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Inhaltsverzeichnis
MORITZ DANIEL OPPENHEIM

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NANOUK

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LANDRAUSCHEN

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DURCH DIE WAND

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SWEET COUNTRY

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Utøya 22 Juli

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Donnerstag 18.10.2018
MORITZ DANIEL OPPENHEIM
Ab 25. Oktober 2018 im Kino
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Der weltweit erste abendfüllende Kinodokumentarfilm über den als "Maler der Rothschilds und Rothschild der Maler" in die Geschichte eingegangenen Moritz Daniel Oppenheim (*1800 in Hanau, gest. 1882 in Frankfurt/M.) schlägt auf zwei abwechselnden Erzählebenen Brücken vom Damals ins Heute.
Die junge Filmemacherin Isabel Gathof geht auf internationale Spurensuche nach Oppenheims Erbe und dokumentiert in eindrucksvollen Bildern das symbolische „Werden“ des Künstlers – verkörpert durch die Statue des Bildhauers Pascal Coupot, deren kreativer Entstehungsprozess vom ersten Golem-artigen Miniaturmodell bis hin zur überlebensgroßen Stahlskulptur von der Kamera begleitet wird. Eine ambitionierte Fusion aus elektronischer und klassischer Musik – die in Zusammenarbeit mit der Neuen Philharmonie Frankfurt entstand – setzt hier die passenden Akzente und bildet mit Reminiszenzen an das Werk Felix Mendelssohn-Bartholdys, einem Zeitgenossen Oppenheims, den Soundtrack zum Film.


Ein Film von Isabel Gathof

Seine Karriere begann im Ghetto von Hanau, von dem er schließlich als erster jüdischer Künstler mit akademischer Ausbildung zum „Maler der Rothschilds und Rothschild der Maler“ aufstieg:

Zum ersten Mal widmet sich ein Dokumentarfilm Moritz Daniel Oppenheim, der mit seinen jüdischen Genredarstellungen nicht nur erstmalig ein jüdisches Selbstbewusstsein in der Kunst etablierte, sondern einen aktiven Beitrag zum interkonfessionellen Dialog leistete – ein Thema, das gerade heute kaum aktueller sein könnte.

Als die Stadt Hanau bei Frankfurt/M. im Sommer 2015 ihrem wohl berühmtesten jüdischen Sohn mitten im Zentrum ein Denkmal setzt, nimmt die junge Filmemacherin Isabel Gathof dies zum Anlass, die Lebenslinie Oppenheims nachzuzeichnen und den Menschen hinter der Statue emotional erlebbar zu machen.

Wer war dieser außergewöhnliche Künstler, der Zeitgenossen wie Heinrich Heine, Johann Wolfgang von Goethe, Felix Mendelssohn-Batholdy und nicht zuletzt seine Mäzene aus der renommierten Bankiersfamilie Rothschild auf Leinwand bannte? Welche Rolle spielte sein Werk beim Kampf der Juden um rechtliche und soziale Gleichberechtigung in dem von Revolutionen geprägten Deutschland des 19. Jahrhunderts?

Moritz Daniel Oppenheim hat sich mit seinem Hauptwerk, den Darstellungen zum jüdischen Familienleben als einer der wichtigsten visuellen Chronisten eines bedeutenden Kapitels deutsch-jüdischer Geschichte – dem Zeitalter der Jüdischen Emanzipation – profiliert. Die liebevolle, detailgetreue Wiedergabe gelebter, jüdischer Rituale macht ihn bis heute nicht nur unter Kunsthistorikern und Judaisten zu einer wertvollen Quelle deutsch-jüdischer Kultur.

Heute in Vergessenheit geraten, erreichte Oppenheim zeitlebens bis in die 1930er Jahre ein weltweites Massenpublikum. Die Alben mit seinen Bildern erlangten bis in die USA Bestseller-Status und hielten Einzug in die Populärkultur.

Der Film geht auf internationale Spurensuche nach Menschen, Motiven und Museen, in denen das Erbe des Künstlers bis heute lebendig fortbesteht.

Auf zwei abwechselnden Erzählebenen wird der Zuschauer mit auf eine Reise genommen, die das sinnbildliche „Werden“ Moritz Daniel Oppenheims auf bislang noch nie da gewesene Art & Weise zeigt: zum einen zeichnen Interviews mit international renommierten Kunsthistorikern aus dem In- und Ausland sein Leben & Werk nach – Begegnungen mit direkten Nachfahren des Künstlers sowie von ihm Portraitierter schaffen zusätzlich einen sehr persönlichen Zugang zum Thema. Zum anderen dokumentieren imposante Bilder den kreativen Entstehungsprozess des von den Bildhauern Robert Schad und Pascal Coupot geschaffenen Oppenheim-Monuments – vom Golem-artigen Miniatur-Modell im Atelier in Frankreich, bis hin zum funkensprühenden, heißen Eisen in der Gießerei, in der das stählerne „Alter Ego“-Oppenheims wie Phönix aus der Asche steigt. Ein eigens auf die Filmbilder komponierter Soundtrack, der in Zusammenarbeit mit der Neuen Philharmonie Frankfurt entstand und in einer Fusion aus klassischer und elektronischer Musik in Reminiszenzen an das Werk Felix Mendelssohn-Bartholdys Brücken vom Damals ins Heute schlägt, runden das bildgewaltige Erlebnis ab.

So entsteht ein einzigartiges und sehr plastisches Portrait eines Künstlers, der seiner Identität in bewegten Zeiten stets treu geblieben ist. Ziel des Dokumentarfilmes ist es, Oppenheim dem Vergessen zu entreißen und ihm seinen angestammten Platz in der deutschen Künstlerlandschaft des 19. Jahrhunderts zurück zu geben.
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Donnerstag 11.10.2018
NANOUK
Ab 18. Oktober 2018 im Kino
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Jakutien beherbergt die Eiswüsten des sibirischen Nordens: ein unwirklicher, lebensfeindlicher Ort und gleichzeitig atemberaubend schön. Hier leben wie ihre indigenen Vorfahren Sedna und Nanouk, ein in die Jahre gekommenes Ehepaar. Ihre Jurte besteht aus Rentierfellen und sie versorgen sich mit Jagen und Fischen, in der Wildnis nur begleitet von ihrem Hund. Es ist ein schweigsamer und rauer Alltag, den beide ohne viele Worte verbringen. Und das Überleben wird schwieriger, denn die wenigen Tiere um sie herum verenden an einer mysteriösen Krankheit. Die immer früher einsetzende Schneeschmelze und Stürme bedrohen die schützende Behausung.
Ein Besuch unterbricht ihre Routine. Chena, ein junger Mann, ist die einzige Verbindung zur Zivilisation und zu Tochter Ága. Vor langer Zeit hat sie das traditionelle Le
ben und die Familie verlassen. Nanouk möchte seine Tochter noch einmal wiedersehen. Im Angesicht so vieler Entbehrungen macht er sich schließlich auf den Weg – von der Wildnis in die Stadt und zu Ága.
NANOUK ist ein zutiefst poetischer, intimer Film. Er erzählt in großen Bildern von einer unbeherrschten Welt, in der der Mensch oft klein erscheint, und doch geborgen ist in der Natur, die ihn umgibt. Regisseur Lazarov, der für sein Debüt in Venedig ausgezeichnet wurde, gelingt es, an einem entrückten und wunderschönen Ort eine Geschichte zu erzählen, die aktueller und globaler nicht sein könnte.

Ein Film von Milko Lazarov

Nanouk - Mikhail Aprosimov
Sedna - Feodosia Ivanova
Ága - Galina Tikhonova


DER REGISSEUR MILKO LAZAROV

Milko Lazarov wurde 1967 in Bulgarien geboren. Er studierte an der National Academy for Theatre and Film Arts (NAFTA) in Sofi a in der Klasse von Prof. Vladislav Ikonomov. Später war er selbst auch als Dozent am Film Department der NAFTA tätig. Sein Debütfi lm ALIENATION feierte Weltpremiere in der Offi  cial Selection der Venice Days.

Ausgewählte Filmographie
2018 NANOUK
2013 ALIENATION
2009 ONE HUNDRED YEARS OF SOLITUDE  (DOKUMENTARFILM)
2007 STEFAN STAMBOLOV (DOKUMENTARFILM)
2007 HRISTO BOTEV (DOKUMENTARFILM)


INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR

Wie und wann entstand die Idee für den Film?
Schon als kleiner Junge war ich fasziniert vom Nordpol und den Menschen im Norden. Wahrscheinlich ist das der Hauptgrund, warum ich mich so viele Jahre später für dieses Thema entschieden habe.

Was ist Ihre persönliche Verbindung zu dem Thema?
Ich bin neugierig, wie sich die moderne Welt auf kleine Gemeinschaften auswirkt. In verschiedenen Phasen unseres Lebens fühlen wir uns manchmal als Teil einer kleinen und verschwindenden Gemeinschaft.

