BARCELONA MODERNA
Von Gaudí bis Picasso
Ausstellung vom 23. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027
Kunsthalle München
Mit Barcelona moderna. Von Gaudí bis Picasso widmet sich die Kunsthalle München erstmals in Deutschland umfassend dem katalanischen Modernisme – einer eigenständigen Strömung, vergleichbar mit dem Jugendstil oder Art Nouveau. Die Ausstellung wirft einen neuen Blick auf die künstlerische Bewegung, die sich – im Spannungsfeld von Industrialisierung, kultureller Erneuerung und gesellschaftlichem Wandel – in Architektur, Malerei, Skulptur, Design, Musik und Literatur gleichermaßen entfaltete. Sie beleuchtet jene kulturelle Dynamik, die Barcelona zwischen 1880 und 1914 zu einem der bedeutendsten Zentren der europäischen Moderne machte.
Um 1900 befand sich Barcelona in einer Phase tiefgreifender Transformation. Als industrielles Zentrum Spaniens entwickelte sich die Stadt rasant zur modernen Metropole. Mit der planmäßigen Stadterweiterung, dem »Eixample«, entstanden breite Boulevards, repräsentative Architektur und ein neues urbanes Selbstverständnis. Nachdem Spanien 1898 durch den Verlust seiner letzten transatlantischen Kolonien den Status als Weltmacht eingebüßt hatte, gewann die Frage nach einer nationalen und regionalen Identität erneut an Dringlichkeit. Im Fokus des katalanischen Modernisme standen daher das Verhältnis von Tradition und Moderne sowie das Ziel, das kulturelle Erbe Spaniens und Kataloniens in eine neue, zeitgemäße Form zu übersetzen.
Barcelona moderna. Von Gaudí bis Picasso beleuchtet anhand von rund 160 Gemälden, Grafiken, Skulpturen, Möbeln und Architekturmodellen die Vielfalt des katalanischen Modernisme zwischen 1880 und 1914 und verortet ihn im urbanen, sozialen und kulturellen Gefüge Barcelonas
und Kataloniens. Dabei wird deutlich, wie historische und zeitgenössische sowie katalanische, spanische und europäische Einflüsse eine eigenständige Ausprägung der Moderne hervorbrachten. Gezeigt werden hochkarätige Leihgaben, die teilweise erstmals außerhalb Spaniens zu sehen sind. Ein besonderer Kooperationspartner der Ausstellung ist das Museu Nacional d’Art de Catalunya (MNAC) in Barcelona. Es unterstützt das Projekt nicht nur wissenschaftlich, sondern stellt auch eine bedeutende Anzahl zentraler Werke zur Verfügung. Ergänzt wird die Auswahl durch herausragende Arbeiten unter anderem aus dem Círculo del Liceo, dem Museu Carmen Thyssen Barcelona, der Colección Casacuberta Marsans, dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, dem Museo de Bellas Artes de Asturias in Oviedo, der Fundació »la Caixa«, dem Museu del Cau Ferrat in Sitges sowie bedeutenden Privatsammlungen.
Neben bekannten Protagonisten wie Antoni Gaudí (1852–1926) und dem jungen Pablo Picasso (1881–1973) eröffnet die Ausstellung die Möglichkeit, zahlreiche hierzulande kaum bekannte Künstlerpersönlichkeiten zu entdecken. Dazu zählen die Architekten Lluís Domènech i Montaner (1849–1923) und Josep Puig i Cadafalch (1867–1956) sowie die Maler Santiago Rusiñol (1861–1931), Ramon Casas (1866–1932), Hermen Anglada Camarasa (1871–1959), Isidre Nonell (1872–1911) und Joaquim Mir (1873–1940).
Die Ausstellung widmet sich zunächst der städtebaulichen Entwicklung Barcelonas und dem Ideal des Gesamtkunstwerks in Architektur und Design. Zugleich rücken zentrale Orte des Modernisme wie das Künstlercafé Els Quatre Gats, der exklusive Club Círculo del Liceo oder die Galerie Sala Parés in den Fokus. Dabei geht es auch um die Spannungen zwischen Bourgeoisie und armen Gesellschaftsschichten in der Großstadt, wie sie durch die Gegenüberstellung der Malereien von Ramon Casas und Isidre Nonell sichtbar werden. Ein weiteres Kapitel widmet sich den Paris-Aufenthalten von Casas und Santiago Rusiñol, die von dort entscheidende künstlerische Impulse in ihre Heimat mitbrachten. Im Anschluss führt der Parcours ins Fischerdorf Sitges südwestlich von Barcelona, wo Rusiñol mit seinem Atelierhaus Cau Ferrat einen zentralen Treffpunkt des Modernisme schuf. Die Suche nach Rückzugsorten spiegelt sich auch in Landschaftsgemälden von Rusiñol und Joaquim Mir, die auf der damals touristisch noch weitgehend unerschlossenen Insel Mallorca entstanden.
Ein eigenes Kapitel ist zudem Hermen Anglada Camarasa gewidmet, dessen farbintensive Szenen mediterraner Folklore Ornament, Bewegung und Licht betonen. Den Abschluss bilden frühe Werke Pablo Picassos, die gemeinsam mit Arbeiten der zweiten Generation des katalanischen
Modernisme bzw. des Postmodernisme den Übergang zur europäischen Moderne sichtbar machen.
Barcelona moderna. Von Gaudí bis Picasso lädt dazu ein, Barcelona um 1900 als eines der großen kulturellen Laboratorien Europas neu zu entdecken. Die Ausstellung rückt eine Generation von Künstlern ins Bewusstsein, deren Werke einst europaweit Beachtung fanden und mittlerweile außerhalb Spaniens zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Zugleich eröffnet sie eine Perspektive auf Themen, die bis heute aktuell geblieben sind: das Verhältnis von regionaler Identität und internationalem Austausch, von kultureller Verwurzelung und Offenheit gegenüber Europa.
Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum Barberini in Potsdam. Nach ihrer Präsentation in München wird sie dort vom 20. März bis 20. Juni 2027 in veränderter Form zu sehen sein.
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog. Die reich illustrierte Publikation erscheint bei Prestel und wird von Carlos Alonso Pérez-Fajardo, Roger Diederen, Michael Philipp, Nerina Santorius, Franziska Stöhr und Ortrud Westheider herausgegeben. Mit Beiträgen von Carlos
Alonso Pérez-Fajardo, Ignasi Domènech i Vives, Mariàngels Fondevila Guinart, Megan Fontanella, Charlotte Garrido Ewers, Jasmin Gierling, Jenny Haase, Nadia Hernández Henche, Gabriel Pinós, Francesc Quílez Corella, Nerina Santorius, Franziska Stöhr, Eliseo Trenc i Ballester und Eduard Vallès.
Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstraße 8
80333 München
Abbildungen:
- Ramon Casas
Ramon Casas und Pere Romeu auf einem Tandem, 1897
Öl auf Leinwand, 188 × 215,5 cm
Museu Nacional d’Art de Catalunya
Foto © Museu Nacional d’Art de Catalunya, Barcelona, 2026