In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Hier eine kleine Auswahl der Vorgestellten: Henning Venske, Gisela Schneeberger, Inga Rumpf, Hauschka, Stoppok, Wellküren, Isabelle Faust, Fritz Egner, Willy Michl, Nik Bärtsch, Ewa Kupiec, Symin Samawatie, Axel Hacke u.v.a.m.
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1. 250. Marianna Weber – Ich lebe lieber im Jetzt
2. 249. Birgit Süß - Mein „Neumann“-Mikro gut genug für mich
3. 250. Lambert - Ich höre am liebsten Jazz
4. 249. Luis Berra – Ich liebe meinen Beruf
5. 248. Alma Naidu - „Beim Einschlafen kommen mir meist die besten Songideen...
6. 247. Lisa Schmid – Mit einer gewissen Wurschtigkeit
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Foto: Jan Windszus
Freitag 14.08.2026
250. Marianna Weber – Ich lebe lieber im Jetzt
Als anlässlich der Leipziger Buchmesse im Frühjahr dieses Jahres Literaturpapst Dennis Scheck in seiner Sendung „Druckfrisch“ den kleinen aber feinen Lampe Verlag aus Berlin mit den Worten bedachte „Der Lampe Verlag hat in meinen Augen eine brillante Idee!“ meinte er damit: „Ich habe einen kleinen Verlag entdeckt, einen neuen Verlag – denn solche Buchmessen wie die in Leipzig sind ja eigentlich dazu da, nicht wie ein andalusischer Brunnenesel immer denselben Kreis abzuschreiten. Sondern auch mal Neues zu entdecken!
Die Idee der Verlagseigner Christiane Lahusen und Viktor Hilgemann setzt sich wie folgt zusammen:

- Jeweils vier bis fünf Erzählungen erscheinen thematisch gebündelt in handlichen Schubern im A6-Format.
- Die Schuber sollen „im Grenzland zwischen klassischer Belletristik und Geschenkbüchern“ positioniert sein.
- Autor*innen sind vor allem bekannte Stimmen der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur und Klassiker, etwa Judith Hermann, Heike Geißler, Saša Staniši?, Anne Rabe, Benedict Wells, Alena Schröder, Daniel Kehlmann, Virginia Woolf, Ricarda Huch und Wilhelm Raabe, Paul Auster, Andrea Petkovic.

Die Schuber fallen in ihrer geschmackvollen Gestaltung in jeder Buchhandlung sofort ins Auge. Bisher hat der Verlag zehn dieser Buch-Boxen veröffentlicht, unter anderem zu den Themen „Abschied“, „Ebbe und Flut“, „Fürchte Dich nicht“ und „Herbst“.
Hinter dem Layout dieser anspruchsvollen „Literatur-WG“ steckt ein kleines Berliner Grafik/Design Studio, das sich mit Kreativität und Leidenschaft seiner Arbeit widmet. Hier ist, als Auftragsproduktion, auch die Idee für diesen Schuber entstanden. „STUDIO.jetzt“ arbeitet unter dem Slogan „Organisierte Kreativität - Wir spitzen die Ohren und halten die Augen offen. Neugierig sind wir und wir wagen uns gerne an Neues. Wir ertüfteln, entwickeln, durchdenken, basteln, zeichnen, malen und sind uns sicher: Unsere Arbeit ist die fabelhafteste der Welt.“
Kopf des Unternehmens ist neben Anja Steinig, Marianna Weber, die für Ihre Arbeit 2022 mit dem „Award of Excellence“ ausgezeichnet wurde.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Marianna Weber: Ich stamme aus einer künstlerischen Familie – mir wurde recht früh klar, dass ich im weitesten Sinne kreativ arbeiten möchte. Es brauchte aber Umwege, zahlreiche Praktika vor dem Studium & Gespräche mit Menschen, um zu erkennen, was ich schon wusste. Und danach ein ordentliche Prise Disziplin.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MW: Ich denke, wir sind erfolgreicher, wenn wir lieben, was wir tun. Es ist sicher keine leichte Aufgabe, herauszufinden, was einen erfüllt und nicht nur der Bezahlung wegen gewählt wird. An erster Stelle steht für mich daher die Freude und Leidenschaft, die ich selbst bei meiner Arbeit habe. Und damit möchte Menschen, Kultur, Ideen und Unternehmungen Sichtbarkeit schenken.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MW: Mit den Unsicherheiten und/oder fehlendem Mut des Gegenübers. Die Menschen schwimmen lieber im Strom mit, als es anders machen.
Und ein Klassiker ist vermutlich, dass Geschmack mit Wissen um Gestaltung verwechselt wird.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MW: Familienerlebnisse die einiges durcheinander gewürfelt, aber auch neue Möglichkeiten und Sichtweisen eröffnet haben.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MW: Wenn nach einer langen konzeptionellen Recherche und Suche nach Ideen der Knoten platzt und die Idee in ihrer Einfachheit vor einem steht. Dann wird trotzdem wieder alles in Frage gestellt, um nach einer Schleife wieder zurückzukehren. Und diesen Weg mit kreativen Sparringpartnern zu gehen und zusammen zu brüten, ist eine kolossale Freude! Um so besser, wenn sie dann beim Auftraggebenden auch so gut ankommt.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MW: Tatsächlich höre ich ausgesprochen viel Musik während der Arbeit – ich kann mich bei einem Grundrauschen um mich herum besser konzentrieren. Und es spielt nicht mal eine große Rolle, was ich höre, weil das nicht ins Bewusstsein vordringt. Ohne Musik wird es in meinem Kopf zu bunt.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MW: Asche auf mein Haupt – beides nicht. Nicht mehr. Ich nutze die großen Onlineanbieter … aber auch Radio.

