Blickpunkt:
Film
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Inhaltsverzeichnis
JAHRHUNDERTFRAUEN

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DAS ENDE IST DER ANFANG

8

EXPEDITION HAPPINESS

9

EIN DORF SIEHT SCHWARZ

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STILLE RESERVEN

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DANCING BEETHOVEN

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Donnerstag 11.05.2017
JAHRHUNDERTFRAUEN
Ab 18. Mai 2017 im Kino
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Kalifornien, Ende der 70er Jahre: eine wilde, inspirierende Zeit der kulturellen Umbrüche, Freiheit liegt in der Luft. Dorothea Fields (Annette Bening), eine energische und selbst-bewusste Frau Mitte 50, erzieht ihren Sohn Jamie (Lucas Jade Zumann) ohne den Vater, holt sich aber Unterstützung von zwei jungen Frauen: Abbie (Greta Gerwig), die freigeistige und kreative Mitbewohnerin, und Jamies beste Freundin Julie (Elle Fanning), ein gleichermaßen intelligentes wie provokatives Mädchen. So verschieden sie sind, alle vier stehen füreinander ein – und es gelingt ihnen eine Bindung für das ganze Leben zu schaffen.

Win Film von Mike Mills
Mit Annette Bening, Greta Gerwig, Elle Fanning, Billy Crudup, Lucas Jade Zumann u.v.m.

JAHRHUNDERTFRAUEN ist eine filmische Liebeserklärung an drei sehr unterschiedliche Frauengenerationen. Das neue filmische Meisterwerk von Mike Mills (BEGINNERS) war bei den Golden Globes 2017 in den Kategorien Bester Film und Beste Schauspielerin nominiert und erhielt eine Oscar-Nominierung für das Beste Originaldrehbuch. Der Regisseur ließ sich von seiner Mutter und weiteren Frauen, die sein Leben nachhaltig prägten, zu diesem gefühlvollen Drama voller Witz und Wärme inspirieren. Hauptdarstellerin Annette Bening, die bereits viermal für den Oscar nominiert war, spielt in JAHRHUNDERTFRAUEN die bislang stärkste und authentischste Rolle ihrer Karriere. Unterstützt wird sie durch Greta Gerwig (TO ROME WITH LOVE, FRANCES HA) und Elle Fanning (MALEFICENT, SOMEWHERE), außerdem durch Billy Crudup (EAT PRAY LOVE, ALMOST FAMOUS) und Newcomer Lucas Jade Zumann.

Santa Barbara im Jahr 1979. Auf dem Parkplatz eines Supermarkts steht ein alter Ford Galaxy in Flammen. Mit diesem Wagen wurde Jamie Fields (Lucas Jade Zumann) vor 15 Jahren als Neugeborener vom Krankenhaus nach Hause gefahren. Seine Mutter Dorothea (Annette Bening) war damals 40 Jahre alt. Viele meinten, sie sei zu alt für ein Baby. Der Vater verließ die Familie 1974. Seither versucht Dorothea, einen Vaterersatz für Jamie zu finden. Dorothea arbeitet als Zeichnerin in einem Architekturbüro. Alle ihre Kollegen sind Männer, doch sie will mit keinem ausgehen. Sie raucht Salem-Zigaretten, weil die gesünder sein sollen, trägt Birkenstock-Schuhe, weil sie bequem sind, sie liebt Hollywood-Klassiker mit Humphrey Bogart und studiert mit Jamie die Börsenkurse in der Zeitung. Dorothea wurde 1924 geboren. Als sie ein Teenager war, brach der Zweite Weltkrieg aus. Sie musste die Schule verlassen und wollte Pilotin werden. Doch der Krieg war zu Ende, bevor sie die Ausbildung abschloss.
Dorothea vermietet einzelne Zimmer in ihrem großen Haus in Santa Barbara. Die Punk-Fotografin Abbie (Greta Gerwig) wohnt dort, seit sie nach einer Krebsdiagnose aus New York geflohen ist. Auch William (Billy Crudup) nutzt ein Zimmer. Der Ex-Hippie renoviert das alte Holzhaus und kann Autos reparieren. Auch die 17-jährige Nachbarin Julie (Elle Fanning) verbringt viel Zeit im Haus der Fields. Die Tochter einer Psychologin stiehlt sich gern in Jamies Zimmer und in sein Bett. Beide verbindet eine platonische Freundschaft. Bei einem gefährlichen Spiel mit seinen Skater-Freunden kommt Jamie fast ums Leben. Dorothea merkt, dass sie ihren Sohn und die Welt, in der er lebt, nicht mehr versteht. Sie bittet Abbie und Julie, Jamie zu helfen, sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Abbie meint, nur ein Mann könne diese Aufgabe leisten, und schlägt William als bessere Option vor. Julie will lieber Jamies Freundin sein, aber nicht seine Ersatzmutter. Doch Dorothea duldet keinen Widerspruch. Sie bittet die beiden jungen Frauen, Jamie vorerst an ihrem Leben teilhaben lassen. Jamie ist entsetzt, dass seine Mutter einmal mehr über seinen Kopf hinweg Entscheidungen für sein Leben trifft. Mit den Skater-Freunden bricht er für einen Tag nach Los Angeles aus und stürzt sich in die Punk-Clubs der Millionenstadt. Ausgelassen und angetrunken kehrt er am Ende einer langen Nacht in sein Zimmer zurück, wo Julie in seinem Bett liegt. Er will sie küssen und anfassen, doch Julie weicht zurück. Sie will ihre Freundschaft nicht durch beliebigen Sex gefährden, wie sie ihn mit anderen Jungs hat. In derselben Nacht kommen sich Abbie und William näher. Abbie ist gehemmt, weil sie keinen Mann mehr hatte, seit sie sich von den Folgen ihres Gebärmutterhalskrebses erholt. Sie will die angespannte Atmosphäre durch ein Rollenspiel als Fotograf und Model lockern. Doch der wortkarge William ist mit der Situation überfordert. Er küsst Abbie und bittet sie um Verzeihung. Jamie begleitet Abbie zum Arzt. Dieser hat eine gute und eine schlechte Nachricht: Abbie hat den Krebs besiegt, doch sie wird vermutlich niemals Kinder bekommen können. Derweil sorgt sich Julie, dass sie von einem ihrer wechselnden Liebhaber schwanger sein könnte. Jamie beschafft ihr im Drogeriemarkt einen Schwangerschaftstest, der in den USA gerade neu auf den Markt gekommen ist. Als er negativ ausfällt, ist Julie mehr als erleichtert.
Dorothea beschließt, die moderne Welt der jungen Leute kennenzulernen. Vielleicht gelingt es ihr ja dann, auch Jamie besser zu verstehen. Mit Abbie und William besucht sie einen Club und ist irritiert: Nicht nur, weil William sie unverhofft küsst, sondern auch, weil sie die Musik, den Tanz und die Mode der jungen Generation nicht begreifen kann. Während die Bilder, Farben und Rhythmen an ihr vorbeirauschen, sinniert Dorothea über die Zukunft: dass sie 1999 an Krebs sterben wird, dass der Punk bald enden und Präsident Ronald Reagan, Aids und HIV, das Internet und der Klimawandel kommen werden. Abbie kommt betrunken nach Hause. Sie geht direkt in Jamies Zimmer und empfiehlt ihm, Santa Barbara zu verlassen, wenn er etwas aus seinem Leben machen möchte. Am nächsten Morgen versorgt sie ihn mit feministischer Literatur, die der Schüler mit großem Interesse aufsaugt. Sie nimmt Jamie auch mit in die Clubszene, kauft ihm Bier und bringt ihm bei, wie er auf intelligent-charmante Art Frauen verführen kann. Dorothea geht Abbies Engagement zu weit. Denn Jamie nutzt seine Erkenntnisse aus den feministischen Büchern auch, um das Leben seiner Mutter zu hinterfragen. Und abendliche Tischgespräche drehen sich plötzlich um Tabuthemen wie Menstruation, vaginalen Orgasmus oder Julies frühe Entjungferung. Jamie erklärt Julie, dass sie nicht mehr in seinem Bett schlafen darf. Sie ist traurig und schlägt vor, dass sie beide heimlich Dorotheas Wagen nehmen und zur Küste fahren könnten. Sie kaufen Wein und mieten ein Motelzimmer. Dort gesteht Jamie Julie endgültig seine Liebe. Doch sie bleibt dabei: Sie kann und will keinen Sex mit Jamie haben. Sie hat Angst, dass er nach der körperlichen Liebe nur noch einer von vielen Jungs in ihrem Leben sein wird und das Besondere an ihrer Beziehung verschwindet. Jamie flieht aus dem Motel und macht sich mitten in der Nacht mit dem Skateboard auf den langen Weg nach Hause. Julie hat Angst um ihn und informiert Dorothea, die sich sofort mit William auf die Suche begibt. Es kommt zu einer längst überfälligen Aussprache zwischen Mutter und Sohn. Jamie respektiert zwar, dass Dorothea ihn glücklich sehen möchte, doch er bittet sie, sich fortan nicht mehr in sein Leben einzumischen. Erstmals öffnet sich nun auch Dorothea gegenüber ihrem Sohn: Manchmal sei sie einsam, sagt sie, aber in ihrem nächsten Leben werde sie vielleicht Humphrey Bogart heiraten. Den Einwand, dass Bogart tot ist, lässt sie nicht gelten. Es gehe ja um ihr nächstes Leben. Und da sei alles möglich…


ÜBER DIE PRODUKTION „Die Zukunft kommt immer zu schnell und in der falschen Reihenfolge.“ (Alvin Toffler, Autor von „Future Shock“)
1979 war ein Jahr grundlegender Veränderungen in den USA. Es war Jimmy Carters letztes Jahr im Weißen Haus. Die Islamische Revolution im Iran hatte begonnen und mit ihr das Geiseldrama in der US-amerikanischen Botschaft in Teheran. Zum ersten Mal bekam Amerika die Abhängigkeit vom Mittleren Osten und dessen Ölquellen zu spüren. An den Tankstellen bildeten sich lange Warteschlangen, das Wort „Energiekrise“ war in aller Munde, die Zukunft von Spritfressern und der mächtigen Autoindustrie in Detroit wurde erstmals in Frage gestellt. Das Land steckte mitten in der Rezession. US-Präsident Jimmy Carter kritisierte in einer landesweit ausgestrahlten Fernsehansprache den wachsenden Materialismus und ungebremsten Konsum der amerikanischen Bevölkerung. Brendan Ann Spencer beging als erster Teenager einen Amoklauf an einer amerikanischen Schule. Im Kernkraftwerk Three Mile Island in Pennsylvania ereignete sich der erste Atomunfall auf amerikanischem Boden. Psychotherapien wurden auch in den Vororten salonfähig, die ersten Apple-Computer kamen in den Handel, Margaret Thatcher wurde zur britischen Premierministerin gewählt, und die Gegenkultur büßte an Bedeutung ein.
1979 war wie ein Startschuss für viele politische und gesellschaftliche Probleme, für bestimmte Technologien und kulturelle Umwälzungen, die das US-amerikanische Volk bis heute beschäftigen. „Die späten 70er Jahre waren der Anfang unserer Gegenwart“, sagt Regisseur Mike Mills, „und doch lebten die Menschen damals in einer völlig anderen Welt, in der sie nichts von den bevorstehenden Veränderungen ahnten: Ronald Reagan, die Gier nach Reichtum, HIV und Aids, das Internet und seine Folgen, die Anschläge vom 11. September 2001 und die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich. So gesehen, ist JAHRHUNDERTFRAUEN wie ein Trauergesang auf eine Zeit und deren Unschuld, zu der wir nie zurückkehren können.“
Auf diesem Nährboden gedeiht Mike Mills komödiantisches und zugleich betörend episches Drama JAHRHUNDERTFRAUEN. Der Film erzählt ein Märchen von Liebe, Reue, Kummer und Beziehungen in einer ungewöhnlichen Familie. Der Film ist zugleich eine Ode an die Stärke der Frauen verschiedener Generationen und zeigt auf anrührende Weise, wie die Summe von Momenten, die das Leben in einem bestimmten Zeitraum ausmachen, zu einer ganz eigenen Epoche werden, auf die wir jetzt nostalgisch zurückschauen. Das Ensemble aus erstklassigen Schauspielerinnen und Schauspielern wird angeführt von Annette Bening in ihrer bislang emotionalsten und authentischsten Rolle. Sie spielt eine zurückhaltende Frau, die allen Menschen, die ihr am Herzen liegen, einen sicheren Hafen bieten möchte. Dorothea wurde in den 1920er Jahren geboren, sie gehört zu der Generation, die in die wirtschaftliche Depression hineingeboren wurde. In den 60er und 70er Jahren wurden sie selbst Eltern und ihre Kinder erschufen später eine völlig neue Gesellschaft, in der wir heute leben. Der Film ist zugleich ein Liebesbrief an Mike Mills Mutter und die anderen Frauen, die ihn großzogen. Der Autor und Regisseur erklärt: „Gewissermaßen erzählen wir, wie die „Greatest Generation“ (benannt nach Tom Brokaws gleichnamigem Buch von 1998) auf die „Generation X“ trifft. Meine Mutter wurde in den 20er Jahren geboren, ich in den späten 60ern. So ist es auch bei Dorothea und Jamie. Beide lieben sich, aber sie sind Kinder völlig unterschiedlicher Generationen und können sich gegenseitig nicht den Halt geben, nach dem sie sich sehnen.“


