In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
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1. 167. Rainer Böhm – Im Einklang mit der Natur
2. 166. Fjarill - „Warum verdienen eigentlich Frauen immer noch weniger als ...
3. 165. Cymin Samawatie & Ketan Bhatti – Die Empathie-Pille
4. 164. Doris Orsan - Selbstgenäht und selbstgefärbt
5. 163. Felix Reuter - Ich würde Tickets von der Umsatzsteuer befreien
6. 162. Brüder Selke - Es gibt immer einen Ausweg und jeder Morgen ist ein ne...
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© Joachim Gern
Freitag 28.05.2021
167. Rainer Böhm – Im Einklang mit der Natur
Rainer Böhm gehört zu den herausragenden europäischen Jazzpianisten. 1977 in Ravensburg geboren erhielt er mit vier Jahren ersten Klavierunterricht und gründete schon im jugendlichen Alter sein erstes Jazztrio. Bis heute hat er ungezählte Aufnahmen als Sideman und ein Dutzend Alben unter eigenem Namen eingespielt. Etliche Preise und Auszeichnungen, sowie mehrere Professuren sind Teil seiner Biographie. Dieser Tage erscheint mit „Kokoro“ eine neue Kooperation von Rainer Böhm und Johannes Enders. Beide kennen sich seit Jahren gut und so genügten nur zwei Tage für diesen bemerkenswerten musikalischen Dialog. „Wir wollten nichts, wir haben einfach nur gemacht“, war das Credo ihres künstlerischen Tuns. Herausgekommen ist ein wunderbares Album, das sowohl in seiner Intensität, als auch in seinem Einfühlungsvermögen und seiner Geschlossenheit besticht.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Rainer Böhm: - vor allem der Einfluss meiner Familie und Freunde.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
RB: - in erster Linie muss ich mit meiner Kunst selbst im Reinen sein und sie muss mich berühren. Nur so schöpfe ich die nötige Kraft, um überhaupt so viel Arbeit in meine Musik investieren zu können.
Ich freue mich aber über jeden Menschen, den ich damit erreichen kann.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
RB: - grundsätzlich zu wenig Zeit, um alles zu verwirklichen, was ich gerade möchte und das viele Reisen (das ich zum Teil aber auch mag)

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
RB: - das ungewohnte Erlebnis, wirklich viel Zeit für mich allein und zum Üben zu haben (auf Grund der abgesagten Konzerten / bedingt durch die Corona Pandemie)

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
RB: - die Schönheit der Musik und Kommunikation mit anderen Musikern

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
RB: - vor allem Jazz. Liebe aber auch Musik aus vielen anderen Genres, z.B. Klassik, Pop, Rock, Soul, Hip Hop, Brasilianische Musik etc.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
RB: - am liebsten Vinyl, höre aber leider meistens digitale Formate (da es praktikabler ist)

KK: Was lesen Sie momentan?
RB: - von Olivier Messiaen „Technik meiner musikalischen Sprache"

KK: Was ärgert Sie maßlos?
RB: - Krieg, Armut, Hass, Krankheit

KK: Was freut Sie ungemein?
RB: - die Gesellschaft lieb gewonnener Menschen und gutes Essen / Trinken

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
RB: - nein, außer einem selbst zusammen gebauten Ikea Regal. Beim Zusammenbauen des Ikea Schranks brauchte ich Hilfe.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
RB: - Tom Hanks in Captain Phillips (fällt mir gerade spontan ein, da mir der Film vor kurzem auf Netflix vorgeschlagen wurde. Gibt aber natürlich viele andere bzw. bessere Beispiele)

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
RB: - ein Sensor, der erkennt, was einem gerade gut bzw. nicht gut tun würde

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
RB: - Teamplayer

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
RB: - wenn mir langweilig ist

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
RB: - vor allem Nachrichten

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
RB: - grundsätzlich würde ich mehr Förderung für die freie Kunst einsetzen und würde ein System entwickeln, dass die Gelder unter den freien Künstlern fairer verteilt

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
RB: - Liebe

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
RB: - im Einklang mit der Natur und Frieden auf Erden
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Dienstag 11.05.2021
166. Fjarill - „Warum verdienen eigentlich Frauen immer noch weniger als Männer?“
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Fjarill, das Singer-Songwriter-Duo, haben mit POËSI ihr mittlerweile neuntes Album eingespielt. Es bewegt sich stärker als seine Vorgänger in einem ausgeglichenen Spannungsverhältnis von Musik und Poesie. Die Musik, in den Grenzbereichen zwischen Pop, Klassik, Jazz und Folk angesiedelt, bekommt durch die Texte, die ausnahmslos von der jüdischen Dichterin Nelly Sachs und dem schwedischen Lyriker Pär Lagerkvist stammen, noch einmal eine völlig andere, seelisch tiefer greifende Atmosphäre. Es sind insgesamt dreizehn Songs, deren Zartheit und spürbare Empathie beeindrucken. Ein Album zum Innehalten, in seiner lyrischen Melancholie aber zugleich auch aufwühlend und berührend.
Sängerin und Pianistin Aino Löwenmark stammt aus Schweden, Violinistin und Sängerin Hanmari Spiegel ist in Südafrika geboren und aufgewachsen. In Hamburg gründeten sie 2004 Fjarill, was übersetzt „Schmetterling“ heißt. Aufgrund der geographischen Herkunft und der sehr individuellen wie ausdrucksstarken Themen könnte man bei Fjarill auch von einer sentimentalen Weltmusik sprechen, die in gängige Stilschubladen so gar nicht passen will.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Fjarill: Oh, da könnte man jetzt eine sehr lange Antwort aufschreiben, aber wir denken, es sind alle Entscheidungen und Handlungen, die wir bis jetzt zu diesem Zeitpunkt getroffen haben. Die weittragenste Entscheidung ist wahrscheinlich das Auswandern aus Südafrika und Schweden in den 90er Jahren.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
F: Wir möchten gerne mehr von der Welt und vom Dasein verstehen. Musik ist dafür da eine Brücke zwischen uns und dem Publikum zu bauen. Wir wissen, wir können die Menschen nur dann erreichen, wenn wir emotional ehrlich sind.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
F: Lange Reisen und manchmal technische Schwierigkeiten. Im Grunde genommen sind alle Widrigkeiten auf Missverständnisse zurück zu führen

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
F: Der Tod unserer Schwiegermutter.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
F: Auf der Bühne zu sein und zusammen mit dem Publikum alles zu geben.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
F: Natürlich hören wir Musik, aber welche?
Aino: Ich höre momentan ganz viel Peter Gabriel aber auch viel von Miles Davis.
Hanmari: Ich mag alles was mich berührt.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
F: Eigentlich noch CD denn es ist viel zu schwer eine Vinyl in das Autoradio zu packen :-)

KK: Was lesen Sie momentan?
F: Hannah Arendt ….