KK: Was lesen Sie momentan?
MW: „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner (fantastisch!) & „Ghost Stories“ von Siri Hustvedt (absolut mitreißend!).

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MW: Ignoranz und Arroganz.

KK: Was freut Sie ungemein?
MW: So oft es geht, das JETZT wahrzunehmen und zu genießen. Und das mit den Menschen zu teilen, die mir lieb sind.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
MW: Es gab einige kleine Projekte. Tischlern würde ich es nicht gleich nennen, aber der Wille zählte und die Freude daran noch mehr.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MW: Für mich ist es ein Zusammenspiel aus Story, Bildwelten, Dialogen, Phantasie. Das ist selten diese:r eine Schauspieler:in. Da muss ich passen.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MW: Wenn die Idee da ist, ist der Weg bis zur Umsetzung manchmal langwierig. Eine Maschine, die die Bilder zu der Idee in meinem Kopf digital projiziert, damit ich schneller sehe, ob sie funktioniert.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer/-in, oder Teamplayer/-in?
MW: Teamplayerin!

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MW: Wenn die Arbeit Berufung ist, dann speichert man am laufenden Band Ideen, Bilder, Texturen ab … wie ein Grundrauschen, das mitläuft. Nur ohne Geräusch. Deswegen kann das überall und jederzeit passieren.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MW: Es gibt eine trübe Anzahl von Newslettern aus unterschiedlichsten Bereichen, die ich abonniert habe und lese. Aber ich habe lieber ein Buch in der Hand als einen Laptop auf dem Schoß oder das Handy vorm Gesicht.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister/-in für Kultur wären?
MW: Das ist die Frage von der Fee mit den drei Wünschen, bei der man so besonders schlau antworten soll und eigentlich total überfordert ist, weil es so unfassbar viele Möglichkeiten gibt. Kann man das Recht auf (die Notwendigkeit von) Kultur bitte endlich ins Grundgesetz aufnehmen?

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MW: Es würde mir im Leben nicht einfallen eine Autobiographie zu schreiben, weshalb ich glücklicherweise keinen Titel benötige.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MW: Gar nicht. Zukunft ist für mich neblig. Ich lebe lieber im Jetzt.
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Donnerstag 21.05.2026
249. Birgit Süß - Mein „Neumann“-Mikro gut genug für mich
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Birgit Süß ist Sängerin, Kabarettistin, Moderatorin, Autorin – in Vollzeit versteht sich. Geboren in Augsburg lebt sie seit 1990 in Würzburg. Sie hat am Konservatorium Jazzgesang studiert und bei den großen Jazzeusen Norma Winstone und Lauren Newton an Workshops teilgenommen.
Als Schauspielerin hatte sie Engagements an der heute leider nicht mehr existenten „Spielküche“ in Augsburg und am Würzburger Theater am Neunerplatz. Als Mitautorin, -Produzentin und Schauspielerin/Sängerin ist sie seit über 20 Jahren am Sommertheater am Schützenhof in Würzburg engagiert. Mit ihren Solo-Kabarettprogrammen tourt sie seit 2004 quer durch die Republik. Am 29. Mai gastiert Birgit Süß mit „Die kleinen Dinge“ im Podium Kaufbeuren (Innere Buchleuthenstraße 28). Beginn: 20 Uhr.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Birgit Süß: Das Leben mit seinen vielen Kurven und Zufällen

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
BS: Alle Menschen, die sich angesprochen fühlen

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
BS: Da ich keine Agentur habe, und wirklich alles, wie man so sagt, „from the scratch“ selbst mache, ist das normale Business/Büro etc. leider manchmal sehr zeitraubend.
Ansonsten: Manche Techniker, die viel reden und wenig Ahnung haben. Und mir nicht glauben, dass mein „Neumann“ Mikro gut genug für mich ist.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
BS: Schüler, die unser Programm „Nie bereut“ - gesehen haben.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
BS: OH! So viele! Am Schönsten ist es wohl, wenn man sieht, dass die Zuschauer sich haben mitnehmen lassen - ob im Kabarett oder bei unserem Widerstandsprogramm.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
BS: Vieles. Jazz, Soul, Klassik, sehr gern Progrock, seit Weihnachten besitze ich wieder einen Plattenspieler und gehe wieder auf Vinyljagd

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
BS: Grade Vinyl.

