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7. Giovanni Bottesini „Revolution Of Bass“
8. Marcin Wasilewski Trio „En Attendant“
9. Fred Frith „Road“
10. Pablo Held „Embracing You“
11. Vor 55 Jahren: Stan Getz Quartet & Astrud Gilberto „Live At The Berlin Ja...
12. Mathias Eick „When We Leave“
Montag 08.11.2021
Giovanni Bottesini „Revolution Of Bass“
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In der Klassik gehört der Kontrabass nicht unbedingt zu den exponierten Instrumenten. Als Soloinstrument kommt er hier nur schwerlich zum Zuge. Aber auch in anderen musikalischen Sparten fällt er eher optisch ins Auge. Als stimmführendes Melodieinstrument ist er auch hier eine Seltenheit.
Giovanno Bottesini (1821 bis 1889) gehört zu den wenigen Komponisten, die sich im klassischen Fach mit ihm intensiv beschäftigten. Der Italiener war zu Lebzeiten eine Art „Teufelsbassist“, der die größten Konzertsäle in Begeisterung versetzte. „Nebenher“ wirkte er als Dirigent - ebenfalls sehr erfolgreich! Er war eng mit Giuseppe Verdi befreundet und leitete die Uraufführung dessen Oper „Aida“ in Kairo im Jahr 1871.
Dominik Wagner fühlte sich ebenfalls früh zum Kontrabass hingezogen. Der 1997 in Wien Geborene war von dessen Ton und der „speziellen Wärme“, die von ihm ausging, von Beginn an fasziniert. Und als junger Kontrabassist scheint es in der Klassik nur logisch zu sein, dass man Giovanni Bottesini verehrt und Teile seines Werkes in ein eigenes Programm erst theoretisch und dann, wenn die Möglichkeit besteht, auch praktisch einbaut.
Nun legt der Österreicher mit „Revolution Of Bass“ ein ganzes Album mit Kompositionen Bottesinis vor. Damit gelingt Wagner eine Entdeckung im Doppelpack. Zum einen macht die Aufnahme mit Giovanno Bottesini und seiner Genialität vertraut. All jene, die ihn bisher nicht kannten, werden von dem Komponisten begeistert sein. Denn Bottesini bettet den Kontrabass unspektakulär wie beeindruckend in den Orchesterklang mit ein. Sein 1. Konzert ist ein Beispiel für wunderbar konzipierte Musik, schwungvoll wie melancholisch im romantischen Sinn, von den Solisten Virtuosität einfordernd und gleichzeitig die Klangmöglichkeiten eines Orchesters weit ausschöpfend.
Zudem kann sich auf diesen Aufnahmen Dominik Wagner brillant in Szene setzen. Man entdeckt einen sicheren Interpreten, der seine Persönlichkeit in die musikalische Waagschale wirft. Er ist ein außergewöhnlicher Solist und zugleich auch ein beeindruckender Teamplayer. Egal, ob er im künstlerischen Austausch mit dem großen Orchester agiert, oder im sparsameren Dialog mit Klavier (Can Cakmur) oder dem Cello (Jeremias Fliedl). Immer klingt er ebenso virtuos wie ausdrucksstark.
Jörg Konrad

Giovanni Bottesini
„Revolution Of Bass“
Dominik Wagner und das Württembergische Kammerorchester Heilbronn unter Emmanuel Tjeknavorian
Berlin Classics
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Freitag 05.11.2021
Marcin Wasilewski Trio „En Attendant“
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Man spürt schon gleich im ersten Stück, wie vertraut die Musiker miteinander umgehen. Noch dazu handelt es sich bei „In Motion“ um den Teil einer Kollektivimprovisation. Marcin Wasilewski (Piano), Slawomir Kurkiewicz (Double Bass) und Michal Miskiewicz (Schlagzeug) müssen keine Übergänge oder möglichen Leerläufe verschlungen überbrücken. Ihr vorsichtiges instrumentales Herantasten aneinander erfolgt auf „En Attendant“ in völliger Selbstverständlichkeit. Dabei geht es nicht um die Harmonie des Resultats, sondern um den Respekt und das Vertrauen gegenüber dem Nebenmann und gegenüber der Musik. Im Wasilewski Trio gibt es kein instrumentales Imponiergehabe. Die wichtigste Vokabel in der Beschreibung ihrer Musik ist „Schlüssigkeit“.