KK: Was ärgert Sie maßlos?
F: Lobbyismus und Korruption und Frauenunterdrückung. Warum verdienen eigentlich Frauen immer noch weniger als Männer?

KK: Was freut Sie ungemein?
F: Wenn David gegen Goliath gewinnt. Tolle Vorbilder für die Kinder, wie Greta und tolle Musik für Kinder und Jugendliche. Gesund zu sein und leckeres Essen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
F: Nein leider nicht. Wir haben versucht, aber es wurde ein Desaster!

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
F: Roberto Begnini in „Pinocchio“

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
F: Eine Maschine, die macht, dass wir Menschen uns verstehen können.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
F: Teamplayer, denn sonst könnten wir keine Musik zusammen machen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
F: Wenn wir aktiv ganz andere Sachen machen…Nicht, wenn wir uns hinsetzten und nachdenken. Da kommt meist gar nichts.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
F: The Tapping Solution finde ich gerade sehr interessant. (Aino)

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
F: Allen Künstlern und Kulturhäusern ein lebenslanges Monatsgehalt geben, so dass man viel freier seine Kunst ausüben kann … In der Schule sollte erst einmal Musik, Theater und Kunst zu den Hauptfächern gehören, wie bei den alten Griechen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
F: Bleib locker, denn jeder Tag ist ein neues Musikstück – wahre Worte von Fjarill :-)

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
F: Das was man selbst daraus macht.
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Mittwoch 28.04.2021
165. Cymin Samawatie & Ketan Bhatti – Die Empathie-Pille
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Foto: Silke Weinsheimer / ECM Records
Cymin Samawatie und Ketan Bhatti sind das Gerüst der seit 2002 bestehenden Band Cyminology. Dieses Quartet bewegt sich in einem musikalischen Bereich, in dem Jazz und traditionelle orientalische Folklore, europäische Kammermusik und persische Lyrik zusammenkommen. Über ein Konzert des Quartetts war vor einiger Zeit zu lesen: „Das besondere an der Musik von Cyminology ist, dass sie sich aus scheinbaren Gegensätzen speist: Aus Altem und Neuem, aus Spannung und Harmonie, aus Disziplin und Freiheit, aus Freude und Melancholie.“
Diese Kulturen übergreifende Herangehensweise haben Cymin Samawatie und Ketan Bhatti mit ihrem neuen Album noch um eine Facette erweitert. Sie haben für die Umsetzung ihrer Kompositionen, die ebenso zwischen Orient und Okzident angelegt sind und bei denen Cymin die Texte alter wie moderner persischer Lyrik in hebräisch, türkisch und arabisch interpretiert, diesmal das 2013 von ihnen selbst gegründete Trickster Orchestra einbezogen. Diese aus unterschiedlichsten Kulturkreisen bestehende Formation ist aus einer Zusammenarbeit im Rahmen des Educations-Programms der Berliner Philharmoniker entstanden. Die Instrumentierung ist dabei ebenso mannigfaltig, wie die musikalischen Inhalte, in denen auch Einflüsse der zeitgenössischen klassischen Musik zum Ausdruck kommen.
Cymin Samawatie ist 2018 mit dem Deutschen Weltmusikpreis RUTH, dem Deutschen Kreolischen Weltmusikpreis und weiteren internationalen Würdigungen ausgezeichnet. Ketan Bhatti erhielt 2008 (gemeinsam mit Simon Stockhausen) den Karl-Hofer-Preis.
Cymin Samawatie & Ketan Bhatti „Trickster Orchestra“ (ECM)

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Cymin Samawatie: Die Erziehung meiner iranischen Eltern in Braunschweig und sicherlich auch meine religiöse Prägung. Die großartige Unterstützung meiner Musiklehrerin ab der 7. Klasse und ersten musikalischen Mentorin Agnes Kauer.
Auf jeden Fall auch der einjährige Aufenthalt in Amerika im Alter von 16 Jahren.
Mein klassisches Lehramtsstudium in Hannover als Pianistin und Schlagzeugerin.
Das anschließende Jazzgesangsstudium in Berlin.
Die vielen Hürden, die ich geschafft und vor allem die, die ich nicht geschafft habe. Die unendlichen Begegnungen, die mich auch heute noch prägen und formen.
Und vieles mehr...

