Winter im Kunstmuseum Stuttgart, der Sammlung Lambrecht-Schadeberg, Museum für Gegenwartskunst Siegen, dem Franz Marc Museum, Kochel, dem Fritz-Winter-Haus, Ahlen, sowie aus privaten Sammlungen – darunter mehr als 20 Blätter der Werkgruppe der „Triebkräfte der Erde“.
Die Ausstellung findet anlässlich des 50. Todesjahres des Künstlers statt und ist das Ergebnis der langjährigen Zusammenarbeit der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit der Fritz-Winter-Stiftung.
Kuratiert von Anna Rühl
Neben zahlreichen Neuerwerbungen der Fritz-Winter-Stiftung zeigt die Ausstellung Leihgaben aus der Sammlung Domnick, Nürtingen, der Konrad Knöpfel-Stiftung Fritz Winter im Kunstmuseum Stuttgart, der Sammlung Lambrecht-Schadeberg, Museum für Gegenwartskunst Siegen, dem Franz Marc Museum, Kochel, dem Fritz-Winter-Haus, Ahlen, sowie aus privaten Sammlungen – darunter mehr als 20 Blätter der Werkgruppe der „Triebkräfte der Erde“.
Die Ausstellung findet anlässlich des 50. Todesjahres des Künstlers statt und ist das Ergebnis der langjährigen Zusammenarbeit der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit der Fritz-Winter-Stiftung.
Kuratiert von Anna Rühl
Pinakothek der Moderne
Barer Straße 40
80333 München
Barer Straße 40
80333 München
Abbildung:
- Fritz Winter, Triebkräfte der Erde, 1944
Mischtechnik auf Papier, 29,7 x 21,1 cm
Fritz-Winter-Stiftung,
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sibylle Forster
Mischtechnik auf Papier, 29,7 x 21,1 cm
Fritz-Winter-Stiftung,
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
© VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sibylle Forster