KK: Was lesen Sie momentan?
BS: „Interessengebiet“ von Martin Amris

KK: Was ärgert Sie maßlos?
BS: Dummheit. Ignoranz. Wenn Menschen mich im Internet auffordern ( nach langen Mansplainigtexten), einen Grund zu nennen, warum ich gegen die AfD demonstriere.

KK: Was freut Sie ungemein?
BS: Vieles! Und Karma. ich glaube an Karma:)

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
BS: Ja, Ein rosa Filzcape, einen Overall, gestrickte Pullis und einen genähten Theatervorhang .
Der Mann, Klaus Ratzek, baut Tische, Regale, ganze Wohnungseinrichtungen.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
BS: Da gäbs zu viele.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
BS: Das Übliche. Eine Zeitmaschine?

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
BS: Oh! Ein Einzelkämpfer, der gerne im Team arbeitet.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
BS: Beim Spazierengehen. OHNE Airpods. Frischluft wirkt wahre Wunder. Am besten morgens.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
BS: TAZ? Blog von Sibylle Berg. SZ. Und noch ein einiges anderes. Newsletter von. Andererseits. Krautreporter. Podcast von Holger Klein. etc

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
BS: Da darf ich eine Anekdote erzählen. Zu Zeiten von Corona durfte ich bei einem Treffen mit dem damaligen bayr. Staatsminister für Kultur dabei sein. Bernd Sibler.
Er hat uns die Augen geöffnet, was Politiker von sogenannter „freier“ Kultur halten - nämlich nichts. Diese Leute kennen nur „Hochkultur“ - alles andere ist für sie Hobby und läuft unter „ferner liefen“.
Seine Worte: Er hat sich gefragt, warum Menschen, die Kultur machen, so wie wir ( Kabarettisten, Musiker, Sänger, freie Szene eben, Tänzer, Theaterschaffende ) nicht auf Lehramt studieren, dann einen Halbtagsjob als Lehrer annehmen (ich denke, Lehrer ist für ihn auch ein Halbtagsjob ) und dann den Rest der Zeit ihrer sogenannten „Kultur“ widmen. So hat er uns das erklärt. Dann wäre doch für uns alle gesorgt!
Noch Fragen???
Was ich machen würde?
Die Kulturszene neu beleben. von unten nach oben durchmischen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
BS: Vielleicht wie mein aktuelles Kabarettprogramm: Die kleinen Dinge

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
BS: Strahlend! Und arbeitsreich:)
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Foto: Andreas Hornoff
Freitag 08.05.2026
250. Lambert - Ich höre am liebsten Jazz
Wer ist Lambert? Eine Frage, die nicht ganz leicht zu beantworten ist. Denn er gibt nicht viel von sich preis. Außer – außer natürlich seine Musik. „Ich wollte nicht, dass die Leute etwas über mich wissen“, hat er einmal in Bezug auf sein Debütalbum von 2014 gesagt. Seitdem ist einiges an Zeit vergangen. Heute erscheint sein 10. Album „I am not Lambert“. „Es sind kurze, schlichte wie traumhafte Melodien, die Lambert aus einem flüchtig dahingeworfenen zarten Detail entwirft, sie umspielt und variiert“, war an dieser Stelle über seine letzte Veröffentlichung „Actually Good“ zu lesen. „Kleine Motive nur, die er intuitiv und voller Sensibilität gestaltet.“?
Auch „I am not Lambert“ hat einiges von diesen poetischen Momenten zu bieten. Es ist jedoch das erste Album mit Gesangsparts. „Meine Musik war schon immer songorientiert”, sagt der Mann mit der sardischen Stiermaske. Es ist die Bestätigung für alles Innovative des Künstlers.