Ketan Bhatti: Meine alleinerziehende Mutter und mein 6 Jahre älterer Bruder, mit dem ich auch heute noch eng zusammen arbeite, waren bestimmt mit die wichtigsten Faktoren. Aber auch mein in Indien lebender Vater, der über viele der Themen, die ich musikalisch verhandle auf kulturtheoretischer Ebene schreibt und forscht.? Dazu kamen die diversen Bandprojekte – von Reggae bis Jazz -? während meiner Jugend, mein Jazz-Studium an der UdK, meine Philosophen-WG zur Studienzeit? und nicht zuletzt meine Lebenspartnerin, mit der ich seit über 20 Jahren die Welt zu fassen versuche.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
KB: : Wir möchten dazu beitragen, dass mehr Perspektiven Teil der Gesellschaft sein können. Daher möchten wir natürlich alle Menschen erreichen, um Sensibilisierung flächendeckend zu generieren, die dazu führt, dass immer alle Menschen mitdenken bei Fragen von Teilhabe, Gleichberechtigung, Chancengleichheit.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
CS: Ich empfinde es als sehr Mühsam, dass ich ständig meine Arbeitsweise und auch die Musik, für die ich mich einsetzte, beschreiben und erklären muss. Statt für die Umsetzung dieser Ideen kämpfen zu müssen, würde ich gerne darin mehr gefördert werden. In Deutschland fehlt es noch an entsprechenden Strukturen, Räumen und Institutionen, um z.B. diverse Orchester? Ensembles und deren Arbeitsweise angemessen zu fördern.
KB: Ja, letztlich ist das Hauptproblem, dass alle Selbständigen begleitet, dass wir unsere Existenz immer wieder neu erkämpfen und legitimieren müssen. Es gibt keine Absicherungen, keine Gewissheit, wovon wir in zwei Jahren leben werden. Der Preis der Kunst, die nicht institutionalisiert ist, ist es immer mit Existenzängsten leben zu müssen. Da geht es uns aber verglichen mit Menschen in anderen Erdteilen immer noch gut. Verglichen mit den Gewinner*innen dieses Systems aber eben eher schlecht. Das nervt schon.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
KB: Dass das Verfassungsgericht den Berliner Mietendeckel gekippt hat, war ein neuer Tiefpunkt, der mir gezeigt hat, wessen Interessen im Staat Vorrang haben und welche Machtstrukturen nach wie vor geschützt werden. Das hat mich sehr stark negativ beeindruckt. Ich muss mich richtig erholen davon. Ansonsten hat es mich sehr beeindruckt, wie stark der Solidaritätsgedanke in der Bevölkerung während der Pandemie war und ist. Ich hege die Hoffnung, dass sich diese Solidarität übertragen lässt auf globale Themen wie Umverteilung und Klimaschutz.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
CS: Der Augenblick der emotionalen, musikalischen Verschmelzung mit meinen Kolleg*innen und den Zuhörer*innen im Raum, wenn ich auf der Bühne bin.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
CS: Ja, ich höre viel Musik. Ich höre fast jede Art von Musik. Das hängt in der Regel von meinem Gemütszustand ab. Im Moment höre ich regelmäßig Billie Eilish, Erykah Badu, Das letzte Album von Alicia Keys und Ricky Dietz.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
CS: Ich höre eher CD.
KB: Ich streame, muss ich gestehen. Und wenn nicht, dann Vinyl.

KK: Was lesen Sie momentan?
CS: Ich habe gerade das Buch „Desintegriert Euch“ von Max Czollek gelesen.
KB: Dait fange ich jetzt an.:-)

KK: Was ärgert Sie maßlos?
KB: Dass wir noch keinen Weg gefunden haben den Kapitalismus mit all seinen schrecklichen Auswirkungen weltweit zu zähmen bzw. zu überwinden.

KK: Was freut Sie ungemein?
CS: Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
CS: Ja, sowohl als auch...

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
KB: Die sehr junge Ella Frey hat die Hauptrolle in dem vorletzten Film gespielt, zu dem ich die Musik gemacht habe. „Glück ist was für Weicheier“. Ihr Performance hat mich sehr beeindruckt.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
KB: Die Empathie Pille.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
CS: Ich bin eindeutig ein Teamplayer!

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
CS: Im Austausch mit anderen Künstler*innen.
KB: Beim Spazieren gehen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
KB: https://verfassungsblog.de, Sternstunde Philosophie https://www.srf.ch/play/tv/sendung/sternstunde-philosophie?id=b7705a5d-4b68-4cb1-9404-03932cd8d569

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
CS: Ich würde ein Gorki für die Musik aufbauen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
CS: Ready to die happy!
KB: Kommt da noch was?

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
CS: Gar nicht. Die Zukunft wird sich schon selbst vorstellen...
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Mittwoch 24.02.2021
164. Doris Orsan - Selbstgenäht und selbstgefärbt
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Doris Orsan ist Geigerin und hat bei Professor Paul Roczeck am Salzburger Mozarteum studiert und war als Stipendiatin bei Professor Lewis Kaplan an der New Yorker Juillard-School of Music. Seitdem tritt die heute in München lebende Musikerin als Solistin und Kammermusikpartnerin in unterschiedlichen Besetzungen auf. Der Münchner Merkur schrieb über sie: „Doris Orsans Violine ist eine Primadonna, so ausdrucksvoll singend wie einst die spanische Montserrat Caballé.“
Anfang April wird auf GLM München Doris Orsans neues Solo-Album „Ciaccona“ veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um die beiden ersten Sätze aus Johann Sebastian Bachs Partiten, die schon Johannes Brahms als „eines der wunderbarsten, unbegreiflichsten Musikstücke“ hielt. Doris Orsan selbst sagt: „Bachs Musik führt den Ausführenden zu sich selbst, zum eigenen Ausdruck, der zugleich in der Musik seine Allgemeingültigkeit findet. In diesem Sinne gibt es nicht die eine wahre Bach-Interpretation, sein Werk nimmt alle auf, die sich auf die Suche begeben.“

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Doris Orsan: Begegnungen mit den richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt und die eigene Neugierde, etwas draus zu machen...

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
DO: Musik kann uns innere Dimensionen aufzeigen, an denen wir im Lärm des Alltags meist vorübergehen. Die feinen Nuancen der Bach'schen Musik beispielsweise machen uns weich und empfindsam. Sie helfen uns, zu unserem innersten menschlichen Kern vorzudringen, der beginnt zu resonieren.
Musik schließt niemanden aus. Sie spricht alle Menschen an, die bereit sind, sich im intensiven Hören auf den Weg zu machen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
DO: Die Begrenztheit von Zeit und - ganz banal - kalte Hände

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
DO: Wie sich eine Gesellschaft innerhalb kürzester Zeit grundlegend verändern kann und vermeintlich unumstößliche Werte plötzlich hintanstehen müssen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
DO: Wenn im Konzert zu spüren ist, dass sich alle in einem gemeinsamen inneren Raum befinden und nicht mehr wichtig ist, wer spielt und wer zuhört.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
DO: Ich höre im Alltag eher wenig Musik, da man als Musiker entweder selbst Musik macht oder die Musik im Inneren weiter klingt. Ausnahme natürlich: Wenn ich mich gezielt mit einem bestimmten Komponisten beschäftige.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
DO: Der Träger ist für mich nicht von Bedeutung, nur der Inhalt.

KK: Was lesen Sie momentan?
DO: „Warum schweigen die Lämmer“ von Prof. Rainer Mausfeld

KK: Was ärgert Sie maßlos?
DO: Einseitige und festgefahrene Meinungen, die kein offenes Gespräch mehr zulassen.

