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7. Maisach: Peter Autschbach – Subtile Gitarrenimpressionen
8. München: Caterina Barbieri – Tonspuren im Kosmos unserer Zeit
9. Germering: Fusk – Stresstest bestanden
10. Landsberg: Chelyabinsk Contemporary Dance Theater – Zwischen Hast und Sin...
11. Olching: Erste Olchinger Rocknacht im KOM
12. Fürstenfeld: Les Autres - Botschaften aus einem Zwischenreich
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Foto: Irina Mirja
Samstag 05.11.2022
Maisach: Peter Autschbach – Subtile Gitarrenimpressionen
Maisach. Joe Pass spielte sein erstes Album 1962 ein, da war er Patient im Synanon Drug Centers in Kalifornien, einer Einrichtung für heroinabhängige Jazzmusiker. Nachdem er kurz darauf geheilt entlassen wurde, begann seine eigentliche Karriere als Jazzgitarrist. Er nahm ungezählte Alben auf, Solo, im Duo mit Herb Ellis, als Begleiter von Ella Fitzgerald, in der Count Basie Big Band und mit Duke Ellington. Und er gab Unterricht, vermittelte sein Wissen und seine Erfahrung an jüngere Generationen von Saitenkünstlern weiter, die ihm ihr Leben lang dankbar waren.
Zu ihnen gehört auch Peter Autschbach aus Siegen, der sich aber eigentlich nicht als Jazzmusiker versteht. Wie jedoch am Freitag in der Maisacher Beer & Guitar Reihe zu erleben war, ist Autschbach ein exzellenter Techniker, ein Improvisator mit Esprit und ein Geschichtenerzähler am Instrument. Sein Spiel kommt eher vom Rock und Folk, ist das Ergebnis einer sehr breit angelegten und komplexen Beschäftigung mit Musik. Dabei muss er sich und seinem Publikum nichts in Form von instrumentalen Spitzfindigkeiten beweisen, sondern überzeugt mit seiner enormen Musikalität und der Freude am Spiel.
So greift er im Räuber Kneissl Keller zwar tief in die Schatztruhe des Jazz, hat Evergreens wie „Autumn Leaves“, dessen Ursprung übrigens auf einem französisches Chanson von Joseph Kosma fußt, Antonio Carlos Jobim's Klassiker „The Girl From Ipanema“ oder „Stomping At The Savoy“ (von Edgar Sampson!) im Repertoire-Gepäck. Präsentiert aber ansonsten auch einige Rock-Klassiker („Little Wing“ oder „It's A Boy“) und vor allem etliche Eigenkompositionen. Er bewegt sich somit eher in einem Bereich, der stilübergreifend an ein kosmopolitisches Koordinatensystem erinnert. Es scheint, als würde es Peter Autschbach darum gehen, die Tiefen seiner Erfahrungen und Gefühle klanglich auszuloten, sein Instrument entsprechend seinem Bewusstsein in Stellung zu bringen. Es sind häufig die Melodien, die ihn faszinieren und die sich manchmal erst im Laufe der schwierigen Akkorde eines Songs entwickeln und mit der Zeit zu voller Blüte entfalten.
Auch wenn manches recht eingängig klingt, nichts von dem, was Peter Autschbach spielt, ist auf unangenehme Weise sentimental oder wirkt pathetisch. Selbst dann nicht, wenn er mit traumverlorener Stimme singt. Die hat bei ihm etwas unschuldiges, naives und steht so ganz im positiven Gegensatz zu seinen subtilen Gitarrenimpressionen.
Jörg Konrad
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Sonntag 30.10.2022
München: Caterina Barbieri – Tonspuren im Kosmos unserer Zeit
München. Sie schichtet nicht, wie manch andere am Pult, melodische Splitter und rhythmische Kreuzgitter geschickt übereinander. Sie entwirft auch keinen brutalen Techno-Stress, sozusagen als handwerkliche Beschwörung der Technik, um uns einzig den Alltag vergessen zu lassen. Caterina Barbieri schafft mit ihrer Musik Erlebnisräume, sie entwirft Töne und Sequenzen, die aus anderen Welten zu uns zu kommen scheinen, die an uns vorüber ziehen, uns akustisch stimulieren und wieder im All versinken. Es sind avantgardistisch-futuristische Fantasien, die manchmal an sakrale Manifestationen erinnern und trotz aller Archaik eine kommunikative Wärme verbreiten. So wie am Samstag, als die Wahlberlinerin im Münchner Haus der Kunst ihre klanglichen Beschwörungsformeln im Rahmen der Reihe „Tune“ Live entwickelte und damit auch zugleich ein Statement über die Grenzenlosigkeit der Kunst abgab.