Warum eine Geschichte, die am Polarkreis spielt?
Die Kombination aus dem Thema und dem Umfeld gibt einem den richtigen Blickwinkel, wenn man versucht, das substantielle Innenleben unserer Charaktere zu beobachten. Deshalb haben wir uns entschieden, eine Geschichte über isolierte Menschen zu erzählen.

Wie haben Sie zu diesem Thema recherchiert?
Durch Zufall traf ich einen der größten Denker, den ich je in meinem Leben kennengelernt habe – Professor Asen Balikci. Er ist einer der Väter der Visuellen Anthropologie. Die Gespräche mit ihm gaben mir ein neues Verständnis davon, wie verletzlich und ehrlich die Menschen im Norden sind.

Welche Filme oder andere Kunstwerke, Musik etc. haben Sie inspiriert?
Ich kann nur einige große Namen nennen, die mich im Laufe der Jahre inspiriert haben – Fjodor M. Dostojewski, Luchino Visconti, Gustav Mahler, Edward Hopper.

Wie würden Sie Ihre Hauptfi guren beschreiben? Was ist der globale Aspekt ihres Kampfes?
Ich sehe meine Figuren als die letzte Familie auf der Erde. Sie versuchen, diese Familie zusammenzuhalten.

Wie haben Sie Ihre Schauspieler gefunden?
Feodosia Ivanova ist eine Laiendarstellerin. Ich sah sie in einem Film, den ihr Nachbar gedreht hat, und war begeistert von ihrem Gesicht. Für die Figur von Nanouk haben wir ein Casting in Jakutsk durchgeführt und wir haben uns sehr leicht gefunden. Es war Liebe auf den ersten Blick mit beiden Darstellern.

Ökologische Fragen sind im zeitgenössischen Kino sehr präsent. Inwieweit passt Ihr Film in diese Welle des Geschichtenerzählens und wo wäre der Unterschied?
Die ökologische Frage ist in unserem Film präsent, aber auf eine sehr behutsame Art und Weise. Sie ist ein Teil des Lebens der Figuren, aber unser Hauptziel war es, die Beziehungen untereinander zu beobachten.

Die Figuren werden meist aus der Ferne dargestellt. Warum haben Sie sich dafür entschieden?
Wie ich bereits erwähnt habe, sind sie die verletzlichsten Menschen, die ich je getroffen habe. Deshalb erschien die Entfernung sehr natürlich. Ich versuchte, Teil ihres Lebens zu sein, aber gleichzeitig fühlte ich mich als Teil von etwas sehr Schönem und Zerbrechlichem.



LEBEN AM POLARKREIS

Arktis
Als Arktis wird allgemein die nördliche Polarregion bezeichnet. Sie wird oft über beispielsweise die Baumgrenze oder die Temperatur abgegrenzt. Früher wurde sie schlicht als „Region nördlich des Nordpolarkreises“ (66° 33‘ nördliche Breite) festgelegt. Schnee und Eis bedecken im Zentrum der Arktis ganzjährig einen großen Teil der Land- und Meeresoberfl äche, während in den südlicheren Arktisgebieten größere Oberfl ächenbereiche im Sommer abtauen und deshalb lebensfreundlicher sind.

Diamantmine
1955 wurden in Jakutien das größte Diamantvorkommen Russlands entdeckt, das seit 1982 im Tagebau ausgebeutet wird. Mit einer Tiefe von 530 m gehört diese Mine namens Udatschnaja zu den tiefsten Tagebauen der Welt.

Ewenken
Nanouk und seine Familie gehören dem Volk der Ewenken an, einer kleinen indigenen Minderheit in der Republik Sacha (Jakutien). Wie es auch bei den Inuit Nordamerikas der Fall ist, leben einige von ihnen noch als Nomaden von der Jagd, auch wenn immer mehr sesshaft werden und die alte Lebensweise aufgeben. Damit gehen auch die Traditionen und das Wissen verloren, das dieses Leben erst ermöglichte.

Jakutien
Jakutien (offi  ziell: Republik Sacha) ist eine Republik im Nordosten der Russischen Föderation, sie nimmt einen Großteil dessen ein, was in Europa als Ostsibirien bezeichnet wird. Die Fläche der Republik Sacha ist etwa so groß wie das Festland der Europäischen Union, sie hat aber weniger als eine Million Einwohner. Der größte Teil der Republik gehört zum Einzugsbereich des Flusses Lena, einem der längsten Flüsse der Erde. Das gesamte Territorium hat Permafrostboden. Sacha ist reich an Bodenschätzen wie Edelmetallen, Erdgas, Kohle und Diamanten.

Maultrommel
Die Maultrommel ist ein kleines Musikinstrument, dessen Tonerzeugungsprinzip bereits sehr lange auf der ganzen Welt verbreitet ist. Eine mit den Fingern bewegte elastische Zunge schwingt in die Mundhöhle des Spielers. Der dabei erzeugte Ton wird durch Änderung der Größe der Mundhöhle und durch die Atmung klanglich verändert, vor allem die Obertöne können als Melodie wahrgenommen werden. Ihren Ursprung hat sie wahrscheinlich in Asien.

Nomaden
Als Nomaden werden im engeren Sinn Menschen bezeichnet, die aus ökonomischen Gründen eine nicht-sesshafte Lebensweise führen. Meistens leben Nomaden in extremen Klimaverhältnissen und folgen Tierherden oder hüten ihre eigenen Tiere.

Permafrostboden
Permafrostböden sind durchgehend gefrorene Böden. Daher wird er auch Dauerfrostboden genannt. Er setzt sich aus Gestein, Eis, Luft und Pflanzenresten zusammen und findet sich sowohl in den Gletschergebieten der Alpen als auch in den Regionen rund um den Nord- und Südpol in Zonen mit arktischen und antarktischen Tundren wie Kanada, Alaska und Russland. Aktuell ist ein Rückgang des Permafrostbodens zu beobachten. Der Klimawandel und die globale Erwärmung führen dazu, dass er immer weiter auftaut. Dies ist eine doppelt bedrohliche Entwicklung, denn im Permafrostboden sind auch große Mengen der Treibhausgase Methan und Kohlendioxid gespeichert. Ein Auftauen der Böden führt demnach zu einem weiteren Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre, wodurch wiederum die globale Erwärmung beschleunigt wird.

Rentiere
Rentiere gehören zur Familie der Hirsche. Sie leben im Sommer in den Tundren und im Winter in der Taiga Nordeurasiens und Nordamerikas sowie auf Grönland und anderen arktischen Inseln. Es ist die einzige Hirschart, die domestiziert wurde. Schon auf Höhlenzeichnungen der Steinzeit findet man sie häufig dargestellt. Bis heute werden Rentiere in vielen Teilen der Welt wegen ihres Fleisches und Fells gehalten und gejagt. Der Beginn der Nutzbarmachung der Rentierherden durch Hirten liegt etwa 5000 Jahre zurück und fand zuerst in Sibirien statt.

Schlittenhunde
Als Schlittenhund bezeichnet man jeden Hund, der vor einen Hundeschlitten gespannt wird, um diesen zu ziehen. Schlittenhunde müssen ausdauernd und gegen Kälte resistent sein. Wo und wann Hunde erstmals als Zugtiere für Schlitten eingesetzt wurden, ist unbekannt. Vermutet wird jedoch, dass dies im nördlichen Sibirien, dessen indigene Völker auf eine lange Tradition winterlichen Nomadentums zurückblicken, erfolgte.

Taiga
Taiga, auch Borealer Nadelwald genannt, ist ein aus dem Russischen stammender Begriff und bezeichnet eine Vegetationszone mit einem charakteristischen Landschaftstyp. Sie ist die nördlichste Waldformation der Erde und kommt ausnahmslos auf der Nordhalbkugel vor. Charakteristisch für die verschiedenen Formen der borealen Wälder sind relativ gleichförmige Nadelwaldgebiete, nur Nadelbäume halten der extremen Kälte (bis zu -50° C) stand. Die Taiga reicht in ihrer maximalen Ausdehnung etwa von 71° nördlicher Breite bis 42°. Im Norden geht sie in Waldtundra und dann Tundra über.