KK: Was freut Sie ungemein?
DO: Gemeinsames Musizieren, herzliche menschliche Begegnungen und - nicht zuletzt - das Lachen meines Sohnes (10)

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
DO: Mit den eigenen Händen schöne Dinge zu erschaffen, hat mich schon früh begeistert. Mit dem Nähen z.B. habe ich in jungen Jahren begonnen. Zum Leidwesen meiner Eltern entwickelte ich dabei einen zunächst sehr eigenwilligen Freestyle, der sich zum Glück im Lauf der Zeit etwas beruhigt hat. Legendär: Das selbstgenähte (und selbstgefärbte!) Konzertkleid zum Beethovenschen Violinkonzert!

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
DO: Charlie Chaplin in "Der große Diktator"

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
DO: Eine Maschine, die aus sich selbst heraus Energie erzeugt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
DO: Als Musiker kommt man nicht umhin beides zu sein. Die unablässige kritische Arbeit an sich selbst führt einerseits zu einer starken Selbstwahrnehmung und Selbstdisziplin. Andererseits ist weniges so erfüllend, als gemeinsames Musizieren - wozu übrigens auch die Zuhörer beitragen!

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
DO: Während des übens, in brisanten Ausnahmesituationen und in einem wirklich offenen Diskurs.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
DO: Yoga easy (meine tägliche Yogaübung), Plötz-Blog (Brot und Süßes backen mit Sauerteig), Reitschuster.de (alternativer Journalismus)

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
DO: Meine Amtszeit um ein Jahr verlängern, viele Kulturschaffende um mich scharen und aus einer basisdemokratisch organisierten Schwarmintelligenz heraus einen Schritt vor den anderen setzen.
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Foto: Hamish-John-Appleby
Freitag 12.02.2021
163. Felix Reuter - Ich würde Tickets von der Umsatzsteuer befreien
Felix Reuter ist Pianist, Musikkomödiant, Kabarettist, Improvisationskünstler und Entertainer. Man könnte auch schlicht sagen, er sein ein humorvoller Pianist. Aber das wäre nun einmal untertrieben. „Mozart war ein Rock ‘n Roller, Beethoven eher ein Pop-Musiker, und Bach zeigte schon damals seine musikalische Verwandtschaft zum Jazz.“ Wenn man die musikalische Hochkultur mit diesen Ohren „betrachtet“, passt das Zitat der FAZ „So haben Sie Klassik noch nie gehört!“ perfekt.?
1972 in Jena geboren, begann der Thüringer mit sechs Jahren Klavier zu spielen, studierte später an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar. Schon dort stellte sich ihm die Frage, warum denn innerhalb dieser Musiksparte alles immer derart ernst klingen muss. Und so wurden seine Klavierkonzerte zu einer humorvollen Klassikshow, mit der er seit Jahren erfolgreich durch die Welt tourt. Am 12. März erscheint anlässlich des 250. Geburtstages von Ludwig van Beethoven im Jahr 2020 sein neues Album "Der verflixte Beethoven“, auf dem er sich komödiantisch und mit einer großen Prise Humor mit dem großen europäischen Komponisten musikalisch auseinandersetzen wird. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Veröffentlichung finden Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=iEkBJyqj4EE ?

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Felix Reuter: Ich komme aus einem musikalischen Elternhaus. Mein Vater war Organist und meine Mutter Musiklehrerin. Also wurden wir Kinder nicht gefragt, ob, sondern welches Instrument wir erlernen möchten. Ich war, glaube ich, sechs Jahre alt, als ich mich für Klavier entschied. Von der Musikschule mit einigen für mich wertvollen Wettbewerben ging es dann zum Studium an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar. Das war eine schöne Zeit! Immer mehr interessierten mich die Hintergründe der klassischen Musik: Welche Komponisten kannten sich, welche mochten sich nicht und was war das jeweils Besondere an den Kompositionen der vergangenen Jahrhunderte? Ich bekam zusätzlich Jazz- und Orgelunterricht und begann zudem, meine eigene Musik zu komponieren. Ich denke, dies sind Grundlagen meiner Musik und auch dafür, dass ich in meinen Konzerten so gerne über Anekdoten und beispielsweise melodische Diebstähle in der klassischen Musik erzähle.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
FR: Meine Konzerte sind grundsätzlich für jede und jeden geeignet – für Klassikkenner genauso wie für Klassikneulinge. Durch den kabarettistischen Hintergrund sind meine Konzertprogramme für die ganze Familie ein Erlebnis. Was war zuerst da: Die Melodie von Smetanas Moldau oder das Volkslied „Alle meine Entchen“? Sie unterscheiden sich nur durch einen Ton. Es gibt unzählige weitere Beispiele... Also, ich freue mich über junge, angehende Musikliebhaber, aber auch über Experten. Oft habe ich gehört, dass Gäste, die sonst nie Klassik konsumieren, überrascht waren, wie amüsant und leicht meine Herangehensweise an die doch oft so ernste Klassik gewesen sei. Das freut mich riesig!

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
FR: Das lässt sich schwierig beantworten, denn ich bespreche ja immer im Vorfeld Technik und Instrument, welches ich an dem Konzertabend benötige. Das hat bisher – bis auf wenige Ausnahmen – prima geklappt. Aktuell liegen die Herausforderungen als Musikschaffender freilich auf der Hand…

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
FR: Das kann ich schnell sagen: Wie rasant sich in den letzten Monaten die Welt und das Geschehen verändert hat. Das hat mich auf jeden Fall beeindruckt. Das ist erschreckend. Die Kulturszene muss ums Überleben kämpfen und jeder muss sehen, wo er bleibt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
FR: Man sagt, der Applaus sei das Brot des Künstlers. Es gibt für mich jedoch verschiedene schöne Momente, zum Beispiel, wenn ich ein Programm für die Saison vorbereite und das erste Mal vor Publikum aufführe – das ist ein großer Moment. Da kann ich die Aufregung nicht leugnen. Da jeder Konzertabend bei mir anders verläuft und es keinen festen Regieplan gibt, bleibt es immer sehr spannend und herausfordernd. Das ist es, was mich in Bewegung hält und nie Routine aufkommen lässt.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
FR: Ich bin niemand, der ständig Musik hört, auch nicht mit Kopfhörern unterwegs. Wenn ich etwas höre, dann ausgesuchte Musik und in Ruhe. Am liebsten mag ich Komponisten wie Sergej Rachmaninow oder Edvard Grieg... Aber ich liebe auch die Musik von George Gershwin oder gut gemachte Filmmusiken. Außerdem höre ich dann und wann gerne richtig guten Soul oder jazzige Nummern.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
FR: Meistens ist es noch die CD, da kann ich das Cover anschauen und lesen; und ich habe über die Jahre unendlich viele CDs gesammelt… Leider gibt es immer weniger Möglichkeiten CDs abzuspielen. Im Auto gibt es nun die besten Sound-Anlagen, aber man kann dort nur komprimierte Musik von Sticks oder Streaming-Diensten abspielen.

