Interview
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Im Blickpunkt - Portraits werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
Inhaltsverzeichnis
Reverend Rusty – von 6 bis 76

1

Jakobus Ciolek – Jeder bringt sich mit seinen Ideen ein

2

Titus Waldenfels – Gitarre aus dem 3-D-Drucker

3

Jan Konrad - Wenn da nicht die Physikgesetze wären

4

Jütz – Eine Weltfriedensmaschine

5

Tatiana Flickinger – Alles im Fluss

6

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Sonntag 07.10.2018
Reverend Rusty – von 6 bis 76
Reverend Rusty alias Rusty Stone lebt am Rande Münchens und spielt den Blues. In allen Stilarten. Schon als Kind begeisterte er sich für Musik, bekam mit neun von den Eltern ein Gitarre – und sein Lebensweg war vorgezeichnet. Gerade ist ein neues Album von ihm erschienen: "Rough Times" (Galileo). Zwölf Songs voller Leidenschaft und jeder Menge Charakter. Rusty Stone beherrscht die derbe Spielweise des Blues und des BluesRock. Man spürt seine Entschlossenheit, sein gitarristisches Können. Sein Abstand zu den Grenzen musikalischer Gefälligkeit ist beeindruckend, die Themen sind direkt aus dem Leben gegriffen. Mit seinem Trio „The Case“, das seit den 1980er Jahren besteht, setzt er unterschiedliche Ideen um, ohne sein Anliegen „Ich wollte in allen Stücken  zeigen, was Feeling wirklich bedeuten kann“ in Frage zu stellen. So baut er in „When The Sun Goes Down“ ein wunderbares Tuba-Solo(!) seines Bassisten Mr. C.P. ein, bewegt sich in „Good Morning“ im federleichten Reggea-Stil und beeindruckt im „Summerblues“ solistisch auf der Slide-Gitarre. Das alles wirkt authentisch, kraftvoll und, ja, verfüherisch. Reverend Rustys Lebensmotto?„Fang nie an aufzuhören, hör nie auf anzufangen“ (Cicero)


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Reverend Rusty: Die Liebe zur Musik war in der Kindheit schon vorhanden. Als ich in den 1960ern noch bei den Eltern wohnte, hatte ich ein kleines Transistorradio und da habe ich unter der Bettdecke nachts den AFN-Sender (Radiosender der Amerikanischen Armee in Deutschland) gehört. Country, Blues, Rock usw. und da war ich infiziert und wollte immer Musik machen. Ausserdem spielte der Vater Trompete und übte zuhause. Meine Eltern haben mir dann eine Gitarre gekauft und mit 9 Jahren hatte ich dann Gitarrenunterricht. Und dieses Instrument ließ mich bis heute mit kurzen Unterbrechungen nicht mehr los. Seit 1984 habe ich immer noch meine Band „The Case“ und ich bin seit vielen Jahren Profimusiker, der mit Unterricht und Liveauftritten seinen Lebensunterhalt bestreitet.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
RR: Ich möchte Menschen erreichen, für die handgemachte Musik noch etwas bedeutet und die es zu schätzen wissen, wieviel Herzblut und Zeit man als Singer und Songwriter in eigene Songs mit Musik und Text steckt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
RR: Mit der Wertigkeit meiner Arbeit muss ich mich am meisten auseinandersetzen. Es gibt immer wieder Menschen, die glauben, dass Dienstleister wie Gitarrenlehrer und auch nicht so bekannte Musiker nicht viel zum Leben brauchen. Egal, ob es dabei um Wohnraum oder Lebenshaltungskosten geht. Also darum, dass auch vernünftige Gagen gezahlt werden.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
RR: Meine Krebsdiagnose (Prostatakrebs) 2017 und OP im Januar 2018 mit den teilweise noch heftigen Folgen. Und die Zerstörung des Planeten Erde aus reiner Habgier. Und dass die Menschen nichts aus der Geschichte gelernt haben: siehe Rechtsruck in Europa. Das letzte beeindruckende Erlebnis war, als ich das neue Album von Reverend Rusty & The Case angehört habe und festgestellt hab, dass sich die ganze Arbeit im Studio und das Songwriting gelohnt haben.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
RR: Wenn ich sehe und spüre, wie zufrieden meine langjährigen Schüler von 6 bis 76 Jahren aus meinem Unterricht gehen und gerne wiederkommen.
Und wenn die Gäste eines meiner Konzerte sich am Ende für die Musik und den schönen Abend bedanken.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
RR: Mein Musikgeschmack war und ist schon immer breit gefächert. Von Klassik, Rock, Soul, Funk, Hardrock usw. höre ich sehr verschiedene Stile. Aber den Blues mag ich besonders. Zum Blues komme ich immer wieder zurück. Deswegen der Titel „Back To The Blues“ auf dem neuen Album „Rough Times“.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
RR: Ich höre beides. Die Haptik von Vinyl ist aber immer noch für mich unübertroffen. Deswegen habe ich mich entschlossen, unser neues Album auch auf Vinyl zu veröffentlichen. Der Song „Rock’n’Roll“ auf dem Album „Rough Times“ handelt vom Vinyl sammeln und hören.