Tundra
Tundra, auch Kältesteppe genannt, ist ebenfalls ein aus dem Russischen stammender Begriff. Charakteristisch für die verschiedenen Formen der Tundra ist eine offene, baumfreie Landschaft, meistens über Permafrostböden, die je nach Untertyp von Flechten, Moosen, Gräsern und sommergrünen Zwergsträuchern dominiert wird. Die nördliche (arktische) Vegetationszone der Tundra reicht jenseits der polaren Waldgrenze in ihrer maximalen Ausdehnung etwa von 80° nördlicher Breite bis 55°.
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Donnerstag 04.10.2018
LANDRAUSCHEN
Seit 19. Juli in ausgewählten Kinos (in Gröbenzell am Sonntag 28.10. um 11.00 Uhr)
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Nach Jahren des wilden Lebens, mit Ende 20, zwei Hochschulabschlüssen, aber ohne Geld und erfüllendem Job, befindet sich Toni in einer Sinnkrise. Eine Erbschaftsangelegenheit dient als willkommener Grund, ihr kosmopolitisches Leben zu verlassen und wieder in ihr Heimatdorf zu fliehen, dessen Enge sie ursprünglich hinter sich lassen wollte. Doch dieser Neuanfang geht gründlich schief. Als Praktikantin für den Heimatteil einer Lokalzeitung fühlt sie sich weit unter Wert verkauft und zu Hause nehmen ihr die übergriffigen Eltern jede Luft zu atmen.
Zum Glück trifft sie auf die lebenslustige Rosa. Mit ihr sieht die Welt der Heimat auf einmal anders aus. Bei wilden Mopedfahrten und nächtlichen Streifzügen fühlt sich Toni wieder lebendig. Doch die Beziehung wird immer explosiver, je mehr Rosa sich zu der schönen Toni hingezogen fühlt, die sich nur um sich selbst zu drehen scheint. Der Film umreißt die Identitätsfindung zweier Frauen in einem Dorf, das sich selbst mit einer immer komplexer werdenden Welt konfrontiert sieht.

Regie und Drehbuch: Lisa Miller

★ Gewinner Max Ophüls Festival
(Bester Spielfilm, Bestes Drehbuch, Preis der Ökumenischen Jury)
★ Queergestreift Konstanz (Gewinner Publikumspreis)
★ ARC Festival Mainz (Gewinner Best Feature)


Portrait eines deutschen Mikrokosmos

Mit LANDRAUSCHEN widmet sich Lisa Miller nach der Mockumentary „Tschernobyl, Fukushima, Gundremmingen” wieder ihrer Heimatregion Bayerisch-Schwaben. Ein Gebiet, das stolz ist auf seine Traditionen und seinen Dialekt, aber auch ein Grenzgebiet mit einem teils schizophrenen Charakter. Auf der einen Seite grenzt man sich rigoros von Baden-Württemberg ab und ist stolz darauf in Bayern zu sein. Zum anderen betrachtet man sich klar als Schwaben mit schwäbischem Dialekt und Spätzle als Nationalgericht. Es mischen sich traditionelle Volksmusik, Tracht und Trinkkultur à la Oktoberfest mit schwäbischer „Schaffa, schaffa, Häusla baua“-Mentalität. Dennoch wird man weder von bayerischer noch württembergischer Seite als dazugehörig akzeptiert.
Dieses einzigartige Lokalkolorit fängt LANDRAUSCHEN authentisch und mit Liebe zum Detail ein. Ziel ist es, den Spagat zwischen Heimat- und Arthouse-Film zu schaffen. Ohne zu simplifizieren zeigt dieser Film mit Authentizität menschliche Urtypen, wie man sie nur im ländlichen Raum findet und zeichnet so das Porträt eines deutschen Mikrokosmos.
Dieser steht exemplarisch für das Europa der heutigen Zeit. Der Film stellt dar, wie trotz des Widerstands der Bevölkerung, die Wirrungen der komplexen und modernen Welt vor dem kleinen Idyll nicht halt machen. Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Die Welt ist bunt, und das spürt man so langsam auch auf dem Lande - gleichzeitig sehnt man sich nach heimatlicher Verwurzelung. Die tiefe Angst vor Identitätsverlust greift um sich, denn das Leben wird immer komplizierter. Nur Bier verspricht Abhilfe. In diese Welt kehrt Toni zurück und trifft auf Rosa. Zwei Frauen und ein Dorf auf der Suche nach ihrer Identität.


Ein Film in schwäbischer Mundart

LANDRAUSCHEN will einen neuen Heimatfilm schaffen. Mit einer Mischung aus dokumentarischen Aufnahmen und der Arbeit mit Laiendarsteller*innen, die in ihrer eigenen Mundart sprechen, wird die authentische Atmosphäre eines realen Dorfes in einer fiktiven Geschichte neu erdacht und die tiefen Identitätskonflikte darin aufgedeckt.
Statt eines in den Dialogen im Detail ausformulierten Drehbuchs, wird ein Drehbuchkonzept verwendet. Dieses soll die Schauspieler*innen zu einem freien Spiel animieren und Raum für eigene Improvisation lassen. Anstatt der Dominanz eines perfekten deutschen Sprachgebrauchs feiern wir die Vielfalt in Dialekt und Akzent. Wir suchen die Darstellung echter Sprache in all ihren Schattierungen.
Den Rahmen bildet eine Geschichte, in der sich traditionelle Erzählmuster und Charaktere des Bauerntheaters oder des klassischen Heimatfilms wiederfinden. Diese werden durch subversive Machart und Erzählweise unterwandert. Neben der Mundart dient auch die organische Kameraführung als Stilmittel, die es dem Zuschauer ermöglicht nicht auf einen Standpunkt fixiert mit den Schauspieler*innen mitzugehen.


DARSTELLER


Kathi Wolf - Toni
Die ausgebildete Schauspielerin und Psychologiestudentin Kathi Wolf hat ein Faible für Satire. Ihre ganz besondere Fähigkeit ist, neben dem naturalistischen Spiel als Kabarettistin, Charaktere karikaturistisch zu überzeichnen. So füllt sie den Charakter der Toni perfekt mit einer Mischung aus Drama und Humor aus. Eine stolze und starke Person, die sich jedoch selbst im Weg steht, obwohl sie – exemplarisch für die Generation Y – scheinbar alle Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung hat.
Neben ihrer Tätigkeit als Schauspielerin tourt sie mit ihrem Kabarettprogramm „Kathis- trophe“ durch die Republik.


Ein Gespräch mit Kathi Wolf

Was hat Dich an der Darstellung der Toni gereizt?
Toni macht eine Entwicklung durch, die aus meiner persönlichen Sicht nicht unbedingt positiv, für mich als Schauspielerin aber umso spannender und interessanter ist. Besonders gefallen haben mir als Kabarettistin natürlich die komischen und satirischen Szenen.

Hat die Toni persönliche Anteile? Konntest Du eigene Erfahrungen einbringen?
Toni hat einige Anteile von Lisa und mir. Wir haben uns früh für unseren Weg als Freischaffende entschieden, kennen das Straucheln, Scheitern und Aufstehen genauso gut wie Toni.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Laiendarsteller*innen?
Die Zusammenarbeit war super, wir haben versucht das Spiel authentisch und natürlich zu halten, was vor allem durch den Heimatdialekt erleichtert wurde. Ich war Schauspielcoach am Set, hatte bei all den Naturtalenten aber relativ wenig zu tun ;)

Warst Du an der Entwicklung der Geschichte beteiligt?
Das Drehbuch kam komplett aus Lisas Feder und ich war von Anfang an begeistert.

Wie stehst Du zur Land-Stadt-Problematik?
Ich persönlich liebe das Land, es zieht mich immer wieder raus. Und LANDRAUSCHEN hat mich sogar noch weiter darin bestätigt.

Bist Du auch noch - außer als Schauspielerin - in den Film involviert?
Ja, ich bin Teil des Produktionsteams (Marketing, Social Media) und durfte am Set als Schauspielcoach und wenns mal eng wurde auch als Regieassistentin tätig sein.



Nadine Sauter - Rosa

Nadine Sauter bildet das perfekte Gegenbild zu Kathi Wolf. Die gelernte Heilerziehungspflegerin tritt regelmäßig in Amateurtheatern der Region auf und kennt sich daher hervorragend mit dem traditionellen Bauerntheater aus. Mit ihrer subtilen Art zu spielen zeigt sie sich als ein Naturtalent des Schauspiels.
Nadine stammt selbst aus Bubenhausen und war vor 10 Jahren die Erste, die sich im Dorf geoutet hat. Im Gegensatz zu der energischen Toni, spielt Nadine eine bodenständige Frau, welche mit ihrem Humor die oft allzu kompliziert denkende Toni entlarvt und auf neue Gedanken bringt. Ihre Herausforderung ist es, sich mit dem Dorf auseinanderzusetzen und ihre Frau zu stehen.


Ein Gespräch mit Nadine Sauter

Wie kamst Du zum Projekt LANDRAUSCHEN? Hast Du vorher schon geschauspielert?
Auf das Projekt LANDRAUSCHEN kam ich, da Kathi Wolf ein Casting Video gedreht hat. Es sollte um lesbische Liebe in einem Dorf gehen. Quasi eine Schlussmach-Szene. Die Protagonistin (Kathi) konnte bedingt durch das Dorf und dem Druck von außen zu dem anderen Mädchen nicht stehen (von mir gespielt). Kathi hatte dabei an mich gedacht. Wir haben schon früher zusammen Theater gespielt. Lisa meinte, es sei dabei ne wahnsinnige Energie rüber gekommen. Sie war dann in Chile und hat darauf das Drehbuch aufgebaut.