KK: Was lesen Sie momentan?
FR: HOMO DEUS von Yuval Noah Harari.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
FR: Momentan ärgert es mich, dass man als Künstler gar nicht planen kann. Niemand kann Zu- oder Absagen von noch bevorstehenden Veranstaltungen treffen. Ehe ein Konzert stattfinden kann, braucht es ja einiges an Vorlaufzeit. Es müssen Tickets, Plakate oder andere Werbemittel gedruckt und verteilt werden. Die Medien müssen frühzeitig informiert sein und und und… Das sind alles Kosten, die man ungern riskiert, wenn die Veranstaltung dann eventuell nicht stattfinden kann.

KK: Was freut Sie ungemein?
FR: In dieser „Pandemiezeit“ seit März des vergangenen Jahres habe ich auch viel gelernt. Was kann und möchte ich tun, wenn ich keine Konzerte geben kann? Das ist nun mal meine Berufung, ich wollte nie etwas anderes machen. Also beschäftige ich mich mit Streaming-Möglichkeiten, den technischen Anforderungen… und ich habe mit meinem Label sonokraft in Hamburg ein neues Studioalbum aufgenommen mit Neubearbeitungen berühmter Werke von Ludwig van Beethoven. Es steht kurz vor der Veröffentlichung, der große Tag dafür ist der 12. März. Das fertige Album und das Notenbuch dazu in den Händen zu halten ist ein unbeschreibliches Gefühl. Und es freut mich, dass das in diesen Zeiten möglich war. Bei gewohnter ständiger Konzerttätigkeit hätte ich dafür wohl weniger Zeit gefunden.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
FR: Nein, handwerklich bin ich dann doch derjenige, der lieber zuschaut… oder vielleicht mit unqualifizierten Ratschlägen dienen kann.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
FR: Filme mit den „guten, alten“ Schauspielern wie Robert De Niro oder Robert Redford schaue ich sehr gern. Vielleicht liegt es daran, dass ich den Eindruck habe, dass bei moderneren Filmtechniken die Schnitte immer kürzer werden, das Tempo immer weiter gesteigert wird und die Möglichkeit der eigenen Wahrnehmung kürzer kommt. Oder weil ich vielleicht einfach nicht mehr der jüngste Zuschauer bin…

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
FR: An ein Perpetuum Mobile habe ich oft gedacht. Man nimmt eine Taschenlampe und macht sie mit Energie an, dann leuchtet sie geteilt. Eine Hälfte zum Leuchten (der Sinn einer Lampe), die andere Hälfte strahlt Solarbauteile an, die wiederum Energie geben, um die Glühbirne ewig strahlen zu lassen. Aber es funktioniert nicht. Leider. Irgendetwas mit Energieverlust…

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
FR: Als Einzelkämpfer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
FR: Das ist recht unterschiedlich. Mal kommen mir gute Einfälle an meinem Klavier, aber manchmal auch zu unmöglichen Gegebenheiten. Im Supermarkt oder in einer Autowaschanlage…
Wenn ich kann, schreibe ich passende Einfälle auf und entscheide dann später, ob sie gut oder eben Quatsch sind.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
FR: Es gibt gute Blogs über die Orchestertätigkeiten des Landes und da bin ich ganz gut informiert, was wer spielt und wer dirigiert und wer neu ist oder in Ruhestand geht.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
FR: Oh, ich würde versuchen, mehr mit den Künstlerinnen und Künstlern zu reden als mit Kulturorganisatoren. Es gibt viele leerstehende Säle und Räumlichkeiten, in allen Städten, die weitgehend ungenutzt sind. Auch wenn sie nicht auf dem neusten Renovierungsstand sind. Ich würde versuchen, Künstler und diese Locations zu vernetzen. Ich würde Tickets von der Umsatzsteuer befreien, damit vom Umsatz mehr für Künstler und Mieten übrig bleibt.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
FR: Felix Reuter – „Meine Klassik“

