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1. Stephan Micus „Winter' s End“
2. Brad Mehldau & Orpheus Chamber Orchestra
3. Dave Holland „Another Land“
4. Portico Quartet „Terrain“
5. Viviane Chassot „Pure Bach“
6. Balmorhea „The Wind“
Dienstag 15.06.2021
Stephan Micus „Winter' s End“
Bilder
Die Welt entdecken mit Stepahn Micus. Der Stuttgarter nimmt jeden seiner Hörer seit viereinhalb Jahrzehnten verlässlich mit - auf ausgedehnte Klangreisen. Wer selbst nicht in den Flieger steigen kann, aus welchen Gründen auch immer, oder bei der Schiffspassage über Seekrankheit klagt, kann bei ihm, zumindest musikalisch, fündig werden. Micus nutzt die unterschiedlichsten Instrumente kleiner und großer Kulturen, sucht nach gemeinsamen und gegensätzlichen Ansatzpunkten, und gibt mit großem Respekt und Empathie akustische Einblicke in weit entfernte, geographisch außergewöhnliche Orte.
Und natürlich ist es bei ihm, wie auch bei jedem anderen weitgereisten Abenteurer so, dass das, was er letztendlich zu berichten weiß, ein sehr subjektiv eingefärbter Bericht ist. Gefiltert durch seine Ernsthaftigkeit, durch seine Fantasie, seine Erfahrungen, sein Wissen und sein Fühlen. Auf diese Art scheint die Welt auf magische Weise zusammenzurücken. Die scheinbar großen Unterschiede verflüchtigen sich, das Gemeinsame wird auf einzigartige Weise spürbar und bekommt ein eigenes, vertrautes Gesicht, einen sehr friedlichen, harmonisch austarierten Atem.
Auch auf „Winter's End“ lädt Micus zu weiten, Völker verbindenden musikalischen Reisen ein. Der Titel selbst steht in engem Zusammenhang mit einem japanischen Gedicht, in dem es darum geht, sich auch im Alter die kindliche Natur zu bewahren. Spiel und Spaß - zwei Grundtugenden, ohne die ein Musiker niemals in der Lage sein wird, überzeugende Klangwelten theoretisch zu entwickeln und praktisch umzusetzen.
Micus arbeitet diesmal mit der umfangreichsten Anzahl an Instrumenten, die er bisher für eine Aufnahme genutzte. Sie stammen aus Mosambik, Gambia, Zentralafrika, Ägypten, Japan, Bali, Sinkiang, Tibet, Peru und den USA. Sie alle sind Teil eines friedliches Miteinanders, eines sich gegenseitig inspirierenden Gedankens. Um dieses Denken, um dieses Fühlen umzusetzen, bedarf es für ihn keiner textlichen Bausteine: „Für micht ist das Schöne an Musik, dass sie jenseits von Worten und jenseits jeglicher verbalen Botschaften existiert.“ Dafür nutzt er diesmal das Chikulo (ein Xylophon mit hölzernen Tasten und darunter hängenden Kürbis-Resonatoren), eine Zungentrommel, ein Daumenklavier, eine gambische Harfe, verschiedene Flöten aus Ägypten, Bali und Japan, tibetanische Becken oder das peruanische Charango (ein kleines Zupfinstrument aus der Andenregion).
Stephan Micus beherrscht die Kunst des Einfachen, des Unbeschwerten und der Natürlichkeit. Seine ineinander fließenden Bescheidenheiten und Zurückhaltungen kommen sinnlichen Klangabenteuern gleich. Sie besitzen etwas von aller zivilisatorischen Umtriebigkeit Befreiendes, in ihrer Stille dabei schon etwas Herausforderndes, etwas Provokatives. Einer Mahnung, der man sich einfach nicht entziehen kann – sich nicht entziehen will.