Wieviel von Dir steckt in der Rosa?
Lisa hat viel von meiner Vergangenheit mit eingebaut. Erfahrungen, die ich gemacht hab als Homosexuelle und dem Dorf. Die christliche Familie und mein Coming out etc. Ich würde sagen, Rosa ist mir nicht ganz unähnlich. Aber in vielen Dingen würde ich ganz anders reagieren, mich anders verhalten. Ich bin viel emotionaler und offener zum Beispiel. So ne lange Phase des "nicht miteinander Redens" wäre bei mir nie vorgekommen. Und so frech und wild bin ich auch nicht.Ich würd sagen 50 % bin ich Rosa. Meine Lache ist genau gleich. Und ich habe meine natürlichen Emotionen mit eingebaut: Trauer, Freude, Angst, Wut etc. Ich hab immer versucht Rosa zu spüren. Ich besitze bedingt durch meine Arbeit sehr viel Empathie. Deswegen ist es mir nicht schwer gefallen.

Warst Du an der Entwicklung der Geschichte beteiligt?
Nein beteiligt nicht. Aber Lisa hat, wie gesagt, einen Teil von meinem Leben mit eingebaut.

Wie siehst Du das Landleben? Ist Heimat für Dich wichtig?
Heimat ist für mich dort, wo ich mich wohl fühle, wo mein Herz Zuhause ist. Der Ort ist mir dabei egal.
Ich könnte mir nicht vorstellen in der Stadt zu wohnen.

Hat sich durch den Film etwas an Deiner Wahrnehmung oder sogar an Deinem Alltag geändert?
Verändert hat sich eigentlich nicht viel. Ich geh noch normal arbeiten, aber spiel halt jetzt in einem Film mit.
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Donnerstag 27.09.2018
DURCH DIE WAND
Ab 04. Oktober 2018 im Kino
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Spitzenkletterer Tommy Caldwell hat seine eigene Methode Rückschläge zu überwinden, als er als Erster die 1000 Meter hohe, senkrechte Felswand Dawn Wall im Yosemite Nationalpark in den USA zu erklimmen versucht.

Ein Film von JOSH LOWELL und PETER MORTIMER


Pressenotiz

Die atemberaubende Dokumentation zeigt die waghalsige Erstbesteigung der Dawn Wall, die weltweites Medieninteresse hervorgerufen hat. Von der Kamera begleitet leben Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson 19 Tage lang an der Felswand. Um den über knapp 1000 Meter hohen Felsen zu bezwingen, schlafen, essen und klettern sie dabei stets über einem hunderte Meter tiefen Abgrund.
Regie führten die erfahrenen Bergfilmer Josh Lowell und Peter Mortimer, die Bildgestaltung übernahm Brett Lowell. Der Film wurde produziert von Red Bull Media House (Philipp Manderla) zusammen mit Sender Films (Josh Lowell, Peter Mortimer).


Inhalt

Die Kamera kreist um den knapp 1000 Meter hohen Monolith El Capitan im kalifornischen Yosemite-Nationalpark. Mitten an einer seiner glattesten, senkrecht aufragenden Felswand hängen zwei Portalegdes (eine an der Felswand befestigte Plattform, auf der die Kletterer leben). Auf atemberaubenden 400 Metern Höhe befindet sich das Basislager der Kletterer Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson. Sie telefonieren gerade mit John Branch, einem Reporter der New York Times. Die beiden jungen Männer leben und klettern seit neun Tagen in dieser Wand. Es ist die Dawn Wall, die schwerste Mehrseil- längenroute der Welt. Tommy und Kevin wollen sie im Freikletterstil bezwingen – was bisher noch niemand geschafft hat.
DURCH DIE WAND erzählt vom Leben der Kletterikone Tommy Caldwell. Durch seinen Vater Mike Caldwell wächst er in den Bergen auf: Jeden Sommer fährt er mit Tommy in den Yosemite-Park zum Klettern. Als 16-Jähriger ist Tommy bereits unschlagbar: Auf einem Video von Juli 1995 sieht man Tommy bei seinem ersten Wettbewerb in Snowbird, Utah. Gestartet in der Amateur Liga, klettert er Routen, die selbst den Profis schwerfallen.
Er gewinnt das Turnier und darf am darauffolgenden Tag im Profi-Wettbewerb antreten, den er ebenso gewinnt. Von einem auf den anderen Tag wird Tommy vom Amateur zum Profi Sportler.
Er perfektioniert sein Können in jeder freien Minute, und stellt den Sport über alles, was Jugendliche sonst beschäftigt. Das ändert sich, als er Beth Rodden kennenlernt, die so klettert, als wäre sie eine weibliche Version seiner selbst. Die beiden verlieben sich, klettern zusammen und liegen zusammen in Portaledges.
Im Jahr 2000 werden sie zu einer Expedition nach Kirgisistan eingeladen. Gemeinsam mit einem weiteren Kletterer und dem Fotografen John Dickey fahren sie ins Kara Su Tal in Zentralasien. Was als großes Abenteuer geplant war, entwickelt sich zum Albtraum: Die vier Amerikaner werden von Rebellen gefangengenommen. Als Geiseln der „Islamischen Bewegung Usbekistan“ führen die Rebellen sie nachts durch die Berge und tagsüber müssen sie in Verstecken ausharren. Sie wissen nicht, was die Geiselnehmer mit ihnen vorhaben und ob sie lebend aus der Gefangenschaft kommen. Nach sechs Tagen sind sie mit nur einem Bewacher allein und wittern eine Chance sich zu befreien. Tommy stößt den Mann über den Rand einer Steilwand und es gelingt ihnen die Flucht zu einer Militärbasis, von wo sie zurück nach Amerika geflogen werden.
Im Jahr 2001 renovieren Tommy und Beth ihr Haus, doch Tommy kommt mit der linken Hand in die Kreissäge und verliert seinen Zeigefinger. Als Profi-Kletterer normalerweise das Ende einer Karriere, Tommy jedoch gibt nicht klein bei und wird dadurch nur stärker als zuvor und holt sich kurz darauf den Titel als „Bester Bigwall-Climber aller Zeiten“. Er klettert alle Routen zum Gipfel des El Capitan, Beth ist immer mit an seiner Seite.
2003 heiraten die beiden, aber die Beziehung ist nicht von langer Dauer. Als ihre Ehe scheitert, flüchtet sich Tommy in die Berge, um seinen Schmerz und seine Einsamkeit zu überwinden. In der Dawn Wall findet er eine Herausforderung, die ihn von der Scheidung ablenken kann. Nach mehreren Versuchen eine kletterbare Route zu finden, stellt er fest, dass er dieses Vorhaben nicht alleine schaffen wird. Er braucht einen Partner.
Wie Kevin Jorgeson dann zu Tommy stößt, erzählt der legendäre Kletterer John Long: Kevin kommt aus Santa Rosa und fängt in einer Kletterhalle an zu bouldern. Im Jahr 2008 gehört er in dieser Sportart zwar zu den Besten der Welt – aber beim Bouldern beschränkt man sich auf eine Höhe von circa zehn Metern. Nicht zu vergleichen mit der kilometerhohen Dawn Wall.
Kevin hört von dem einzigartigem Projekt und nimmt Kontakt mit Tommy auf. Zu seinem Erstaunen entgegnet Tommy: „Triff mich im Oktober im Yosemite Valley.“ Kevin begleitet Tommy und lernt alles über das „Big Wall“-Klettern: Aufsteigen über hunderten Meter Abgrund, ins Seil fallen, in einem Portalege in der Wand übernachten, weiter aufsteigen. Über die Jahre treffen sich die beiden immer am El Capitan – egal ob bei Schnee, Regen, mit Fußverletzungen oder kaputten Rippen – bis sie bereit sind für den großen Versuch.
Nach sechs Jahren Bemühungen, eine Route zu finden und Klettergriffe auszuprobieren nehmen sie im Dezember 2014 die Dawn Wall in Angriff. Den Namen hat die Wand des El Capitans bekommen, weil sie morgens als Erste von der Sonne angestrahlt wird. Die Route, die Tommy und Kevin für ihre Besteigung gefunden haben, hat 32 Pitches. Ein Pitch entspricht einer Seillänge, das sind etwa 45 Meter. Die beiden sichern sich gegenseitig, ein Seil hält sie im Falle eines Absturzes, sonst gibt es beim Freiklettern keine weiteren Hilfsmittel. Tommy und Kevin starten bei Pitch 1 und klettern am ersten Tag bis sie Pitch 7 hinter sich haben.
Seit acht Tagen befinden sich Tommy und Kevin in der Dawn Wall, sie sind bei Pitch 15 angelangt. Das ist der schwerste Teil des Aufstiegs.
Tommy schafft es, die Traverse zu queren, aber Kevin fällt bei seinen Versuchen stets ins Seil. Die beiden kehren zurück in ihr Basislager auf ca 400 Metern Höhe, um sich auszuruhen und auf den nächsten Tag vorzubereiten. In den Folgetagen interviewt der Journalist John Branch Tommy am Telefon und bringt die Geschichte der Jungs auf der Titelseite der New York Times. Der Artikel bringt den Kletterern die volle Aufmerksamkeit der Medien, die sich in Scharen am Fuße der Dawn Wall versammeln. Journalisten aus aller Welt beobachten den Aufstieg, doch Kevin hat immer noch Probleme die Traverse zu überqueren. Er bleibt an Pitch 15 hängen, während Tommy sich entscheidet, weiter nach oben zu klettern und sich durch Pitch 16 arbeitet.
Die Wand lässt sich nicht schnell bezwingen und Kevin muss warten, dass seine Finger heilen. Am 12. Tag startet er einen neuen Versuch – und scheitert wieder. Die Struktur der Wand ist für jeden Kletterer fordernd und Kevin muss sich ausruhen, bis seine Finger wieder Hornhaut aufgebaut haben, um die Scheckkarten-großen Griffe halten zu können. Er beschließt Tommy zu sichern und ihm zum Aufstieg der weiteren Seillängen zu helfen.
Als Tommy an einem weiteren Höhepunkt der Route ankommt, die den Abschluss des schwierigen Teils der Kletterei bildet, realisiert Tommy, dass er den Erfolg mit seinem langjährigen Partner teilen möchte, und zwar nicht nur als jemanden, der ihn unterstützt. Er entscheidet sich, mit der weiteren Besteigung der Dawn Wall auf Kevin zu warten, und ihn voll und ganz zu unterstützen - ganz egal wie lange Kevin für Pitch 15 braucht.
Die beiden Profi-Sportler beschließen, noch einmal zwei Ruhetage einzulegen. Tommy denkt an Rebecca Pietsch, mit der er inzwischen verheiratet ist. Seit 2013 haben sie einen gemeinsamen Sohn - der Kummer über die Scheidung von Beth ist für Tommy lange vorbei. Am 16. Tag beginnt Kevin erneut mit Pitch 15 und nach etlichen Versuchen unter den Augen der Öffentlichkeit und Medien schafft er es! Von da an klettern die beiden Freunde wieder gemeinsam. Knapp unter dem Gipfel schlagen sie noch einmal ein Lager auf, um eine letzte Nacht am El Capitan zu verbringen bevor sie am Gipfel von Medien, Freunden und ihren Familien empfangen werden.