KK: Was lesen Sie momentan?
RR: Ich lese vor allem sehr viele Musikzeitschriften wie Guitar Player, Acoustic Guitar, Guitar World und viele mehr. Bei Büchern liebe ich Biographien. Zurzeit lese ich die Prince-Biographie und die Nile Rodgers-Biographie.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
RR: Unpünktlichkeit und wenn man schon zu spät kommt, nicht Bescheid zu sagen, in Zeiten wo jeder ein Smartphone besitzt. Ausserdem die immer stärker werdende Rücksichtslosigkeit und Aggression der Menschen. Vor allem im Verkehr – egal ob Autofahrer, Fußgänger Radfahrer …

KK: Was freut Sie ungemein?
RR: Ein nettes Gespräch und ein paar nette Worte mit Fremden und Freunden. Ein gutes Essen zusammen mit lieben Menschen. Und es freut mich, dass ich trotz Internet noch sehr oft echte soziale Kontakte habe.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
RR: In jungen Jahren hab ich in der ersten Wohnung aus Matratzen eine Couch gebaut. Ansonsten aus Einzelteilen von Ikea Möbelstücke gemacht. Wobei etwas schneidern oder schreinern bestimmt Spass machen würde.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
RR: Von Robin William in “Good Morning, Vietnam”.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
RR: Die Geduldstablette im Doppelpack mit der Zufriedenheitspille.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
RR: Beides! Einzelkämpfer wenn es um das Business geht. Teamplayer im Studio, in der Band oder in der Musikschule und beim Unterricht.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
RR: Beim Radfahren und alleine Spazieren gehen. Musikalisch wenn ich auf meiner roten Couch vor dem Fernseher sitze und mit der Gitarre vor mich hinspiele.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
RR: Ich lese und nutze Facebook in erster Linie für die Promotion meiner musikalischen Aktivitäten.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
RR: Ich würde nicht nur die E-Musik sondern auch die U-Musik, und dazu gehören auch Bluesmusiker wie ich, finanziell und materiell fördern.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
RR: Der Titel wäre: Er gibt sich immer Mühe!

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
RR: Ich hoffe, dass uns in Zukunft nicht der Planet um die Ohren fliegt und ich hoffe gesund zu bleiben, um meine Musik zu machen (siehe Nr. 4).
Autor: Siehe Artikel
Samstag 15.09.2018
Jakobus Ciolek – Jeder bringt sich mit seinen Ideen ein
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Jakobus Ciolek ist Kulturbeauftragter der Gemeinde Gilching und Cheforganisator der 4. Gilchinger Kunst- und Kulturwoche, die vom 12. bis 21. Oktober stattfindet. Erstmals hat das Festival ein Thema: LiEBENS.ZEIT. An zehn Tagen wird es in über dreißig Veranstaltungen  immer wieder um das Leben und die Liebe gehen. So zum Beispiel gleich am Eröffnungsabend mit dem Chanson-Programm von Ecco Meineke und Band, beim Ballettabend am 14.10. mit der Uraufführung/Premiere von „The Seven Ages“ oder auch bei der Abschlussveranstaltung „Sterbelieder für’s Leben“ mit Marianne Sägebrecht und Josef Brustmann. Für Kinder und Jugendliche gibt es wieder einen ganzen Tag Kulturprogramm im Rathaus – mit einer Zeitmaschine, Theater, Bewegungskunst, Spielen  und Mitmachaktionen, bei denen jeder selbst zum Künstler werden kann. An verschiedensten Orten finden Veranstaltungen der unterschiedlichen kulturellen Sparten für Jung und Alt statt.