Jörg Konrad

Stephan Micus
„Winter' s End“
ECM
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Freitag 11.06.2021
Brad Mehldau & Orpheus Chamber Orchestra
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Brad Mehldaus erstes offizielles Album, schlicht „Introducing“ betitelt, war schon eine kleine Sensation. Eingespielt in zwei unterschiedlichen Trio-Formationen sorgte der damals 25jährige für bemerkenswerte pianistische Momente. „Töne von tiefer Schönheit“ wurden ihm attestiert. Natürlich gab es aber auch die obligatorisch kritischen Bemerkungen für den Newcomer, zum Beispiel, ob denn ein junger, technisch tadellos aufspielender Pianist im Jazz nichts abenteuerlicheres zu tun hätte, als der bestehenden Inflation von Klavier-Trio-Einspielungen noch eine weitere ähnliche Aufnahme hinzuzufügen.
Nur war eben „Introducing“ schon ein aufregendes Musikabenteuer an sich – was sich an den folgenden Einspielungen noch deutlicher zeigen sollte. Hier saß einer am Klavier, der schüttelte Thelonious Monk und Bill Evans wie selbstverständlich aus dem Ärmel, hier nahm sich einer beinahe respektlos Standards von Rodgers/Hart, ein Jazzkomponisten Duo, das ähnlich wie Jagger/Richards, oder Lennon/McCartney herausragende Jazz-Hits schrieb, von Coltrane und Ellington und stellte sie neben ausgereifte eigene Kompositionen, die dem gesamten Album eine sehr individuelle Note gab.
Heute, weit über dreißig Alben später, gehört Brad Mehldau in die erste Riege angesagter Jazzpianisten. Seine Musik lebt zwischen den Eckpfeilern von überbordendem Selbstbewusstsein und poetischer Introvertiertheit, von abstrakter Herausforderung und melodischer Vollkommenheit, von Wärme und schneidender Intelligenz, von rhythmischer Finesse und romantischer Schlichtheit.
Variations On A Melancholy Theme“, sein neues Album, sucht nicht, wie schon in manch anderen Aufnahmen zuvor, Schnittpunkte zwischen Jazz und Klassik. Er findet sie, bringt sie ganz einfach und überzeugend, vor allem unprätentiös zum Ausdruck.
Das komponierte Grundthema war eigentlich für den russischen Pianisten Kirill Gerstein gedacht. Doch dann hat sich Mehldau den Variationen selbst angenommen und für eine Einspielung das demokratisch geführte, bewusst ohne Dirigent arbeitende Orpheus Chamber Orchestra gewinnen können. Die Musik atmet sowohl den Geist streng konzipierter Klassik, als auch die Freiheit und Abenteuerlust des Jazz. Die Dramaturgie der Interpretation ist stimmig, die mögliche Virtuosität des Pianisten auf ein Minimum heruntergefahren. Die verschiedenen Variationen zeigen neben aller Melancholie eine gewisse Verspieltheit, die bis in die ernsten Refugien des schmerzvollen Blues reichen. Das alles erinnert in manchen Sequenzen an Gershwins „Rhapsody in Blue“ - ohne den Klassiker an irgendeiner Stelle kokett zu kopieren.
Jörg Konrad
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Montag 07.06.2021
Dave Holland „Another Land“
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Dave Holland war genau der richtige Bassist, den Miles Davis Ende der 1960er Jahre in der Übergangsphase vom akustischen hin zum elektrischen Jazz brauchte. Der Engländer besaß dieses verlässliche, absolute Timing, konnte sehr diszipliniert den Rhythmus halten und zugleich war er von der Freiheit der zeitgenössischen Improvisation hörbar fasziniert, die ihm zudem ein breites Ausdrucksspektrum ermöglichte. Holland konnte sich hervorragend auf seine Mitmusiker einstellen und war selbstbewusst genug, eigene Ideen autark umzusetzen. An seinem Können und an dieser Herangehensweise hat sich bei ihm bis heute nichts geändert. Er gilt als einer der profiliertesten Bassisten, Bandleader und Komponisten, der in den zurückliegenden Jahrzehnten ungezählte Male mit Grammy-Nominierungen, ersten Plätzen in Kritiker- und Leserpolls renommierter Zeitschriften, oder gar mit einer Ehrendoktorwürde (des Berklee College of Music) ausgezeichnet wurde. Viele seiner Alben, egal in welcher Besetzung, erlangten in Umfragen und Charts erste Plätze, so dass man bei ihm uneingeschränkt von einer im Jazz unentbehrlichen Persönlichkeit sprechen kann.