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
FR: Ich wünsche mir für den Nachwuchs noch mehr Aufmerksamkeit in Sachen Bildung, Ethik und selbstständiges Denken. Wir müssen darauf achten, dass es neben einer virtuellen Welt auch eine viel wichtigere gibt: Die reale Welt! Mit echten Freunden und Gefühlen. Da in kommender Zeit viel mehr Digitalisierung in der Kultur stattfinden wird, müssen wir uns natürlich auch darauf einlassen, aber wir sollten nie vergessen, was ein Live-Konzert für die Seele bedeutet!
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Foto: Mizuki Kin Tachibana
Sebastian und Daniel Selke sind Anfang der 1980er Jahre in Ostberlin geboren. Kurz darauf war die DDR Geschichte. So ist es nur logisch, dass sich die Brüder, nicht einmal 40jährig, schon mit der eigenen Vergangenheit beschäftigen. Als Musiker versteht sich! Als Duo spielen sie Cello und Keyboards und nennen sich Ceeys. Auf ihren bisher drei sehr bemerkenswerten Veröffentlichungen thematisieren sie ihre Kindheit, die Jugend und den Mauerfall. Musikalisch angelegt ist diese sehr persönliche Aufarbeitung im musikalischen Grenzbereich von Klassik, Ambient, Minimal Music, Jazz und Pop. Auch ihr letztes Album HAUSMUSIK, aufgenommen im ehemaligen Rundfunkhaus der DDR in der Berliner Nalepastrasse, in dem auch Nils Frahm ein Studio betreibt, beeindruckt durch eine sehr eigenwillige Ästhetik. Das Duo nutzt ältere (osteuropäische) Instrumente (Gefell-Mikrofone, russische Oktava-Mikros, tschechische Bandmaschinen vom Typ Tesla u.a.), interpretiert die Kompositionen jedoch mit einem zeitgenössischen Verständnis. Trotzdem klingt die Musik nicht nach Widersprüchen. Trotzdem sind es Gegensätze, von denen sich die Brüder Selke inspiriert fühlen und die ihre Musik so individuell erscheinen lassen.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Brüder Selke: Meist waren und sind es historische Etappen und Wendepunkte, die unsere Arbeiten entscheidend prägen. Seit 2016 arbeiten wir an einer Anthologie, die wir unter dem Alias CEEYS veröffentlichen. Sie beschäftigt sich mit unserer Kindheit in Ost-Berlin vor und nach der Wende 1989.
Der ursprünglich als Trilogie konzipierte, später weitergedachte CEEYS-Katalog, kann auch in drei aufeinanderfolgenden Dilogien verstanden werden: THE GRUNEWALD CHURCH SESSION & CONCRETE FIELDS (von ersten fragmentarischen Kindheitserinnerungen zu den 1980er-Jahren), WÆNDE & HIDDENSEE (vom historischen Wendepunkt im Jahr 1989 zu den dubiosen, vom Widerstreit zwischen Aufbruch und Resignation gekennzeichneten, 1990er-Jahren), HAUSMUSIK & MUSIKHAUS (ein akustisches Solo- und ein programmiertes Rework-Album aus der Gegenwart). Zuletzt brachte uns die Covid-Krise zu radikalem Umdenken, und so haben wir in diesem Jahr begonnen, unter unserem bürgerlichen Namen „Brueder Selke“ zu veröffentlichen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
BS: Alles dient nicht allein einer Erzählung aus der Vergangenheit, charakterisiert durch die bedrohliche Teilung der Welt in Ost und West, sondern steht darüber hinaus im ständigen Dialog zwischen scheinbarer Kontroverse und erstrebter Harmonie im Zusammenspiel unseres Duos. Die Musik hilft uns, Gedanken und Gefühle zu formulieren und dabei in Austausch mit dem geneigten Zuhörer zu treten.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
BS: Das in seinem Wesen improvisierende Moment unserer Musik ist nicht zuletzt geprägt durch den zu DDR-Zeiten gelernten feinsinnigen Umgang mit materiellem Mangel. Mal streikt die alte, von uns zuvor restaurierte Rhythmus-Box, oder individuell spontane musikalische Einfälle sorgen für Überraschung beim Partner. Wir versuchen einfach, damit umzugehen und genau diesen Erarbeitungsprozess in unser Spiel zu integrieren. Das ist nicht immer leicht, aber reizvoll und vollkommen befreit von der somit unnötigen Sorge, Fehler zu machen. Und so vertrauen wir mit Spielfreude wieder einzig unserer Intuition.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
BS: Auch uns hat die Pandemie in ihren Wellenbewegungen zunächst aus dem Rhythmus gebracht. So musste unser Q3Ambientfest zweimal verschoben werden, kam aber schließlich digital, quasi als weihnachtliche Online-Edition, heraus. Ein Beispiel dafür, dass Einschränkungen Herausforderungen sind, die uns immer wieder zu kreativen Überlegungen zwingen, Lösungen und endlich auch einen Weg zu finden. So sehen wir  diese Zeit sehr wohl als bedrückendes und bedrohliches Ereignis, aber wir betrachten sie auch als Chance, erfinderische Perspektiven für ihre Bewältigung zu finden.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
BS: Es ist immer gut, wenn man merkt, dass selbst die derzeitige Situation dem gemeinschaftlichen musikalischen Gedanken kaum schaden konnte. Zuletzt waren wir fünf eingeschworene Künstler, die durch produktive und zugleich harmonische Aufnahmen im heimischen Wohnzimmer das Q3Ambientfest 2020 am Leben hielten. Die breite Solidarität und herzliche Empfehlungen gleichgesinnter Musikliebhaber und Freunde haben uns mit den Planungen für die Ausgabe 2021 beginnen lassen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
BS: Früh hat uns die Komplexität des Kammermusikrepertoires für Cello und Klavier beeindruckt. So sind bis heute Einflüsse von Bach, Beethoven und Debussy in unseren eigenen Stücken zu hören. Aber auch die beinahe vergessenen Kompositionen ostdeutscher Formationen wie Toni Krahls Rockgruppe CITY, Frank Fehses Synthesizer-Duo KEY oder Reinhard Lakomys „Geschichtenlieder für Kinder“, „Der Traumzauberbaum“ und die Electronics-Platte „Das Geheime Leben“ haben wir früher oft gehört. Dabei versuchen wir natürlich nicht stehenzubleiben und orientieren uns so auch an  Arvo Pärt, Arthur Russell und Philip Glass, ebenso an zeitgenössischen Kollegen wie Hildur Gudnadóttir, Nils Frahm, Colin Stetson und Sarah Neufeld. Aber auch dieses Spielfeld erweitert sich zurzeit und wir erhalten spannende Anfragen von abstrakteren Künstlern, die sich gern beim Q3Ambientfest ausprobieren würden.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
BS: Gerade haben wir mit dem New Yorker Komponisten und Produzenten Eric Maltz die Kollaboration ZERO CROSSING vorgelegt. Neben der digitalen Veröffentlichung haben wir uns physisch zum ersten Mal für das Kassettenformat entschieden. Das klingt zunächst nicht so hochwertig. Hält man das Medium aber in  Händen und erinnert sich dabei an seine ersten Aufnahmeversuche am heimischen Stern-Recorder, entwickelt sich eine ganz andere Dynamik, ein eigener Charme. Jedes Format trägt seinen persönlichen Ausdruck, und Vinyl scheint dabei insbesondere klanglich derzeit das Maß der Dinge für Kenner; aber aus unserer Sicht ist nach wie vor nichts gegen eine gefühlt retro-futuristische Compact Disc in aufwendig handgemachter Aufmachung zu sagen.
Nicht jeder Kinofilm muss in 3D sein, nur weil es die Technik erlaubt. Wir haben Clips gesehen, die auf dem Handy gedreht wurden und uns bewegt haben. Als Künstler haben wir jedoch die Wahl, unsere Aussage zu treffen, und das Medium sollte diese Idee unterstreichen. Deshalb hören wir grundsätzlich erstmal alles, was uns begeistert –  vom Stream bis zur Vinyl.