KultKomplott: Herr Ciolek, vom 12. bis 21. Oktober findet die 4. Gilchinger Kunst- und Kulturwoche statt. Man kann insofern schon von einer kleinen Tradition sprechen. Was war überhaupt der Anlass, 2015 eine solche Veranstaltungsreihe ins Leben zu rufen?
Jakobus Ciolek: Die Kunst- und Kulturwoche wurde 2015 von Matthias Helwig, der als Kulturreferent Mitglied im Gilchinger Gemeinderat ist, ins Leben gerufen. Die Idee war, die Gilchinger Kulturschaffenden und –vereine zusammen zu bringen. Es gibt ja sehr viele „Kulturaktive“ in Gilching, die aber bis dahin nicht so gut vernetzt waren. Heute ist es so, dass sich durch die Kunst- und Kulturwoche immer wieder Kooperationen ergeben, so hat z.B. in diesem Jahr die Künstlerin Ruth Neureiter die Kostüme für eine Ballettproduktion des Kunstforum Gilching e.V. entworfen – zu erleben am 12. und 14.10.2018 in der Aula des Christoph-Probst-Gymnasiums.

KK: Das diesjährige zehntägige Programm ist randvoll mit Konzerten, Tanzabenden, Lesungen, Theateraufführungen, Ausstellungen, Workshops und vielen anderen Angeboten. Unter welchen Gesichtspunkten haben Sie das Programm zusammengestellt?
KC: Die Gilchinger Kulturschaffenden treffen sich regelmäßig, ca. 3-4 Mal pro Jahr. Die Gemeinde ist Hauptveranstalter in Kooperation mit den Künstlern und Vereinen. In der Regel kommen die ersten Programmvorschläge schon direkt nach der Kulturwoche für das nächste Jahr. Jeder bringt sich mit seinen Ideen ein, ich bin dann nur hier und da beratend tätig und koordiniere die einzelnen Termine so, dass es möglichst keine Überschneidungen gibt – also z.B. nicht zwei Klassik-Konzerte am gleichen Abend. Als Kulturbeauftragter trage ich natürlich dann auch selbst Programmpunkte bei, in diesem Jahr das Konzert mit Ecco Meineke und Band am 12.10., sowie das Programm „Sterbelieder für’s Leben“ mit Marianne Sägebrecht, Josef Brustmann und Andi Arnold am 21.10. Im letzten Jahr hatten wir erstmalig einen Kinder- und Jugendkulturtag zur Kulturwoche im Rathaus veranstaltet, der sehr gut angenommen wurde. Dieser wird in diesem Jahr am 20.10. stattfinden, mit Theater, Lichtmalerei, Artistik und Jonglage sowie vielen Mitmachangeboten.


KK: Erstmals läuft die Kunst- und Kulturwoche unter einem Motto: LiEBENS.ZEIT. Was steckt dahinter?
JC: Nach der letzten Kunst- und Kulturwoche kam die Idee auf, das Festival unter ein Thema oder Motto zu stellen. Damit fällt es den teilnehmenden Künstlern und Vereinen ein wenig leichter, Programmideen zu entwickeln. Der Presse bietet man einen weiteren Anhaltspunkt für die Berichterstattung. Bei uns geht es in den Treffen immer sehr demokratisch zu, es gab mehrere Vorschläge und wir haben dann darüber abgestimmt. Wir waren uns für dieses Jahr allerdings auch sehr einig, da es mit dem bereits erwähnten Ballettabend unter dem Titel „The Seven Ages“, angelehnt an einen Monolog aus William Shakespeare’s „All the world’s a stage“, bereits ein starkes Projekt gab, das sich mit dem Leben und seinen Abschnitten beschäftigt. Weiterhin geht es während der Kulturwoche dann in Lesungen, Konzerten, Vorträgen etc. immer wieder um die Themen Leben, Liebe und Zeit.