Sein neuster Geniestreich „Another Land“ ist in Triobesetzung eingespielt. Gemeinsam mit dem Gitarristen Kevin Eubanks und dem Schlagzeuger Obed Calvaire durchpflügt Holland in acht eigenen Kompositionen ein breites Spektrum an Jazzstilen, die stets einen starken Bezug zum Blues aufzeigen. Vor einigen Jahren sagte der Bassist in einem Interview sinngemäß, dass er immer versuche, eine Balance zwischen einfachen und komplexen Elementen in der Musik anzustreben. Diese Ausgewogenheit ist ihm auf dem vorliegenden Album faszinierend gelungen. Man spürt vom ersten Ton an die Leidenschaft, die die drei Instrumentalisten miteinander verbindet. Sie finden sofort den Bezug zueinander, verfolgen mit ihrer jeweiligen Individualität die gleichen Ziele und haben dieses intensive Miteinander auch schon zuvor in etlichen Live-Sets bezeugt. Zugleich wirkt die Musik klug konzipiert und blitzgescheit umgesetzt.
Holland zeigt sich als tieftönender Bassist und als ein ein federleichter Tänzer. Er versteht die Grundschritte ebenso dezent wie schwingungsvoll zu setzen, er dreht schwierigste rhythmische Pirouetten, beherrscht den Groove-Flickflack und soliert virtuos. Er ist ebenso ein bodenständiger, wie auch ein sinnlicher Bassist, oder, wie es Peter Rüedie einmal ausdrückte: Eine wandelnde Provokation für Fundamentalisten (im Jazz versteht sich!). Speziell in der Trio-Besetzung spielt er diese Fähigkeiten und natürlich seine jahrzehntelang gesammelten Erfahrungen gruppendienlich aus. Das weiß Kevin Eubanks schon seit geraumer Zeit, in dem er zum musikalischen Umfeld des Bass-Meisters gehört, für sich zu nutzen. Der Gitarrist konnte zudem als Vorübung für diese Aufnahmen in etlichen Konzerten die Gemeinsamkeiten, aber auch die inspirierenden Gegensätze in dieser Besetzung Live verfestigen, zum Teil auch neu erforschen. Ein Kontext, in dem kreative Reibung, als eine Voraussetzung für jede improvisatorische Dramaturgie, für den integrierenden Gruppengeist genutzt wird.
In dieser Vorarbeit wurde auch das Repertoire für „Another Land“ erarbeitet und gleichzeitig das Selbstbewusstsein untereinander frisch verortet. Eubanks klingt wie ein geistiger Epigone Jimi Hendrix', oder sagen wir besser, wie ein gezähmter Verehrer des einstigen Saiten-Heroes. Er setzt jede Schärfe wohldosiert ein, so dass er mit seinem Instrument zwar häufig im Vordergrund steht, ohne dass man hier aber einem Gitarren-Album sprechen könnte. Dafür passt sich Eubanks zu stark ein und an, kommt sein ganzer musikalischer Inpout fast ausschließlich der Gruppendynamik zugute (abgesehen natürlich von dem kleinen und feinen Solostück „Quiet Fire“).
Und Obed Calvaire? Der ist als rhythmisches Medium eine Art Bindeglied zwischen den musikalischen Welten, die hier einen gemeinsamen Ausdruck finden. Genauso unterkühlt wie energiereich trommelt er, fast analytisch, um raffinierten Konstruktionen einen Puls, einen gemeinsamen Herzschlag zu geben. Immer bedenkend, dass der Jazz sich auf der Basis traditioneller Musikströmungen unterschiedlicher Nationalismen entwickelt hat. Calvaire bringt diese Strömungen zusammen, verbindet sie zu einem Fluss, der sich durch die musikalischen Stillandschaften schlängelt. Er verbindet das Individuelle mit dem Kollektiven, den Schönklang mit den Provokationen, das Abenteuer mit den Abgeklärtheiten, er erfüllt den Anspruch des sicheren Begleitens ebenso faszinierend, wie er sich der Herausforderung des Solospiels erfolgreich stellt. So wird letztendlich dieses Trio zu einem Super-Trio - hingebungsvoll, erleuchtend, anmutig und integer.