KK: Was lesen Sie momentan?
BS: Wir lieben historische  Anekdoten, weil man oft viele Parallelen und Antworten auf aktuelle Sorgen, Probleme, aber auch Träume  und Visionen erhält. Nach einem gemeinsamen Auftritt mit der Potsdamer Autorin Paula Fürstenberg entdeckten wir ihren intelligenten und dabei amüsanten Debütroman „Familie der geflügelten Tiger”. Er stellt auch für uns nach wie vor spannende Fragen, beispielsweise wie es ist, wenn man keine Erinnerungen hat an das Land namens „DDR“, in dem man geboren wurde, also auch wie es sich anfühlt, wenn man auf das Gedächtnis anderer angewiesen ist, um die eigene Geschichte zu verstehen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
BS: Planlosigkeit und Resignation. Es gibt immer einen Ausweg und jeder Morgen ist ein neuer Anfang.

KK: Was freut Sie ungemein?  
BS: Die Arbeit auch mit anderen ist ein wesentliches Kernelement und deshalb der Hauptgrund, warum wir 2017 das Q3AMBIENTFEST ins Leben riefen, ein alljährlich sorgfältig kuratiertes Musikfestival, das in der fabrik Potsdam seine adäquate Heimat gefunden hat. Hier laden wir gleichgesinnte Künstler, renommierte Acts und Freunde ein, um mit ihnen nicht nur auf der Bühne zu musizieren, sondern um zugleich eine besondere Verbindung zwischen Musik von Avantgarde bis Pop sowie Potsdams vielfältiger, historischer Architektur herzustellen.

Durch die von den Eltern bereits in der Kindheit geweckte Liebe zu unserer heutigen Heimat Potsdam haben wir darüber hinaus eine Reihe von Film- und Hauskonzerten ins Leben gerufen. Wir arbeiten an einer Foto-Tour durch unser Klingenthal-Studio sowie an einer Ausstellung der Fotoserie, die alle Alben begleitet hat.

Gerade haben wir zwei das Duo-Piano-Album MARIENBORN aufgenommen, das erste unter unserem bürgerlichen Namen. Also, als Brueder Selke erforscht unser zeitgenössisches Duo die Bereiche experimenteller und dabei zugänglicher elektro-akustischer Musik zwischen Avantgarde und Pop weiter. Nach einem Jahr voller Ungewissheit und Überraschungen folgen dennoch auch Veröffentlichungen unter unserem Markenzeichen CEEYS. So ist das HAUSMUSIK-Rework-Album MUSIKHAUS fertiggestellt und erscheint im Herbst 2021. Und dabei sind wir voller Vorfreude auf weitere handverlesene Werke als Brueder Selke. Kurz: Unsere Arbeit ist Antrieb und Hoffnung, Perspektive und Freude zugleich.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
BS: Nein – als Schneider und Tischler haben wir uns noch nicht ausprobiert, aber unser Potsdamer Klingenthal-Studio hat dennoch einiges, was auf uns zugeschneidert ist. Wie schon angedeutet: Der tägliche Umgang mit materiellem Mangel zu DDR-Zeiten und damit angetrieben durch eine tief verankerte Notwendigkeit zu improvisieren lässt unser Duo nicht nur mit Cello und Piano experimentieren, sondern hat uns auch geschult im technischen Umgang mit unseren oft antiken Synthesizern aus der sozialistischen Ära. Sebastian hat seinem Setup gerade erst ein Cello hinzugefügt, das aus Klingenthal stammt, einem der traditionsreichen Orte im sächsischen Vogtlandkreis, liebevoll auch „Musikwinkel” genannt.

Im Studio haben wir auch ein Mischpult installiert, das aus Japan stammt. Entwickelt sozusagen im Fernen Osten. Während der 1990er Jahre lag der Fokus der Ingenieure mehr auf hochwertigen Aufnahmen als auf Effekten.

Die Kollektion restaurierter Mikrophone, Federhallsysteme, Tasteninstrumente und Rhythmusboxen, die im damaligen Ostblock zwischen den 1950er und 1980er Jahren gebaut wurden, ist elementarer Bestandteil unserer Musik.

Unsere Hörumgebung haben wir sorgfältig ausgewählt. Wir hören einerseits über ein RFT HIFI Audio System 3930 mit Plattenspieler, Kassettendeck und Radioempfänger. Der Turm besitzt einen Verstärker, einen integrierten Mischer und Entzerrer, wobei der Plattenspieler das ikonische TESLA VM2103 Abtastsystem nutzt, das Beste was die DDR damals zu bieten hatte. Die Anlage ist verbunden mit wundervollen RFT B9151 MERKUR und lässt sich umschalten auf gigantische Vermona Regent Lautsprecherboxen.

Unsere Büromöbel sind überwiegend Originale aus DDR-Zeiten, teilweise wurden sie entworfen von einem Handwerksbetrieb in Ost-Berlin. Beispielsweise wurde das Regal, das unsere Schallplattensammlung sortiert, aus Pappe hergestellt. Bekanntermaßen baute die DDR ja ganze Fahrzeugkarosserien für den allseits bekannten „Trabant“ aus diesem flexiblen und wiederverwertbaren Material. Das Auto bekam gar den Spitznamen „Rennpappe”.

