Empfehlung des Albums „Junk“ von Botticelli Baby vom September 2018 auf KultKomplott:
Etwas musikalisch völlig neues präsentieren BOTICCELLI BABY sicher nicht. Die Frage scheint aber auch im Grunde und überhaupt eher unwichtig. Wichtig hingegen ist, ob das Septett in der Lage ist, mit dieser vogelwilden Mischung aus Swing und Punk, Blues und Balkan, Fusion und Rock`n Roll ein Publikum zu beeindrucken. Und wie es das kann – mustergültig und nachhaltig! Denn wer einmal „Junk“ hört, vergisst diese Band garantiert nicht. Und ihre Live-Auftritte sind zudem legendär!
BOTTICELLI BABY gelingt das seltene Kunststück trotz unglaublicher Präzision und musikalischer Intelligenz wie eine vor Leidenschaft berstende Hinterhofband zu klingen. Jeden ihrer 12 Songs gehen die studierten Musiker mit vollem Risiko an. Hier gibt es kaum einschmeichelnde Balladen, oder gar geschickt kalkulierte Kunstgriffe. Handgemacht von Null auf Hundert – so beginnt fast jede ihrer Nummern. Für nichts sind sich die Glorreichen Sieben dabei zu schade. Die Rhythmusgruppe rollt und groovt und swingt. Der Bläsersatz schmettert die scharfen Tuttis im Staccato in den Äther und Marlon Bösherz knört und schreit und raunzt die Texte, als gelte es, der sowieso schon energiegeladenen Musik noch eine Steigerung zu verpassen. Hier ist eine Band am Werk, keine Solisten - auch wenn sie einzeln das Zeug dazu hätten. Bei aller Virtuosität wirkt alles was BOTTICELLI BABY spielen, trotz traditioneller Verweise, erfrischend originell, transparent, ja fast anarchisch und zu einhundert Prozent tanzbodentauglich. Gefälliger Mainstream geht anders. Musik aus allen Himmelsrichtungen – für alle Himmelsrichtungen. Veranstalter hingehört!
Jörg Konrad
Botticelli Baby gastieren am Mittwoch, 21. Januar 2026 im Rahmen der Reihe Jazz First im veranstaltungsforum Fürstenfeld.
KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Marlon Bösherz von Botticelli Baby: Vermutlich die Summe aus allen Entscheidungen und deren Konsequenzen, sowie sämtliche Faktoren des auf mich einprasselnden Lebens.
KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MB: Alle Menschen, die Lust haben uns zu Hören, zu erleben. Die Kunst kann ein Gegenpol zur Gesellschaft erzeugen, sie um kulturellen Einfluss erweitern. Es soll immer vermitteln, dass es Mutig und gut, sogar vernünftig ist anders zu sein. Nachzudenken.
KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MB: Da gibt es sehr viele, die immer wieder anders sein können. Sie sind aber wie weggefegt, wenn ein Auftritt begonnen hat, die Bühne brennt und die Menschen sich fallen lassen können. Es beginnt schon damit, dass es immer mit einer Art Trennungsschmerz zu tun hat, wenn die Band Probezeiten beendet, alle wieder in ihre Leben gehen. Wenn Touren beendet sind, Konzerte vorbei sind. Adrenalinabfall im Hotelzimmer, aus der Tourrealität in den Alltag wechseln.
KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MB: Die Tour von Österreich in die Slowakei und das Konzertieren in Portugal. Menschen auf den Touren zu begegnen die für die Musik und die Kunst glühen und sich wirklich auf uns und unsere Kunst freuen. Viele haben es noch schwerer, als unsere Gesellschaft -noch, frei Kunst zu machen. Dann stehen da JUgendliche vor uns mit leuchtenden Auren und sagen, sie seien inspiriert, ermutigt und kratzen ihr Bargeld zusammen, um Musik von uns zu kaufen... da will ich immer einfach alles in eine Tasche stecken und alles verschenken.
KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MB: Wenn von der Bühne ein Funke zum Publikum überspringt und alles eine Zeremonie wird, da fühle ich mich verbunden, das tut gut.
Auch der Moment in dem ein Song geboren wird kann sehr erfüllend sein.
KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MB: Ich höre sehr viel Musik, sehr schräge Sachen, die Antiheld*innen. Punk, Jazz, Klassik, Britpop, Indie, auf deutsch, englisch, portugisisch, isländisch, polnisch...
KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MB: Vinyl und Kassette
KK: Was lesen Sie momentan?
MB: Momentan lese ich Inge Deutschkron „Ich trug den gelben Stern“, Paul Celan „Sprachgitter“ und Evelyn Höllrigl Tschaikner „The daily Feminist“, zudem stöbere ich immer Mal in Bildbänden, Gedichten, Anthologien und Sachbüchern.
KK: Was ärgert Sie maßlos?
MB: Unfairness, Lügen und die öffentliche Verblendung so Vieler
KK: Was freut Sie ungemein?
MB: Positive Überraschungen und wenn ein Tag oder mehrere einen gewissen Fluss haben. Morgens aufstehen, einen Zimtkaffee trinken, eine Zigarette rauchen, ein bisschen knutschen, eine saubere Wohnung zurücklassen, ins Atelier gehen, an einem Projekt durcharbeiten bis ich hungrig werde, lesen, schreiben, den Nachmittag im Café mit Beobachtungen zubringen und abends Platten hören, rauchen und verloren gehen...
KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst genäht oder getischlert?
MB: Ja
KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MB: Ralph Fiennes „Die Ausgrabung“, Nahuel Pérez Biscayart „Kill the Jockey“, Joaquin Phoenix „Joker“, „Die Royal Tenenbaums“ - alle
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MB: Ein Heilmittel gegen Endometriose, Lipödem, Pädophili und den Drang zu vergewaltigen
KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MB: Das weiß ich noch nicht. Beides ist mir passiert und ging.
KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MB: Morgens gegen 9h in Cafés, abends unter der Dusche, im Aktivmodus im Atelier, auf Schiffen. Es kann immer, überall passieren. Deshalb ist immer ein Notizbuch und ein Stift mit dabei.
KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MB: Keine im Augenblick. Ich schaue Böhmermann und die Heuteshow
KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MB: Ein Mindesteinkommen für Kunstschaffende einführen und mehr Geld in musische - musikalische Früherziehung, sowie freie Underground Projekte stecken, alle Privatunis für Kunst und Kultur verstaatlichen.
KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MB: ; oder Ich wurde verliebt
KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MB: Ich fürchte es wird hart.
