BEGINNERS UND DIE FOLGEN „Ich habe ihm gesagt, wie großartig das Leben ist: Es gibt Tiere und Bäume und den Himmel und Städte, es gibt Musik, Filme, Stars und Farben – dort draußen, außerhalb des Tellerrands. Eines Tages würde er küssen, Freunde haben, sich verlieben und eigene Kinder haben.“ Mike Mills’ vorheriger Film, BEGINNERS (für den Christopher Plummer einen Oscar und einen Golden Globe als bester Nebendarsteller erhielt), war inspiriert von Mills’ Vater. Der outete sich im Alter von 75 Jahren als homosexuell. JAHRHUNDERTFRAUEN wurde dagegen von Mills‘ viel engerer Beziehung zu seiner Mutter inspiriert. Neben diesem autobiographischen Moment teilen beide Filme auch den Humor und die collagenhafte Struktur. Doch wie der Titel erahnen lässt, erzählt JAHRHUNDERTFRAUEN von der weiblichen Sicht auf die späten 70er Jahre, in denen die USA in den Krisenmodus schalteten. Mike Mills hat sich schon immer darauf verstanden, persönliche Geschichten mit globalen Themen zu verknüpfen. Er gehört der vielzitierten „Generation X“ an, die zwischen den „Baby Boomern“ und den „Millennials“ geboren wurde. Er blickt auf eine multidisziplinäre Karriere als Künstler, Grafikdesigner und Filmemacher zurück. Er schuf die Cover für Alben der Beastie Boys und Sonic Youth, drehte Musikvideos für Air, Pulp und Yoko Ono. Mike Mills stellte seine Kunstwerke in internationalen Museen aus, darunter im Museum of Contemporary Art, Los Angeles und im San Francisco Museum of Modern Art. So unterschiedlich die Ausprägungen seiner Kunst auch sind: In allen verarbeitet Mike Mills persönliche und privater Dinge, um damit Aussagen über unsere Gesellschaft treffen zu können. Letztlich folgt er dem Leitspruch bekannter Feministinnen: „Das Persönliche ist politisch.“ Schon seine frühen Kurzfilme zeigten das Zusammenspiel alltäglicher Begebenheiten mit dem rasanten Wandel in Kultur und Gesellschaft: „Deformer“ (2000) zeigte das Los Angeles des Künstlers und Skateboarders Ed Templeton; „Paperboys“ (2001) zeigte den aussterbenden Berufsstand heranwachsender Zeitungsausträger. In seinem ersten Kinofilm THUMBSUCKER (2005) schilderte Mike Mills die Ängste und die Unzulänglichkeiten, die sich durch das Leben eines Menschen ziehen. Es folgte die Dokumentation DOES YOUR SOUL HAVE A COLD? (2007) über das Aufkommen von Antidepressiva in Japan. 2010 kam schließlich BEGINNERS in die Kinos und machte Mike Mills zu einer unüberhörbaren Stimme des modernen Kinos.
Mit JAHRHUNDERTFRAUEN stellt sich Mills der bislang größten Herausforderung seiner Karriere. Wenn ein Mann eine Geschichte über Frauen schreibt, geschieht das nicht immer mit der angemessenen Tiefe. Doch bei Mills ist das anders. Als er das Drehbuch schrieb, griff er auf die Erinnerungen an jene Frauen zurück, die ihn als Kind und Teenager nachhaltig prägten. Er führte aber auch viele Interviews und betrieb umfassende Recherchen. Das Ergebnis sind drei Frauenfiguren, die in JAHRHUNDERTFRAUEN für sehr unterschiedliche Generationen stehen: die alleinerziehende und in den Jahren der Depression aufgewachsene Mutter Dorothea, die freigeistige Punk-Künstlerin und Baby-Boomerin Abbie, sowie die 17-jährige Julie, die ein typisches Kind der Generation X ist.
„Ich wurde von einer sehr starken Frau großgezogen“, sagt Mike Mills. „Mein Vater war zwar da, aber irgendwie doch abwesend“, erklärt Mills. „Den größten Teil meiner Kindheit in Santa Barbara habe ich mit meiner Mutter und meinen zwei Schwestern verbracht. Seither versuche ich, das Seelenleben der Frauen zu erforschen. Ich habe sie immer studiert, wollte stets von ihnen lernen, auch wenn sie von Natur aus unergründlich und undurchschaubar sind.“
Auch dem Teenager Jamie fällt es schwer, seine Mutter Dorothea zu verstehen. Zugleich empfindet er große Liebe für sie und großen Respekt, wie sie ihr Leben meistert. „Mit der Stimme von Frauen zu schreiben, fühlt sich für mich sehr natürlich an“, sagt Mike Mills. „Aber aus Dorotheas Sicht zu schreiben, war nicht ganz einfach, weil meine Mutter für mich immer ein großes Mysterium war und bleiben wird. Ich wollte verstehen, was eine 55 Jahre alte Frau denkt, die mit 40 Jahren ihr erstes und einziges Kind bekam, aber auch, wie es war, in den 20er Jahren geboren und mit den großen gesellschaftlichen Veränderungen der 70er Jahre konfrontiert worden zu sein. Dafür musste ich recherchieren, aber auch viele persönliche Mutmaßungen anstellen.“ Einige Details übernahm Mike Mills direkt aus dem Leben seiner Mutter. „Sie wollte Pilotin werden, sie arbeitete in einem typischen Männerberuf und sie liebte alte Filme, besonders die mit Humphrey Bogart“, sagt der Regisseur. Als sich die junge Generation in den 70er Jahren durch den Punk emanzipierte, büßten auch klassische Heldentypen wie Bogart an Bedeutung ein. Mit seiner spitzbübischen und leicht sarkastischen Art hatte er gut in die Zeit nach der Depression und nach dem Zweiten Weltkrieg gepasst.
„Ich habe viele Bogart-Filme und andere Filme aus dieser Zeit gesehen“, sagt Mike Mills. „Die Dialoge zwischen Männern und Frauen haben mich stark beeinflusst. Sie haben diesen subversiven Humor, was mir auch dabei half, Dorothea besser zu verstehen. Mir wurde klar, dass sie sich gar nicht mal so sehr in Humphrey Bogart verlieben wollte, sondern selbst so sein wollte wie er. Deshalb habe ich mich beim Schreiben von Dorotheas Rolle auch immer wieder gefragt: Was hätte Bogart in dieser Situation gemacht?“ Die Mittzwanzigerin und Punk-Künstlerin Abbie, die ihre kreativen Träume aufgab und New York verließ, als bei ihr Krebs diagnostiziert wurde, entstand ebenfalls als Mischung aus Mike Mills‘ persönlichen Erfahrungen mit Künstlerfreunden und Recherchen über das Leben junger Krebsüberlebender.
Die jüngste, aber gewiss nicht minder komplexe Frauenfigur in JAHRHUNDERTFRAUEN ist Julie. In ihr vereinen sich Eigenschaften vieler Mädchen, die Mills aus seiner eigenen Zeit an der High School kennt. Einige von ihnen hat er interviewt: „Ich arbeitete journalistisch, um das Denken und Handeln dieser Figuren besser verstehen zu können.“ Dieser journalistische Ansatz verschmolz auch mit Erinnerungen an Kinofilme, die Mills beruflich und privat geprägt haben. So etwa DER KRIEG IST VORBEI („La guerre est finie“, 1966), HIROSHIMA, MON AMOUR (1959) und MURIEL ODER DIE ZEIT DER WIEDERKEHR („Muriel“, 1963) des französischen Nouvelle-Vague-Regisseurs Alain Resnais, aber auch István Szabós LOVEFILM (1970), der die Liebesgeschichte von Heranwachsenden zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Fall des Eisernen Vorhangs erzählt, wie auch viele Filme von Federico Fellini. „Fellini ist ein Meister darin, persönliche Erfahrungen in große Kinobilder umzuwandeln“, erklärt Mills. Die kulturellen Einflüsse, die Mike Mills in JAHRHUNDERTFRAUEN aufgreift, gehen weit über das Kino hinaus: Schallplatten, Bücher, politische Ängste, geteilte Fernsehmomente und eine Vielzahl von Utensilien verleihen dem Film ein ganz besonderes Zeitgefühl. Sie stammen nicht nur aus dem Jahr 1979, sondern decken Dorotheas gesamtes Leben ab.
„Unsere Kindheit ist das Fundament, auf dem wir unser ganzes Leben aufbauen“, sagt Schauspieler Billy Crudup, der in JAHRHUNDERTFRAUEN die Rolle des William spielt.
„Doch Mike Mills erzählt im Film nicht nur von seiner Kindheit und Jugend. Er zeigt auch deutlich, wie aus dem damaligen Jungen der spätere Filmemacher wurde, und wie sich frühe Einflüsse aus den Bereichen Musik, Literatur, Fotografie und Film auf die Ästhetik seiner Filme ausgewirkt haben. Das ist auch der Grund, warum jeder von uns sein eigenes Leben auf die Geschichte von JAHRHUNDERTFRAUEN projizieren kann. Der Film ist allgemeingültig.“


DOROTHEA
„Lass uns heute Abend ausgehen. Ich will diese moderne Welt sehen.“ „Dorothea ist 55 und sieht aus wie die Flugpionierin Amelia Earhart“, schrieb Mike Mills in seinem Drehbuch über die Hauptfigur des Films. Ihr Sohn Jamie beschreibt die Mutter auch über starke Widersprüche: Dorothea notiert jeden Morgen die Börsenkurse, raucht die Marke Salem, weil sie gesünder sein soll, trägt Birkenstock, weil sie bequem sind, liest „Unten am Fluss“ („Watership Down“), schnitzt dann Hasen aus Holz und hat sich schon lange mit keinem Mann mehr verabredet. Jedes dieser Details band Annette Bening in ihre sehr persönliche Auslegung der Hauptfigur ein. Doch was die Schauspielerin, die bislang viermal für den Oscar nominiert wurde, daraus machte, war mehr als die Summe der einzelnen Elemente. „Genau wie meine Mutter ist auch Annette Bening sehr geheimnisvoll“, sagt Mike Mills. „Sie beherrscht ihr Handwerk und versteht den Aufbau jeder Szene. Darüber hinaus ordnet sie aber das Handwerkliche der Schauspielerei unter und wirkt dadurch auf der Leinwand sehr lebendig. Das sind immer meine Lieblingsmomente, in denen die Schauspieler jedes vorbereitete Konzept verlassen und die Dinge einfach laufen lassen. Annette liebt es, genau das zu tun. Wir waren beide oft überrascht, was sie da vor der Kamera machte.“ Mike Mills ergänzt: „Wir haben viel über meine Mutter geredet, aber Annette kopiert sie nicht einfach, sondern erschafft sie aus der Summe vieler Details neu. Die Dorothea, die man im Film sieht, besteht aus Annettes Timing, Intuition, Intelligenz und Humor.“ Bening griff die Vorlagen, die ihr die Rolle bot, begeistert auf: „Ich mag Frauen voller Widersprüche – denn jeder von uns hat sie“, sagt sie und lacht herzhaft. „Oft sind Frauenfiguren in Filmen stereotyp und eindimensional geschrieben, aber Mike gelingt es, Frauen sehr natürlich als komplizierte Menschen zu zeigen.“ Weil JAHRHUNDERTFRAUEN auch als Liebesbrief an alle Mütter gedacht ist, die von ihren Kindern geliebt, aber niemals richtig verstanden werden, wusste Bening, dass sie sich auf dünnem Eis bewegte: „Es war nicht einfach, Dorothea so kratzbürstig, hochnäsig und abweisend zu spielen, wie es die Rolle verlangte, sie aber andererseits auch liebenswert wirken zu lassen. Ich musste die Balance finden zwischen ihrer Offenheit gegenüber anderen Menschen und der Verschlossenheit gegenüber ihrem eigenen Sohn. Bis zu einem gewissen Grad überließ ich es Mike, diese Gegensätze unter einen Hut zu bringen, während es mein Job war, jeden Moment so wahrheitsgetreu wie möglich zu spielen.“ Weitere Inspirationen erhielt Bening von Dorotheas Idol, der Flugpionierin Amelia Earhart, die in den 20er und 30er Jahren allen konventionellen Vorstellungen von Frauen die Stirn bot. Earhart stand auch Pate für Dorotheas Aussehen. „Schaut man sich Fotos von Amelia an, denkt man ganz anders über Frauen und Schönheit“, sagt Bening. „Ihr Aussehen unterschied sich komplett von unserem heutigen Ideal, dem übertriebenen Make-up und der Sehnsucht nach ewiger Jugend. Auch Dorothea kümmert sich nicht um Äußerlichkeiten. In ihrer Welt sind sie nicht wichtig. Sie lebt im Jahr 1979 und ist eine unabhängige Frau, aber sie scheint einer anderen Zeit mit anderen Sitten und Konventionen entsprungen zu sein.“ Dank ihrer Wertvorstellungen ist Dorothea sehr geerdet. Sie wundert sich über die jungen Frauen, die ein Leben führen, wie sie es sich in ihren jungen Jahren niemals hätte vorstellen können. „Dorothea sieht die Freiheit, die Abbie und Julie haben, und denkt sich: ‚Wow, wie wäre es gewesen, wenn ich so hätte aufwachsen können?‘“, sagt Annette Bening. „Zugleich hat sie lang genug gelebt, um zu wissen, dass jede Freiheit auch ihren Preis hat und es nicht automatisch einfacher ist, eine junge Frau im Jahr 1979 zu sein. Es ist nur anders.“


ABBIE
„Ich werde eine Story brauchen.“ Abbie mietet einen Raum in Dorotheas großem Haus an und wird unverhofft gebeten, ihr bei Jamies Erziehung zu helfen. Abbie ist rebellisch, kreativ und versucht, ihren Weg zu finden, nachdem der Krebs ihr Verständnis von Zukunft radikal verändert hat. Die Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Greta Gerwig, bekannt für ihre Leistungen in Noah Baumbachs GREENBERG, FRANCES HA, MAGGIES PLAN und MISTRESS AMERICA, übernahm die Rolle und drückte ihr ihren ganz persönlichen Stempel auf. „Ich habe intensiv darüber nachgedacht, wer die nötige Größe mitbringt, um diese Rolle zu spielen“, sagt Mike Mills. „Dann fiel mir Greta ein und plötzlich ging alles ganz schnell. Sie ist in der Welt der Kunst zu Hause und hat diese Reise von Sacramento nach New York hinter sich, um beim experimentellen Theater zu arbeiten. Aber sie hat auch eine Verbindung zu den traurigen, versteckten Seiten von Abbie. Sie konnte sich so gut in die Rolle von Abbie hineinversetzen, dass sie sogar weinte, wenn wir nur über Abbie sprachen. Sie ist witzig und lebhaft wie Abbie, aber auch sehr gefühlvoll.“ Greta Gerwig fühlte sich sofort zur Rolle hingezogen, als sie das Drehbuch las. „Ich spürte eine magische Verbindung zu Abbie“, erinnert sie sich. „Ich weiß, wie es ist, wenn man aus Kalifornien kommt, aber zur New Yorker Künstlerwelt gehören will. Abbies Temperament und Mut, ihre dunkle Seite und ihre Nervosität passen so gar nicht zu Kalifornien, deshalb hat sie die Flucht angetreten. Aber dann musste sie zurückkehren, und das ist gar nicht so einfach.“ Da Gerwig einst selbst von New Yorks Theaterszene angelockt wurde, schätzte sie die Möglichkeit, in Abbies Welt einzutauchen: die ikonisch draufgängerische, wirklichkeitsnahe, düstere Kunstszene im New York der 70er Jahre. Die Ära war der Schwanengesang auf ein anderes New York – die Mieten für Lofts waren noch niedrig, die Verbrechensrate hoch und es gab diese rohe Heftigkeit von körperorientierter Aktionskunst, Fotorealismus, Feminismus, Graffiti und Outsider-Galerien. „Die Gelegenheit, all das aus Abbies Sicht zu erleben, war aufregend“, sagt Gerwig. „Tanz, Kunst, Musik, Fotografie und Straßenkultur kollidierten in dieser Zeit in Soho. Das muss für jemanden wie Abbie beeindruckend gewesen sein.“ Mike Mills und Greta Gerwig diskutierten viel über die Vorbilder für Abbies Rolle – darunter die verführerisch androgyne Bassistin der Talking Heads, Tina Weymouth, und Blondie-Sängerin Debbie Harry, die zu einer Art Gegenentwurf des Pin-up-Girls wurde. Gerwig sagt dazu: „Ich denke, die Punkgirls wirkten so sexy, weil sie sagten: Ich bin heiß, aber nicht für dich! Sie kokettierten nicht mit ihren Reizen. Und ich glaube, dass diese Punk-Ästhetik, bei der Gefühle mehr zählten als Talente, auf Abbie sehr anziehend wirkte.“ Gerwig machte sich mit ihrer Rolle vertraut, indem sie über Monate mit einer alten Kamera herumlief und keine Musik hörte, die später als 1978 aufgenommen worden war. Sie färbte ihre Haare mit der gleichen „Manic Panic“-Farbe rot, die 1977 auf den Markt kam und von den ersten weiblichen Punks genutzt wurde.
So wild und verführerisch Abbie wirken mag, so verletzlich ist sie auch. Sie erholt sich von ihrer Krebserkrankung, was zugleich ihre Vorstellung von Sex und Mutterschaft ändert. „Mir fiel auf, dass 1979 eine ganz andere Zeit war, um Krebs zu haben. Es gab keine Bewegungen wie ‚Live Strong‘, keinen Stolz der Überlebenden. Krebs zu haben und damit umzugehen, war eine sehr private Sache, düster und schmutzig. Diesbezüglich hat sich unsere Gesellschaft zum Glück geändert.“

JULIE
„Es geht nicht mal darum, glücklich zu sein. Es geht um Stärke und die Beständigkeit gegenüber anderen Gefühlen.“ Obwohl Julie nicht in Dorotheas Haus wohnt, ist sie ein Mitglied der familienähnlichen Gemeinschaft. Sie klettert heimlich durchs Fenster, um nachts bei ihrem besten Freund Jamie zu schlafen. Für Jamie verkörpert Julie alles, was er sich unter einer Seelenverwandten vorstellen kann… wenn sie nur endlich erlauben würde, dass er sich komplett in sie verlieben darf. Sie ist ein Kind der ausgelebten sexuellen Freiheit – mit allen Belastungen, die sich daraus ergeben. Als Tochter einer Therapeutin ist sie es gewohnt, über ihre Gefühle reden zu müssen, während sie sich im Grunde nur danach sehnt, ihrem aktuellen Leben zu entkommen.
„Im Gegensatz zu Julie, die mit den Gruppentherapien ihrer Mutter aufwächst, stammt Dorothea aus einer Zeit, in der man seine Gefühle und Ängste verbergen musste“, sagt Mike Mills. „Es dauert aber nicht lange, bis der Zuschauer merkt, dass sich hinter Julies vermeintlich cooler Maske ein Teenager verbirgt, der eine sehr ungewöhnliche Persönlichkeit ist.“ Die Rolle besetzte Mike Mills mit Elle Fanning, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 17 Jahre alt war. Der Regisseur hatte das Gefühl, dass die Schauspielerin ihrer Filmfigur in vielfacher Hinsicht ähnelte. „Elle ist ein kluger und geerdeter Mensch. Sie legt eine Emotionalität in ihre Rollen, die weit über das Normalmaß für ihr Alter hinausgeht. Ihr Ansatz, sich der Rolle zu nähern, ähnelt dem von Annette Bening. Sie ist perfekt vorbereitet und kennt die Szene, aber gleichzeitig bringt sie ihre Persönlichkeit in die Rolle ein und vergisst die Kamera. Sie spielt nur für diesen einen Moment. Außerdem hat sie verstanden, dass Julie, so ausgebufft sie auch wirken mag, doch noch ein Kind ist.“ Fanning fühlte sich schnell zu Julies Rolle hingezogen. „Sie hat viele verschiedene Seiten – sie will eine Frau sein, aber sie weiß nicht genau, wie sie das anstellen soll. Deshalb tut sie alles, um den Schein zu wahren“, sagt Fanning. „Sie will als frühreife Intellektuelle gesehen werden – eine Art junge Jodie Foster – und bringt einige Qualitäten dafür mit, doch sie ist auch unsicher und eine heimliche Kettenraucherin. Mike und ich redeten viel über die Mädchen, die als Vorbild für Julie dienten. Wir wollten hinter die Fassade dieser Mädchen blicken und herausfinden, aus welchem Grund sie sich so verführerisch geben.“ Julies Selbstbewusstsein ist ein schwacher Trost, wenn es um ihre Sexualität geht. Sie wächst in einer Zeit auf, die viel liberaler ist als die Jahrzehnte zuvor und in der Aids und HIV noch nicht entdeckt wurden. Doch Julie weiß nicht so richtig, wie sie mit dieser Freiheit klar kommen soll. Deshalb trennt sie scharf zwischen körperlicher und emotionaler Liebe. „Für sie ist Sex nicht gleich Liebe“, sagt Fanning. „Sie weiß zwar nicht, was Liebe ist – aber sie hat zumindest ihre Vorstellung davon. So gern sie Jamie auch hat, will sie die Freundschaft zu ihm nicht durch Sex zerstören. Sie hat Angst, ihn sonst als Freund zu verlieren.“ Julie verwendet auch ein Novum, das in den 70er Jahren das Leben der Frauen nachhaltig veränderte: den brandneuen Schwangerschaftstest für zu Hause. Obwohl er schon in den 1960er Jahren entwickelt worden war, kam er in den USA erst ab 1977 in den Handel. Die erste Werbeanzeige versprach damals „eine kleine private Revolution, die sich jede Frau leisten kann“. Mike Mills sagt dazu: „Der Schwangerschaftstest für zu Hause ist ein wichtiges Stück Geschichte. Eines der zentralen Themen im Film ist die Mutterschaft und wie schwierig sie sein kann. Abbie kann nach Aussage ihres Arztes keine Kinder bekommen. Julies Schwester wurde mit Zerebralparese geboren, und Julie hat Angst, ungewollt schwanger zu sein. Schwangerschaft ist ein großes Thema in der Lebensgeschichte vieler Frauen, unabhängig davon, ob man sie aus dem historischen, politischen oder persönlichen Blickwinkel erzählt.“
Bening sagt: „Elle Fanning ist eine einzigartige Person. Aber mir gefällt besonders, dass die Figur, die sie im Film spielt, ganz anders ist als die wahre Elle. Julie ist ein hartes Mädchen, aber zugleich bricht sie einem das Herz, weil sie auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens ist. Sie ist schockierend, lustig und berührend. Ich wüsste nicht, dass ich in einem anderen Film jemals eine Beziehung wie die zwischen Julie und Dorothea gesehen habe. Sie sind beide kratzbürstig, aber sie bewundern sich gegenseitig und beobachten sich misstrauisch.“ Fanning gefällt die Art, wie Regisseur Mike Mills im Film die Beziehungen aufgebaut hat. „Er organisierte Proben zwischen Lucas und mir, Greta und mir, Annette und mir. Alles war sehr psychologisch und es gab viele Übungen, bei denen wir Erinnerungen an unsere Kindheit austauschten. Ich fühlte mich bei Mike sicher, wenn es darum ging, persönliche Dinge zu erzählen – vielleicht auch deshalb, weil Mike seine Erinnerungen ebenfalls mit uns teilte. Es war so, als wären wir einfach nur gute Freunde, die sich etwas erzählen. Außerdem hat sich Mike eine gewisse Kindlichkeit bewahrt. Er kann sich aus tiefstem Herzen über kleine Dinge freuen. Er drehte diesen Film mit großer Leidenschaft, als eine Art Liebesbrief an seine Mutter. Sein Herzschlag ist in jeder Sekunde des Films zu spüren.“