Seit über zwanzig Jahren spielen die drei Polen Miteinander, haben als Band große Solisten begleitet und als Trio selbst bedeutende Alben aufgenommen. Und egal was sie spielen und mit wem sie unterwegs sind – ihr Personalstil ist, trotz unterschiedlicher Herangehensweisen an die jeweiligen Projekte, stets erkennbar geblieben. Sie klingen wie ein perfekt eingespieltes Team, das seine musikalischen Spannungsmomente subtil und in der Stille anlegt. Doch das Trio kann auch ganz gehörig swingen, kann druckvoll improvisieren und eindringlichst Ideen virtuos ausschmücken.
Sie können aber auch, wie im vorliegenden Fall, Johann Sebastian Bach interpretieren. Wer dabei an die swingende Geläufigkeit eines Jacques Loussier denkt, der liegt völlig falsch. Die „Variation 25“ aus den „Goldberg Variationen“ stammt natürlich vom Thomaskantor, klingt hier aber eindeutig nach Marcin Wasilewski und seinen beiden Partnern. Still und in sich versunken verschleiert der Pianist das Thema, hat alles Tempo aus dem Stück genommen, taucht es in einen melancholischen Nebel. Aus Carla Bleys „Vashkar“ wird eine klassische Ballade, subtil in der Melodieführung, mit leichten expressiven Betonungen im Mittelteil. Und was macht das Trio aus dem Doors-Klassiker „Riders On The Storm“? Obwohl an sich schon ein langsames Stück, nehmen Wasilewski & Co. aus dieser fünfzig(!) Jahre alten Nummer noch einmal Tempo raus, geben dem melancholisch schwebenden des Originals einen leicht groovenden Spannungsbogen. Und besonders hier ist sie wieder zu finden, die „Schlüssigkeit“
Jörg Konrad

Marcin Wasilewski Trio
„En Attendant“
ECM
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Donnerstag 28.10.2021
Fred Frith „Road“
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So ganz klar ist es nicht, wieviel Aufnahmen Fred Frith in den zurückliegenden fünf Jahrzehnten unter seinem Namen denn nun eingespielt hat. Erst recht nicht, was die Veröffentlichungen als Sideman betreffen. Aber es dürften schon einige Hundert sein. Es gibt Internetseiten, die sein Werk diesbezüglich einteilen in Music For Dance, Music For Film, Live Alben, Collaborations, Bands, Bootlegs und manches mehr. Doch es ist, bei allem Umfang, nicht die Quantität, die bei dem Gitarristen aus dem südenglischen Heathfield beeindruckt. Seine Musik selbst fasziniert, der Inhalt seiner eigentlichen Kunst, seine Vielseitigkeit.
Man findet im Oevre des zurückhaltenden, sympathischen aber musikalisch eben auch sehr anspruchsvollen Instrumentalisten kaum abgesteckte Grenzen. Er ist ein beredter Anhänger des Art Rock, experimentiert aber gleichzeitig mit kindlicher Freude im Avantgardbereich, er arbeitet mit Streichquartetten Moderne Klassik aus (und bringt das Ergebnis natürlich höchst persönlich zur Aufführung), vermittelt mit seinen Auftritten politische Anliegen, liebt spontane Improvisationen und auch Humor. „Für mich ist die Definition eines modernen Musikers jemand, der mehr als nur eine Sache machen kann“, erzählte er vor Jahren in einem Interview. Das klingt ganz einfach. Zeigt aber im Fall Fred Frith ein unglaubliches Quantum.