INTERVIEW TOMMY CALDWELL

Tommy, wie kam es zur Idee die Dawn Wall zu klettern?
Ich klettere inzwischen seit 25 Jahren am El Capitan. In der Zeit bin ich alle existierenden Routen x-mal geklettert. Ich bin durch jeden Spalt, jeden Riss geklettert. Irgendwann kam der Moment, in dem ich mich gefragt habe, wie viel für mich da oben noch möglich wäre. Und weil ich so viel Erfahrung mit diesem Berg hatte, war ich wahrscheinlich der einzige Mensch, der beurteilen konnte, dass die spiegelglatte Struktur der Dawn Wall, die für jeden anderen unbezwingbar aussah, vielleicht doch geklettert werden könnte. Also fing ich an, nach einer Route zu suchen. Dann kam Kevin dazu und schloss sich dem Vorhaben an.

Was hat dich über so viele Jahre hinweg angetrieben?
Am Anfang war es nur eine Wunschvorstellung herauszufinden, ob man an dieser Wand überhaupt klettern kann. Dann musste ich durch eine Scheidung, und der Gedanke an die Dawn Wall half mir, den Verlust und Schmerz besser zu verkraften. Das führte im Anschluss wieder zu der Idee, dass an dieser Wand womöglich mehr machbar wäre, als man denkt. Es gibt zu Beginn des Films eine Sequenz über Kirgisistan – ich wurde dort von militanten Islamisten entführt. Während dieser Entführung bewältigte ich Situationen, die ich mir bis dahin niemals zugetraut hätte. Dadurch wurde mir auch klar, dass wir Menschen viel mehr können, als wir glauben. Jedenfalls mehr, als im normalen Alltag von uns abverlangt wird. Seitdem war ich neugierig, was ich noch alles kann und die Dawn Wall feuerte diese Neugier noch weiter an.

Kannst du uns beschreiben, wie ein Tag in der Wand aussieht – vom Aufstehen bis zum Schlafengehen?
Normalerweise geht Big-Wall-Klettern so: Man steht in der Morgendämmerung auf und klettert den ganzen Tag, bis es wieder dunkel wird. Die Dawn Wall ist da völlig anders: Um dort zu klettern, brauchst du die besten Bedingungen, und das bedeutete: Kälte. Wenn es heiß ist, sind die Fingerspitzen weich und gehen leichter kaputt, auch der Gummi an den Schuhen reibt viel schneller ab. Also mussten wir warten, bis es kühl genug war, was oft dazu führte, dass wir erst nachts klettern konnten. Unser Tagesablauf war also ziemlich seltsam. Wir wachten mit der Sonne auf – es gibt an der Wand keinen Schatten, und in der knallenden Sonne kann man unmöglich schlafen – somit waren wir wach und lungerten den ganzen Tag im Portaledge herum, bis die Sonne nicht mehr auf die Wand schien. Das war gegen 17 Uhr, von da an kletterten wir bis 1 Uhr nachts, die meiste Zeit mit Stirnlampe. Aber es war eine gute Kombination: Tagsüber konnten wir den beeindruckenden Ort genießen, an dem wir uns aufhielten, uns unterhalten und herumblödeln. Am Abend wurde es dann ernst und wir verbrachten etliche Stunden in voller Konzentration.

Wie wichtig ist ein Kletterpartner bei einem langjährigen Projekt, wie die Dawn Wall?
Zu zweit hat man viel mehr Energie als allein! Egal was man macht, es ist in jedem Fall wichtig, einen guten Partner zu haben. Mit Kevin kann man sich auf Abenteuer einlassen, aber man kann mit ihm auch ein Unternehmen zu Ende bringen. Außerdem wollen wir uns manchmal gegenseitig übertrumpfen, und dann strengen wir uns gleich ganz anders an.

Wie haben dich Familie und Freunde über die Jahre hinweg unterstützt?
Meine Eltern haben mich schon immer unterstützt, sie kamen oft in den Yosemite-Nationalpark und sahen mir beim Klettern zu. Manchmal stiegen sie mit auf und sicherten mich. Dann waren da all die Leute – von Freunden bis Zaungästen, die sich hin und wieder am Fuß der Wand versammelte, um Kevin und mich anzufeuern. Es war recht interessant: Da gab es Leute, die uns unterstützten, weil sie wussten, was uns das Klettern bedeutete. Ob unser Dawn Wall Projekt jemals ein Erfolg werden würde, war ihnen dabei egal. Aber es gab auch die, die dachten, wir wären ziemliche Idioten, weil wir Jahre mit einer Sache verschwendeten, die wahrscheinlich doch nie klappen würde. Den Mut gaben uns natürlich die anderen, und die Familie und Freunde.

Das Ereignis rief ein riesiges Medienecho hervor. Wie fühlte es sich an, ständig gefilmt zu werden? Wie war es, von der ganzen Welt beobachtet zu werden, während man gerade die schwierigste Route seines Lebens macht?
Dieser Medienzirkus gehörte zu den absurdesten Dingen, die ich je erlebt habe. Ich fühlte mich noch nie besonders wohl, wenn ich in der Öffentlichkeit stand, und auf einmal stand ich es mehr als je zuvor. Das war in einer Hinsicht ganz cool, weil es unsere Besessenheit rechtfertigte – wir dachten, jetzt kriegen wir den Respekt für all die Jahre, die wir mit unseren Versuchen an der Dawn Wall verbracht haben. Trotzdem gab es eben auch Zuschauer, die uns für verrückt erklärten. Andererseits haben wir eine Menge Leute inspiriert, das hat mir schon große Freude gemacht. Insgesamt war es aber eigenartig, sich auf jedem Sender der USA selber zu sehen, und zudem noch auf etlichen anderen weltweit.