WILLIAM
„Ich glaube immer, dass es mir mehr bedeutet. Aber dann kommt es anders. Ich denke, die nächste Frau wird mir mehr bedeuten. Oder vielleicht die nächste.“ Die einzige größere erwachsene Männerrolle in JAHRHUNDERTFRAUEN ist William, der Handwerker, der Dorotheas Haus renoviert und schon bald selbst zum Inventar gehört. Anfangs sieht Dorothea ihn als möglichen Ersatzvater für Jamie, aber ihr Sohn baut keinerlei Beziehung zu William auf. Stattdessen projizieren dann die verschiedenen Frauen im Haus ihre unterschiedlichen Sehnsüchte auf William. Für Mike Mills verkörpert William einen ganz speziellen Typ Mann: den Spät-Hippie, der sich schwertut, seinen Platz in der Gesellschaft der nahenden 80er zu finden. „Es war eine Zeit des Wandels“, sagt Mike Mills. „1979 gab es keine Humphrey Bogarts mehr. Sogar Präsident Jimmy Carter war der inwendigste und verletzlichste Präsident, den die USA jemals hatten.“ Die Rolle des William, die zugleich komisch und liebevoll angelegt sein sollte, übernahm Tony-Preisträger Billy Crudup, der zuletzt im Oscar-prämierten SPOTLIGHT (2015) zu sehen war und durch seine Rolle als Rockgitarrist in Cameron Crowes ALMOST FAMOUS – FAST BERÜHMT („Almost Famous“, 2000) bekannt wurde. Mills sagt über Crudup: „Nicht jeder Schauspieler hätte William so glaubwürdig spielen können, aber Billy ist bereit, alles auszuprobieren. Er spielt William als höflichen, netten Mann, der ein bisschen verloren scheint und sich nicht richtig ausdrücken kann. Billy hat viele Stotterer und Pausen in seinen Text gelegt, was die Idee eines stillen Mannes unterstreicht, auf den jede Frau Sehnsüchte projiziert. Er bewegt sich auch langsam, als würde er durch Nebel gehen. Er verhält sich passiv, aber dadurch beschleunigt er letztlich das Handeln aller anderen Personen im Haus.“ Gemeinsam mit Mike Mills entwickelte Crudup die vielen Nuancen, die William definieren sollten. „Mike brachte schon viele Ideen mit, aber letztlich haben wir William gemeinsam entwickelt“, sagt Crudup. „Er sagte mir, dass es im Haus seiner Mutter immer einen Handwerker gab. Im Film ist William derjenige, mit dem sich Dorothea besonders identifiziert. Denn er soll das männliche Vorbild für Jamie sein. Sie kennt nur ein Ziel: ihrem Sohn zu helfen, in einer schwierigen Phase seines jungen Lebens, die in eine schwierige Zeit für ganz Amerika fällt, den richtigen Pfad aufzuzeigen.“

JAMIE
„Bitte entschuldigen Sie Jamies Fernbleiben von der Schule. Er hat am Morgen ehrenamtlich für die Sandinisten gearbeitet.“ Die Zuschauer erleben Dorotheas Haus durch die Augen und Ohren ihres Sohnes Jamie – der mit der Beobachtungsgabe, den Zweifeln und der Liebe eines Heranwachsenden ausgestattet ist, wie man sie vielleicht in keiner anderen Phase seines Lebens hat. Wie so viele andere jungen Männer, sucht auch Jamie nach seinem Platz in der Gesellschaft. Doch im Gegensatz zu vielen anderen jungen Männern hat Jamie dafür keinerlei männliche Vorbilder. Ihm stehen Frauen verschiedenen Alters und mit stark abweichenden Lebensperspektiven zur Seite, darunter seine Mutter, die er bewundert, aber nicht mal ansatzweise verstehen kann. Mike Mills besetzte Jamies Rolle mit dem Teenager Lucas Jade Zumann. Obwohl Mills viele Aspekte seiner eigenen Jugend in die Rolle einfließen ließ, wählte er einen Schauspieler, der nicht eins zu eins seinem jüngeren Ich entsprach. „Es ging mir bei diesem Film nie um mich selbst“, sagt Mills. „Deshalb gefällt mir, dass Lucas mir nicht ähnlich sieht. Für einen 14-Jährigen ist er ungewöhnlich intellektuell, deshalb kauft man ihm ohne weiteres ab, dass er sehr genau beobachtet und das innere Bedürfnis hat, die Frauen, mit denen er aufwächst, besser kennenzulernen. Lucas spielt Jamie nicht als Macho und nicht als Nerd.“ Zumann ließ sich nicht nur von Mike Mills‘ Erzählungen aus dessen Kindheit und Jugend inspirieren, um Jamies Rolle besser verstehen zu können. „Wenn er zu uns Schauspielern sprach, habe ich auch seine Gesten und seine Mimik studiert“, sagt Zumann. „So floss ein bisschen was von Mike in die Figur des Jamie ein. Er soll zwar keine Kopie sein, aber mir war wichtig, diesen wunderbaren, kreativen Menschen glaubwürdig als jungen Mann darzustellen.“ Die vielleicht größte Parallele zwischen Jamie und dem Schauspieler Lucas Jade Zumann ist die Leidenschaft fürs Skateboarden. Er konnte leicht nachempfinden, dass Jamie am liebsten auf vier kleinen Rollen die Flucht von zu Hause und vor seinen Problemen ergreift. „Bei den Proben bat Mike Greta darum, mich in ihrer Rolle als Abbie zu fragen, warum ich das Skateboard so mag. Ich antwortete ihr, dass ich mich darauf wie der Wind fühle, der an allen anderen Menschen vorbeizieht. Ich denke, Jamie sieht das genauso.“
Doch die größte Herausforderung stand Zumann noch bevor. Der Newcomer musste eine enge Beziehung zu seiner Filmmutter Annette Bening aufbauen, die zu gleichen Teilen liebevoll und problematisch sein sollte. Das war leichter, als Zumann zunächst erwartet hatte. „Ich weiß noch, wie ich diese prominente Besetzungsliste studierte und sofort dachte: Wie soll ich da bloß mithalten können? Aber zwischen Annette und mir hat es sofort Klick gemacht und wir hatten schnell ein Verhältnis wie zwischen einer Mutter und ihrem Sohn“, sagt Zumann. Interessanterweise war das Verhältnis zwischen Annette und mir viel besser als das zwischen Jamie und seiner Mutter im Film – aber umso leichter fiel es uns dann, die sehr persönlichen Momente zu spielen.“ Einige von Zumanns wichtigsten Szenen kommen ohne Worte aus. Dann tanzt er mit Abbie wild und ausgelassen. Für den jungen Schauspieler war das eine faszinierende Erfahrung.
Für Zumann war die Arbeit an JAHRHUNDERTFRAUEN auch eine Reise zu sich selbst. „Ich denke, die Dreharbeiten und meine Auseinandersetzung mit der Rolle haben stark dazu beigetragen, dass ich viel über das Leben und über mich gelernt habe – und ich hoffe, dass der Film viele junge Leute in meinem Alter dazu bringt, sich nicht mehr so allein zu fühlen und gewisse Dinge an sich zu akzeptieren.“

(Quelle: Verleih)
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Donnerstag 04.05.2017
DAS ENDE IST DER ANFANG
Ab 11. Mai 2017 im Kino
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Gilou (Bouli Lanners) und Cochise (Albert Dupontel) fahren mit ihrem Pick-Up durch endlose Weiten. Sie sollen ein verlorenes Handy mit sensiblen Informationen orten und ihrem Auftraggeber aushändigen. Eine Nadel in einem verdammten Heuhaufen. Was die beiden an diesem gottverlassenen Ende der Welt machen ist klar, was aber suchen Esther (Aurore Broutin) und Willy (David Murgia) hier, ein Paar, das nicht nur verliebt ist, sondern auch auf der Flucht? Was will der Mann (Philippe Rebbot), der sich Jesus nennt und seltsame Wundmale an den Händen trägt? Und woher kommt die Mumie im Schlafsack?

Regie und Drehbuch; Bouli Lanners
Mit Albert Dupontel, Bouli Lanners, Suzanne Clément, Michael Lonsdale, David Murgia, Aurore Broutin, Philippe Rebbot und mit der außergewöhnlichen Beteiligung von Max von Sydow.


So karg die Landschaften, so skurril sind die Leute und so lakonisch die Dialoge. Harte Kerle zeigen hier auch mal eine andere Seite, die Liebe versteckt sich hinter rauen Fassaden, Mord begegnet Moral, Zweifel trifft auf Hoffnung und Gewalt auf Glaube.
Regisseur Bouli Lanners überrascht dabei immer wieder mit einem unerwarteten Blick auf seine Charaktere, die sich allesamt am Rande der Gesellschaft bewegen. Er ist an der Seite von Albert Dupontel auch in einer der der Hauptrollen zu sehen, mit ihren Auftritten begeistern zudem Michael Lonsdale als Blumen züchtender Pensionsbesitzer und Max von Sydow, der als Priester ein eindrucksvolles Abschiedslied für eine unbekannte Leiche singt.


INTERVIEW MIT BOULI LANNERS

Woher kam die Idee zu diesem Film?
Am Anfang war es lediglich ein Bild, das mir ins Auge sprang, als ich im Nachtzug von Toulouse nach Paris unterwegs war und nicht schlafen konnte. Ich sah etwas, das aussah wie eine Startrampe aus Beton, die sich über Kilometer durch die Landschaft zog. Ich wusste nicht, was es war, dachte es sei ein Aquädukt. Ich notierte mir die Namen der Bahnhöfe, an denen wir hielten, kehrte zurück an den Ort, und das war es dann.
(Anmerkung: Es handelte sich um die Gleise einer Einschienenbahn, die 1968 als Verbindung zwischen Orléans und Paris gebaut und 1977 außer Betrieb genommen wurde.)

Wie ging es weiter?
Dieses Bild hat mich inspiriert, eine Geschichte über zwei Menschen zu schreiben, die am Rande der Gesellschaft leben, beide extrem fragil, und beide sollten auf einer geraden Linie laufen und damit jede klassische Form der Geografie außer Kraft setzen. All die anderen Elemente des Films kamen dann zur Idee dieser beiden Charaktere auf der Flucht hinzu: Cochise und Gilou, die Suche nach einem gestohlenen Handy, die verwaiste Stadt, die Mumie etc.

Wie haben Sie das Drehbuch geschrieben?
Ich habe eineinhalb Jahre vergeblich damit verbracht. Dann bekam ich zufällig eine Unterhaltung mit und mir wurde klar, dass viele Menschen daran glauben, dass das Ende der Welt kurz bevor stehen könnte - und nicht nur ich! Plötzlich machten diese Einschienenbahn, das Pärchen auf der Flucht, all die Bruchstücke Sinn, und innerhalb von fünf Wochen stand das Drehbuch. Für die Entwicklung der Charaktere habe ich auf persönliche Erfahrungen zurückgegriffen, insbesondere bei Gilou, der mir sehr nah ist.

War Albert Dupontel als Cochise gesetzt?
Es gab nur einen, der dieses Duo Cochise und Gilou vollkommen machen konnte, und das war er. Ich kenne ihn gut, bewundere ihn, und wir haben schon oft zusammen gearbeitet. Er ist ein sehr rationaler Mensch, sehr fürsorglich, sehr warm und dennoch sehr zurückhaltend. Im echten Leben haben wir die gleiche Beziehung wie Cochise und Gilou im Film. Unabhängig davon ist er ein außergewöhnlicher Schauspieler, der dieses Besondere ausstrahlt, das Cochise zu einem kaltblütigen Tier macht, zu einem echten Killer.

Ein paar Worte zu Esther und Willy bitte, dem jungen Paar auf der Flucht.
Esther und Willy bewegen sich am Rande der Gesellschaft. Ich mag fragile Charaktere, die jeden Moment hinfallen können. Da ist so etwas wie eine absolute Reinheit in ihnen, die zu dem Bild passt, das ich von den ersten Menschen habe. Das heißt, sie verkörpern das Beste im Menschen.

Warum DAS ENDE IST ERST DER ANFANG?
Es gibt ein immer wiederkehrendes Thema in all meinen Filmen: Die kaputte Familie, die wir mit allen Mitteln wieder zusammenbringen möchten. Was uns — die wir vielleicht die letzten sind — mit den ersten Menschen verbindet, ist dieses absolute Bedürfnis nach einem Leben in Gemeinschaft. Ich mag den Gedanken, dass es da noch eine Verbindung zu ihnen gibt, das beruhigt mich. Die ersten Menschen hatten, anders als Tiere, ein Bewusstsein, und sie suchten nach dem Göttlichen. Auch wenn mein Glaube etwas angeschlagen ist, tue auch ich das noch. Wir mögen vielleicht die letzten Menschen sein, aber so sehr unterscheiden wir uns nicht von den ersten.

Bitte auch ein paar Worte zu Max von Sydow und Michael Lonsdale.
Unabhängig vom Privileg, mit ihnen arbeiten zu dürfen, war es das Bild des Vaters, das ich mit ihren Rollen und ihnen schaffen wollte. Es bedurfte zweier Charaktere, die älter sind als Gilou, körperlich zerbrechlicher aber moralisch wesentlich stärker. Was Gilou braucht, um wieder auf den rechten Weg zu kommen, ist ein Vater, der ihm helfen und klar machen kann, dass seine eigene Zerbrechlichkeit relativ ist.

Und dann gibt es da Jesus, gespielt von Philippe Rebbot.
Philippe ist ein Jesus wie von El Greco erdacht. Wir haben uns bei Dreharbeiten kennengelernt und
wurden zu Brüdern. Ich habe zu ihm gesagt: „Du wirst Jesus sein. Du nimmst deine Brille ab, und du wirst Jesus‘ Güte in deinen Augen haben.“ Für mich ist Rebbot in diesem Film ein echter Jesus, ein Mann mit Zweifeln, ein Mann, der weiß, dass ihn ein vorbestimmtes Schicksal erwartet, der aber nicht weiß wo. Ein Mann, der keine Angst davor hat, sein Gewehr zu benutzen. Ein Revolverheld-Jesus! Er ist mein Jesus, vielleicht nicht nach jedermanns Geschmack, aber das stört mich nicht.

Die Beauce (Anm.: eine dünn besiedelte Gegend in Frankreich) mitten im Winter bietet ein prachtvolles und wildes Setting, fast so wie das eines Westerns…
Ja, diese unendlichen Weiten sind wirklich wunderschön, sehr malerisch, wie in einigen Western. Aber es war die Hölle, mit diesem unbarmherzigen eisigen Wind. In Cinemascope sieht diese Wildnis großartig aus, aber es war hart.

Wie sind Sie die Kamera und den Look des Films angegangen?
Im heutigen Denken ist eine Art von existentiellem Pessimismus offensichtlich. Das kann ich nachvollziehen. Ich bin durch eine schwere Zeit gegangen, in der mich der Gedanke an den Tod nicht losgelassen hat. Dies musste ich durch eine Geschichte, einen Film austreiben. Das heutige Denken in Richtung „Unterhaltung und Lachen über alles“ macht mich krank, eine Komödie kam daher für mich nicht in Frage. Die Zeit war reif, einen dunkleren Film zu machen. Und es ist ok, einen dunklen Film zu machen.