Jörg Konrad

Dave Holland
„Another Land“
Edition Records
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Montag 31.05.2021
Portico Quartet „Terrain“
Bilder
Duncan Bellamy und Jack Wyllie gehören zum engsten Kreis derer, die die schönsten und subtilsten musikalischen Geschichten zu erzählen verstehen. Ihre Alben, unter dem Bandnamen Portico oder Portico Quartet veröffentlicht, sind seit eineinhalb Jahrzehnten fein gesponnene Poesie, abenteuerliche Klangexkursionen, zwischen Avantgarde und Harmonie. Ihre Musik kommt unaufgeregt daher, berührt durch Empathie, Intelligenz und Virtuosität und trifft stets den Nerv der Zeit. Und diese kreative Kontinuität ist in unserer rastlosen, unsteten Zeit das eigentlich Revolutionäre dieser Londoner Band.
Ihr neues Album, wie gewohnt aus Versatzstücken von Minimal-Music, Ambient, Jazz und Electronics bestehend, ist eine dreiteilige Suite, die während ihrer Entstehungszeit und studiotechnischen Umsetzung sehr wohl durch die Pandemie-Erfahrungen geprägt wurde.
Die einzelnen Sequenzen von „Terrain“ kommen einem lebendigen, atmenden Kreislauf sehr nahe.
Sie beginnen mit sachten, sich wiederholenden rhythmischen Figuren, entwickeln sich durch leichte Variationen und wechseln dadurch die atmosphärischen Schattierungen stetig. Nach Momenten bestürzender Frische und drangvoller Expressivität, nach Interaktionen und Explorationen kommen die Stücke immer wieder an ihren Ausgangspunkt zurück, schließt sich der Kreis hin zu kleinen, filigranen Klangkunstwerken.
Geographisch lässt sich „Terrain“ nur schwer verorten. Was diese Musik ausmacht ist das, was die Menschheit verbindet: Gute Geschichten, berührend erzählt. Jack Wyllie beschreibt es so: „Es besteht ein Gefühl der Konversation zwischen uns beiden, dass jemand eine musikalische Idee präsentiert, die andere Person darauf mit etwas anderem antwortet, auf das dann erneut geantwortet wird.“ Aber es sind eben nicht nur Dialoge, die den Reiz des Albums ausmachen. Neben den beiden Gründungsmitgliedern vervollständigen Milo Fitzpatrick und Keir Vine die Band zu einem Quartett. Und diese beiden verstehen es ausgezeichnet, das musikalische Gespräch in größerem Rahmen lebendig und am laufen zu halten. So hat auch diese Produktion wieder alle Ingredienzien, die „Terrain“ zu einer kammermusikalischen Kostbarkeit werden lassen.
Jörg Konrad

Portico Quartet
„Terrain“
Gondwana Records


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Freitag 21.05.2021
Viviane Chassot „Pure Bach“
Bilder
Fotografie Marco Borggreve, 2018 © Viviane Chassot
Es gibt diese wunderbare Szene in dem Film „Schultze Gets The Blues“, in dem die Hauptfigur (Horst Krause) nachts schlaflos durch die Wohnung streift, mehr durch Zufall am Radio dreht und auf (der heute nicht mehr existenten) Mittelwelle eine Polka hört. Gespielt auf einem Akkordeon. Schultzes Leben nimmt eine völlig neue Wendung.