KultKomplot: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Lambert: Üben, um im entscheidenden Moment die mir größtmögliche Flexibilität mitzubringen. Ich denke, das gilt zumindest in Bezug auf meine musikalischen Ansichten. Dann gibt es natürlich die gleichzeitigen Wahrheiten von einem sehr fleißigen Lambi und ein Umfeld und Elternhaus, das mich in meinen Interessen unterstützt und gefördert hat, seitdem ich klein bin.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
L: Neulich war jemand von der Berliner Stadtreinigung auf meinem Konzert. Ich hatte ein sehr interessantes Gespräch mit ihm und lernte viel über seine tägliche Tätigkeit, von der er mit Begeisterung berichten konnte. Später sagte er mir, was ihm an meinem Konzert gefallen hätte: Natürlich die schöne Musik, zusätzlich hätte er aber bemerkt, wie lange die Menschen nicht auf ihr Handy geschaut hätten. Es ist also doch noch möglich, mit Kultur so etwas wie einen Moment zu schaffen, in dem viele Leute einfach da und beieinander sind. Das hat mich sehr gefreut. Außerdem suche ich in der Improvisation ebenfalls nach diesem Moment der Erleuchtung. Ich denke, da gibt es in mir eine spirituelle Suche, die mich zum Musikmachen treibt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
L: Das ist mittlerweile einfach zu beantworten und keine Überraschung mehr: Social Media!!!
Es ist die Hölle. Die Musikindustrie hat sich in all ihren Teilbereichen darauf geeinigt, dass dies die vermeintlich einzig noch funktionierende Möglichkeit ist, deine Musik und die Konzerte zu bewerben, und uns über Jahre hinweg darauf vorbereitet, dass diese Tätigkeit eigentlich nur von den Künstlern selbst ausgeführt werden kann. Sicherlich kann man bestimmte Aufgaben auslagern, aber eigentlich will dafür niemand Verantwortung übernehmen. Vertraglich gesehen ist die Werbung und Promotion niemals Aufgabe des Künstlers (diese sind ja zum Musikmachen angetreten), bekommen von ihren Partnern aber eher so eine Art Consulting, wie man sich dort noch besser verhalten kann, werden aber nicht ihrer Aufgabe gerecht, die Arbeit zu übernehmen – mit dem Argument, dass sie das ja nicht können, weil Social Media so nun mal nicht funktioniert. Diese Situation ist ein unglaublicher Zeitfresser und schadet dem kreativen Output und damit unseren Gesellschaften.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
L: Wie schön ist bitte schön Marseille!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
L: Die Konzerte! Seitdem wir im Trio spielen, bemerken wir diese euphorische Stimmung, die während unserer Konzerte entsteht. Danach beschenkt uns das Publikum immer mit einer unglaublich guten Laune. Ich denke, das hängt tatsächlich damit zusammen, dass die Leute merken, dass wir die Stücke lediglich als Grundlage nutzen, um den Moment zu zelebrieren. Wir improvisieren viel und reagieren sensibel auf uns, den Raum und das Publikum. Ich bin froh, dass die Unsicherheit des Publikums, die auf Konzerten aufkommt, die das Publikum womöglich zunächst als hochkulturell einordnet, bei uns nicht vorherrscht. Es sind wunderbare Abende voller Liebe!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
L: Jazz! Ich höre am liebsten Jazz und gehe oft zu Jazzkonzerten. Ich habe auch einen Podcast zu diesem Thema mit meinem alten Freund und Mitmusiker Felix Weigt von „Die Höchste Eisenbahn“. Hier befassen wir uns mit Popkultur aus einer jazzmusikalischen Perspektive und Jazzmusik aus einer popmusikalischen Perspektive. Wir sind totale Fans und können uns seit über 30 Jahren nicht satt hören an dieser Musik!

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
L: Vinyl zu Hause / CDs im Auto

KK: Was lesen Sie momentan?
L: Zuletzt gelesen: „Die Geschichte des Klangs“ von Ben Shattuck. Läuft auch gerade im Kino. Hab ich noch nicht gesehen, aber weiß, dass Paul Mescal mitspielt, dem ich sehr gern zusehe! Das Buch ist jedenfalls großartig! Und „Hund, Wolf, Schakal“ von Behzad Karim Khani. Ich wohne in Neukölln, meine Frau arbeitet hier in einer sogenannten Brennpunktschule. Ich komme aber nicht von dort und habe trotz der räumlichen Nähe und meinen Einblicken nicht das Gefühl, dass ich die Lebensrealitäten vieler Neuköllner wirklich kennen würde oder vollends nachvollziehen kann. Dieses Werk kann dabei schon sehr helfen. Außerdem ist es spannend!
Außerdem lese ich viel jazzgeschichtliche Literatur für meinen Podcast. Sehr zu empfehlen ist das Werk: „Gewagtes Spiel. Jazz im Nationalsozialismus“ von Michael H. Kater.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
L: Mein Sohn wollte gestern ein Eis kaufen, wurde aber in der Eisdiele seiner Wahl weggeschickt, weil sie kein Bargeld nehmen.
Generell die Preise von Eis und allem anderen auch finde ich eine bodenlose Frechheit. Wer soll sich dieses Leben eigentlich leisten können?

KK: Was freut Sie ungemein?
L: Gute Konzerte, gute Filme.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
L: Ich habe mir in Amsterdam mal eine Wand in meine Wohnung gebaut aus Brettern, die ich auf der Straße gefunden habe. Sie war besser als der Vorhang vorher. Dabei habe ich Pink Floyds „The Wall“ gehört. Immer und immer wieder …

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
L: Ich erwähnte Paul Mescal, z. B. in „Aftersun“. Ich mag auch Jennifer Lawrence in „Silver Linings“. Andrew Scott ist wunderbar in „Steel Country“ und allem anderen, was er spielt. Jessie Buckley hat nun einen Oscar. Den Film habe ich nicht gesehen, aber in „Frau im Dunkeln“ und „I’m Thinking of Ending Things“ war sie großartig. Ich mag Jesse Plemons, Bill Murray, Olivia Colman, Bradley Cooper, Casey Affleck (Oscar für „Manchester by the Sea“ vollkommen zu Recht), Elisabeth Moss und noch ein paar mehr … Ich liebe Filme!