Aber es ist kein Film ohne Hoffnung.
Nein, überhaupt nicht. Paradoxerweise ist es der einzige Film, den ich jemals gemacht habe, der gut endet. Selbst wenn dies das Ende der Welt ist, selbst wenn Krankheiten unser Leben verkürzen: Die Zeit, die uns bleibt, muss voll ausgekostet werden. Für mich ist dieser Film eine echte Botschaft der Hoffnung.



BOULI LANNERS
BOULI LANNERS, geboren 1965 im belgischen Moresnet-Chapelle, wechselte nach einem Studium der Malerei an der Académie Royale des Beaux Arts in Liège ins Schauspielfach, seit 1995 führt er auch selbst Regie. Mit seinem Kurzfilm Muno war er 2002 für den Europäischen Filmpreis nominiert, sein Spielfilmdebüt gab er 2005 mit Ultranova. Mit Kleine Riesen (2011) wurde er in die Quinzaine des Réalisateurs in Cannes eingeladen. Filme, in denen er als Schauspieler zu sehen war, sind u.a. 25 Grad im Winter (2004), Louise Hires a Contract Killer (2008), Mammuth (2010), Der Geschmack von Rost und Knochen (2012) und Ich bin tot, macht was draus! (2015).



INTERVIEW MIT ALBERT DUPONTEL

Wie haben Sie Bouli Lanners kennengelernt?
Am Set von Dead Man’s Hand, einem ungewöhnlichen belgischen Film. Die Verbindung zu ihm hat sich gut angefühlt, ich konnte es gar nicht erwarten, wieder mit ihm zu arbeiten.

Wie erklären Sie sich, dass Sie — nicht zum ersten Mal — zwei sehr ähnliche Charaktere spielen?
Wir sind eine Generation, haben einen sehr ähnlichen Geschmack, lachen über die gleichen Dinge und haben die gleichen Ängste.

Wie haben Sie reagiert, als Bouli Sie auf DAS ENDE IST ERST DER ANFANG angesprochen hat?
Überrascht, dass er an mich dachte. Erfreut, dass er mich fragte. Und dann begann die Angst, an mir zu nagen, ihn zu enttäuschen.

Wie hat er Ihnen den Film präsentiert?
Als Geschichte einer starken und soliden Freundschaft, in deren Rollen er sich uns beide vorstellen würde.

Bitte ein paar Worte zur Figur Cochise und dem Duo, das er mit Gilou bildet.
Cochise ist das stille Gewissen der beiden: Weniger ängstlich, ruhiger, wahrscheinlich verzweifelter.
Während sich Gilou Sorgen macht, hat Cochise damit aufgehört, sich zu sorgen und akzeptiert fatalistisch, was die Zukunft bringt. Er beruhigt ihn, bemuttert ihn und hilft ihm zurück auf die Füße, weil er Gilou genauso sehr braucht wie Gilou ihn.

Wie liefen die Dreharbeiten?
Ich bewundere Boulis Bestimmtheit sehr, seine Präzision, seine feinsinnige und intelligente Art, die
Schauspieler zu führen. Ich hatte eine tolle Zeit, er schaffte es, seine Angst unter Kontrolle zu halten und konnte sogar hin und wieder mit mir lachen.

Hat das Wetter Ihre Arbeit und den Film generell beeinflusst?
Kälte motiviert einen und schärft die Konzentration, man hängt einfach nicht so gern rum. Die Beauce hat einem überhaupt keine Chance zur Flucht gelassen und hat mein Konzentrationslevel sogar noch weiter erhöht.

Wie stehen Sie zu den Themen des Films: Freundschaft, das Ende der Welt, Freiheit und Liebe.
Es gibt Themen, die liegen Bouli sehr am Herzen, und die teile ich auch. Ich habe genau verstanden, worum es ihm ging, meine einzige Sorge war tatsächlich nur, dass ich das nicht schaffen würde.

Und die spirituelle Dimension des Films?
Das ist eine sehr persönliche, deutliche und kompromisslose Reflexion über die Unwahrscheinlichkeit der Existenz und die merkwürdigen Mysterien, die uns umgeben. Bouli beantwortet diese Fragen mit großer Sensibilität und tiefsinniger Menschlichkeit.

Sie arbeiten selbst als Regisseur. Welchen Eindruck haben Sie von Bouli in dieser Rolle?
Präzise, sorgfältig, er fängt seine Umgebung so ein, dass er sie optimal für das Kino umsetzt. Eine
Hymne an das Leben genauso wie er auch seine Nase in den Tod steckt.

Ein paar Worte über Gibus?
Gibus ist für Bouli das, was Struppi für Tim ist. Das sagt alles.

Eine Anekdote?
Alles lief gut. Und das, glauben Sie mir, ist wirklich eine verdammt gute Anekdote.

(Quelle: Verleih)
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Donnerstag 27.04.2017
EXPEDITION HAPPINESS
Ab 04. Mai 2017 im Kino
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Der neue Kinofilm des PEDAL THE WORLD-Teams FELIX STARCK UND SELIMA TAIBI UNTERWEGS VON ALASKA BIS MEXIKO

„Routine ist der Feind des Fortschritts“ – finden Felix Starck, Filmemacher (PEDAL THE WORLD) und seine Freundin Selima Taibi, Sängerin, besser bekannt als Mogli. Sie haben sich kennengelernt, als er den Globus mit seinem Fahrrad umrundete und sie ihn einige Wochen in Neuseeland begleitete.
Entstanden ist daraus mit PEDAL THE WORLD der erfolgreichste deutsche Dokumentarfilm der letzten Jahre. Die beiden leben im kreativen Berlin, als sie die Idee zu ihrem neuesten Projekt EXPEDITION HAPPINESS haben.
Vom Weltreisen zurück fällt ihnen in der lauten, dreckigen Stadt die Decke auf den Kopf. War es das? Liegt das Lebensglück in einem Loft in Wedding? Wieso Berlin? Wieso Deutschland? Und wieso eigentlich ein fester Wohnsitz? Als sie im Internet einen alten Schulbus entdecken, ist sofort klar – das ist es.
Nur 4 Wochen später sitzen sie im Flieger nach Amerika. Mit im Gepäck jede Menge Kameraausrüstung, um das Erlebte zu dokumentieren.

EXPEDITION HAPPINESS – ein Filmemacher, eine Sängerin, ein Berner Sennenhund und ein Schulbus, den die beiden zu einem „Loft on Wheels“ umgebaut haben, das sind die Zutaten einer Reise quer über den amerikanischen Kontinent, von Alaska bis Mexiko. Sie sehen wilde Wölfe, Elche und einen Grizzly. Sie reisen zu Gletschern und durchqueren Wüsten und Dschungel. Hund Rudi wird operiert und die mexikanische Armee kreist sie nachts ein. Sie stehen vor dem höchsten Gipfel und am tiefsten Punkt Nordamerika- Sinnbild für die Achterbahnfahrt ihrer Gefühle, an denen sie den Zuschauer teilhaben lassen.


EXPEDITION HAPPINESS ist nah, tief, ungefiltert und sehr persönlich. Ein Abenteuer und eine Suche nach dem Glück, jenseits aller ausgetretenen Pfade.
Felix Starck und Selima Taibi („Mogli“) haben den neuen Film genau wie den Kinoerfolg PEDAL THE WORLD komplett alleine produziert und bringen ihn auch selbst in die Kinos. Untermalt ist der Film mit dem wundervolle Soundtrack von Mogli, die ihre einfühlsamen Songs auf dieser Reise geschrieben hat.
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Freitag 21.04.2017
EIN DORF SIEHT SCHWARZ
Ab 20. April 2017 im Kino
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Ein unwiderstehliches Feel-Good-Movie der anderen Art aus dem Land der Sch'tis. Ein Plädoyer für Toleranz und dem nicht immer ganz einfachen Weg zum friedlichen Miteinander. Ein kleines Wunder zu einem Thema von brisanter Aktualität.


Frankreich 1975: Seyolo Zantoko ist Arzt und stammt aus dem Kongo. Als er einen Job in einem kleinen Kaff nördlich von Paris angeboten bekommt, beschließt er, mit seiner Familie umzuziehen. Sie erwarten Pariser Stadtleben, treffen aber auf Dorfbewohner, die zum ersten Mal in ihrem Leben einem afrikanischen Arzt begegnen und alles tun, um den „Exoten“ das Leben schwer zu machen. Aber wer mutig seine Heimat verlassen hat und einen Neuanfang in einem fremden Land wagt, lässt sich so leicht nicht unterkriegen...


Ein Film von Julien Rambaldi

mit Marc Zinga, Aïssa Maïga,
Bayron Lebli, Médina Diarra, Rufus, Jonathan Lambert u.a.


Lachen und Weinen, Humor und Gefühl, ein Clash der Kulturen, wie er heftiger nicht sein könnte: Regisseur Julien Rambaldi verbindet in seinem zweiten Film EIN DORF SIEHT SCHWARZ all diese Zutaten zu einem fulminanten Mix aus bewegender und leichtfüßiger Komödie, zielt gekonnt auf Herz und Hirn. Augenzwinkernd nimmt er die muffigen 1970er Jahre auf dem Land unter die Lupe. Paris und die Studentenrevolte von 1968 sind fern, im idyllischen Marly-Gomont erstickt man lieber in Gemütlichkeit.

Toleranz, Durchhaltevermögen und die Hoffnung auf Wandel, gegenseitiges Verständnis und friedliches Miteinander dominieren in dieser feinsinnigen Geschichte. Das Wunderbare: dieses Miteinander ist kein Märchen, sondern Wirklichkeit und Wahrheit. Kamini, bekannter Rapper und Sohn von Seyolo Zantako, landete 2006 einen Hit mit seinem witzigen Song „Marly-Gomont“ und entwickelte die Filmidee vom Ankommen und Bleiben, erzählt im Drehbuch vom Schicksal seiner Eltern – emotional, zärtlich, berührend.

Marc Zinga („Dheepan“, „Das unbekannte Mädchen“) und Aïssa Maïga („Caché“, „Bamako“) spielen das liebenswerte Paar zwischen Anpassung und Stolz auf die eigenen Wurzeln. Klein gestartet, ließen sich im Sommer 2016, durch gute Mundpropaganda, schlussendlich 600.000 Zuschauer von diesem Feel-Good-Movie verzaubern. Im November wurde der Film bei den 33. Französischen Filmtagen Tübingen / Stuttgart mit dem Publikumspreis Stuttgart ausgezeichnet.


LANGINHALT
Eine feucht-fröhliche Studienabschlussfeier an der Medizinischen Fakultät von Lille zu Mitte der 70er Jahre: Seyolo Zantako (Marc Zinga) ist der einzige Afrikaner in der lockeren Runde. Trotz des verlockenden Angebots, Leibarzt des kongolesischen Präsidenten Mobutu zu werden, will er nicht nach Kinshasa zurück, sondern in Frankreich bleiben. Da kommt ihm der Bürgermeister von Marly-Gomont gerade Recht, der verzweifelt einen Arzt für sein Dorf im Norden des Landes sucht, um bei den Neuwahlen wiedergewählt zu werden. Seyolo sagt zu, in der Hoffnung auf die französische Staatsbürgerschaft. Monsieur Ramollu (Jean-Benoït Ugeux) warnt ihn zwar, dass die Dorfbewohner noch nie einen Schwarzen gesehen hätten. Das hindert den jungen Mediziner aber nicht, mutig die Chance auf einen Job zu ergreifen: „Wenn sie noch keinen Schwarzen gesehen haben, wird es Zeit“.

Seyolo holt seine Familie nach, die glaubt, nach Paris zu ziehen und sich riesig auf die glitzernde Seine-Metropole freut. Umso größer ist die Enttäuschung bei seiner Frau Anne, Töchterchen Sivi und Söhnchen Kamini (Aïssa Maïga, Medina Diarra, Bayron Lebli), als sie bei der Ankunft im strömendem Regen in der Pampa stehen. Alles ist grau, kein Eifelturm weit und breit, nur Felder, Matsch und Kühe. Die Wohnung entpuppt sich als feuchte Bruchbude, das Auto als Rostlaube und hinter den Gardinen versteckt, linsen die braven Bürger geschockt auf die neuen Bewohner. Ein herzliches Willkommen sieht anders aus.

Seyolo beschwichtigt die frustrierte Anne und macht ihr Hoffnung, nach Erhalt der Staatsbürgerschaft nach Paris zu ziehen. Den beiden Kindern malt er eine goldene Zukunft aus, wenn sie bereit sind, mehr zu lernen als alle anderen. Auf die neugierige Frage des kleinen Kamini, warum es für Schwarze schwieriger sei, nach oben zu kommen als für Weiße, hüllt er sich in Schweigen. Der Weg zur Schule mit den Kindern gleicht für Anne einem Spießrutenlauf, die Schüler hänseln die Neuen (die „Dunklen“) und auf dem Markt redet der Gemüsehändler mit Anne wie mit einer Idiotin, was die sich aber so gar nicht bieten lässt und ihm heftig Contra gibt. In Seyolos neuer Arztpraxis verirrt sich lediglich eine Schwangere, die beim Anblick des Arztes entsetzt davon läuft und auch der Hausbesuch bei einem Bauern endet mit Schüssen auf den Fremden. Doch unverdrossen glaubt Seyolo weiterhin an Integration nach der Devise: „Wir müssen uns anstrengen, damit sie uns mögen lernen.“ Deshalb soll zu Hause von nun an auch nur noch Französisch gesprochen werden und nicht mehr die kongolesische Landessprache Lingala.

In wenigen Monaten steht die örtliche Gemeinderatswahl an. Dem konservativen Kandidaten Lavigne (Jonathan Lambert) ist Seyolo ein Dorn im Auge. Er warnt ihn, in diesem Teil Frankreichs heiße es „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“.

Als Seyolos Auto auf der Landstraße den Geist aufgibt, hilft ihm der sympathische Bauer Jean (Rufus) und rät ihm zu versuchen, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, am besten in der Dorfkneipe. Ein Rat, den Seyolo noch am selben Abend befolgt. Nach dem ersten Erstaunen bricht bei den vergnügten Zechern das Eis. Beim gemeinsamen Dartspielen, Schnaps und Bier nimmt man den Fremden in die Runde auf. Die Ermunterung lautet: „zackhaurin“. 

Nach einer Charme-Offensive und Händeschütteln auf der Dorfstraße rechnet Seyolo mit mehr Akzeptanz und Patienten. Aber erst einmal kommen Heimatgefühle auf, als mit Lärm und Karacho Freunde und Verwandte aus Brüssel heran düsen und gute Laune verbreiten. Ihr „Kongo-Dresscode“, farbgewaltige Markenkleidung und dicke Sonnenbrillen, sorgen für kritische Blicke bei den Nachbarn, aber bei gutem Essen und Getränken sieht die Zukunft der Familie nicht mehr ganz so düster aus.

Tatsächlich scheint es aufwärts zu gehen, das Blatt sich zu wenden: In der Kneipe gibt Seyolo Ratschläge für die verschiedenen Wehwehchen und siehe da, zwei schlichte Gesellen kommen in die Praxis und lassen sich ohne Hemmungen gemeinsam untersuchen. Hämorrhoiden und Filzläuse? Das kann sie nicht erschüttern. Die Rechnung zahlen sie allerdings nicht, schließlich sei Seyolo kein „richtiger Arzt“.
Trotz Geldsorgen und Kerzenlicht mangels Strom halten die Zantokos zusammen und machen aus ihrer Situation das Beste. Nur woher kommt es, dass Seyolo plötzlich ständig nach Stall riecht? Erst einmal schickt ihn Anne ins Bad. Doch dann findet sie heraus, dass ihn sein Arbeitsweg frühmorgens nicht etwa in die Praxis führt. Seyolo schuftet bei Bauer Jean auf dem Hof, um Geld zu verdienen. Das schweißt das Paar noch mehr zusammen, denn es ist ihre Liebe, die über alle Hindernisse hinwegtröstet. Anne hält zu ihrem Mann, auch wenn Lavigne im Dorf böse Gerüchte streut.

Inzwischen hat der Winter Einzug gehalten, Seyolo und die Kinder erleben begeistert den ersten Schnee und ihre erste Schneeballschlacht. Zu Weihnachten kommt die Brüsseler Mischpoke erneut zu Besuch. Nach dem Auspacken der Geschenke wird  opulent getafelt und ganz nebenbei erfährt Anne, dass ihr Liebster aus politischen Gründen den lukrativen Leibarztposten bei Präsident Mobutu ausgeschlagen hat. Vor versammelter Sippe muss er ihr versprechen, Marly-Gomont sobald wie möglich mit ihr zu verlassen. Dann geht es unter Glockengeläut in die Mitternachtsmesse, wo die Gemeinde andächtig „Stille Nacht, Heilige Nacht“ singt. Stimmgewaltig stimmt die afrikanische Truppe gospelartig in den Gesang ein, klatscht, singt und tanzt zum Rhythmus des Weihnachtsliedes, während die Dorfbewohner ungläubig das Spektakel in ihrer Kirche verfolgen. Seyolo befürchtet, dass seine Bemühungen, alles zu tun, damit die Dörfler ihn für „normal“ halten, nun endgültig gescheitert sind. Doch was ist schon normal? Und was bringt es, die eigenen Wurzeln zu verleugnen?