Viviane Chassot spielt ebenfalls Akkordeon (und sie hat in früheren Zeiten gern nachts geübt!). Seit längerem schon spielt die Schweizerin kaum noch Polka, auch keine Chansons, stattdessen hingebungsvoll Klassik. Zuletzt Haydn, Mozart, Ligeti! Nun hat sich Viviane Chassot für Johann Sebastian Bach entschieden. Das fiel ihr nicht sehr schwer, denn der Thomaskantor begleitet sie musikalisch schon fast ihr Leben lang. Und wenn man ihr zuhört, wie sie das c-Moll-Präludium aus Bachs erster Sammlung des „Wohltemperierten Klaviers“, die „Französischen Suiten“ Nr. 2 & 5 oder das Italienisches Konzert F-Dur interpretiert, könnte man glauben, Bach wäre ein absoluter Anhänger, ja ein kompositorischer Spezialist für das Akkordeon.
Aber diese Wirkung liegt natürlich an dem sowohl virtuosen, als auch dem feingesponnen Spiel Viviane Chassots. Ihr gelingt es, die gesamte Dynamik Bachs auf die Knöpfe ihres Instruments zu übertragen. Sie bringt den Balg zum glühen, zelebriert das Melodische an Bach, zeigt unglaubliche Disziplin, was ihr Zeitgefühl betrifft. Sie kann Gegensätze ausspielen, kann unterhalten und mit ihrer Leidenschaft anstecken. Es liegt auch an Viviane Chassot, dass das Akkordeon in Hochgeschwindigkeit die Konzerthallen erstürmt. War es am Anfang der Tango, der direkt von der Straße in die Musentempel rauschte, dann die neue Volksmusik, die die Tanzböden zum dröhnen brachte, sind es hier die Klassiker, die von dem einst als „Klavier des armen Mannes“ bezeichneten Instruments neu ausgelotet werden. Auch die letzten (konservativen) Zweifler an dieser Konstellation überzeugt Viviane Chassot mit ihrem beschwörenden Spiel, mit dem sehnsuchtsvollen Klang im Sturm. Eine melancholische Magie geht von dieser Musik aus, die nachdenklich stimmt und gleichzeitig Euphorie auslöst.
Jörg Konrad

Viviane Chassot
„Pure Bach“
Prospero
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Freitag 14.05.2021
Balmorhea „The Wind“
Bilder
Ihre Musik wirkt verschlossen, sie klingt entrückt, ist zerbrechlich schön und beeindruckt doch durch eine gewisse Klarheit und politische Haltung. Politisch nicht in Form laut tönender Agit-Prop-Veranstaltungen oder anderweitig klingender Betroffenheitsrituale. Balmorhea, das multiinstrumentale Duo aus dem abgelegenen Texas Hill Country, setzen dem weltweiten Tosen und den fehlenden Geschwindigkeitsbeschränkungen Momente des Innehaltens entgegen. Ihre stillen Melodien und beherrschten Harmonien sind die verspielte Antwort auf manch drängende Fragen dieser Zeit. Erst einmal bei sich ankommen, ehe man zu allem und jedem einen Kommentar abgibt, lautet ihre Devise. Dabei ist die Musik Balmorheas und das ist das eigentlich Interessante der beiden Bandmitgliedern Rob Lowe und Michael A. Muller, offen, sind die klanglichen Ränder ausgefranst, ja teilweise auf angenehme Weise auch schlicht. Die Songs auf „The Wind“ bilden keine perfekten Projektionsflächen für Zukunftsvisionen und sie taugen zum Glück auch nicht für besserwisserische Theoriekonstrukte. Lowe und Muller wollten ihre Musik auf das Wesentliche reduzieren und ebenso sollte das Album eine Art Rückzug auf dieses Wesentliche bedeuten. Zumindest die Ideen und auch die Kompositionen entwickelten sie im ländlichen Niemandsland, etwa zwei Autostunden von Austin entfernt. In dieser naturnahen Umgebung sind die einzelnen Songs wie von selbst entstanden. „Wir haben versucht, uns auf diese Einfachheit und unser Miteinander zu besinnen“, erläutern sie die Entstehung der Aufnahmen. Gelungen sind ihnen damit beeindruckende Momente klanglicher Naturwahrnehmung von außerordentlicher Schönheit und leiser Intensität.
Jörg Konrad

Balmorhea
„The Wind“
DGG
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Autor: Siehe Artikel
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