Die aus Mailand stammende Barbieri hat keine Berührungsängste, Musik und Philosophie, mutige Klangexperimente und ethnologische Forschungen miteinander zu verzahnen. Insofern ist ihre Herangehensweise an Sounds und deren Ein- und Umsetzen sehr komplex und von einer inneren Neugierde und mittlerweile auch Erfahrung gekennzeichnet. Problemlos, aber mit Schneid nutzt sie kunstvoll ihre Stimme, und besetzt mit kühnem Gesang regelrechte Gegenpositionen zu ihrer Musik. Man glaubt gar nicht, dass sie seit ihrer Kindheit auch klassische Gitarre spielt. Vielleicht kommt von diesem Studium auch ihre gewisse Strenge, die sich ebenfalls in den elektronischen Dramaturgien Platz schafft. Die Intensität während der raumgreifenden, an- und abschwellenden Klangprozessionen ermöglicht in den Spitzen kaum noch Steigerungsmöglichkeiten. Es ist eine von schriller Poesie gezeichnete Zeit- und Raumexpedition zwischen formbewusstem Kalkül und Minimalismus. Am Ende bleiben stille Tonspuren, die im Kosmos unserer Zeit verhallen.
Jörg Konrad
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Samstag 29.10.2022
Germering: Fusk – Stresstest bestanden
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Foto: Dovile Sermokas
Germering. Fragt man Jazzfreunde, was sie an „ihrer“ Musik so begeistert, lautet bei acht von zehn Enthusiasten die Antwort mit großer Wahrscheinlichkeit: Die Freiheit. Natürlich Freiheit innerhalb eines gewissen Rahmens. Duke Ellington, der „Tonmaler des Jazz“ drückte es einmal so aus: „Jazz ist die Freiheit, viele Formen zu haben“ und Dave Brubeck meinte zu diesem Thema: „Jazz ist wahrscheinlich die einzige heute existierende Kunstform, in der es die Freiheit des Individuums ohne den Verlust des Zusammengehörigkeitsgefühls gibt.“ Wie dieses Gefühl Freiheit in der Praxis klingt, davon gab am Freitagabend das Quartett Fusk in der Germeringer Stadthalle eine akustische Probe. Vier Musiker, wobei jeder seine Individualität auslebt und sie doch gemeinsam etwas reizvoll Kreatives schaffen. Denn zum einen greifen Tomasz Dabrowski (Trompete), Rudi Mahall (Klarinette, Bassklarinette), Andreas Lang (Bass) und Kasper Tom Christiansen (Schlagzeug) mutig wie selbstbewusst in die große Archivkiste des Jazz. Egal ob Swing oder Bop, ob Ragtime oder Blues - sie blicken mit Freuden in Richtung Vergangenheit und reichern auf der anderen Seite diese mit avantgardistischen Zwischentönen und exzentrischen Überzeugungen an, dass man manchmal die Tradition wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen sucht. Sie geben der Musik eine neue, von Gruppendynamik geprägte neue Richtung und schaffen auf der Bühne faszinierende Klangunikate.
Sie sind absolute Meister der Brüche und der Komplexität. Da ist der Kontrast zwischen streng auskomponierten Intervallen und freier Improvisation, der akzentfreie Wechsel von Takten und Harmonien, der Übergang von lustvoller Moderation zu konzentrierter, hintersinniger Musikalität. Alles steht bei Fusk miteinander in Beziehung, befindet sich in ständiger Bewegung, ohne Pathos versteht sich, stattdessen bodenständig, manchmal auch völlig entspannt. Oder eben stürmisch. Ein internationales Quartett, das sich keinen Deut darum schert, wie unterschiedlich doch Kulturen sein können. Die Heftklammer des Jazz hält alles zusammen, macht aus „den Vier“ eine verschworene Truppe. Wenn es so etwas gäbe, hätten Fusk den Stresstest Jazz mit bravour bestanden.
Jörg Konrad
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Mittwoch 26.10.2022
Landsberg: Chelyabinsk Contemporary Dance Theater – Zwischen Hast und Sinnlichkeit
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Foto: Olga Pona
Landsberg. Jede Kunstform, will sie ernst genommen werden, beschäftigt sich mit der Gegenwart. Die Aktualität als Aufhänger für kritische Wahrnehmung, oder, positiver formuliert, das Deuten von krisenbedingten Auswegen und Ressourcen mit Hilfe der Kunst. Im Fall des Chelyabinsk Contemporary Dance Theater aus dem Ural spielt, entsprechend der Form des Ausdrucks, die Ästhetik eine tragende Rolle. Olga Pona, Grande Dame des russischen modernen Tanztheaters, drückt dies für sich folgendermaßen aus: „Tanz ist die Überführung vom Gegenständlichen ins Abstrakte. Tanz formte meinen Körper und Geist, genauso wie meine Sinneswahrnehmung, meine Motivationen und Handlungen. Tanz ist für mich die Suche nach sich selbst mit der Absicht, über sich hinauszuwachsen“.