Wie hast du erfahren, dass der Entführer in Kirgisistan noch am Leben war?
Wir konnten damals aus der Geiselnahme fliehen, weil ich unseren Entführer über eine Felswand hinunterstieß. Danach liefen wir davon und fanden einen Militärposten, der uns weiterhalf und versorgte. Zurück zuhause war ich überzeugt, ich hätte den Rebellen umgebracht. Ungefähr drei Monate später fand ein Journalist heraus, dass der Mann überlebt hatte. Das kirgisische Militär hatte ihn gefunden und eingesperrt. Nachdem man mir erzählte, dass er am Leben war, habe ich es zuerst nicht geglaubt. Aber die Information wurde bewiesen, was mich sehr erleichterte. Der Gedanke, dass ich jemanden getötet hatte, war mir schrecklich nahegegangen. Was mich bei der Sache am meisten erschreckt hatte, war die Erkenntnis, dass ich dazu fähig war, jemanden zu töten. Klar kann man denken, der gehörte zu den kirgisischen Rebellen, der war mein Feind, aber ich habe die Rebellen damals durchaus als Opfer ihrer Umstände gesehen. Ich meine, wer weiß: Wenn ich in ihrer Welt aufgewachsen wäre, wäre ich vielleicht auch einer von ihnen geworden.
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Donnerstag 20.09.2018
SWEET COUNTRY
Ab 27. September 2018 im Kino
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1929 im Outback des Northern Territory in Australien: Sam Kelly, ein Aborigine mittleren Alters, arbeitet für den freundlichen Prediger Fred Smith. Als der herrische Harry Marsh von der Westfront zurückkehrt, wird dieser zum neuen Bahnhofsbetreiber ernannt und Sam soll mit seiner Frau und seiner Tochter einen Vorposten renovieren. Doch Harry entpuppt sich als ein kranker und verbitterter Mann, seine Beziehung zu Sam eskaliert schnell. Während einer heftigen Schießerei schließlich muss Sam Harry töten, um sein eigenes Leben zu retten. So wird Sam zum Mörder eines weißen Mannes. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als mit seiner schwangeren Frau in das lebensfeindliche Outback zu fliehen. Eine von Sergeant Fletcher geleitete Gruppe versucht die beiden hier aufzuspüren, doch dem klugen und erfahrenen Buschmann Sam gelingt es immer wieder, seine Fährte zu verwischen. Als die Gesundheit seiner schwangeren Frau in Gefahr ist, gibt Sam jedoch auf. In der Stadt wird ihm der Prozess gemacht, doch im Verlauf des Verfahrens kommt die Wahrheit über Harrys Tod ans Licht...


Ein Film von Warwick Thornton



REGIENOTIZ

SWEET COUNTRY spielt in Zentralaustralien, wo sowohl ich, als auch Drehbuchautor David Tranter aufgewachsen sind. Wir kommen beide aus der gleichen Stadt und ich kenne ihn schon fast mein ganzes Leben. Mein Stamm der Kaytej grenzt an das Gebiet von Davids Stamm, den Alyawarra, an. Als David mit seinem wunderbaren Drehbuch zu mir kam, lose basierend auf den Erzählungen seines Großvaters, konnte ich sofort daran anknüpfen und mir wurde klar, dass dieses Drehbuch auch viel von mir enthält.
Unsere Familien durchlebten zahlreiche ähnliche Dinge und als wir heranwuchsen, hörten wir viel von diesen historischen Begebenheiten. In den 1920er Jahren waren wir indigenen Australier nicht im eigentlichen Sinne Sklaven, aber wir arbeiteten ohne Bezahlung oder nur gegen Lebensmittel, gesetzlich legitimiert wurde dies vom Native Affairs Act. Diese Familiengeschichten sind also auch mein Erbe – ein persönlicher Teil dieser großen Geschichte, die zu uns allen gehört.
Eine dieser Erzählungen ist die wahre Geschichte eines Aboriginies namens Wilaberta Jack, der in den 1920er Jahren in Zentralaustralien festgenommen und des Mordes an einem weißen Mann beschuldigt wurde. Das Gerichtsurteil lautete „unschuldig aus Gründen der Selbstverteidigung“. Doch die Mächtigen der damaligen Zeit konnten das Urteil nicht hinnehmen und Wilberta Jack wurde Opfer eines Rachemordes.
Wilaberta Jack ist der Sam aus SWEET COUNTRY, der zu seiner eigenen Figur mit seiner eigenen Geschichte wurde. Während Sam den Plot antreibt und die zentrale Figur ist, wird die Geschichte auch durch die Augen der Figur des Philomac geschildert. Philomac ist ein Aboriginiejunge von 14 Jahren, er lebt auf einer Rinderzuchtfarm und wächst heran zwischen gesellschaftlichen Umwälzungen und den kulturellen Konflikten im Zentralaustralien dieser Zeit.
Der Film enthält alle Elemente des Western-Genres – die Grenze, die Konfiszierung von Land, Unterdrückung und Eroberung eines Volkes sowie die epische, weitläufige Landschaft. Im Vergleich zu vielen klassischen Western, werden die Dinge aber auf den Kopf gestellt. Es gibt keine klar gezeichneten Helden hier und keine einfache Idee von Gut und Böse, die auf ein geradliniges Narrativ projiziert wird.
Als ich aufwuchs eröffneten VHS-Kassetten einen großen Back-Katalog klassischer Filme und ich sah eine Menge klassischer amerikanischer Western, zu denen ich aber nicht wirklich eine Verbindung aufbauen konnte, weil die Indianer immer die Bösen waren. Und ich bin ein Indianer, Angehöriger eines indigenen Stammes auf einem Land, das gestohlen wurde. Aber dann entdeckte ich andere Western, vielen von ihnen aus Italien – Filme wie THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY, A FISTFUL OF DOLLARS oder die TRINTIYReihe, in denen alles ein bisschen anders war. Diese Filme zeigten Antihelden und die Diebe hatten immer noch die Fähigkeit, moralische Gedanken zu äußern. Diese Filme regten mich dazu an, das Potenzial dieses Genres zu erkennen, um meine Geschichte zu erzählen.
Mit SWEET COUNTRY wollte ich mir all die unterschiedlichen Seiten ansehen. Der Film will Rassismus nicht als einfaches, sinnloses Übel zeigen, sondern eher als eine systemzugehörige Realität dieser Zeit.
SWEET COUNTRY wurde in den MacDonnell Ranges gedreht. Eine faszinierende Gebirgsgegend, in der ich aufgewachsen bin. Die Landschaft ist tatsächlich eine weitere Figur im Film, speziell in den Szenen, in denen die Truppe Jagd auf Sam und Lizzie in der Wildnis macht.
Der Film nutzt die riesige Leere der Wüste und ihre Stille um die Geschichte der Figuren und die Schwierigkeiten, mit denen sie konfrontiert sind, zu betonen. Die Kommunikation zwischen den Figuren der Aboriginies reflektiert die Authentizität der lokalen Kultur – anhand von Blicken, Gesten und eher im stillen Einverständnis zwischen ihnen als in den Gesprächen.
Ganz am Anfang traf ich bereits die Entscheidung, dass es keine Musik im Film geben wird. Ich wollte nicht die überwältigenden Gefühle einer Filmmusik nutzen. Ich wollte die Realität als in dieser Zeit, an diesem Ort verortet zeigen, in jeder einzelnen Szene. Der Verzicht auf Filmmusik half mir dabei, mich komplett auf die Geschichte und die Figuren zu fokussieren. So konnte kam ich der Zuspitzung der Wahrheit näher, die ich mit diesem Film finden wollte.
Die Welt von SWEET COUNTRY wurde neu erschaffen von der Britischen Krone durch die gewaltsame Entwendung von indigenem Land. Doch dieser Gegend wohnt immer noch ein weitreichendes und komplexes Netz alter indigener Gesetze, Bräuche und Leben inne.
Hier, an diesem Grenzposten im Jahre 1929, kollidieren die unterschiedlichen kulturellen Welten in der epischen und wunderschönen Wüstenlandschaft. Es ist ein Ort, an dem indigene und non-indigene Leute sich aneinander reiben wie die Kontinentalplatten der Erde. Es ist ein Aufeinandertreffen der Kulturen, Ideologien und Temperamente, das seit der ersten Ankunft der Kolonisatoren in Australien bis in die Gegenwart anhält.
Es ist eine Geschichte, die nicht in den Schulen gelehrt wird und über die nur wenige außerhalb von Spezialistenkreisen an den Universitäten sprechen. Die Themen, die in SWEET COUNTRY angerissen werden, finden nur selten ihren Weg in das Bewusstsein der Mehrheit.
In diesem Sinne gibt es eine tiefe Verbindung zwischen SWEET COUNTRY und meinen anderen Filmen. Was wir in SWEET COUNTRY sehen steht in direkter Verbindung zu der Welt in SAMSON AND DELILAH. Dies ist die Geschichte der Anfänge: der Raub des Landes, die Unterdrückung, der Rassismus. Diese Dinge sind prägend für eine Generation.
Mein Ziel war es, die Zugänglichkeit dieses Genres zu nutzen, um das Publikum diese Welt zu betreten und sich hineinziehen zu lassen und dadurch die Probleme eines unterdrückten Volkes zu erleben. Die Absicht des Filmes ist es, die kulturellen Grenzen zwischen uns nieder zu reißen und uns alle zusammen zu bringen.
Warwick Thornton



BIOGRAFIE WARWICK THORNTON

Warwick Thornton (* 23. Juli 1970 in Alice Springs, Australien) arbeitet als Filmregisseur, Kameramann, Drehbuchautor und bildender Künstler. 1994 schloss Thornton seine Ausbildung als Kameramann bei der Central Australian Aboriginal Media Association in Alice Springs ab, deren Aufgabe es ist, die Kultur der Aborigine bekannt zu machen. 1997 schloss er mit dem Bachelor of Arts ein Kamerastudium an der Australian Film Television and Radio School in Sydney ab. Während und nach seines Studiums widmete sich Thornton bei seiner Arbeit der Kultur der Aborigines. Nach eigenen Aussagen sieht er sich als Filmemacher in der Tradition der indigenen Erzählkultur, und in dieser werde die Gegenwart über die Vergangenheit und die Zukunft erzählt. Mit seinem Spielfilmdebüt "Samson & Delilah", dem ersten Spielfilm über Australiens Ureinwohner von und mit Aborigines überhaupt, wurde er 2010 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet, der Film wurde von Australien als Kandidat für die Oscarverleihung 2010 in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgewählt. Für "Sweet Country" erhielt Warwick 2017 den Großen Preis der Jury der Internationalen Filmfestspiele von Venedig und den Plattform Prize beim Toronto International Film Festival.