KK: Haben Sie bei der Auswahl/Zusammenstellung des Programms und der organisatorischen Umsetzung Helfer vor Ort?
JC: Wie bereits erwähnt, entwickeln wir das Programm gemeinsam, und für die einzelnen Veranstaltungen sind dann Kooperationspartner selbst für die Organisation am Veranstaltungstag zuständig. Ich versuche natürlich, bei möglichst vielen Veranstaltungen selbst dabei zu sein – allerdings schaffe ich es bei über 30 Terminen nicht, alle zu besuchen. 

KK: Gibt es Veranstaltungen, die Ihnen besonders am Herz liegen, die sie speziell empfehlen können?
JC: Ich denke, dass bei uns wirklich für jeden Geschmack etwas dabei ist. Ob Sie lieber einen Jazzabend oder eine Krimilesung besuchen wollen, ob Sie über Gilchings Geschichte oder über Zeitsymbolik lernen wollen, ob Sie lieber ins Kino oder ins Theater gehen – die Kunst- und Kulturwoche bietet für jeden etwas. Es gibt so viele Highlights, dass ich nicht einen oder zwei Termine hervorheben kann. Toll finde ich, dass wir gemeinsam mit dem Arbeitskreis Inklusion einen Filmabend auf die Beine gestellt haben, zu dem dann auch der Regisseur von „Weserlust Hotel“ (ein inklusiver Film) Eike Besuden zu Gast sein wird in Gilching.

KK: Und gibt es schon heute eventuelle Planungen für das nächste Jahr?
JC: Der Termin für’s nächste Jahr steht natürlich schon (11.-20.10.19), thematisch wird es um Himmel und Erde gehen, und zum Auftakt haben wir bereits ein klasse Konzertprogramm – mehr wird aber noch nicht verraten…
 
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Dienstag 28.08.2018
Titus Waldenfels – Gitarre aus dem 3-D-Drucker
Titus Waldenfels ist seit Jahren eines der am besten gehütetsten Geheimnisse der München Musik-Szene. Dabei dürfte es kaum einen potenziellen Konzertbesucher in der Isarmetropole geben, der den Multiinstrumentalisten in einem seiner ungezählten Projekte nicht schon einmal erlebt hat. Ob mit dem unvergessenen Saxophonisten Monty Waters, dem Zeremonienmeister des Blues Dr. Will, der legendären Ethnoband Embryo, dem Avantgardisten Eugene Chadbourne, dem indischen Karnataka Ensemble Of Percussion oder jüngst als Theatermusiker in dem Stück „Der Varreckte Hof“ von Georg Ringsgwandl. Keine Wirtshausbühne, Kleinkunsttheater, keine Open Air-Veranstaltung, keine zum Konzertsaal umfunktionierte Remise oder erweitertes Wohnzimmer sind vor Titus sicher. Musikalisch bewegt er sich zwischen Country, Blues, Pop, Walzer, Polka und Jazz.
Er tourte mit seiner Band und einheimischen Musikern durch Tschechien, Ungarn, Italien, Spanien, durch die Slowakei, die Schweiz und immer wieder durch Texas. Pro Jahr sind das nicht selten 250 Auftritte.
Am Freitag 21. September steht Titus Waldenfels auf der Bühne des Puchheimer Kulturcentrum PUC, wenn es heißt: PUCHHEIMER COUNTRY NACHT.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Titus Waldenfels: Musik, die ich in meiner Kindheit gehört habe. 

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
TW: Einen Lebensunterhalt bestreiten und für so viele verschiedene Menschen wie möglich Musik machen. 

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
TW: Mit Nörglern.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
TW: Persönlich und positiv: Meine Reisen nach Texas. Allgemein und leider negativ: Eine vor allem in sozialen Netzwerken beobachtete Rechtsbewegung vieler Kollegen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
TW: Konzertbeginn, Konzert und Feierabend. Außerdem zu Hause am Computer Aufnahmen zu bearbeiten.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
TW: Das Hören ist weniger geworden, weil ich auch die Stille mag und die eigene Musik ständig im Kopf rotiert. Besonders mag ich Western Swing. Ich bin aber kontinuierlich beeindruckt und auch beeinflusst von Musik, die ich an den Plätzen, an denen ich spiele, zu hören bekomme, etwa von elektronischer Musik und der Kreativität ihrer Macherinnen und Macher.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
TW: Zu Hause Vinyl. 'Plattenseiten' sind für mich, wie wohl für viele meiner Generation, ein schönes und auch kreatives Ordnungselement.