Die Nacht birgt noch weitere Überraschungen. Die aus seiner Praxis geflohene schwangere Bäuerin liegt in den Wehen und ihrem Mann bleibt nichts anderes übrig als Seyolo um Hilfe zu bitten. Unter wüsten Beschimpfungen der Gebärenden, kommt das Baby wohlbehalten zur Welt und mit dem ersten Schrei des Neugeborenen ist alles vergessen. Alle zusammen, die Dorfbewohner, die Zankotos und ihr Anhang, feiern den Neuankömmling. Und die Afrikaner zeigen den Dorfbewohnern, was Feste feiern heißt...

Am nächsten Tag klingelt in der Praxis das Telefon ohne Unterlass. Endlich! Seyolo hat es geschafft, die Leute akzeptieren ihn als Arzt. Anne versucht sich in der Fahrschule und macht alles falsch, was ein Fahrschüler nur falsch machen kann.
Diese Harmonie passt dem hinterhältigen Politiker Lavigne überhaupt nicht in den Kram, will er doch die Wahl gewinnen. Er denkt sich eine neue Intrige aus, um seinem Gegner, dem amtierenden Bürgermeister Ramollu, zu schaden. Denn kein Arzt, keine Stimmen – so sein Kalkül. Ganz überraschend holt die Polizei Seyolo also ab: Seine Sondergenehmigung vom Gesundheitsministerium wurde aufgehoben, bis seine ursprüngliche Nationalität beglaubigt wurde. Seyolos Lebenstraum scheint geplatzt, die zum Greifen nahe französische Staatsangehörigkeit in weite Ferne gerückt. Als wäre das noch nicht genug, will Anne ihn verlassen, weil Bauer Jean und seine Frau ausplaudern, dass Seyolo entgegen seinem Versprechen vorhat, Marly-Gomont treu zu bleiben. Sie packt ihre Koffer und lässt ihren Mann mit den Kindern allein zurück. Seyolo versteht die Welt nicht mehr, er wollte doch nur eines: Anerkennung.

Tage später geht der kleine Kamini mit seinem Vater zum Fußballspiel. Was der Papa nicht ahnt – seine Tochter Sivi, der er das Fußballspielen strikt untersagt hatte, hat es hinter seinem Rücken gegen die hämischen Jungs beim Fußballspiel auf dem Schulhof durchgesetzt und tritt nun ganz offiziell in der Dorfmannschaft an. Ihre Fans befeuern die „schwarze Pantherin“, die mit vier Toren den Sieg ihrer Mannschaft klar macht und diese damit in die Ehrenliga katapultiert. Das Dorf feiert Sivi und der stolze Seyolo weint fast vor Rührung.

Als der Wahltag, der Tag der Entscheidung naht, ruht Seyolos einzige Hoffnung auf der Wiederwahl des Bürgermeisters. In der Kneipe redet er den Männern deshalb ins Gewissen, sie sollen Ramollu wählen und hat nebenbei zusammen mit Sivi einen trickreichen Plan ausgeheckt: Dem entsetzten Fußballtrainer eröffnen die beiden ganz cool, dass er sich keine Hoffnungen mehr machen kann. Sivi wird in einem anderen Team spielen, weil die Familie Marly-Gomont verlassen muss. Diese kleine „Drohung“ zeigt Wirkung.

Der Tag endet im Glück. Die Schulkinder präsentieren ein selbst entworfenes Theaterstück und spielen nach, was die Zantokos in ihrem Ort erlebt haben. Eine herzliche Sympathiebekundung, die nicht nur die Leute von Marly-Gomont zueinander bringt, auch Seyolo und Anne liegen sich wieder in den Armen. Sie wissen, sie haben eine Zukunft, in einem Dorf, das jetzt herzlich gerne „schwarz sieht“.

Epilog:
Die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen aus den 1970er Jahren. Nachdem Seyolo wieder seinen Beruf ausüben konnte, kämpften die Bürger von Marly-Gomont mit einer Petition für seine französische Staatsbürgerschaft. Der Mann aus Kinshasa blieb bis zu einem tödlichen Autounfall am 30. August 2009 ein geachteter und beliebter Arzt und diente seinen Patienten mit ganzer Kraft. Ein Jahr vor seinem Tod wurde er mit der Verdienstmedaille der Picardie ausgezeichnet. Zu seiner Beerdigung versammelte sich das ganze Dorf, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Einem, der zu ihnen gehörte, Heimat und Freunde in der Fremde fand. 


INTERVIEW MIT JULIEN RAMBALDI
Regisseur

„Für mich erzählt EIN DORF SIEHT SCHWARZ vom Zusammentreffen zweier Welten, die sich nicht kennen“

EIN DORF SIEHT SCHWARZ ist ihr zweiter Langfilm, sieben Jahre nach „Les meilleurs amis du monde“. Wie kam diese Geschichte zu Ihnen?
Durch das Zusammentreffen verschiedener Umstände. Ich war mit Produzentin Pauline Duhault für ein anderes Projekt verabredet, das letztendlich nicht klappte. Sie steckte mit Kamini in der Entwicklung von EIN DORF SIEHT SCHWARZ und drückte mir das erste Drehbuch in die Hand, an dem noch Benoît Graffin beteiligt war. Ich bekam große Lust, in die Geschichte um Kaminis Vater einzutauchen. Für mich war Seyolo das Rückgrat des Films und ich setzte mich ein Jahr lang noch einmal an das Drehbuch, wobei ich die guten Ideen von Kamini und Benoît natürlich einbezogen habe.

Wie reagierte Kamini auf diese Herangehensweise?
Zwischen uns ist alles sehr gut gelaufen. Natürlich hing er sehr an dem Projekt, wollte es sogar mal selbst verfilmen. Ich war nach unserem Gespräch sehr entspannt. Gemeinsam an dem Buch zu schreiben, wäre für uns beide sehr schwierig gewesen. Er stand vor einer sicherlich nicht einfachen Wahl, aber entschied sich, mir zu vertrauen.

Welche Erinnerung haben Sie an das Chanson „Marly-Gomont“ von 2006 und den darauf folgenden Hype?
Ich erinnere mich sehr gut an den Hit und den humorvollen Aspekt. Dieser Geist fand sich übrigens im Treatment von Kamini wieder. Mich berührte seine Idee, dem Vater ein Denkmal zu setzen. Natürlich enthält der fertige Film viel Humor, aber auch andere Dinge, andere Gefühle. EIN DORF SIEHT SCHWARZ ist eine universelle Geschichte und geht weit über den Rahmen einer Komödie hinaus.

Man mag es kaum glauben: EIN DORF SIEHT SCHWARZ ist im Jahr 1975 angesiedelt, wirkt aber sehr aktuell und modern…
Besonders heute. Dieser aktuelle Aspekt war Bestandteil unserer Arbeit. Natürlich sehen wir auf der Leinwand die 1970er Jahre, vor allem anhand der Kleidung, aber ich wollte keine zu starke Zeitgebundenheit. Die Handlung spielt auf dem Land, aber zwischen Gestern und Heute hat sich nicht so viel geändert im ländlichen Milieu. Dies erlaubt eine moderne Erzählweise, in der die Krise der Migration mitschwingt. Vor zwei oder drei Jahren habe ich mich noch gefragt, ob man die Geschichte wirklich erzählen soll. Die Antwort ist heute eindeutig… EIN DORF SIEHT SCHWARZ erzählt vom Zusammentreffen zweier Welten, die sich nicht kennen, ein bisschen wie am Anfang einer Liebesbeziehung, wenn man sich noch aneinander herantasten muss. Man spürt Angst vor dem anderen, aber nach und nach gewinnt das Vertrauen die Oberhand. Das ist der Motor des Films: Seyolo muss das Vertrauen der Dorfbewohner gewinnen. Er gehört zu den außergewöhnlichen Menschen, die schon bei der ersten Begegnung einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein Typ, der den Kongo verlässt und sich mit seiner Familie ausgerechnet in Marly-Gomont niederlässt, wo er sich auch durch größte Schwierigkeiten nicht entmutigen lässt. Einer, der nicht aufgibt. Allein sein Glaube ist doch schon bewundernswert. Eine tolle Kinofigur.

Empfanden Sie diese Verbindung von Humor und gesellschaftlichem Anliegen nicht etwas riskant? Jedenfalls so auf dem Papier?
Durchaus. Und es macht mich sehr stolz, dass der Film die Unterschiede zwischen den Dorfbewohnern und der Familie Zantoko zeigt, ohne in den Bereich der Karikatur abzurutschen. Keine leichte Angelegenheit, aber ich konnte mich auf eine tolle Besetzung verlassen: Aïssa und Marc sind zwei Super-Schauspieler. Uns verbindet das Faible zu mehr angelsächsischem Humor. Es geht nicht um eine Posse mit einer Aneinanderreihung von Sticheleien und Witzen, sondern im Gegenteil, um eine sehr englische Komödie. Für so etwas brenne ich.

Lassen Sie uns über Marc Zinga sprechen, den Darsteller von Seyolo.
Ich habe eine Reihe seiner Filme gesehen und viel von ihm gehört. Bei unserem ersten Treffen war ich so beeindruckt, dass ich schon an seiner Zusage zweifelte. Marc wollte nämlich erst einmal „Les meilleurs amis du monde“ sehen, den er dann sehr gern mochte. Ich wusste, wir lagen auf der gleichen Wellenlinie. Am Set habe ich ihn als einen harten Arbeiter schätzen gelernt. Er war einfach unermüdlich und überlegte sich immer etwas Neues. Irgendwann fragte er mich, ob er mir Vorschläge machen darf und als ich zustimmte, begannen wir, viel über die Organisation der Dreharbeiten zu diskutieren, die mal gut, mal weniger gut liefen. Das alles hat uns sehr genutzt, von ihm kam letztendlich viel Input.

Und was ist mit Aïssa Maïga, Seyolos Frau Anne?
Aïssa ist einfach umwerfend. Marc und Aïssa ergänzen sich zu einem sehr glaubwürdigen Paar. Anne ist eine gut situierte Frau aus der afrikanischen Mittelschicht, die in diesem Dorf landet. Aïsa strahlt diese Eleganz aus und verfügt über eine bemerkenswerte Schönheit, außerdem kann sie sehr komisch sein. Sie ist Seele und Säule dieser Familie aus dem Kongo. Mit Aïssa, Marc und den beiden Kinderdarstellern habe ich einen riesigen Glücksgriff gemacht.

Und das, obwohl schwarze Schauspieler nicht besonders zahlreich sind in Frankreich. Oder man kennt sie nicht, was noch schlimmer ist.
Genau. Es gibt sie, aber man kennt sie nicht. Marc hat glücklicherweise einen Namen wie auch Aïssa, die bekannteste schwarze Schauspielerin Frankreichs. Ich habe auch noch einige andere gefunden wie Tatiana Rojo, aber man sieht sie kaum auf der Leinwand. EIN DORF SIEHT SCHWARZ ist wohl der erste publikumswirksame französische Film mit einem schwarzen Paar in der Hauptrolle. Und das im Jahr 2016! Verrückt, oder?

Wie steht es mit den Nebenrollen?
Ich wollte ein paar bekannte Gesichter, deshalb fiel die Wahl auf Jonathan Lambert als Fiesling. Ich besetze gerne Komödienschauspieler gegen ihr Image. Das bringt  einen neuen Ton, vor allem wenn der Schauspieler gut ist. Und seine Figur ist mies, aber keine Karikatur. Wenn ich auf Nummer sicher hätte gehen wollen, wäre auch Daniel Prévost eine Option gewesen. Für Lavigne brauchte ich einen Sympathieträger, dessen Hinterhältigkeit man nicht sofort erkennt.

Und Rufus, als Jean, ist einer der wenigen Bauern, die der Familie helfen?
Ihn hatte ich von Anfang an im Kopf. Es gab allerdings eine kleine Diskussion mit den Produzenten, die sich nicht jemanden in dem Alter vorstellen konnten. Aber für mich gab es keinen Zweifel an ihm, Jean ist der Schutzengel der Hauptfigur. Und ist es nicht herzzerreißend schön, dass der Waise Seyolo in ihm eine Art Ersatzvater findet, einen Verbündeten, der über ihn wacht und ihn lenkt?
Vielleicht noch ein Wort zu Medina Diarra und Bayron Lebli, die perfekten Filmkinder von Anne und Seyolo…
Eine falsche Wahl hätte den Film kaputt gemacht. Medina trat schon mal in einem Fernsehfilm auf und ist wirklich eine Granate. Beim Casting nahm sie mich sofort gefangen. Bei Kindern mit dieser Begabung muss ich als Regisseur wenig tun, außer auf die Konzentration zu achten. Aus Scherz haben wir die beiden Kids am Ende der Dreharbeiten Simone Signoret und Jean Gabin getauft. Wir hatten einen Coach für die Kinder, was sich vor allem bei Bayron lohnte, der noch nie vor einer Kamera gestanden hatte. Es war wie ein Wunder mit den beiden.

In „Les meilleurs amis du monde“ ging es um Freundschaft, EIN DORF SIEHT SCHWARZ handelt von Familie. Ihre Vorlieben scheinen menschlichen Beziehungen zu gelten…
Eben, weil jede Komödie auch einen dramatischen Kern in sich birgt. In beiden Filmen geht es um den Zusammenstoß von Gefühlen, um Konflikte. Das wurde mir erst nach Ende der Dreharbeiten klar. Aufgrund meiner Herkunft entwickelte ich ein besonderes Interesse an EIN DORF SIEHT SCHWARZ. Als Sohn eines Italieners und einer Schwedin bin ich Franzose und habe mir nie Gedanken darüber gemacht. Aber dann brachte mich der Film doch zum Nachdenken...


INTERVIEW MIT KAMINI ZANTOKO
Idee und Originaldrehbuch

„Mir lag es am Herzen, mit dem Film meinen Vater zu würdigen. Er ist mein Held.“

In welchem Moment haben Sie sich gesagt, meine persönliche Geschichte und der daraus entstandene Hit „Marly-Gomont“ von 2006 könnten die Grundlage für ein Drehbuch und für einen Film sein?
Auslöser war der Clip „Marly-Gomont“. Dann, nach meinem zweiten Album, als ich  das Gefühl hatte, der Haussegen mit meiner Plattenfirma hängt schief, sagte ich mir: „Kam, jetzt musst du dich auf andere Projekte konzentrieren“. Erst schwebte mir die Idee für eine Serie wie „Der Prinz von Bel-Air“ vor, statt einer schwarzen Familie in Los Angeles, eine schwarze Familie in der Picardie! Beim Schreiben fand ich, die Story verfügt über das Potenzial für einen Langfilm. Produzenten und Agenten zeigten zwar Interesse für meine Idee, rieten mir aber, das Thema neu zu bearbeiten. Im Jahr 2012 habe ich mich beim Festival de Cannes mit Produzentin Pauline Duhault zusammengesetzt, die Chemie stimmte, und wir entschlossen uns,  gemeinsam dieses Filmprojekt anzugehen.

Mit der Idee, den Film selbst zu realisieren?
Am Anfang schon. Aber wir merkten bald, dass es für die Produzenten doch ein großes Risiko bedeutete, in „Kamini, den Sänger“ Geld zu investieren. Außer ein paar Clips hatte ich nichts gedreht und mir war klar, das würde nicht reichen. Da ich nicht auf dem Egotrip bin, habe ich nach Rücksprache mit Pauline entschieden, mich auf meine Rolle als Autor zu beschränken und die Realisation einem erfahrenen Regisseur anzuvertrauen. Der Umgang mit Julien Rambaldi war unkompliziert: Er hat meine Geschichte und was ich erzählen wollte, genau verstanden und wenn ich den fertigen Film sehe, muss ich sagen, wir haben uns sehr gut ergänzt. Julien hat bestimmte Aspekte in das Drehbuch eingebracht, die ich so nicht ausdrücken konnte, vor allem die starke Emotion die man bei EIN DORF SIEHT SCHWARZ empfindet, genau an den Stellen, wo ich eher auf Komödie gesetzt hätte. Letztendlich passen  seine Sensibilität, seine Handschrift und seine Persönlichkeit perfekt zum Thema.
 
Fiel es Ihnen schwer, dass ein anderer Ihre eigene Geschichte in Bilder umsetzt?
Es gab keine andere Wahl: Entweder die Regie wird delegiert oder der Film nicht realisiert. Mir lag es am Herzen, durch den Film meinen Vater zu würdigen… Er ist mein Held, ich bin sein größter Fan! Und diese Hommage hat er wirklich verdient, er hat sein ganzes Leben lang hart gearbeitet und ich konnte es nicht riskieren, dass das Projekt ins Wasser fällt. Als ich dann Julien getroffen und seinen Film „Les meilleurs amis du monde“ gesehen habe, wusste ich sofort, er ist der Richtige. Ich möchte noch hinzufügen, dass ich auch die Jugend ansprechen will, eine neue Generation von Einwanderern. Ihnen sagen, dass man alles im Leben erreichen kann dank einer guten Ausbildung. Das hat mein Vater immer wiederholt. Er war ein Waisenkind, aufgewachsen auf der Straße des belgischen Kongo. Niemals hat er seine Bücher aus der Hand gelegt. Dieses Thema verarbeitete ich übrigens in einem Kurzfilm unter dem Titel „L`orphélin de Biongo“.