Filmografie
2017: Sweet Country
2017: We Don't Need a Map (Dokumentarfilm)
2014: Words With Gods
2013: The Darkside
2009: Samson & Delilah
2007: Nana (Kurzfilm)
2005: Green Bush (Kurzfilm)


PRESSESTIMMEN

"Australien hat jetzt seinen HIGH NOON." Time Out
"Storytelling von schlichter Direktheit." **** The Guardian
"Ein Film mit feinen Schattierungen, der seine Themen ohne Moralkeule verhandelt." ORF "Obwohl SWEET COUNTRY mehr Western als Thriller ist, kommt die Spannung dank einiger unerwarteter Plot- Twists – auf subtile Art und Weise – dennoch nie zu kurz." Cineman

AUSZEICHNUNGEN:
Filmfestspiele Venedig 2017 - Großer Preis der Jury
Toronto International Film Festival 2017 - Platform Prize
Asia Pacific Screen Awards 2017 - Bester Spielfilm
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 13.09.2018
Utøya 22 Juli
Ab 20. September 2018 im Kino
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Die 18-jährige Kaja verbringt mit ihrer jüngeren Schwester Emilie ein paar ausgelassene Ferientage in einem Sommercamp auf der norwegischen Insel Utøya. Es gibt Streit zwischen den Schwestern und Kaja geht alleine zu dem geplanten Barbecue. Angeregt diskutieren die Jugendlichen über aktuelle politische Entwicklungen, als plötzlich Schüsse fallen. Erschrocken suchen Kaja und die anderen Schutz im Wald. Rasend kreisen ihre Gedanken. Was passiert um sie herum? Wer sollte auf sie schießen? Kein Versteck scheint sicher. Doch die Hoffnung auf Rettung bleibt. Und Kaja setzt alles daran, Emilie zu finden. Während die Schüsse nicht verstummen wollen.


Am 22. Juli 2011 werden 500 Jugendliche in einem Ferienlager auf der Insel Utøyavon einem schwer bewaffneten Attentäter überfallen –ein Trauma, das Norwegen bis heute tief erschüttert. Um dem Täter die Bühne zu nehmen, stellt Regisseur Erik Poppe die Opfer in den Mittelpunkt seines Spielfilms. Konsequent aus ihrer Sicht inszeniert und in einer einzigen Einstellung gedreht, gelingt ihm eine atemlose Rekonstruktion des Geschehens von ergreifender Wucht. UTØYA 22. JULI bleibt ganz nah bei seiner Hauptfigur Kaja –grandios verkörpert von Nachwuchstalent Andrea Berntzen, deren intensives Spiel uns in den Bann zieht und nicht mehr loslässt. Ein Film gegen das Vergessen und die Sprachlosigkeit.


Hintergrund

Der Film UTØYA22. JULI befasst sich mit einem Tag, der die Welt fassungslos gemacht und sich ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben hat, jedoch bis heute unbegreiflich bleibt. Über die Medien wurden viele Fakten über den Terroranschlag am 22. Juli 2011 publik, doch kaum
jemand weiß etwas über die unvorstellbare Panik und Verwirrung, die im Sommerlager herrschten, die unmöglichen Entscheidungen, die getroffen werden mussten, und die Angst und Trauer, die das Leben der Betroffenen für immer prägen werden.
UTØYA22. JULI wurde anhand von Zeugenberichten und bekannten Fakten geschrieben sowie in intensiven Gesprächen mit Überlebenden entwickelt. Aus Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen sind die Figuren im Film und deren individuelle Erfahrungen jedoch vollständig
fiktiv.
Ein Großteil der medialen Berichterstattung beschäftigte sich mit dem Manifest des Terroristen und dem Gerichtsprozess. Mit UTØYA22. JUL I will Regisseur Erik Poppe einen anderen Zugang öffnen, den Kampf der Jugendlichen zeigen und die Aufmerksamkeit zu den Opfern zurücklenken sowie zu ihren Angehörigen und Familien.


HAUPTDARSTELLERIN

ANDREA BERNTZEN
Andrea Berntzen, geboren 1998 in Oslo, gab mit ihrer Verkörperung der 18-jährigen Kaja in UTØYA 22. JULI ihr Schauspieldebüt in einem Kinofilm. Während ihrer Schulzeit in Oslo begeisterte sie bereits durch ihre herausragenden Leistungen in den Theateraufführungen ihrer Schule. Derzeit studiert sie Theater an der RomerikeFolkehøgskole. Von der norwegischen Zeitung Aftenpostenwurde Andrea Berntzenzwei Jahre in Folge zur besten Schauspielerin nominiert und gewann den begehrten Titel 2017.

REGISSEUR
ERIK POPPE
»Wie die Betroffenen diesen Terroranschlag erlebt haben, ist mit Worten
schwer zu beschreiben. Meine Hoffnung ist es, dass der Film uns helfen
kann, das besser zu verstehen und noch mehr Mitgefühl für diejenigen zu
zeigen, die dabei waren.«  –Erik Poppe
Erik Poppe ist einer der renommiertesten Regisseure Norwegens, der von Publikum und Kritikern gefeiert wird. Geboren 1960 in Oslo, begann Poppe seine Karriere als Pressefotograf und wurde für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet. Nach dem Studium am Stockholmer Dramatiska Institutetwar er als Kameramann an verschiedenen Spielfilmen beteiligt, bevor er 1998 mit SCHPAAA sein Regiedebüt vorlegte, das 1999 im Panorama der Berlinale gezeigt wurde. Der Film markiert den ersten Teil seiner vielfach preisgekrönten Oslo-Trilogie. Für den zweiten Teil HAWAII, OSLO wurde er 2005 mit dem norwegischen Filmpreis Amanda ausgezeichnet. Mit TROUBLED WATER, der als erster Film in der Geschichte des Hamptons International Film Festivals sowohl Publikumspreis als auch Preis für den Besten Film abräumte, schloss er 2008 die Reihe ab. Sein Film THE KING'S CHOICE –ANGRIFF AUF NORWEGEN war 2017 auf der Shortlist für den Oscar® in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film. Mit UTØYA 22. JULI wurde Erik Poppe 2018 in den Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele eingeladen. Erik Poppe ist der einzige Regisseur, der viermal mit dem norwegischen Film CriticsAward ausgezeichnet wurde. 

Filmografie

UTØYA 22. JULI20  18
THE KING'S CHOICE –ANGRIFF AUF NORWEGEN  2016
TAUSENDMAL GUTE NACHT  2013
TROUBLED WATER (DEUSYNLIGE)  2008
HAWAII, OSLO  2004
SCHPAAA  1998


INTERVIEW MIT ERIK POPPE

Worin bestand Ihre Motivation, diesen Film zu machen?
Es gab verschiedene Gründe. Einer davon hing mit meinem Gefühl zusammen, dass das, was vor sieben Jahren am 22. Juli auf Utøya passiert ist, immer mehr in den Hintergrund rückt. Natürlich haben wir es nicht vergessen, aber wir haben nicht mehr die Bilder dazu im Kopf. Es wird viel über den Täter, seine Tat und den Gerichtsprozess, aber nicht über die Opfer gesprochen. Man kennt ihre Geschichten nicht. Es ist als wären sie namenlos, nur Zahlen. Man kann sich nicht vorstellen, wie es ist, bei einem Terrorakt dabei gewesen zu sein. Ohne dieses Wissen hören wir nur von den Nachrichten und machen weiter. Wir müssen ein kollektives Bewusstsein schaffen, um die Leute daran zu erinnern, sie wütend zu machen und zur Diskussion und zum Handeln anzuregen –auf der Suche nach einer Antwort darauf, was wir tun können, um so etwas in Zukunft zu verhindern.
Rechtsextreme Terrorakte beschränken sich nicht auf diesen einen Tag vor sieben Jahren in Norwegen. Es gab sie auch in Deutschland und überall in Europa. Es geht also auch darum, über den Grund für diese Tat nachzudenken. Denn das war kein Akt eines Verrückten, sondern von jemandem, der alles bis ins kleinste Detail und über Jahre hinweg geplant hat. Es ist an der Zeit, eine Diskussion über das Wachsen des Rechtsextremismus in Skandinavien anzustoßen. Es ist wichtig darauf zu achten, dass niemand ausgeschlossen wird. Es ist unser aller Verantwortung, uns um diese Menschen zu kümmern und ihnen zu erlauben, ihre Ideen zu äußern, auch wenn es nicht unsere eigenen sind.
Niemand sollte überhaupt erst die Gelegenheit erhalten, eine Persönlichkeit zu entwickeln, die in der Lage ist, so etwas Schlimmes zu tun. Darüber wurde besonders unter jungen Menschen im Anschluss an den Film sehr intensiv diskutiert.