Vor kurzem führten wir ein Interview auf dem Blog eines Schuhherstellers, der zu Ostzeiten unter anderem Sporttreter herstellte und sich inzwischen neu erfunden hat. Auf der Bühne spielen wir eine Tastatur wie eine Orgel mit dem Fuß. Hierfür haben wir darüber hinaus die in der DDR beliebten Freizeitschuhe „Tramper“ wiederentdeckt.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
BS: Als Kinder einer Schauspielerin wurde uns die Liebe zu Theater und Film quasi in die Wiege gelegt. Wir haben uns damals zwar früh für die Musik entschieden, aber wir sehen nach wie vor viele Parallelen zwischen Filmemachern und Komponisten –  ein feines Gefühl für zeitliche Koordination, der Wechsel verschiedener Stimmungen, die den Unterschied machen beim Geschichten erzählen. Manch‘ Regisseur ist musikalisch begabt und nimmt seine Filmmusik selber auf. Da ist also ein enges Band, welches beide Welten miteinander verbindet, und wir verneigen uns vor Klassikern wie Charles Chaplin, der selber Cello spielte, vor den zeitlosen Epen von Sergio Leone und seinem seelenverwandten Freund Ennio Morricone oder auch vor Stanley Kubrick, sie alle führten eine innige Beziehung mit der Musik. In Potsdam spielen wir die Flimmerkonzerte im Filmmuseum, eine Konzertreihe, bei der wir Stummfilmklassiker neu vertonen. Nicht ganz zufällig scheint auch Sebastians Entscheidung, als zweiter Solocellist im Deutschen Filmorchester Babelsberg zu arbeiten.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
BS: Wir sind immer auf der Suche nach neuen klanglichen Ausdrucksformen und lassen uns dabei am liebsten von Entwicklern überraschen. Demnächst treffen ein paar neue Instrumente eines jungen russischen Unternehmens ein, die wir testen dürfen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
BS: Seit über zwanzig Jahren treten wir als Brüder auf, und erst vor kurzem haben wir unser jeweiliges Solodebüt mit der EP Q3A auf einer 7 Inch Vinyl veröffentlicht. Auf der A-Seite Sebastians Titel auf der B-Seite ein Klavierstück von Daniel. Aber selbst diese Platte war eine versteckte Gemeinschaftsproduktion –  legt man die beiden Titel übereinander erscheint der versteckte dritte Titel. Übrigens kommt hierzu bald der zweite Teil QP heraus und wieder über das feine Label Oscarson.

Unsere bisher spannendste Zusammenarbeit kam über Gregory Euclide’s Thesis Project und unsere THESIS 17. Gemeinsam mit dem Duo Constant Presence von Peter Broderick und Daniel O’Sullivan widmen wir uns der Weisheit Nothing Special des Zen-Meisters Shunryu Suzuki. Zwei 11-Minuten-Stücke, die zur Meditation einladen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
BS: Meist kommen die Ideen direkt nach der Finalisierung des alten Projekts. Also, kaum halten wir die fertige Platte in Händen, schwingt schon eine Art Motivation mit, die erste neue Skizzen entstehen lässt. Naja, es ist ein bisschen wie bei der Frage, wer war zuerst da, Henne oder Ei. Für uns jedenfalls ist jedes Ende zugleich der neue Anfang, es ist sogar der beste Moment, Neues zu schöpfen. Bevor wir begannen, eigene Musik zu veröffentlichen, waren es eben die Klänge anderer, die uns antrieben. Jetzt läuft das irgendwie parallel. Ein schöner Moment ist es, wenn wir Künstler zum Q3Ambientfest einladen und daraus wieder Einfälle für Projekte entstehen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
BS: Auch das ist ein Wechselspiel. Zu Beginn hatten wir nur unsere Musik. Als dann die ersten Plattformen und Magazine Fragen stellten, entdeckten wir gleich deren Universum mit, und so lernten wir auch viele wundervolle Kollegen kennen. Zuletzt haben wir das kleine, aber sehr besondere „Mols Magazin“ entdeckt. Die Macherin ist selbst multitalentiert. An dieser Stelle einen Dank auch an das „Kultkomplott“ und seine Leser.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
BS: Wir beide haben zwar ein enges Verhältnis zur Geschichte, aber – vielleicht sogar deshalb – als Gestalter von Politik möchten wir uns gern etwas zurückhalten. Nicht aus mangelndem Interesse, sondern eher aus Respekt vor der Komplexität der Zusammenhänge. Die Welt erscheint uns Wendekindern, als würden scheinbar gelöste Konflikte abgewandelt neu entflammen –  tiefere Gräben, höhere Mauern, Abwendung von Freunden, Diskriminierung Andersdenkender, neue Formen von Tyrannei –  alte historische Konflikte, die sich auf höherem „Niveau“ wiederholen, eine neue Art „Kalter Krieg“.

Wir freuen uns einerseits über das Engagement einer jungen Generation, denken aber, auch hier muss es ein Miteinander geben. Nur die Kritik allein hat noch Niemandem genützt. Keiner ist unfehlbar, und so gilt es auch hier, eine Balance herzustellen. Um diesen ausgewogenen Zustand zu erreichen, braucht es Eigenschaften wie Geduld und Ausdauer, die heute allzu oft durch die beschleunigenden Medien in Vergessenheit geraten. Demokratie ist anstrengend, weil jeder seine Meinung sagen kann und muss. Es gibt nicht die eine Antwort auf unsere Sorgen und Nöte, und wo Worte nichts mehr bewirken können, kann vielleicht die Musik helfen. Als Teil der Kreativwirtschaft, die durch die Pandemie mit am härtesten getroffen wurde, erinnern wir uns an ein schönes Zitat von Winston Churchill. Als seine Berater im zweiten Weltkrieg Kulturförderungen kürzen wollten, soll der damalige britische Premierminister verdutzt verneint und gefragt haben: "Wofür kämpfen wir dann?"

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
BS: „Brueder Selke“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
BS: Bis ins Jahr 2015 war es ein Entwurf  ähnlich dem 2. Teil der intelligenten Trilogie „Zurück in die Zukunft“,  und bis heute träumen wir von schwebenden Skateboards. Musikalisch suchen wir weiter nach Klängen zwischen Avantgarde und Pop, experimentellen, aber zugänglichen Arbeiten.

Nach Einsätzen unserer Musik im Berliner „Tatort“ und verschiedenen Dokumentarfilmen freuen wir uns über Anfragen von Filmschaffenden für Musikvideos, Filme, die unseren Ansatz nachvollziehen können.

Wir wünschen allen Kollegen und Musikliebhabern Kraft, Zuversicht und Gesundheit, diese schwierigen Zeiten durchzustehen und glauben an ein Wiedersehen bei uns im schönen Potsdam oder gern auch anderswo auf der Welt.
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