KK:
Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
L: Na ja, selbstfahrende Autos gibt’s ja schon, aber halt nicht bei uns. Ein Verkehrssystem, das darauf beruht, wäre für tourende Musiker eine große Entlastung.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer/-in oder Teamplayer/-in?
L: Die Bands, die ich hatte, haben nie langfristig funktioniert. Lambert mache ich (bin ich) nun hauptberuflich seit 12 Jahren. Das spricht oberflächlich für den Einzelkämpfer. Allerdings sind die Konzerte nur gut durch eine beachtliche Teamleistung. Die erarbeite ich mit Freunden, die ich seit Kindertagen kenne. Ihre Meinung ist in Bezug auf die Live-Umsetzung meiner Musik meiner ebenbürtig. Ich werde oft konstruktiv kritisiert und beherzige die Kritik. Ich denke, das geht nur, wenn man auch ein Gefühl für Teamfähigkeit hat. Auch das neue Album ‚I am not Lambert‘ ist ein Team Album. Der Einfluss meiner Gäste und des Produzenten Daniel Schaub ist groß und so wird es zu mehr als der Summe der einzelnen Teile.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
L: Kreativität ist mein täglich Brot. Ich habe feste Arbeitszeiten. Da muss ich kreativ sein. Ich bin froh, es mir erarbeitet zu haben, kreativ arbeiten zu können, ohne von der perfekten Situation, Zeit oder der Muße abhängig zu sein. Auch die Muse muss mich nicht küssen. Wenn ich kreativ arbeiten muss oder darf, dann tue ich das einfach.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
L: Heutzutage fragt man doch eher nach Podcasts. Ich höre mit viel Freude: „Die Neuen Zwanziger“ und „Das Podcast Ufo“.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister/-in für Kultur wären?
L: Live-Musik muss gefördert werden. Das ist ja auch realistisch. Das Streaming zu retten, werde ich in dieser Position nicht an einem Tag schaffen. Dass Künstler, die ihr Publikum haben, dafür zahlen müssen, um überhaupt spielen zu können, darf nicht sein.
Faktisch ist es so: Wir spielen zu dritt und haben meist keine weitere Person dabei. Wir kümmern uns um Technik, Beleuchtung (mit den Leuten vom jeweiligen Haus), Merch, Tourmanagement, Fahrerei und natürlich Social Media. Wir spielen in der ganzen Welt für ein Publikum von durchschnittlich 200 bis 500 Leuten. Auch mal mehr, auch mal weniger …
Das war vor der Pandemie ein Konzept, mit dem wir alle ein wenig Geld verdienen konnten. Jetzt ist es für mich eigentlich eine Pay-to-play-Situation aufgrund der gestiegenen Kosten und noch einiger anderer Faktoren. Das heißt ja aus politischer Perspektive: Es ist uns egal, wenn Kultur, die ein Publikum hat, sich die Konzerte nicht mehr leisten kann. Das würde ich mir in solchen Positionen nicht vorwerfen lassen wollen.
Auch Kultur, die ein deutlich geringeres Publikum anzieht, verdient Förderung. Alle Jazzclubs brauchen mehr Geld, um diese hochspezialisierte Kunstform zu erhalten. Das Interesse an dieser Musik steigt in Zeiten, in denen die Leute immer unsicherer werden, wo sie Wahrhaftiges auf ihrem Telefon finden können. Trotzdem funktioniert es nur durch Idealismus und eine Musikerschaft, die dazu erzogen wurde, das Prekariat als gottgegeben zu akzeptieren. Ich will niemandem etwas wegnehmen, aber die Förderung muss der sogenannten Hochkultur angeglichen werden.


KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
L: I am not Lambert

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
L: Ach ja: Wir arbeiten dran. Ich glaube, das wird schon …
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Foto: Katharina Jung
Mittwoch 15.04.2026
249. Luis Berra – Ich liebe meinen Beruf
Luis Berra, Sohn einer argentinischen Mutter und eines italienischen Vaters, wurde in Nicaragua geboren und wuchs in der italienischen Toskana auf. Andere Stationen seines Lebens waren die Mittelmeerinsel Sardinien und Glenwood Springs in Colorado. Er studierte Klassik, widmete sich sich intensiv Jazz und Blues und gibt heute mit all dieser Erfahrung an der Musikschule Cham in Bayern sein Wissen weiter.
Sein neues Album „A Piano Won't Fix Your Tormented Soul“ ist bei dem Berliner Label Neue Meister erschienen. Es ist eine Sammlung von persönlichen Skizzen und Impressionen, die den Pianisten in seinem emotionalen Fühlen und seinen pianistischen Fähigkeiten spiegeln. Ein Album, das zudem von einer verinnerlichten Melodik und minimalistischen Strukturen lebt.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Luis Berra: Ich glaube, dass vor allem die schwierigen Erfahrungen entscheidend waren: die Türen, die mir vor der Nase zugeschlagen wurden, die Menschen, die nicht an mich geglaubt haben, und die Fehler, die ich gemacht habe – und zum Teil immer noch mache. Denn Fehler gehören zu uns, sie sind Teil unseres Weges.
Ganz wichtig war auch, meine eigenen Grenzen zu erkennen und zu lernen, mit ihnen zu leben. Erst dadurch konnte ich meinen Weg in der Musik finden.
Und natürlich die sogenannte „Gavetta“ – die Lehrjahre: die vielen Erfahrungen auf unterschiedlichsten Bühnen, von Bars über Hotels bis hin zu Jam-Sessions, sowie der Austausch mit anderen Musikern. Und ich hatte das Glück, großartige Mentoren zu haben – das ist fundamental.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LB: Für mich ist Musik in erster Linie kein Beruf, sondern eine Lebensweise. Musiker zu sein bedeutet, das Leben auf eine bestimmte Art zu leben und zu empfinden. Natürlich verdiene ich meinen Lebensunterhalt mit Musik und mit dem Unterrichten, aber die Musik steht als Kunst und als Haltung immer an erster Stelle.
Was ich erreichen möchte, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich wünsche mir einfach, dass Menschen meine Musik hören und sich davon berühren lassen.
Ich glaube nicht, dass es ein spezielles Publikum braucht – Musik ist Emotion, und Emotionen sind für alle zugänglich.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
LB: Die Schwierigkeiten sind letztlich die des Lebens selbst.
Im Unterricht besteht die Herausforderung vor allem darin, Inhalte an eine Generation zu vermitteln, die einen völlig anderen Zugang zum Lernen hat. Das verlangt viel Reflexion und Anpassungsfähigkeit.
Als Komponist ist es hingegen besonders schwierig, Räume und Möglichkeiten für Konzerte zu finden. Die Menschen sind heute von Unterhaltung überflutet, und es ist nicht einfach, sie dazu zu bewegen, sich zwei Stunden lang auf ein Klavierkonzert einzulassen.
Hinzu kommt die enorme Menge an Musik, die täglich erscheint. Und nicht zuletzt bleibt die persönliche Herausforderung, die eigenen Grenzen anzunehmen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LB: Im musikalischen Bereich war die Zusammenarbeit mit dem Berliner Label Neue Meister sehr bedeutend für mich. Mein neues Album wurde dort auf Vinyl und CD veröffentlicht, begleitet von einem starken Team – das war eine sehr positive Erfahrung.
Auch ein Konzert in Berlin im Rahmen des Piano Day war ein besonderes Erlebnis, mit einem großartigen Publikum.
Auf persönlicher Ebene steht jedoch alles hinter der Geburt meiner Tochter zurück. Vater zu werden ist für mich die tiefgreifendste Erfahrung überhaupt – sie verändert den Blick auf das Leben grundlegend.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LB: Die schönsten Momente sind die Konzerte – vor allem dann, wenn das Publikum wirklich zuhört und sich berühren lässt. Das ist ein unersetzlicher Moment der Freude und Erfüllung.
Aber auch der kreative Prozess selbst: wenn eine Idee entsteht, wenn ein Stück Form annimmt.
Und natürlich die Arbeit im Studio, wenn man die eigene Musik aufgenommen hört.
Ich liebe meinen Beruf, deshalb überwiegen die schönen Momente deutlich. Die Musik ist – trotz allem – eine Art glückliche Insel.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LB: Ich versuche, so viel Musik wie möglich zu hören und ständig Neues zu entdecken.
Johann Sebastian Bach begleitet mich wahrscheinlich am meisten. Daneben höre ich viel Keith Jarrett, insbesondere „The Köln Concert“, sowie Songwriter wie Bob Dylan, Johnny Cash und Tom Waits.
Ich bin sehr offen – manchmal höre ich auch Rap.
Ein großer Teil meines Hörens ist aber Blues: von B.B. King über Buddy Guy, Muddy Waters, Memphis Slim bis hin zu Ray Charles – besonders Chicago Blues, aber auch Louisiana Blues.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LB: Ganz klar Vinyl – und Streaming.
Ich habe viele Platten, viele davon von meinem Vater, die mich stark geprägt haben. Dazu kommen viele eigene Käufe, vor allem im Blues-Bereich.
CDs höre ich hingegen kaum noch.

KK: Was lesen Sie momentan?
LB: Aktuell nichts Konkretes, aber ich lese regelmäßig Texte zur Klavierpädagogik.
Zuletzt habe ich die „Blackwater“-Saga gelesen.
Früher habe ich mehr gelesen als heute, aber ich halte Lesen – insbesondere die Klassiker – für essenziell für jeden Künstler.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LB: Ungerechtigkeit – in jeder Form.