Warum sollte sich ein Film mit diesem Thema beschäftigen?
Wenn sich die Kunst nicht mit solchen Themen beschäftigen darf, wer dann? Genau das ist es doch, wofür es Filme gibt: um sie anzusehen und sich damit auseinanderzusetzen. Es wäre eine Schande, wenn Filme sich nur noch auf klassische Heldengeschichten beschränken würden. UTØYA 22. JULI ist in erster Linie kein Film für die Betroffenen, sondern für alle anderen –für uns, die wir nicht viel darüber wissen, was auf der Insel geschehen ist. Aber da es natürlich auch ein Film über die Opfer ist, war es mir sehr wichtig, dass sie hinter dem Projekt stehen und der Film so nah wie möglich an dem dran ist, was sie erlebt haben. Ohne Kompromisse, ohne klassische Struktur, ohne zusätzliche Ausschmückungen. Minute für Minute. Keine Schnitte, keine Musik, keine »Spezialeffekte«. Nur die Handlung.

Deswegen haben Sie den Film als One-Take gedreht?
Ja, denn ich habe mich gefragt: Wäre es möglich, eine strikte, hundertprozentig loyale Perspektive in einer Geschichte einzunehmen? Ich wollte das Geschehene so exakt wie möglich in Filmsprache übersetzen. Die Überlebenden erzählten oft von der Zeit des Angriffs, diesen 72 Minuten. Dieses Element »Zeit«wollte ich im Film darstellen. Um einen One-Take umzusetzen, braucht es talentierte Schauspieler, die sich komplett darauf einlassen. Wir mussten uns genau an das Drehbuch halten, damit alles nach Plan laufen konnte, sonst wäre Chaos ausgebrochen. Wir haben drei Monate lang fünf Tage die Woche geprobt. Alles für diesen einen Moment. Wir nahmen eine Woche lang jeden Tag einen Take auf. Insgesamt hatte ich also fünf Versuche.

Am Ende des Films weisen Sie in einer Texttafel darauf hin, dass dies eine Wahrheit ist und dass noch andere existieren könnten.
Was ich damit meine, ist, dass es sich um persönliche Erfahrungen handelt und viele davon noch dramatischer und entsetzlicher waren, als es der Film zeigt. Mein Ziel war es, eine ausgewogene Story zu finden und zu vermeiden, dass es zu spekulativ wird. Ich glaube, dass die Geschichte sehr nah an das herankommt, was wirklich geschah. Die Handlung und die Figuren vor der Kamera sind fiktiv, aber es basiert alles bis ins Detail auf dem, was auf der Insel passiert ist. Wie die Kinder und Jugendlichen versucht haben, aufeinander aufzupassen und die Nerven zu bewahren sowie Strategien zu finden, um zu überleben. In einer Szene singt jemand ganz leise. Das ist keine Erfindung von mir, um es dramatischer zu machen. »True Colors« –das Lied, das Kaja im Film singt –wurde tatsächlich gesungen. Was können wir daraus mitnehmen? Nun, wir bekommen einen starken Sinn dafür, was das Leben ausmacht, wie stark wir sind und wie stark unsere Sehnsucht nach dem Leben ist.

Inwieweit haben Sie die Überlebenden bei der Entwicklung des Filmes miteinbezogen?
Es war mir sehr wichtig, dass die Betroffenen die Idee des Films unterstützten. Deshalb habe ich beschlossen, den Film im engen Dialog mit ihnen zu machen. Sie standen nicht vor der Kamera, sondern dahinter. Ich hatte sogar drei Überlebende an meiner Seite, die mich unterstützt und mir und den Schauspielern geholfen haben, den Film so wahrheitsgemäß und ehrlich wie möglich zu machen, um das auszudrücken, was das geschriebene Wort nicht kann. Wir haben in zwei Monaten insgesamt mit mehr als 40 Betroffenen gesprochen. Das Allerwichtigste war für mich, diesen Film mit Würde umzusetzen –mit so viel Respekt vor den Opfern, Überlebenden, ihren Familien und Angehörigen wie nur möglich.

Obwohl im Film keine explizite Gewalt gezeigt wird, bekommt man als Zuschauer ein intensives Gefühl davon. Woran liegt das?
Es ging mir nicht darum, klassische Filmgewalt zur Schau zu stellen. Die Gewalt, der sich die Jugendlichen tatsächlich ausgesetzt sahen, lag auch in der Ungewissheit und Panik, insbesondere hervorgerufen durch Geräusche –die Pistolenschüsse und die fliehenden Menschen um sie herum. Man muss kein Blut sehen, um diese Gewalt mitzuerleben. Auch das war mir wichtig und gehört zu den Gründen, warum ich mich entschieden habe, den Film so zu machen, wie ich ihn gemacht habe. Ich glaube, dass es Zeit wird, darüber zu diskutieren, wie wir im Allgemeinen auf Gewalt blicken. Manchmal scheint es, als würden wir auf die gezeigte Gewalt in den Medien, im Film und in den Nachrichten kaum noch reagieren. Als wäre sie Teil der Unterhaltungsindustrie und wir würden sie einfach akzeptieren. Vielleicht kann dieser Film es schaffen, die Menschen wieder dafür zu sensibilisieren.

Wie haben sie diesen überzeugenden Cast und ganz besonders die Hauptdarstellerin Andrea Berntzengefunden?
Ich hatte einfach riesiges Glück, dass wir sie gefunden haben. Wir haben in ganz Norwegen nach diesen jungen Talenten gesucht, nach unbekannten Gesichtern. Die Schauspieler hatten zuvor noch nie vor der Kamera gestanden. Auch unsere Hauptdarstellerin Andrea Berntzenhatte bisher lediglich im Schultheater mitgemacht, doch verfügt über ein außergewöhnliches schauspielerisches Talent. Neben dem Talent war es mir bei der Auswahl der Schauspieler wichtig, dass sie die Fähigkeit mitbrachten, sich auf das Thema einzulassen, wahrheitsgemäß damit zu arbeiten und den Mut aufzubringen, das alles ausdrücken zu können. Und das funktionierte sehr gut. Der Erfolg hing natürlich noch davon ab, dass wir genügend Zeit für die Proben hatten.

Noch gibt es kein Monument, keinen Platz des Gedenkens für den 22. Juli 2011. Welchen Beitrag könnte der Film dazu leisten?
Dazu wurde in Norwegen sehr viel diskutiert. Es gab Wettbewerbe mit internationalen Künstlern. Man diskutierte darüber, wer, wie und wo man es errichten sollte. Doch auch heute, sieben Jahre später, sind die Diskussionen noch lange nicht abgeschlossen. Als UTØYA 22. JULI in Norwegen in den Kinos startete, passierte etwas, womit niemand gerechnet hatte: Menschen kamen aus den Kinosälen und meinten, jetzt existiere ein Platz, wo sie hingehen könnten. Man sitzt dort im Kino und weint und fühlt das, was man gern fühlen würde, wenn man eine Gedenkstätte besucht. Der Film ist damit also tatsächlich zu einer Art Gedenkstätte für einige Menschen geworden. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass es nicht mein Film ist. Wenn es jemanden gibt, der dafür verantwortlich ist, dass der Film so echt und für viele Menschen so bedeutsam geworden ist, dann ist das der Verdienst der Überlebenden – derer, die vor sieben Jahren auf Utøyadabei waren und seither jeden Tag versuchen, ihr Leben wieder aufzubauen. Diejenigen, die sich trotz ihres Traumas wieder damit beschäftigt haben, um uns zu helfen, es zu verstehen und sich gemeinsam zu erinnern. Wenn es also irgendjemanden gibt, dem man danken sollte, den man feiern sollte und der die Preise für diesen Film verdient, dann sind es die Überlebenden, die uns begleitet und unterstützt haben.
Das Interview führte Martin Kiebeler.
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