Am Dienstag gastierte das Chelyabinsk Contemporary Dance Theater in Landsberg mit seinem neuen Werk „Running“. Ein Stück voller Tempo und Rasanz - zugleich aber auch des Atemholens, des Verweilens und des Nachdenkens. Denn diese Form der Besonnenheit scheint in unserer Zeit, aufgrund der unablässigen Betriebsamkeit und Hast, völlig aus dem Blickfeld zu geraten. Es ist der Ausdruck der Sehnsucht in einer orientierungslosen Welt.
Unruhe, Getrieben sein, Erregung scheinen unverzichtbare Säulen des Alltags zu sein. Gibt es eine Möglichkeit, sich dieser Ausrichtung des Lebensgefühls, diesem gesellschaftlichen Anspruch zu entziehen? Stattdessen Geduld, Selbstbeherrschung und Gelassenheit zu den bestimmenden Eckpfeilern des Lebens werden zu lassen? Man hat immer eine Entscheidung!
„Running“ versucht zwischen diesen Polen der Lebensbewältigung eine künstlerische Mitte zu schaffen. So ist die Choreographie zu Beginn der Aufführung noch durch die Intensität der Bewegungen und das Energielevel der Tänzerinnen und Tänzer gekennzeichnet. Getragen von fiebrigen Drum-and-Bass-Rhythmen loten sie im Wechselspiel von Distanz und Nähe ihre Individualität aus. Ob als Soloperformance, im Pas de deux oder in Gruppenformationen - es werden die Emotionen im Bereich des Unbewussten deutlich. Es geht um die realen Herausforderungen des Lebens und die Erfüllung leibhaftiger Fantasien, um Haltung zu bewahren und ein sich gehen lassen, um gesellschaftliche Realität und individuellen Anspruch.
Im Verlauf der Aufführung ändert sich die Stimmung, klingt der Stresspegel deutlich ab und nehmen die erkennbar sinnlichen Momente auf der Bühne stetig zu. Zwar braust immer wieder der widersprüchliche Zeitgeist in die Körper, doch scheint eine von innen heraus gestärkte Harmonie immer sicht- und hörbarer die Szenerie zu erobern. Es wird eine getriebene Sehnsucht nach Zugehörigkeit als innerer Motor deutlicher.
Und so bewegt sich die Gruppe zeitweise in sich geschlossen wie ein wogendes Schiff auf den den Wettern ausgesetzten Ozeanen des Lebens, bis sich die einzelnen Tänzerinnen und Tänzer wieder in individuellen Figuren offenbaren und verlieren und damit ihre autarken Charaktere unterstreichen.
Beeindruckend während des gesamten Abends die runden, ineinander übergehenden Bewegungsabläufe, die virtuose Körperbeherrschung, der stetige Fluss, in dem sich die gesamte Compagnie befindet. „Running“ berührt, überzeugt und inspiriert.
Jörg Konrad

Hier Bericht in der Augsburger Allgemeinen/Landsberg
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Sonntag 23.10.2022
Olching: Erste Olchinger Rocknacht im KOM
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Letzten Samstag fand die erste Rocknacht in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach, kurz KOM, veranstaltet vom Verein Amper Slam e.V. statt. Ein super Abend für alle Rockfans und Headbanger mit einem lokalen Lineup, das sich sehen lassen konnte.

Einen gelungenen Start legte die Olchinger Rockformation Meltdown X (Fotos 1 & 2) hin, die das Publikum mit harten Rockriffs, einer Prise Metal, female fronted mit zwei Sängerinnen und einem starken Mix ihrer eigenen Songs auf die kommenden Bands des Abends einstimmte. Nach einer kurzen Umbaupause stand Delrium’s Dawn (Fotos 3 & 4) aus Germering auf der Bühne. Im Jahr 2005 gründeten die beiden langjährigen Freunde Ary Keshtgar und Tom Gimpel die Band, die sich im Laufe der Jahre stetig weiter entwickelte und sich mittlerweile mit Younas Khan am Bass sowie Manu Fischer am Schlagzeug metallisch bestens verstehen und lokale wie nationale Bühnen rocken. Last not least trat Flame or Redemption (Fotos 5, 6 & 7) auf die Bühne und, … das muss man Frontfrau Isabelle Croft mit ihrer Band lassen, einen unglaublich starken Auftritt ablieferte. Glasklarer, dunkler melodischer Death Metal mit sowohl cleanen Vocals als auch tiefen Growls á la Jinjer ließen das Publikum toben.