Nun ist beim Label Intakt aus Zürich, das in den letzten Jahren eine ganze Reihe seiner Arbeiten veröffentlichte, ein neues, energiereiches Doppelalbum erschienen. Es nennt sich simpel „Road“ und ist innerhalb nur weniger Tage an drei verschiedenen Orten in Deutschland und den USA aufgenommen. Und so verschieden die Orte an sich ausfallen (Köln, Ebersberg bei München und Charlottesville, VA), so facettenreich, sinnlich, provokant und entdeckerfreudig klingt auch die Musik.
In Köln präsentiert Frith ein Trio mit dem Bassisten Jason Hoopes und dem Schlagzeuger Jordan Glenn. Welch ein kraftvolles Feuerwerk diese drei innerhalb von nur knapp fünfzig Minuten musikalisch abbrennen. Man möchte meinen, dieses intensive Auflösen von Strukturen und anschließende neuknüpfen von Verbindungen ist eine Art freie Kammermusik. Es sind kollektive Unabwägbarkeiten, weit weg von jeder melodischen Verspieltheit.
Das gleiche Trio plus der Trompeterin Susana Santos Silvia präsentiert sich frei und auf suggestiven Pfaden wandelnd. Die aus Porto stammende Portugiesin arbeitet mit Sounds und verfremdeten Tönen, mit suggestiven Assoziationen und verwinkelten Verschiebungen. Die Stücke entwickeln sich auf verschiedenen Ebenen und kommen letztendlich in gebrochener Schönheit wieder zusammen.
Bei der anderen Solistin handelt es sich um die Dänin Lotte Anker, eine Seelenverwandte von Frith' Ideen. Ihre klanglichen Wechselgespräche sind herausfordernde Dialoge, nicht im Sinne von Perfektion, sondern von Reaktionsvermögen und Verstand. Manchmal handelt es sich bei ihrem Austausch um federnde Melodielinien, dann wieder kommt etwas vertraut subversives ins Spiel, eine gewisse unorganisierte Extravaganz.
Zusammenfassend darf man sagen, Fred Frith ist ein musikalischer Abenteurer, ein Klangtüftler, einer, der Musik, gleich welcher Coleur, versucht zu befreien. Peter Rüedi sprach einmal im Zusammenhang mit Frith von „improvisatorischem Überdruck“ und „Originalitätsimperativ“. Hier geht es um ein inniges Temperament für Spontanität, das den Gitarristen über Jahrzehnte nicht zu verlassen scheint. Er ist kein Suchender. Er ist jemand, der stets entdeckt, gänzlich Neues, oder aber traditionelles, das er in einen völlig anderen Kontext setzt und so letztendlich auch wieder bisher ungehörtes schafft.
Jörg Konrad

Fred Frith
„Road“
Intakt Records
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Montag 18.10.2021
Pablo Held „Embracing You“
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Derzeit erscheinen etliche Alben, die der Pandemie geschuldet sind. Entweder es handelt sich um ganz persönliche Auseinandersetzungen mit den Folgen der daraus entstandenen sozialen Barrieren, oder es bestehen die Möglichkeiten, sich in der plötzlich so reichlich vorhandenen Zeit mit unrealisierten Projekten zu beschäftigen. Oder aber es handelt sich um neue, um nicht zu sagen aus der Not heraus geborene Ideen, die aufgrund intensiver Beschäftigung dem bisherigen künstlerischen Werdegang eine völlig neue Richtung geben.
Vieles von dem, was Pablo Held auf dem gerade erschienen Album „Embracing You“ umsetzt ist neu und hängt eben mit den Auswirkungen des Lockdowns zusammen. Es ist einerseits sein erstes Soloalbum, entstanden aufgrund eines gebuchten Studiotermins mit seiner Band Buoyancy im Kammermusiksaal des Deutschlandfunk. Die (britische) Band hätte vor diesem Termin in Quarantäne gemusst – das aber wollte Pablo Held ihnen nicht antun.