Ihr Vater weilt nicht mehr unter uns. Wusste er vor seinem Tod von Ihren Plänen?
Er wusste, dass ich eine Serie vorbereiten wollte und einen Film über ihn und die Familie. Ich bin glücklich, dass ich dieses Abenteuer zu Ende gebracht habe und hoffe, dass er stolz darauf ist, egal wo er jetzt ist… Selbst als wir einige Reibereien hatten (weil ich mein Medizinstudium in Lille nicht mit dem nötigen Eifer betrieb), weiß ich, dass er stolz auf meinen künstlerischen Werdegang war. Er hat miterlebt, was mir mit meinem Lied „Marly-Gomont“ passiert ist, die Sendungen in TF1 und Canal+, den Presserummel, das Fernsehen…

Zwischen ihrem Song und dem Film liegen zwölf Jahre: Sie haben weitere Alben veröffentlicht, Fernsehen gemacht, eine One-Man-Show… Wie sehen Sie im Rückblick dieses Jahrzehnt?
Für mich hängt alles an der Frage der Erziehung. Als diese Erfolgswelle über mich rollte, war ich zwar total von den Socken, bin aber bescheiden geblieben, wie es mir mein Vater gelehrt hat. Ich wusste sehr genau, Ruhm kann sehr zerbrechlich sein, gerade, wenn man schnell nach oben kommt: Nehmen Sie einen Unbekannten von der Straße, lassen Sie ihn im Fernsehen auftreten, ob talentiert oder nicht, er wird plötzlich berühmt! Für mich zählt heute, dass ich meine Projekte durchführen und davon leben kann. Der Rest ist nicht mein Problem. Für viele geht es zuerst um Ruhm und Promistatus, in zweiter Linie um die Kunst. Nicht bei mir… Ich habe meine Karriere umgekehrt gestartet: Ich bin durch die Medien nach oben katapultiert worden, bevor ich mit der grundsätzlichen Arbeit begonnen habe. Heute ist es das Gegenteil: Für die One-Man-Show bin ich in der Schweiz und in Belgien in Sälen vor 150 Zuschauern aufgetreten, erst dann folgte Paris. Kurz gesagt: Ich mache Fortschritte und wenn ich wieder im Rampenlicht stehe, bin ich bereit.


INTERVIEW MIT MARC ZINGA
Darsteller Seyolo Zantoko

„1975 liegt weit zurück, aber es ist wie gestern. Auch heute findet man noch diese Reaktionen gegenüber dem Unbekannten, gegenüber dem Anderen… Das ist vor allem ein menschlicher Reflex.“

Warum haben Sie die Rolle des Seyolo Zantoko angenommen? Was hat Sie an seiner Person interessiert?
Auf Anhieb beeindruckend war für mich die Qualität des Drehbuches. Begeistert hat mich auch die Kombination von authentischer Geschichte und publikumswirksamer Komödie über eine Familie für Jung und Alt, nicht zu vergessen den humanistischen Aspekt. An der ziemlich klassischen Vorlage konnte man die Entwicklung ablesen, die die Figuren aufgrund der Konfrontation mit sehr komplexen Situationen durchmachten. Eine Herausforderung, da ich bis dahin noch nie die Gelegenheit hatte, diese Art von Kino anzugehen und gleichzeitig bei der Arbeit Spaß zu haben. Der Film setzt mehr auf Sensibilität als auf Komik, behält aber dennoch eine sehr komische Seite.

Wie sehen Sie Seyolo, diesen Familienvater und afrikanischen Arzt, den es in dieses kleine Dorf der Picardie verschlagen hat?
Ich sehe ihn als einen, der freiwillig viel auf sich nimmt, einen Arbeiter mit einer Schwäche: Es fehlt ihm an Abstand. Seine Aufrichtigkeit, sein guter Wille und seine Strenge machen ihn angreifbar. Manchmal wirkt er fast richtig stur. Seyolo will um jeden Preis ein besseres Leben.

Gerade das macht ihn zu einem sehr komplexen Charakter, hin- und hergerissen zwischen seiner Rolle als Ehemann, Vater, Arzt. Er möchte sich integrieren, ohne seine Wurzeln zu verleugnen…
Das ist genau das ständige Dilemma: Wie das Beste aus seiner Herkunft bewahren und damit auch seine Würde, gleichzeitig aber auch seinen Platz in diesem Dorf  finden? Eine sehr schwierige Frage für ihn, da seine Vorstellung von Integration von der seiner Familie teilweise abweicht, aber auch nicht mit der Vorstellung der Dorfbewohner übereinstimmt. Das spitzt die komödiantische Seite des Films zu. Was uns zum Lachen bringt, fusst oft auf einem Drama. Wenn jemand auf einer Bananenschale ausrutscht, ist das für Außenstehende vielleicht lustig, aber für den Betroffenen oft schmerzhaft. Für Seyolo geht es darum, akzeptiert zu werden, ungeachtet dessen, was die Bauern von ihm halten, die noch nie einen Schwarzen gesehen haben. So lacht man über das Pech dieses afrikanischen Arztes, nicht mit Häme, sondern mit großer Zärtlichkeit, da er etwas sehr Menschliches und Universelles ausstrahlt.

Die fassungslosen Reaktionen der Einheimischen sind an sich schon verblüffend: Die Geschichte spielt 1975 und man hat den Eindruck, dass allein das Auftauchen dieser afrikanischen Familie in Marly-Gomont zu einem unerwarteten Umbruch führt.
Ja, 1975 liegt weit zurück, aber es ist wie gestern. Wir dürfen nicht vergessen, auch heute findet man noch diese Reaktionen gegenüber dem Unbekannten, gegenüber dem Anderen. Das ist vor allem ein menschlicher Reflex. Wir sind wie von Angst geleitete Tiere und bleiben auf Distanz zu dem, was uns in Schrecken versetzt. Es liegt im Verantwortungsbereich der Regierenden und der politischen Institutionen für Offenheit zu sorgen. Das geschieht durch Kultur und Erziehung mit dem Ziel, dem Bürger diese Angst zu nehmen. Man kann diese Dinge negativ sehen und beklagen, dass wir immer noch nicht aus der Spirale sozialer Ausgrenzung heraus gekommen sind (in der Zeit, in der die Filmhandlung spielt, wie auch heute), aber das ist die Crux der menschlichen Gemeinschaft: Die Furcht vor dem Unbekannten… Und sei es nur die Hautfarbe.

Sie verkörpern eine sehr stark von Kaminis Vater inspirierte männliche Figur, einen Mann, der nicht mehr unter uns weilt. Empfanden Sie eine bestimmte Art von Verantwortung, diesen Mann zu verkörpern und haben Sie darüber mit seinem Sohn und Drehbuchautor gesprochen?
Ich habe Kamini erst während der Dreharbeiten kennen gelernt und nicht das Gefühl gehabt, mit ihm vorher über die Figur sprechen zu müssen. Das Drehbuch war sehr gut geschrieben und sehr präzise. Der Seyolo im Film erinnert mich an meine Umgebung, an Dinge und Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin. Ich habe Leute aus dem Kongo der damaligen Zeit getroffen, Intellektuelle oder Angehörige  einer bestimmten Schicht, die mit meinen Eltern bekannt oder befreundet waren und die ähnelten meiner Vorstellung von Seyolo. Ich habe mich von meiner Intuition leiten lassen und von den Anweisungen des Regisseurs Julien Rambaldi.

Die Tatsache, dass Sie aus dem Kongo stammen, verleiht diese ihrer Rolle noch eine zusätzliche Dimension?
Es war mir jedenfalls eine besondere Freude, eine mit meinen Wurzeln verbundene Geschichte zu erzählen, Und an einem Projekt mitzuwirken, bei dem die Vielfalt an erster Stelle steht, ist auch einen tolle Sache. Wenn ich zwei schwarze Schauspieler auf dem Plakat eines beliebten französischen Films sehe, bin ich bewegt. Gerade heute halte ich das für sehr wichtig. In den Szenen, in denen die afrikanische Familie aus Belgien fröhlich in das Dorf einfällt, spürten wir Schauspieler einen richtigen Stolz, damit auch ein wenig über unsere Wurzeln zu erzählen.

Sprechen wir von ihren Partnern und beginnen wir mit Aïssa Maïga, die Ihre Frau Anne spielt…
Ich kannte Aïssa nicht, wir sind uns vor einigen Jahren nur mal kurz auf einem Festival begegnet. Ich wusste vor diesem Film wenig über Ihre Arbeit, aber was ich gesehen hatte, überzeugte mich von ihren tollen Qualitäten als Schauspielerin und die Dreharbeiten haben mir das bestätigt. Ich bin froh, dass ich mit Aïssa arbeiten konnte, mit ihrer Spiel-Intelligenz hat sie mich angespornt. Auch menschlich, selbst wenn das nebensächlich sein sollte, haben wir uns sehr gut verstanden. Sie ist wie ein Sonnenstrahl und verfügt nicht nur über eine atemberaubende Schönheit, sondern auch über eine Wahnsinnsenergie.

Sie spielen einen Vater. Was halten Sie von Ihren Filmkindern Medina und Bayron?
Zwischen uns herrschte eine wirkliche Kameradschaft. Das Ziel eines Schauspielers ist es oft, die Gefühle der Kindheit neu zu entdecken, dem Zuschauer zu zeigen, dass hinter dem Spaß auch einen Sensibilität steckt. Mit Kindern zu arbeiten bringt einem sehr viel, wir lernen von ihnen. Sie vermitteln uns ihre Leichtigkeit, ihre Unbekümmertheit. Bei Medina und Bayer gibt es nicht den Hauch von Berechnung und das spürt man auch auf der Leinwand. Außerdem sind beide Super-Schauspieler.

Wie lief die Zusammenarbeit mit Regisseur Julien Rambaldi?
Es mag nicht sehr originell klingen, aber alles lief wie am Schnürchen. Selbst wenn – und ich sage es noch einmal – der menschliche Aspekt nicht das Wichtigste bei den Dreharbeiten ist (nur der Film zählt), Julien ist ein sehr ruhiger Typ, was ich für sehr wichtig halte. Beim Blick auf die Geschichten gelingt ihm eine wunderbare Mischung aus Menschlichkeit und Humor, er kommt mir vor wie eine Art Erbe von Frank Capra. Bei ihm finde ich diese mitreißende Begeisterung dem Leben gegenüber, die aber nie in Naivität umschlägt. Julien hat außerdem ein unglaubliches Talent, dem anderen zu zuhören, einfach unverzichtbar für jemanden, der sich an so ein Projekt traut. Sich gegenseitig auszutauschen, Dinge erörtern, dem Regisseur Vertrauen entgegen bringen - das ist fundamental für die Arbeit, auch wenn natürlich der Regisseur die finale Entscheidung trifft.

Sprechen wir nun von Ihnen. Ihre Schauspielkarriere ist noch jung, aber bereits geprägt von sehr unterschiedlichen wie auch interessanten Projekten: Von „Rayures du Zèbre“ an der Seite von Benoït Poelvoorde bis hin zu „Spectre“, von „Dheepan – Dämonen und Wunder“ bis zur Serie „Péplum“…
Ich schätze mich glücklich über die bisherige vielseitige Auswahl, das war immer mein Wunsch. Ich hatte die Gelegenheit, sehr effektiv mit sehr guten Leuten zu arbeiten wie Jacques Audiard, Sam Mendes oder auch Thomas Vincent, der mich für mein erstes wichtiges Projekt engagierte („Mister Bob“ für Canal+) oder die Dardenne-Brüder, aber auch Abd Al Malik für „Qu`Allah bénisse la France“, Benoït  Mariage und jetzt Julien Rambaldi. Jedes Mal haben mir die Leute, deren Arbeit ich sehr bewunderte, viel beigebracht. Alle diese Chancen kommen von einer ungewöhnlichen Ausgangsposition: Schon sehr früh haben mir meine Eltern Vertrauen geschenkt, somit konnte ich mich meiner Schauspielleidenschaft widmen. Als Kind habe ich mich entschieden, Schauspieler zu sein und als meine Lehrer mir die Fähigkeit bestätigten, ermutigten mich meine Eltern, meinen Weg zu gehen, was nicht oft der Fall ist bei den Schauspielanwärtern, die man in den Schauspielschulen trifft. Von frühem Alter an, anfänglich außerhalb der Schule, konnte ich mich der Schauspielerei hingeben im Wissen, das ist mein Leben.  


INTERVIEW MIT AïSSA MAïGA
Darstellerin Anne Zantoko

„Anne weicht keiner Auseinandersetzung aus, auch auf die Gefahr hin, dass es mit den Dorfbewohnern, die sie und ihre Familie zurückweisen, zum Zusammenstoß kommt.“

Was hat Sie an der Geschichte besonders berührt?
Dass aus dieser kleinen Geschichte eine große wächst. Die einer afrikanischen Familie, deren kongolesischer Vater die Entscheidung trifft, sich in Frankreich niederzulassen, weil er sich nicht vorstellen kann, für das Mobutu-Regime in seinem Land zu arbeiten. Wir schreiben das Jahr 1975 und die Ankunft dieser Familie in dem kleinen Dorf in der Picardie trifft auf rückwärtsgewandte Ideen, auf den Rassismus der damaligen Gesellschaft. Das hat mich übrigens an meine eigene Geschichte erinnert. Auch wenn meine Familie ganz anders ist, habe ich mich bei einigen Situationen an die Erfahrungen meiner Eltern oder vielmehr unserer Eltern erinnert gefühlt. Das Drehbuch schien mir ernsthaft, fesselnd, sehr witzig und bewegend. Ich sehe auch eine Aktualität in dieser Geschichte: Denken Sie an die Migranten, die aus schrecklichen Verhältnissen fliehen und dann in Europa landen.

Der Film spielt im Jahr 1975 und man hat den Eindruck, die Einwohner von Marly-Gomont erleben die Invasion von Marsmenschen.
Man muss den Kontext relativieren: Wir sind in Marly-Gomont und nicht in Paris.  Und es stimmt, dass die Leute in diesem Kaff noch nie mit dem Begriff Diversität konfrontiert waren. Trotzdem scheint es fast unglaublich: 1975 scheint  Vergangenheit, aber es kommt einem vor wie Gestern. Die Geschichte Frankreichs mit den afrikanischen Ländern entstand ja nicht erst in den 1970er Jahren. Die Reaktionen im Film stützen sich auf Tatsachen und in der Realität hat Kamini solche Ereignisse auch noch später erlebt, zu Anfang der 1980er Jahre. Man darf nicht vergessen, Seyolo ist Arzt und die Vorstellung, den eigenen Körper und Intimität einem Afrikaner anzuvertrauen, verstärkt die Angst noch zusätzlich. Davon handelt der Film und das macht ihn auch sehr modern: Der Mangel an Glaubwürdigkeit, unter dem dieser Arzt leidet, weil er schwarz ist, weil er eine andere Hautfarbe hat. Allein deshalb wird an seinen Fähigkeiten gezweifelt. Dabei hat Seyolo in Frankreich sein Medizinstudium absolviert, sein Familien- und Eheleben geopfert und ist sicherlich ein guter Arzt. Für seine Frau ist dieses Misstrauen am Schwersten zu ertragen.

Bleiben wir bei der Figur der Anne…
Mir gefällt ihre Stärke. Sie ist eine Persönlichkeit, die mich an einige Tanten oder meine Mutter erinnert: Diese auf dem Kontinent geborenen afrikanischen Frauen haben sich eines Tages entschlossen, ihre Heimat zu verlassen. Manchmal, weil sie wieder mit ihrem Ehemann zusammen sein wollten, aber auch, weil sie von einer anderen Welt träumten. Und oft sind diese Frauen auf eine Realität gestoßen, die nichts mit der in ihren Vorstellungen zu tun hatte. Die Arbeitswelt, der Blick der anderen und das alltägliche Eheleben: All das kann sehr anders sein als erwartet. Ich liebe Anne dafür, dass sie sich nie diesen Situationen unterwirft und empfinde eine große Zärtlichkeit für sie. Sie ist eine sehr liebevolle Mutter und will ihre zwei Kinder beschützen, obwohl sie selbst quasi im Exil unter der Einsamkeit des Alltags leidet. Wenn sie nicht mit Seyolo einer Meinung ist, sagt sie das sehr deutlich. Anne weicht keiner Auseinandersetzung aus, auch auf die Gefahr hin, dass es mit den Dorfbewohnern, die sie und ihre Familie zurückweisen, zum Zusammenstoß kommt.  Seyolo dagegen glättet lieber die Wogen, um sich zu integrieren. Sie dagegen will ihre Kultur und ihre afrikanische Identität bewahren. Mit ihrer Kleidung, ihrer Körperlichkeit und Bewegung, der Musik und ihrer Familie, die in die Weihnachtsmesse platzt, steht sie für eine Modernität in einer Zeit, wo die Franzosen in Marly-Gomont noch der Kirchturm-Kultur verhaftet sind.

Durch Anne und ihre im Kongo verbliebene Familie realisiert man, welche Faszination Paris damals auf die Bevölkerung der einstigen Kolonien ausübte.
Stimmt. Die Fantasievorstellung über den Westen lief damals auf Hochtouren. Wenn Seyolo im Film telefonisch mitteilt, er arbeite in der Nähe von Paris, kann er nicht einmal seinen Satz beenden, weil Anne vor Freude ausrastet inmitten der laut jubelnden Familie, sie ist davon überzeugt, dass sie in der Metropole wohnen wird. Meine Erinnerungen als Kind sind zwar anders, aber ich weiß noch, dass es üblich war, Geld nach Hause zu schicken, auch wenn man ziemlich blank war. Aber das hätte man nie zugegeben. Eine ganze Generation von Einwanderern hat nach außen so getan, als würde das Geld auf den Straßen von Paris liegen. Jetzt wissen die Leute Bescheid, aber es ist immer noch besser, hier arm zu sein als in Afrika.