Für die Fans im KOM war es ein ausgelassener Abend mit Mosh- & Rowpit (!), Headbangen und Pogen. Der Sound tadellos, die Organisation und das Miteinander herrlich entspannt. Das Ganze zu einem absolut fairem Eintrittspreis (10,-- €) und zivilen Getränkepreisen, um den Abend in vollen Zügen genießen zu können. Es wurde wie im vertrauten Freundeskreis abgefeiert, mit guten Gesprächen in den Umbaupausen und Rücksicht aufeinander nehmend beim Pogen oder Moshen. Alles in allem eine begeisternde Rocknacht, ausgesprochen metalgeprägt, was letztlich auch zur guten Stimmung beigetragen hat. Im Kalender sollte man sich schon mal den 17.12. vormerken: da wird beim Amper Slam Band Battle Finale erneut das KOM gerockt.
Text & Fotos: Thomas J. Krebs
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Foto: Julie Cherki
Mittwoch 19.10.2022
Fürstenfeld: Les Autres - Botschaften aus einem Zwischenreich
Fürstenfeld. Kader Attou, französischer Choreograph und Leiter der Compagnie Accrorap, hat nach eigenem Bekunden schon immer eine Schwäche für künstlerische Projekte, die sich weit außerhalb konventioneller Ausdrucksformen bewegen. So beschäftigte er sich vor einigen Jahren intensiv mit der Symbiose aus Hip Hop und zeitgenössischer Ästhetik und verschaffte dieser im Grunde Straßenkunst einen spektakulären Platz in den angesagten Kulturtempeln zumindest europaweit. Die musikalische Grundlage für das Stück „Roots“, das übrigens 2016 auch in Fürstenfeld aufgeführt wurde, bestand weniger in den in dieser Stilistik üblichen harten polyrhythmischen Beats, sondern aus klassischer Cello-, Violinen- und Klavierbegleitung mit weltmusikalischen Anleihen.
Das Ensemble gastierte am gestrigen Dienstag nun wiederholt in Fürstenfeld und präsentierte Kader Attou neues Stück „Les Autres“, zu deutsch „Die Anderen“. Und so wie Attou im tänzerischen die konventionellen Standpunkte meidet, sucht er auch im musikalischen das Außergewöhnliche, erschließt sich, den Tänzern und damit auch dem Publikum gern neue Klangfelder. Diesmal hat er den Multi-Instrumentalisten und Schlagzeuger Loup Barrow und den Cellisten und Ingenieur Grégoire Blanc beauftragt, ihm die Musik für sein neues Programm zu komponieren. Zudem baute er beide, Barrow mit dem Cristal Baschet (einem Musikinstrument aus Glas und Metall) und Blanc mit dem Theremin (ein berührungslos zu spielendes elektronisches Instrument) in seine Choreographie mit ein. Somit wurde das Tanztheater um eine neue, spektakuläre Live-Dimension erweitert.
„Les Autres“ lebt, neben den rhythmischen Kraftfeldern und fragilen Klangflächen in der Musik, von den dynamischen, auch explosionsartigen Bewegungen der Tänzer. Sie befinden sich auf der imaginären Suche nach der eigenen Identität und loten dabei soziale Beziehungen immer neu aus. Manchmal wirkt dies naiv verspielt, manchmal bewegen die autoritären Situationen, immer jedoch die Umsetzung individueller Impulse. Attou entwirft auf dieser Reise zu sich selbst beständig neue (Alp-)Traumbilder. Er lässt die Tänzer auf der Bühne auf und zwischen obeliskenartige Säulen arbeiten, als seien sie selbst tanzende Reliquien aus einer anderen Welt. Überhaupt wirkt das Stück in seinem zum Teil surrealen Charakter wie eine Botschaft aus einem Zwischenreich. Wären da nicht die real betonten Hip Hop-Figuren, die auch in „Les Autres“ alle Fantasie erdet und es aus dem Bereich der Traumsequenzen wieder radikal befreit.
Die sechs Tänzerinnen und Tänzer und zwei Musikanten inspirieren mit ihrer Kunst das Publikum, widerspiegeln die Mannigfaltigkeit der Welt und unsere Emotionen in ihr und verschmelzen mit der Kraft der Poesie letztendlich bestehende Gegensätze. Starker Applaus für diese intensive Erlebnis.
Jörg Konrad
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Autor: Siehe Artikel
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