Er selbst hat die Pandemie als eine Zeit der „Isolation und Selbstreflexion“ wahrgenommen und sich mit den Möglichkeiten und Inhalten des Solo-Klavierspiels beschäftigt. Also lag es nahe, den gebuchten Termin in Köln für sich zu nutzen. Herausgekommen ist dieser kleine musikalische Schmuckstein, ein intimes Kleinod, das die Bereiche und klanglichen Prinzipien des akustischen Pianos weit überschreitet.
Pablo Held selbst steht schon seit Jahren für eine neue Generation von Instrumentalisten, die anspruchsvollen, herausfordernden Jazz spielt. Sie zitieren die Jazzhistorie sensibel, klingen in ihren Improvisationen nach temperamentvollen Abenteurern, brechen vorgefertigte Muster ganz individuell auf und gehen, unabhängig von Zeitgeist und modischen Strömungen, völlig eigene Wege.
In diesen Kontext passen letztendlich auch die vorliegenden Aufnahmen, selbst wenn sie, was ihre jazzmusikalische Selbstverständlichkeit betrifft, völlig anders strukturiert sind und damit auch anders wirken. Entstanden sind ein Großteil der Ideen für diese Aufnahmen im Kreise seiner Familie, weitab von hektischem Alltagsstress. Held arbeitete an knapp 40 Songs, von denen es letztlich dann elf auf das Album geschafft haben. Es handelt sich meist um kleine, romantische Melodien, um wunderbar ausbalancierte Themen, die klar und durchsichtig strukturiert sind. Aufgebrochen wird jede Gefahr des alleinigen Wohlklangs durch zusätzliche elektronische Tasteninstrumente, wie dem Mellotron und dem Synthesizer. So wirken einige der Aufnahmen als seien sie mit einem kleinen Orchester, oder zumindest in kleiner Besetzung eingespielt. Trotzdem besticht immer die Unaufgeregtheit der Musik, beeindruckt ein verführerischer Bezug hin zur Stille. Es ist ein neuer Pablo Held, den es mit Freuden zu entdecken gilt.
Jörg Konrad

Pablo Held
„Embracing You“
Hopalit Records
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Mittwoch 13.10.2021
Vor 55 Jahren: Stan Getz Quartet & Astrud Gilberto „Live At The Berlin Jazz Festival 1966“
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1966 fand der erst 3. Jahrgang des Berlin Jazz Festival statt, das sich im Laufe der folgenden Dekade zu einem der bedeutendsten Musikfestivals überhaupt entwickeln sollte. In jenem Jahr gastierten mit Dexter Gordon, Kurt Edelhagen, Albert Ayler, Dave Brubeck, Rolf und Joachim Kühn auch das Stan Getz Quartet & Astrud Gilberto. Saxophonist Stan Getz und Gitarrist Charlie Byrd war es vier Jahre zuvor gelungen, was in der Jazzwelt bis dahin nicht möglich schien: Mit ihrem Album „Jazz Samba“ fanden sie nicht nur Eingang in die Billboard Charts, sondern kletterten sogar auf Platz 1 dieser Pop-Hitparade und blieben hier ganze siebzig(!) Wochen lang verzeichnet. Das Bossa Nova-Fieber war damit endgültig ausgebrochen und hielt die westliche Konzert-Welt über Jahre fest in ihrem Griff.
Bossa Nova, das war die musikalische Begegnung von brasilianischer Samba-Musik und amerikanischem Cool-Jazz-Elementen. Eine Verbindung, die neben dem polyrhythmischen Temperament auch etwas leichtes, zartes und sensibles beinhaltete, was besonders von der Jugend jener Zeit in Nord- als auch Südamerika fasziniert aufgenommen wurde. Und so war es nur logisch, dass auch das Berliner Jazz Festival auf diese Welle reagierte und mit Stan Getz und seinem Quartet, sowie der Sängerin Astrud Gilberto den Bossa Nova neuster Prägung präsentierte.