Und wie war es, mit Regisseur Julien Rambaldi zusammen zu arbeiten?
Sehr gut. Julien kam ins Theater, um mich zu sehen, dann haben wir uns getroffen und ich erinnere mich an seine Freude, als er mit eigenen Augen meine Begeisterung sah. Es gab nie eine Spur von Ärger in der ganzen Zeit. Keine Spannung, kein Missverständnis, keine Distanz. Ich liebe seine Bescheidenheit bei diesem Projekt: Julien war nie im Kongo, er ist nicht der Sohn einer afrikanischen Migrantenfamilie und nicht in Marly-Gomont aufgewachsen. Da ihm diese Wirklichkeit fehlte, hat er sich auf das Zuhören unserer Erzählungen und Anekdoten konzentriert und eine große Achtsamkeit bewiesen. Er wollte nicht irgendwas machen oder eine afrikanische Familie karikieren, nur um Lacher zu kassieren. Wir haben sehr viel miteinander gesprochen. Julien ist ein Regisseur, der zuhören und Vorschläge akzeptieren kann. Ich habe mich immer sehr beschützt und umsorgt gefühlt, obgleich er mit Kindern arbeitete und einen engen Drehplan hatte, oft viele Einstellungen an einem Tag drehte und mit Wetterrisiken rechnen musste.

Sprechen wir von Ihrem Filmgatten Marc Zinga alias Seyolo Zantoko…
Seine Konzentrationsfähigkeit hat mich sehr beeindruckt. So etwas habe ich noch bei keinem Schauspieler erlebt. Marc ist jemand, der den ganzen Tag in seiner Figur bleibt, während ich zwischendurch immer frische Luft tanken muss, hin- und her wechsele. Jeder von uns hat seine spezielle Methode, sich eine Rolle anzueignen. Marc ist ein sehr genauer Schauspieler mit präziser Schauspieltechnik, es ist sehr angenehm mit ihm zu arbeiten. Obgleich sich unsere Arbeitsweisen unterscheiden, glaube ich, dass wir uns sehr gut ergänzt haben. Ich hoffe, das hat dem Film genutzt, entsprach dieser Unterschied doch auch dem Naturell von Anne und Seyolo und ihrem Antagonismus.



DARSTELLER

MARC ZINGA (Seyolo Zantoko) - geboren 21. Oktober 1984 in Likasi, Kongo
Als Fünfjähriger zog Marc Zinga mit seiner Familie aus der Demokratischen Republik Kongo nach Belgien. Seine Künstler-Karriere begann er als Sänger der Gruppe „The Peas Project (von 2003 bis 2011). Dann wandte er sich der Schauspielerei zu.
An der Seite von Gérard Depardieu stand er in einer Nebenrolle in Gilles Béhats „Diamant 13“ (2009) erstmals vor der Kamera. Im gleichen Jahr spielte er unter der Regie von Jaco Van Dormael in „Mr. Nobody“ einen homosexuellen jungen Mann. Auf Begeisterung stieß sein Auftritt in „Qu`Allah bénisse la France“ (2014) als französischer Rapper und Slampoet, Abd Al Maliks Verfilmung seiner eigenen Biografie. Diese herausragende Performance weckte auch das Interesse von Regisseur Sam Mendes, unter dessen Regie er in „James Bond 007: Spectre“ spielte. Es folgten im Jahr 2015 Filme wie Jacques Audiards „Dheepan – Dämonen und Wunder“ (Dheepan) und im Jahr 2016 „Das unbekannte Mädchen“ (La fille inconnue) der Dardenne-Brüder. Marc Zinga inszenierte und produzierte 2013 den Kurzfilm „Grand Garçon“ und schrieb auch das Drehbuch. Auch auf der Bühne reüssierte er 2016 in „Une saison au Congo“ und „La Tragédie du roi Christophe“, beide von Aimé Césaire in der Inszenierung von Christian Schiaretti. Nebenbei drehte er Fernsehfilme wie „Mister Bob“, in dem er den General Mobutu verkörperte (2011) oder die Serie „Peplum“ von Philippe Lefebvre. Für seine Figur des Seyolo in EIN DORF SIEHT SCHWARZ erhielt er beste Kritiken.

Filmografie (Auswahl)
2009    DIAMANT 13
                Regie: Gilles Béhat
2009     MR. NOBODY
            Regie: Jaco Van Dormael
2013     JE SUIS SUPPORTER DU STANDARD
                Regie: Riton Liebman
2014     LES RAYURES DU ZEBRE
            Regie: Benoït Mariage
2014     QU`ALLAH BÉNISSE LA FRANCE
            Regie: Abd Al Malik
2015    JAMES BOND 007: SPECTRE
            Regie: Sam Mendes
2015     DHEEPAN – DÄMONEN UND WUNDER (Dheepan)
            Regie: Jacques Audiard
2016     DAS UNBEKANNTE MÄDCHEN (La fille inconnue)
            Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne
2016     EIN DORF SIEHT SCHWARZ (Bienvenue à Marly-Gomont)
Regie: Julien Rambaldi



AÏSSA MAÏGA (Anne Zantoko) - geboren 25. Mai 1975 in Dakar
Aïssa Maïga, Tochter des bekannten Journalisten Mohamed Maïga aus Mali, verbracht ihre ersten vier Lebensjahre in Dakar, bevor sich die Familie in Frankreich niederließ, zuerst in Fresnes, dann in Paris, wo das Mädchen das Lycée Voltaire besuchte. Schon in jungen Jahren träumte sie davon, Schauspielerin zu werden.
Ihre ersten Schritte führten sie an das Theater Mogador und das Folies Bergère in Paris. Nach drei Jahren Theaterunterricht beteiligte sie sich mit 19 Jahren an einem künstlerischen Projekt in Zimbabwe, „Le Royaume du passage“ von Eric Clué (1986). Im Jahr 1996 drehte sie ihren ersten Spielfilm mit Yvan Attal und Richard Bohringer in Denis Amars „Saraka Bo“, ein Krimi in der afrikanischen Community. 2000 folgten kleinere Rollen in Michael Hanekes „Code:unbekannt“ (Code inconnu) an der Seite von Juliette Binoche, 2005 arbeitete sie erneut mit dem österreichischen Regisseur in „Caché“ zusammen. Den Durchbruch beim Publikum brachte ihr 2004 die Rolle einer jungen Frau, die in Cédric Klapischs „L`auberge espagnole – Wiedersehen in Petersburg“ (Les poupées russes) Romain Duris verführt. Anschließend ging es mit ihrer Karriere steil nach oben mit Filmen wie „Keine Sorge mir geht's gut“ (Je vais bien, ne t`en fais pas) mit Mélanie Laurent und Kad Mérad oder dem Episodenfilm „Paris, je t`aime“, hier in Oliver Schmitz` Beitrag „Place des fȇtes“. Für ihre Hauptrolle in Abderrahmane Sissakos „Das Weltgericht von Bamako“ (Bamako) wurde sie als Beste Nachwuchsschauspielerin für den César 2007 nominiert. Parallel war Aïssa Maïga auch im Theater aktiv, unter anderem in der Comédie des Champs Elysées, dem  Nationaltheater de la Colline in Genf und dem Theater Hébertot. Seit 2000 dreht sie zudem kontinuierlich Fernsehfilme. Im Jahr 2016 kamen allein drei Filme mit Aïssa Maïga ins französische Kino: Nach dem Erfolg von EIN DORF SIEHT SCHWARZ (Bienvenue à Marly-Gomont), Dominique Cabreras „Corniche Kennedy“ und „Rupture pour tous“ von Eric Capitaine. verzauberte Aïssa Maïga das Publikum in der Adoptions-Komödie „ll a déjà tes yeux“.

Filmografie (Auswahl)
1996    SARAKA BO
            Regie: Denis Amar
1999     JONAS UND LILA (Jonas et Lila, à demain)
            Regie: Alain Tanner
2003     MES ENFANTS NE SONT PAS COMME LES AUTRES
            Regie: Denis Dercourt
2005     L`UN RESTE, L`AUTRE PART
            Regie: Claude Berri
2005     CACHÉ (Caché)
            Regie: Michael Haneke
2005       L`AUBERGE ESPAGNOLE – WIEDERSEHEN IN PETERSBURG (Les     poupées russes)
            Regie: Cédric Klapisch
2006     DAS WELTGERICHT VON BAMAKO (Bamako)
            Regie: Abderrahmane Sissako
2006     KEINE SORGE MIR GEHT'S GUT (Je vais bien, ne t`en fais pas)
            Regie: Philippe Lioret
2010    ENSEMBLE, C`EST TROP
            Regie: Léa Fazer
2013    DER SCHAUM DER TAGE (L`Ecume des jours)
            Regie: Michel Gondry
2016    EIN DORF SIEHT SCHWARZ (Bienvenue à Marly-Gomont)
            Regie: Julien Rambaldi
2016    CORNICHE KENNEDY
            Regie: Dominique Cabrera
2016     RUPTURE POUR TOUS
            Regie: Eric Capitaine
2017     IL A DÉJÀ TES YEUX
            Regie: Lucien  Jean-Baptiste



RUFUS (Bauer Jean) – geboren am 19. Dezember 1942 in Riom
Rufus, eigentlich Jacques Narcy, gehört zu den Urgesteinen des französischen Kinos. Nach dreijährigem Medizinstudium entschied er sich für die Kunst und kann heute auf eine über 30jährige Karriere zurückblicken - als Regisseur und Schauspieler auf der Bühne sowie auch auf der Leinwand.
Er begann als Comedian im Pariser Kabarett La Vieille Grille und trat auch in Coluches Café de la Gar auf, 1967 startete er im Kino mit „Les encerclés“ von Christian Gion durch, anschließend folgten 1969 und 1970 zwei Filme unter der Regie von Yves Boissset: „Cran d`arrȇt“ und „Ein Bulle sieht rot“ (Un condé). 1974 spielte er an der Seite von Bulle Ogier in Claude Lelouchs „Le Mariage“. Seinen Durchbruch hatte er 1975 mit „Lily hab mich lieb“ (Lily, aime-moi) von Maurice Dugowson. Rufus zeigte keine Scheu vor publikumswirksamen Komödien wie „Die Filzlaus kehrt zurück“ (Fantasia chez les ploucs) von Gérard Pirès, überzeugte aber auch in Dramen wie Roman Polanskis „Der Mieter“ (Le Locataire) von 1976 oder im gleichen Jahr in Alain Tanners „Jonas, der im Jahr 2000 25 Jahre alt sein wird“ (Jonas qui aura 25 ans en l`an 2000) oder auch 1987 in Jean-Luc Godards „Schütze deine Rechte“ (Soigne ta droite). In den 1990er Jahre drehte er mit Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro „Delicatessen“ (Delicatessen) und „Die Stadt der verlorenen Kinder“ (La Cité des enfants perdus). Mit Jeunet 2001 drehte er außerdem „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (Le fabuleux destin d`Amélie Poulain) und 2004 „Mathilde – Eine große Liebe“ (Un  long dimanche de fiançailles). Rufus, der als Workaholic gilt, begeisterte in Deutschland 1998 in Radu Mihaileanus Kriegsdrama „Zug des Lebens“. Die Rolle des hilfsbereiten und sympathischen Bauern in EIN DORF SIEHT SCHWARZ, der Seyolo und seiner Familie zur Seite steht, ist ihm wie auf den Leib geschrieben. Rufus wirkte an ungefähr 50 Fernsehfilmen- und –serien mit, war am Theater Dramaturg und Schauspieler und machte sich zudem einen Namen als Buchautor.

Filmografie (Auswahl)
1967    LES ENCERCLÉS
            Regie: Christian Gion
1969     CRAN D`ARRÊT
            Regie: Yves Boisset
1970     EIN BULLE SIEHT ROT (Un condé)
            Regie: Yves Boisset
1970     VERSPRECHEN IN DER DÄMMERUNG (La Promesse de l`aube)
            Regie: Jules Dassin
1975     LILY, HAB MICH LIEB (Lily, aime-moi)
            Regie: Maurice Dugowson
1996     DER MIETER (Le locataire)
            Regie: Roman Polanski
1991     DELICATESSEN (Delicatessen)
            Regie: Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro
1994     DIE STADT DER VERLORENEN KINDER (La cité des enfants perdus)
            Regie: Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro
1995     LES MISÉRABLES
            Regie: Claude Lelouch  
1998    ZUG DES LEBEN (Train de Vie)
            Regie: Radu Mihaileanu
2001     DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE (Le fabuleux destin d`Amélie Poulain)
            Regie: Jean-Pierre Jeunet
2004     MATHILDE – EINE GROßE LIEBE (Un long dimanche de fiançailles)
            Regie: Jean-Pierre Jeunet
2013     MARIUS
            (Regie: Daniel Auteuil)
2016     EIN DORF SIEHT SCHWARZ (Bienvenue à Marly-Gomont)
            Regie: Julien Rambaldi



JONATHAN LAMBERT (Lavigne) – geboren am 24. Juni 1973 in Paris
Jonathan Lambert ist ein in Frankreich berühmter Humorist, Rundfunk- und Fernsehmoderator sowie Schauspieler, der seine Ausbildung u.a. an der Schauspielschule im 10. Pariser Bezirk abschloss.
Seinen ersten Auftritt hatte er 1994 in der Sendung „C`est tout Coffe“ mit Jean-Pierre Coffe auf France 2. Anschließend wechselte er hinter die Kamera und jobbte bei einer Produktionsfirma. Erst im Jahr 2000 begann er als Journalist bei dem TF1-Magazin „Exclusif“ und in vielen Shows wie „La Grosse Èmission“ mitzuwirken. 2004 schrieb er seine One-Man-Show „L`Homme qui ne dort jamais“, die später auch im Bataclan aufgeführt wurde. In den folgenden Jahren wurde er berühmt durch seine Sketche im Fernsehen und Radio und spielte auch in Fernseh- und Kinofilmen mit. Weitere, sehr beachtete Shows mit ihm waren „L`Homme que ne dort jamais“ (2007), „Perruques“ (2012) und „Looking for Kim“ (2016). Auf der Leinwand startete er 2001 als junger Polizist in Jean-Michel Verners „Jeu de cons“, 2004 stand er in „Zwei ungleiche Freunde“ (Je préfère qu`on reste amis…) von Éric Toledano und Oliver Nakache vor der Kamera. In Deutschland  wurde er 2012 durch Frédéric Beigbeders „Das verflixte 3. Jahr“ (L`amour dure trois ans) bekannt, mit dem er 2016 auch „L`Idéal“ drehte. In EIN DORF SIEHT SCHWARZ ist er bewusst gegen sein Image als Humorist besetzt und überzeugt als fieser Intrigant.

Filmografie (Auswahl)
2001    JEU DE CONS
Regie: Jean-Michel Verner
2004    ZWEI UNGLEICHE FREUNDE (Je préfère qu`on reste amis…)
            Regie: Éric Toledano und Olivier Nakache
2005     PALAIS ROYAL! (Palais Royal!)
            Regie: Valérie Lemercier
2012     DAS VERFLIXTE 3. JAHR (L`amour dure trois ans)
            Regie: Frédéric Beigbeder
2012     DÉPRESSION & DES POTES
            Regie: Arnaud Lemort
2015     MONSIEUR CAUCHEMAR
            Regie: Jean-Pierre Mocky
2016     EIN DORF SIEHT SCHWARZ (Bienvenue à Marly-Gomont)
            Regie: Julien Rambaldi
2016     L`IDÉAL
            Regie: Frédéric Beigbeder
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Freitag 14.04.2017
STILLE RESERVEN
Ab 20. April 2017 im Kino
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Wien in der nahen Zukunft: Konzerne haben die Macht übernommen. Grenzen verlaufen durch die Stadt und durch die Gesellschaft: zwischen denen, die sich eine Todesver-sicherung leisten können, und der Mehrheit der anderen. Versicherungsagent Vincent Baumann wird selbst Opfer dieses Systems, das er eigentlich vertritt. Der faszinierenden Aktivistin Lisa Sokulowa auf der Spur, erscheint ihm Widerstand plötzlich als Möglichkeit. Aber die Grenzen sind nicht so eindeutig, wie er bisher angenommen hat …


Ein Film von Valentin Hitz

Mit Valentin Hitz, Clemens Schick, Lena Lauzemis, Marion Mitterhammer, Marcus Signer u.a.