KK: Was freut Sie ungemein?
LB: Geliebt zu werden und selbst zu lieben.
Meine Familie – meine Tochter, meine Frau – steht dabei im Mittelpunkt.
Und auch die Momente, in denen ich spüre, dass meine Arbeit etwas bewirkt, sei es im Unterricht oder auf der Bühne. Am Ende ist es die Liebe, die am meisten zählt.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
LB: Nein – weder habe ich Kleidung genäht noch Möbel gebaut.
Ich habe höchstens Möbel zusammengebaut, etwa von IKEA.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LB: Als Italiener denke ich sofort an Roberto Benigni, insbesondere an „La vita è bella“, aber auch an seine früheren Filme. Daneben natürlich Woody Allen.
Und allgemein viele große amerikanische Schauspieler wie Jack Nicholson oder Robert De Niro.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LB: Ich glaube, wirklich etwas völlig Neues zu erfinden ist fast unmöglich.
Alles entsteht aus Transformation, aus Erfahrung. Deshalb ist echte „Neuheit“ sehr selten.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer/-in, oder Teamplayer/-in?
LB: Beides, je nach Situation.
Zusammenarbeit ist wichtig, weil man von anderen lernt. Gleichzeitig brauche ich die Einsamkeit – besonders beim Komponieren.
Als Pianist muss man lernen, allein zu sein. Aber ich bin auch ein sehr geselliger Mensch.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LB: Es gibt keinen festen Moment.
Ideen entstehen aus Arbeit, aus innerem Drang – oft sogar in Momenten von Müdigkeit oder Chaos.
Natürlich helfen auch ruhige Phasen, aber Kreativität ist nicht planbar.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LB: Vor allem Online-Zeitungen wie La Repubblica, Der Spiegel oder die New York Times, insbesondere deren Kulturseiten.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister/-in für Kultur wären?
LB: An einem Tag lässt sich wenig bewegen.
Aber ich würde versuchen, mehr Klarheit im Urheberrecht zu schaffen – besonders im Interesse der Künstler.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LB: „Danke an alle, die mir gesagt haben, ich soll aufhören.“
Denn genau diese Erfahrungen haben mich geprägt und motiviert.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LB: Ich versuche, nicht zu sehr in die Zukunft zu denken.
Ich sehe mich vor allem als Vater. Alles andere kommt danach.
Beruflich wünsche ich mir mehr Konzerte und ein größeres Publikum, ohne das Unterrichten aufzugeben.
Ich sehe mich als Vater, als Lehrer und – hoffentlich – als Künstler, der schöne Konzerte gibt.
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Autor: Siehe Artikel
Dienstag 10.02.2026
248. Alma Naidu - „Beim Einschlafen kommen mir meist die besten Songideen“
Bilder
Foto: Boris Breuer
Alma Naidu studierte an der Hochschule für Musik und Theater in München, wobei sie sich ein Semester bei keiner geringeren als Norma Winston an der Royal Academy of Music in London praktisches Wissen im Fach Gesang aneignete. Doch musikalisch aktiv war die 1995 in München in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsene Alma schon vorher. Früh hatte sie klassischen Klavierunterricht, lernte Geige, später Gitarre. Mit 15 komponierte sie erste Songs.
Nach ihrem Studium war sie als Bühnenkünstlerin in verschiedenen Musical- und Opernproduktionen zu sehen und zu hören und gehörte als Mitglied zum Landesjugendjazzorchester Bayern sowie zum Bundesjazzorchester.
Beim Jazzfestival in Burghausen lernte sie Schlagzeuger Wolfgang Haffner kennen, der auch ihr erstes Album produzierte. Dabei als Mitmusiker im Studio: Christopher Dell, Lars Danielsson, Nils Landgren, Dominic Miller, Simon Oslender und natürlich Wolfgang Haffner.
2021 erhielt die Sängerin den BMW Welt Young Artist Jazz Award und den Bayerischen Kunstförderpreis in der Kategorie „Musik“.
Mittlerweile ist das zweite Album von Alma Naidui erschienen: "Redefine" (Leopard Records).
Am Mittwoch 25. Februar gastiert Alma Naida mit dem Gitarristen Philipp Schiepek in der Reihe JazzFirst in Fürstenfeld. Einen Tag zuvor ist das Duo im Bürgerhaus Pullach zu hören.

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Alma Naidu: Gute und schlechte Vorbilder.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
AN: Wichtige Themen ansprechen, zum Nachdenken anregen, Strukturen hinterfragen und Menschen berühren.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
AN: Mit patriarchalen Strukturen und veralteten Systemen in der nach wie vor männerdominierten Jazzszene. Und mit bestimmten Männern, die mir nach Konzerten Tipps geben, während sie mich ungefragt an der Schulter berühren.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
AN: In privatem Rahmen mit der sehr inspirierenden, inzwischen 97-jährigen Bibi Jones zu singen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
AN: Wenn nach Fahrerei, Organisation, Soundcheck und allem Drumherum endlich das Konzert beginnt und ich mit meinen großartigen Mitmusiker*innen Musik machen kann, die jeden Abend neu entsteht.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
AN: Was ich momentan höre: Sting, Dvo?ák, Becca Stevens, James Taylor und die Musik aus „Wicked“.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
AN: Vinyl.

KK: Was lesen Sie momentan?
AN: "Windstärke 17" von Caroline Wahl.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
AN: Das Patriarchat.