Tenorsaxophonist Getz kam mit dem damals noch relativ unbekannten Gary Burton am Vibraphon nach Europa, sowie den beiden Jazz-“Haudegen“ Chuck Israels (Bass) und Roy Haynes (Schlagzeug). Und so ist der auf zwei CDs vorliegende Konzert-Mitschnitt nicht nur gespickt mit all den Hits des Bossa Nova, wie „The Girl From Ipanema“, „Samba De Uma Nota So“ oder „Corcovado“ mit Astrud Gilbertos so typischen, stets ein wenig unterkühlten wie amateurhaften Stimme. Getz hingegen ist in Hochform, zieht alle Register seines wunderbar lyrischen Spiels, reißt die exotischen Melodien an, umspielt diese, improvisiert mit einer rauchigen Geschmeidigkeit und seinem flüssigen Phrasierungsstil und macht fast jeden dieser insgesamt neunzehn Titel zu einem kleinen, funkelnden Juwel. Getz zeigt in dieser Aufnahme noch einmal was musikalisch in ihm steckt, mit welchen Lyrizismen und welcher Sanftheit ein Tenorsaxophon gespielt werden kann und dass sich Kreativität und kommerzieller Erfolg nicht ausschließen müssen.
Jörg Konrad

Stan Getz Quartet & Astrud Gilberto
„Live At The Berlin Jazz Festival 1966“
The Lost Recordings

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Freitag 08.10.2021
Mathias Eick „When We Leave“
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Schon die ersten Akkorde auf „When We Leave“ deuten es an: Dies ist eine Fortsetzung von Mathias Eick schon vor drei Jahren veröffentlichtem Album „Ravensburg“. Es ist eine Fortsetzung in Form einer Fortführung. Die jetzige Band ist identisch mit der von 2018, abgesehen von Stian Carstensen, den Mathias Eick an der Pedal Steel Guitar in seine Formation mit aufnimmt und der dem Trompeter zu einem erweiterten, weit in die Landschaft blickenden Klangbild verhilft. Die Band selbst ist weiter zusammengerückt, spielt die sparsam spröden, melancholisch tragischen Bögen und Figuren noch geschlossener und wirkt wie ein genügsam pulsierender Gesamtorganismus. Es geht um Geschichten, die aber hier nicht von einem einzelnen Musiker in seinen solistischen Einsätzen instrumental erzählt, sondern von der gesamten Formation tief ausgelotet und vermittelt werden. Formidable Einzelstimmen, deren Summe sich als ein stiller Chor innerster Kraft- und Lebenslinien darstellt.
Dass die Musik in ihrem ganzen ästhetischen Konzept und deren klanglicher Umsetzung eine solch elementare Wirkung entfaltet, ist nicht zuletzt der Idee geschuldet, die Instrumentalisten nicht nur Miteinander in Bezug zu setzen, sondern auch deren Gegensätze, ihre Polarität ins Spiel zu bringen. Nur finden die positiven Reibungen nicht in großem Stile statt, siehe die beiden Schlagzeuger dieser Aufnahme Torstein Lofthus und Helge Andreas Norbakken. Mathias Eick sieht das wie folgt: „Ich wollte das Schlagzeugspiel nicht größer, sondern eher dreidimensionaler machen. Was sich im Bereich des Rhythmus abspielt, ist sehr ähnlich zu dem, was zwischen Håkon und mir passiert, wo eine ähnliche Idee von Beschattung und Call and Response stattfindet.“ Diese beflügelnde und tolerierte Gegensätzlichkeit macht „When We Leaves“ zu einem hymnischen Ereignis – weit über die porösen Grenzen von Jazz, Folklore und Klassik hinaus. Fast möchte man meinen: Zu schön für diese Welt!
Jörg Konrad

Mathias Eick
„When We Leave“
ECM
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Autor: Siehe Artikel
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