Alarm in einer Blocksiedlung der Trabantenstadt: Eine Rebellengruppe versucht eine Sterbende vor dem Zugriff der Einsatzkräfte zu retten. Der Coup fliegt auf, alle werden verhaftet, nur eine entkommt – Lisa Sokulowa (Lena Lauzemis). Profil: Aktivistin im Untergrund.
Wien in der nahen Zukunft. Konzerne haben die Macht übernommen. Die Bevölkerung muss Schulden abtragen – auch über den Tod hinaus. Wer stirbt, wird deshalb in Palliativzentren und Geriatrien in einem unwürdigen Dämmerzustand am Leben erhalten, die Körper werden ausgebeutet. Der einzige Schutz vor einem solchen Schicksal ist eine Todesversicherung – ein Luxus, über den nicht jeder verfügen kann.
Vincent Baumann (Clemens Schick), Profil: vielversprechender Assekuranzagent in einer mächtigen Gesellschaft für Todesversicherungen. Er bringt jeden schwierigen Auftrag zum Abschluss. Die Karriereleiter erklimmt er mit Hilfe von Impulskontrolle und Selbstoptimierung. Auch dass er sich mit seiner Chefin Diana Dorn (Marion Mitterhammer) zum Hormonaus-gleich trifft, ist hilfreich. Siegessicher tritt er jeden Tag den Weg in die glitzernde Welt der Versicherungskomplexe an, vorbei an den öden Plattenbauten der Degradierten und vom System Ausgeschlossenen.
Versicherungsagent Johannes Dietrich (Simon Schwarz), Profil: Versager. Weil es ihm nicht gelingt, dem reichen Unternehmer Wladimir Sokulow (Daniel Olbrychski) eine Todesver-sicherung zu verkaufen, wird er degradiert, und Baumann muss seine Agenden über-nehmen. Doch trotz Baumanns Überzeugungskraft ist der potente Kunde schwer zu knacken: Sokulow denkt nicht daran, sich dem System zu unterwerfen. Um an ihn heran-zukommen, besorgt sich Baumann das Profil von Sokulows Tochter. Er findet sie als Sängerin in einem verrauchten Nachtclub fernab der glitzernden Finanzwelt: Lisa Sokulowa.
Die Rebellengruppe um Lisa und ihren Partner Gerhard (Marcus Signer) schmiedet den Plan, in die Geriatrie einzudringen, um diese langfristig lahm zu legen. Für den Zugang muss sich Lisa eine Identität „Level 3“ beschaffen, doch ihr Dealer Kessler (Stipe Erceg) treibt ein undurchsichtiges Spiel – hat er sie etwa bei ihrem letzten Coup verraten? Da kommt ihr der Versicherungsagent Baumann als neuer Kontakt gerade recht. Baumann, fest entschlossen, ihr schwieriges Verhältnis zum Vater auszunutzen, hat über ihr Profil herausgefunden, dass der Alte ohne ihr Wissen eine Todesversicherung für sie abgeschlossen hat.
Sie umkreisen und umgarnen sich, verfolgen ihre Ziele mit Körpereinsatz und beginnen ein Verhältnis, ein manipulatives Spiel. Doch Baumann ist von Lisas unbändigem Wesen zunehmend fasziniert. Denn bei ihr findet er etwas, das ihm aus der Konzernwelt gänzlich unbekannt ist: Wahrhaftigkeit. Eigentlich auf Lisa angesetzt, keimt in ihm der Verdacht, ob die Versicherungsagentur nicht auch mit ihm ein doppeltes Spiel treibt. Die Grenzen beginnen zu verschwimmen, wer für und wer gegen das System arbeitet, wer von außen, wer von innen.
Und über allem wacht aus der Ferne Diana Dorn, seine Vorgesetzte: Wird sich Baumann seinem Profil entsprechend verhalten?
Paul Ertl & Valentin Hitz



REGIE-STATEMENT

Nicht sterben dürfen.
Dieser Gedanke stand für mich am Anfang von STILLE RESERVEN. Als beunruhigender Gegenentwurf zu der unser Leben bestimmenden, nicht minder beunruhigenden Fest-stellung, sterben zu müssen. Wenn sterben zu dürfen ein Privileg wäre, was würde das für die Nichtprivilegierten bedeuten? Wie könnte eine Gesellschaft aussehen, in der das möglich ist, die das zulässt, sich darauf stützt, daraus sogar Profit schlägt?
Um diesen Fragen nachzugehen, hat sich eine Verlagerung der Geschichte in die Zukunft aufgedrängt. In die nahe Zukunft allerdings. Gegenwärtige Tendenzen konsequent weiter gedacht, auf die Spitze getrieben, im Detail umgedeutet.
Vor dem Hintergrund der Absicherung und der Verwirtschaftlichung aller Lebensbereiche bis in den Tod und darüber hinaus, in einer Gesellschaft, in der jeder einzelne finanziell für sich selber verantwortlich gemacht wird, trifft in STILLE RESERVEN Vincent Baumann, Agent für Todesversicherungen, auf die „Recht auf Tod“-Aktivistin Lisa Sokulowa.
Was sie zusammenführt, sind ihre jeweiligen Interessen. Er will sie benutzen, um sich wieder einzugliedern, seine unterbrochene Karriere fortzusetzen, sein beschädigtes Selbstbild wiederherzustellen. Sie hofft darauf, über ihn eine Befreiungsaktion einzuleiten, die das System empfindlich trifft und ihrer Forderung nach „Recht auf Tod“ entspricht.
Im Umkreisen und Bezirzen realisieren beide erst spät, dass sich in ihr manipulatives Spiel der vorgegaukelten Anziehung echte Gefühle eingeschlichen haben. Und für beide bedeutet dieser Kontrollverlust Gefahr. Vertrauen scheint unmöglich. Verrat allgegenwärtig.
Vincent Baumann muss sich entscheiden zwischen seiner bisherigen Überzeugung, seinen Werten, der Loyalität seinem Arbeitgeber und seinem Gewissen gegenüber, wenn er begreift, wofür diese, seine Welt steht. Lisa Sokulowa muss erkennen, dass auch ihre Welt nicht frei ist von Bereicherungstendenzen, Machtansprüchen und Grausamkeiten. Und dass der Zweck allein nicht alle Mittel heiligt. Doch im Gegensatz zu müden, desillusionierten Kämpfern in ihrem Umfeld, ist sie in der Lage, ihre Ideale zu leben, Verantwortung zu übernehmen. Und diese zu vermitteln. Das manifestiert sich auch in ihrem Tod. Insofern sehe ich den Schluss zwar als schmerzhaft, aber dennoch als Happy End. Die Würde überlebt.
Viele Fragen, die STILLE RESERVEN im Grenzbereich zwischen Leben und Tod aufwirft, können nicht beantwortet werden, sollen es auch nicht. Für Kontroversen und Debatten im unmittelbaren thematischen Umfeld können keine Lösungen präsentiert werden. Doch für mich gibt STILLE RESERVEN Anlass zur Beschäftigung mit diesen Fragen, auch zur Beschäftigung mit dem Leben, vom Ende her betrachtet sozusagen, eine Auseinander-setzung mit Lebens-Werten und Lebenswertem.
Valentin Hitz, 2016


BIOGRAFIEN

Valentin Hitz (Drehbuch & Regie)
Geboren 1969 in Stuttgart, aufgewachsen in Zürich. Regiestudium an der Film-akademie Wien.
Dozententätigkeit u. a. an der Bruckner Universität Linz, Abteilung Schauspiel.
Assistenztätigkeit u. a. bei Jessica Hausner (LOURDES, HOTEL), Shirin Neshat (WOMEN WITHOUT MEN), Barbara Albert (DIE LEBENDEN, NORDRAND, SLIDIN’), Titus Selge (TATORT), Mark Kidel (PETER SELLARS, ALFRED BRENDEL).
Filme und Clips für Theaterproduktionen sowie Video-Arbeiten und Installationen.
Filmografie (Regie / Auswahl):
2016 STILLE RESERVEN
2003 KALTFRONT
1998 RATRACE
Preise:
Silver Spire Award, San Francisco International Film Festival 1999
Certificate of Merit, Puchon Film Festival, Korea 1999
Special Mention, Viennale 1998

Clemens Schick (Vincent Baumann)
Geboren 1972 in Tübingen.
Studium an der Berliner Schule für Schauspiel (1993 – 1996).
Kino & TV (Auswahl):
2016 OVERDRIVE, Regie: Antonio Negret
2016 SOMMERNACHTSMORD, Regie: Harald Sicheritz, ORF
2015 TREFFEN SICH ZWEI, Regie: Ulrike von Ribbeck
THE LAKE, Regie: Steven Quale
STILLE RESERVEN, Regie: Valentin Hitz
2014 4 KÖNIGE, Regie: Theresa von Eltz
POINT BREAK, Regie: Ericson Core
2013 MANN IM SPAGAT – PACE, COWBOY, PACE, Regie: Timo Jacobs
DAS FINSTERE TAL, Regie: Andreas Prochaska
NACHTSCHICHT 12 – WIR SIND ALLE KEINE ENGEL,
Regie: Lars Becker, ZDF
DAS JERUSALEM-SYNDROM, Regie: Dror Zahavi, ARD
2012 BESSER ALS NIX, Regie: Ute Wieland
PRAIA DO FUTURO, Regie: Karim Aïnouz
THE GIRL FROM NAGASAKI, Regie: Michel Comte
ROSA ROTH – DER SCHUSS, Regie: Hannu Salonen, ZDF
2011 HOTEL DESIRE, Regie: Sergej Moya
THE CHILD, Regie: Zsolt Bács
DER FLUG DER STÖRCHE, Regie: Jan Kounen, ZDF
DIE JAGD NACH DEM BERNSTEINZIMMER, Regie: Florian
Baxmeyer, RTL
DAS ANDERE KIND (2 Teile), Regie: Urs Egger, ORF
2010 DU HAST ES VERSPROCHEN, Regie: Alex Schmidt
LARGO WINCH II, Regie: Jérôme Salle
MORD IN LUDWIGSLUST, Regie: Kai Wessel, ZDF
NACHTSCHICHT 10 – REISE IN DEN TOD, Regie: Lars Becker, ZDF
2009 CINDY LIEBT MICH NICHT, Regie: Hannah Schweier
TRANSIT, Regie: Philipp Leinemann
KILLERJAGD. TÖTE MICH, WENN DU KANNST, Regie: Manuel Flurin
Hendry, Pro7
2008 JEDEM DAS SEINE, Regie: Stefan Schaller
DAS GEHEIMNIS DER WALE, Regie: Philipp Kadelbach, ZDF
2007 MITTE 30, Regie: Stefan Krohmer, ARD
DAS WUNDER VON BERLIN, Regie: Roland Suso Richter, ZDF
UNSCHULDIG (12 Folgen), Regie: Philipp Kadelbach, Benjamin
Quabeck, Thomas Stiller, Pro7
2006 JAMES BOND 007 – CASINO ROYALE, Regie: Martin Campbell
2005 AUF DEM WEG, Regie: Finn-Ole Heinrich
TATORT – GEBROCHENE HERZEN, Regie: Jürgen Bretzinger, ARD
2002 DER WALD, Regie: Martin Semlitsch
2001 EIN ABEND FÜR DORA, Regie: Sören Senn
2000 ENEMY AT THE GATES, Regie: Jean-Jacques Annaud
1998 WHISKY SOUR, Regie: Uwe Janson, Sat.1
Theater (Auswahl):
2011 – 12 DIE NACHT KURZ VOR DEN WÄLDERN, Regie: Antonia Latella,
Berliner Festspiele
2009 IPHIGENIE, Regie: Karin Henkel, Schauspiel Köln
2007 – 09 WINDOWS, Regie: Elias Perrig, Schauspiel Hannover,
Staatsschauspiel Dresden, Sophiensäle Berlin, Afghanistan
2007 – 08 DER ZERBROCHENE KRUG, Regie: R. Sanchez, Schauspiel
Hannover
JEDERMANN, Regie: Christian Stückl, Salzburger Festspiele
2006 – 08 DREI SCHWESTERN, Regie: Falk Richter, Schaubühne Berlin
2005 DIE KATZE AUF DEM HEISSEN BLECHDACH, Regie: Christina
Paulhofer, Schauspiel Hannover
DON CARLOS, Regie: Wilfried Minks, Schauspiel Hannover
RICHARD III., Regie: Sebastian Baumgarten, Schauspiel Hannover
2004 PARZIFAL, Regie: Stefan Otteni, Schauspiel Hannover
WINDOWS, Regie: Elias Perrig, Schauspiel Hannover
WAS IHR WOLLT, Regie: Sebastian Nübling, Schauspiel Hannover
2003 MAMA MEDEA, Regie: Sebastian Nübling, Schauspiel Hannover
FÜNF GOLDRINGE, Regie: Christina Paulhofer, Schauspiel Hannover
2002 ADAM GEIST, Regie: Sandra Strunz, Schauspielhaus Erfurt
HEDDA GABLER, Regie: Sandra Strunz, Schauspielhaus Hamburg
DIE UNBEKANNTE AUS DER SEINE, Regie: Sandra Strunz,
Schauspiel Hannover
2001 HOWIE THE ROOKIE, Regie: Christiane Pohle, Schauspielhaus Zürich 2001 – 06 SANFT UND GRAUSAM, Regie: Christina Paulhofer, Schauspiel Köln 2000 KALKWERK, Regie: Sandra Strunz, Staatstheater Stuttgart
1999 ELEKTRA, Regie: Edith Clever, Schaubühne Berlin
SWEENEY AGONISTS, Regie: Thorsten Lensing, Sophiensaele Berlin
1998 FUCKING & SHOPPING, Regie: Jesse Web, Schauspielhaus Wien
ESKALATION ORDINÄR, Regie: Christian Stückl, Schauspielhaus
Wien

Lena Lauzemis (Lisa Sokulowa)
Geboren 1983 in Berlin.
Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin.
Clown-Workshop bei A. de Castro, Clown-Workshop bei P. Gonzales.
Kino & TV (Auswahl):
2016 THE MISSING II, Regie: Ben Chanan, BBC
2015 STILLE RESERVEN, Regie: Valentin Hitz
2014 M WIE MARTHA (Kurzfilm), Regie: Lena Knaus
HERBERT, Regie: Thomas Stuber
DEUTSCHLAND 83 (Miniserie), Regie: Edward Berger, RTL
2013 DAS ZIMMERMÄDCHEN LYNN, Regie: Ingo Haeb
2010 WER WENN NICHT WIR, Regie: Andres Veiel
2004 HITLERKANTATE, Regie: Jutta Brückner
2003 YUGOTRIP, Regie: Nadya Derado
TATORT – GEFÄHRLICHES SCHWEIGEN, Regie: Martin Eigler, ARD
2002 DIE MUTTER, Regie: Matti Geschonneck, ARD
2001 TATORT – GEWALTFIEBER, Regie: Martin Eigler, ARD
2000 HERZRASEN, Regie: Hanno Brühl, ARD
1999 DAS ALIBI, Regie: Christine Wiegand, ZDF
Theater (Auswahl):
2015 Münchner Kammerspiele
2014 Schauspielhaus Frankfurt
2013 Schauspiel Zürich
2006 – 2012 Münchner Kammerspiele
Auszeichnungen:
Hessischer Fernsehpreis 2011 für WER WENN NICHT WIR
Nominierung Deutscher Filmpreis 2011 für WER WENN NICHT WIR
Nachwuchsförderpreis 2009 des Fördervereins Münchner Kammerspiele

Marion Mitterhammer (Diana Dorn)
Geboren 1965 in Bruck an der Mur. Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. Erste Engagements am Theater (u.a. Salzburger Festspiele, Theater in der Josefstadt Wien und Hamburger Kammerspiele). Für das Fernsehen wurde sie 1992 von Regisseur Bernd Fischerauer entdeckt. 2013 Gründung der R O K O N S T R E E T Filmprdoduction.
Kino & TV (Auswahl): 2016 STILLE RESERVEN, Regie: Valentin Hitz 2014 TATORT – BLACKOUT, Regie: Patrick Winczewski, SWR DER LETZTE TANZ, Regie: Houchang Allahyari 2013 VANESSA, Produktion, Regie und Hauptrolle: Marion Mitterhammer VEDO L’ORE – I CAN’T WAIT (Kurzfilm), Regie: Marion Mitterhammer DAS TRAUMHOTEL – MYANMAR, Regie: Otto Retzer, ARD 2012 VERRÜCKT NACH PARIS, Regie: Pago Balke WIE MAN LEBEN SOLL, Regie: David Schalko AM HIMMEL DER TAG, Regie: Pola Beck WILSBERG – DIE BIELEFELD-VERSCHWÖRUNG, Regie: Hans- Günther Bücking, ZDF 2011 DIE VATERLOSEN, Regie: Marie Kreutzer 2008 LA FROTTIERE DE LʼAUBE, Regie: Philippe Garrel 2006 PINGPONG, Regie: Matthias Luthardt KLIMT, Regie: Raul Ruiz 2004 BÖSE ZELLEN, Regie: Barbara Albert BELLA BLOCK - Das Gegenteil von Liebe, Regie: Dagmar Hirtz, ZDF 2001 DAS TRAUMSCHIFF – MEXIKO, Regie: Michael Steinke, ZDF
Preise: Diagonale 2011: Spezialpreis für bemerkenswerten Auftritt in DIE VATERLOSEN

(Quelle: Verleih)
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 06.04.2017
DANCING BEETHOVEN
Ab 13. April 2017 im Kino
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Das weltberühmte Béjart-Ballett Lausanne tanzt Beethovens Neunte Symphonie.
In meisterhaft gestalteten Bildern wird uns die atemberaubende Entstehungsgeschichte eines der erfolgreichsten Tanzstücke des 21. Jahrhunderts präsentiert.

Eine Dokumentation von Arantxa Aguirre

„Alle Menschen werden Brüder“, heißt es in Schillers „Ode an die Freude“, die Ludwig van Beethoven in seiner berühmten 9. Symphonie vertonte.
In Maurice Béjarts Ballettfassung des großen Werkes wird diese Utopie zu getanzter Wirklichkeit. Zusammen mit dem Tokyo Ballet und dem Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta brachte das Béjart Ballet Lausanne 2015 eines der atemberaubendsten Tanzstücke des 20. Jahrhunderts auf die Bühne.
Neun Monate lang verfolgt der Film in rauschhaften Bildern die ebenso schweißtreibenden wie leidenschaftlichen Proben bis hin zur triumphalen Aufführung des Kunstwerkes. Wir sehen Tänzern, Choreografen, Musikern aus aller Welt vereint bei der Arbeit zu und lauschen ihren Ausführungen zu Beethovens Komposition, die den ewigen Kreislauf des Lebens und die Freude am Dasein feiert.
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