KK: Was freut Sie ungemein?
AN: Kinder, Windsurfen, Musizieren und Singen mit lieben Menschen vor einem tollen Publikum.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
AN: Der Versuch, einen Schal zu häkeln, ist gescheitert.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
AN: Von Ariana Grande in „Wicked" und von Emma Stone in „Poor Things“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
AN: Ein Straßenschild, das veranschaulicht, wie das Einfädeln beim Reißverschlussverfahren funktioniert.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
AN: Dank meines wachsenden Teams immer mehr als Teamplayerin.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
AN: Beim Einschlafen kommen mir meist die besten Songideen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
AN: Instagram Doomscroll mit gelegentlich zu langem Abdrift in die Kommentarsektion.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
AN: Zuerst würde ich mich als Staatsministerin bezeichnen. Als solche würde ich mich dann dafür einsetzen, die Strukturen in den Jazzabteilungen zu erneuern. Für mehr Progression und Diversität und für mehr Vorbilder, vor allem für junge Jazzmusikerinnen. Außerdem sollten Entscheidungspositionen an Hochschulen, Festivals und in Gremien regelmäßiger rotieren und zeitgemäß fortgebildet werden - ebenso wie Kulturmedien und Redaktionen -, so dass strukturell wie sprachlich niemand ausgeschlossen wird und Fortschritt aktiv vorangetrieben werden kann.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
AN: Ja, das habe ich selbst geschrieben.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
AN: Weiblich.
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Fotos: Florian Lehner, Ingo Pertramer
Mittwoch 04.02.2026
247. Lisa Schmid – Mit einer gewissen Wurschtigkeit
Lisa Schmid fühlt sich mit Haut und Haar als Wienerin. Wienerisch, mit einer gewissen „Wurschtigkeit“, trifft sie in ihrer Arbeit und im Privaten die ganz großen Themen des Menschseins: Endlichkeit, Unsterblichkeit und die nie enden wollende Sehnsucht. Das wird in den Liedtexten ihres Albums "Bittersüss" deutlich, in ihren Kabarett-Programmen sowieso.
Am Mittwoch 11. Februar tritt Lisa Schmid in der Pasinger Fabrik auf. „Musikalisch zeigt sich Schmid vielseitiger als je zuvor“, schreibt der Veranstalter. „Sie wandelt sich und bewegt sich weg von der dunklen Stimmung, hin zu einer poppigen Leichtigkeit, getragen von poetischen Texten - ihre Wurzeln verliert sie dabei nicht.
Beginn des Konzerts: 20 Uhr.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Lisa Schmid: Dass ich von allen Schulen geflogen bin.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LS: Meine Lieder sind wie ein Tagebuch und das schönste Gefühl ist wenn sich Menschen in diesen Geschichten wiederfinden.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen.?
LS: Mit „Meinungen“.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LS: Der Mut der Menschen im Iran.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LS: Wenn ein Lied zu mir findet…und der Prozess des Schreibens.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LS: Mein Musikgeschmack ist geprägt von österreichischen Liedermachern. Die Lieder von Georg Danzer begleiten mich seit meiner Kindheit. Außerdem höre ich auch Ludwig Hirsch, Wolfgang Ambros, Nino aus Wien, Hansi Dujmic…aber auch: Oasis, Beatles, Bob Dylan, ...

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LS: Vinyl

KK: Was lesen Sie momentan?
LS: „Opernball“ von Stefanie Sargnagel

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LS: Ungerechtigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
LS: Der Frühling am Friedhof. Generell liebe ich den Frühling, da fühlt sich alles so „neu“ an. Ich finde es sollte das ganze Jahr Frühling sein.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
LS: Ja während Corona habe ich mit meiner Oma alte Kleidung umgenäht. Ich liebe es handwerklich zu arbeiten. Zuletzt habe ich in dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, alles renoviert und auch ein paar alte Möbelstücke abgeschliffen und neu lackiert.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LS: Das ist sehr schwierig zu beantworten. Ich liebe Filme. Und ich liebe viele Filme. Aber spontan würde ich sagen Leonardo Di Caprio in „Jim Carroll – In den Straßen von New York“ (1995).

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LS: Es wäre großartig wenn jemand ein Heilmittel gegen Krebs erfinden würde.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LS: Beides.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LS: Im Auto und am Friedhof.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LS: Keine.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
LS: Ich würde ein bedingungsloses Grundeinkommen für Kulturschaffende einführen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LS: Ich denke ich würde keine schreiben wollen. Ich finde man erfährt so vieles über mich wenn man zwischen den Zeilen meiner Lieder liest. Der Rest gehört nur mir.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LS: Ich denke immer ans Ende. Ein paar Schritte voraus. Am Ende sind wir alle tot. Aber das ist schon sehr negativ. Deshalb versuche ich ein paar Schritte zurück in die Zukunft zu denken: meine persönliche Zukunft stelle ich mir erfüllt von künstlerischer Arbeit vor. Ich würde mir wünschen, dass es immer weitergehen kann, dass ich immer wieder Lieder finde und bis zum Ende diesem Beruf nachgehen darf und kann.
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