Als anlässlich der Leipziger Buchmesse im Frühjahr dieses Jahres Literaturpapst Dennis Scheck in seiner Sendung „Druckfrisch“ den kleinen aber feinen Lampe Verlag aus Berlin mit den Worten bedachte „Der Lampe Verlag hat in meinen Augen eine brillante Idee!“ meinte er damit: „Ich habe einen kleinen Verlag entdeckt, einen neuen Verlag – denn solche Buchmessen wie die in Leipzig sind ja eigentlich dazu da, nicht wie ein andalusischer Brunnenesel immer denselben Kreis abzuschreiten. Sondern auch mal Neues zu entdecken!“
Die Idee der Verlagseigner Christiane Lahusen und Viktor Hilgemann setzt sich wie folgt zusammen:
- Jeweils vier bis fünf Erzählungen erscheinen thematisch gebündelt in handlichen Schubern im A6-Format.
- Die Schuber sollen „im Grenzland zwischen klassischer Belletristik und Geschenkbüchern“ positioniert sein.
- Autor*innen sind vor allem bekannte Stimmen der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur und Klassiker, etwa Judith Hermann, Heike Geißler, Saša Staniši?, Anne Rabe, Benedict Wells, Alena Schröder, Daniel Kehlmann, Virginia Woolf, Ricarda Huch und Wilhelm Raabe, Paul Auster, Andrea Petkovic.
Die Schuber fallen in ihrer geschmackvollen Gestaltung in jeder Buchhandlung sofort ins Auge. Bisher hat der Verlag zehn dieser Buch-Boxen veröffentlicht, unter anderem zu den Themen „Abschied“, „Ebbe und Flut“, „Fürchte Dich nicht“ und „Herbst“.
Hinter dem Layout dieser anspruchsvollen „Literatur-WG“ steckt ein kleines Berliner Grafik/Design Studio, das sich mit Kreativität und Leidenschaft seiner Arbeit widmet. Hier ist, als Auftragsproduktion, auch die Idee für diesen Schuber entstanden. „STUDIO.jetzt“ arbeitet unter dem Slogan „Organisierte Kreativität - Wir spitzen die Ohren und halten die Augen offen. Neugierig sind wir und wir wagen uns gerne an Neues. Wir ertüfteln, entwickeln, durchdenken, basteln, zeichnen, malen und sind uns sicher: Unsere Arbeit ist die fabelhafteste der Welt.“
Kopf des Unternehmens ist neben Anja Steinig, Marianna Weber, die für Ihre Arbeit 2022 mit dem „Award of Excellence“ ausgezeichnet wurde.
KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Marianna Weber: Ich stamme aus einer künstlerischen Familie – mir wurde recht früh klar, dass ich im weitesten Sinne kreativ arbeiten möchte. Es brauchte aber Umwege, zahlreiche Praktika vor dem Studium & Gespräche mit Menschen, um zu erkennen, was ich schon wusste. Und danach ein ordentliche Prise Disziplin.
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MW: Ich denke, wir sind erfolgreicher, wenn wir lieben, was wir tun. Es ist sicher keine leichte Aufgabe, herauszufinden, was einen erfüllt und nicht nur der Bezahlung wegen gewählt wird. An erster Stelle steht für mich daher die Freude und Leidenschaft, die ich selbst bei meiner Arbeit habe. Und damit möchte Menschen, Kultur, Ideen und Unternehmungen Sichtbarkeit schenken.
KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MW: Mit den Unsicherheiten und/oder fehlendem Mut des Gegenübers. Die Menschen schwimmen lieber im Strom mit, als es anders machen.
Und ein Klassiker ist vermutlich, dass Geschmack mit Wissen um Gestaltung verwechselt wird.
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MW: Familienerlebnisse die einiges durcheinander gewürfelt, aber auch neue Möglichkeiten und Sichtweisen eröffnet haben.
KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MW: Wenn nach einer langen konzeptionellen Recherche und Suche nach Ideen der Knoten platzt und die Idee in ihrer Einfachheit vor einem steht. Dann wird trotzdem wieder alles in Frage gestellt, um nach einer Schleife wieder zurückzukehren. Und diesen Weg mit kreativen Sparringpartnern zu gehen und zusammen zu brüten, ist eine kolossale Freude! Um so besser, wenn sie dann beim Auftraggebenden auch so gut ankommt.
KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MW: Tatsächlich höre ich ausgesprochen viel Musik während der Arbeit – ich kann mich bei einem Grundrauschen um mich herum besser konzentrieren. Und es spielt nicht mal eine große Rolle, was ich höre, weil das nicht ins Bewusstsein vordringt. Ohne Musik wird es in meinem Kopf zu bunt.
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MW: Asche auf mein Haupt – beides nicht. Nicht mehr. Ich nutze die großen Onlineanbieter … aber auch Radio.
KK: Was lesen Sie momentan?
MW: „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner (fantastisch!) & „Ghost Stories“ von Siri Hustvedt (absolut mitreißend!).
KK: Was ärgert Sie maßlos?
MW: Ignoranz und Arroganz.
KK: Was freut Sie ungemein?
MW: So oft es geht, das JETZT wahrzunehmen und zu genießen. Und das mit den Menschen zu teilen, die mir lieb sind.
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
MW: Es gab einige kleine Projekte. Tischlern würde ich es nicht gleich nennen, aber der Wille zählte und die Freude daran noch mehr.
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MW: Für mich ist es ein Zusammenspiel aus Story, Bildwelten, Dialogen, Phantasie. Das ist selten diese:r eine Schauspieler:in. Da muss ich passen.
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MW: Wenn die Idee da ist, ist der Weg bis zur Umsetzung manchmal langwierig. Eine Maschine, die die Bilder zu der Idee in meinem Kopf digital projiziert, damit ich schneller sehe, ob sie funktioniert.
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer/-in, oder Teamplayer/-in?
MW: Teamplayerin!
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MW: Wenn die Arbeit Berufung ist, dann speichert man am laufenden Band Ideen, Bilder, Texturen ab … wie ein Grundrauschen, das mitläuft. Nur ohne Geräusch. Deswegen kann das überall und jederzeit passieren.
KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MW: Es gibt eine trübe Anzahl von Newslettern aus unterschiedlichsten Bereichen, die ich abonniert habe und lese. Aber ich habe lieber ein Buch in der Hand als einen Laptop auf dem Schoß oder das Handy vorm Gesicht.
KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister/-in für Kultur wären?
MW: Das ist die Frage von der Fee mit den drei Wünschen, bei der man so besonders schlau antworten soll und eigentlich total überfordert ist, weil es so unfassbar viele Möglichkeiten gibt. Kann man das Recht auf (die Notwendigkeit von) Kultur bitte endlich ins Grundgesetz aufnehmen?
KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MW: Es würde mir im Leben nicht einfallen eine Autobiographie zu schreiben, weshalb ich glücklicherweise keinen Titel benötige.
KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MW: Gar nicht. Zukunft ist für mich neblig. Ich lebe lieber im Jetzt.

