KK: Was lesen Sie momentan?
TW: Zeitung, immer wieder mal Biographien. 

KK: Was ärgert Sie maßlos?
TW: Mitläuferei und das Opfergetue der Neuen Rechten.

KK: Was freut Sie ungemein?
TW; Daß Angela Merkel alle Diffamierungen und schlecht begründete Angriffe so scheinbar ungerührt kontert.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
TW: Eher Musikinstrumente. Gehen aber hoffentlich als das eine wie andere durch.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
TW: Katharine Hepburn in 'Philadelphia Story'.
 
KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
TW: Einen 3-D-Drucker, der Gitarren und ähnliches druckt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
TW: Beides. 

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
TW: Wenn mir langweilig ist.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
TW: Zugegebenermaßen meist, was mir der Herr Facebook präsentiert - wobei ich den Charakter der elektronischen Vorauswahl genau beobachte und auch darin eine Art Trendsuche betreibe. Den Kommentaren und Likes nach zu urteilen muss der für mich erstellte Algorithmus partiell dem anderer gleichen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
TW: Ein deutschlandweites Online-Ankündigungs-Portal für Kulturveranstaltungen einrichten, in Form eines bildlosen Fließsatzes, um kleine wie große, subventionierte wie selbst finanzierte Veranstaltungen paritätisch abgebildet zu sehen.
 
KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
TW: Ich würde keine Autobiographie schreiben. Wenn, dann eine Art Zeitbericht. 'München' dürfte im Titel erscheinen.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
TW: Persönlich: So postiv wie die Gegenwart jetzt - hoffentlich. Allgemein: Als Kampf gegen die Krakenarme der Neuen Rechten.
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Montag 13.08.2018
Jan Konrad - Wenn da nicht die Physikgesetze wären
Jan Konrad besitzt einen ausgeprägten Bezug zu Formen und Farben. „Bilder haben mich schon seit meiner Kindheit gefesselt“, sagt er im folgenden Interview. Trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis er begann, Bilder auch als eine Form des persönlichen Ausdrucks gestaltend zu nutzen. Dabei ist er weniger ein Fotograf, dessen Arbeiten aus dem Moment heraus, als Schnappschuss entstehen. Zumindest ist dies nicht seine eigentliche Herangehensweise. Ihn interessiert das Verhältnis von Linien und Modellen zueinander, das Zusammenspiel von Konturen und Konstitutionen und inwiefern diese zum inhaltlichen Sujet stehen. So kann es sein, dass mögliche Anregungen erst nach mehrmaligen Betrachtungen im richtigen Winkel und im richtigen Licht fotografisch festgehalten werden. Die Arbeiten selbst werden anschließend, zumindest inhaltlich, nicht weiter bearbeitet.
Jan Konrad hat angewandte Physik studiert und ist bei KultKomplott für die technische Realisation des Portals zuständig.
Weitere Arbeiten von ihm sind unter www.jkonrad.eu zu sehen.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Jan Konrad: Das fällt mir schwer zu sagen. Ich habe keine konkreten Schlüsselmomente in Erinnerung, die wegweisend waren.
Viel mehr empfinde ich eine langsame stetige Veränderung über die Jahre, getragen von einem Fundament, das bereits in mir angelegt war.
Im weiteren Kreis meiner Familie war und ist das Thema bildende Kunst schon lange präsent. Nicht nur das Interesse an bestehender sondern auch eigene zu schaffen.
Bilder haben mich schon seit meiner Kindheit gefesselt. Etwas, was mir noch heute sehr stark in Erinnerung ist, sind Klassiker der Filmgeschichte, die ich Teils schon recht früh sehen durfte (2001, Alien, Einer flog über das Kuckucksnest, Shining...).
Auch wenn ich vielleicht damals, den einen oder anderen Film nicht ganz erfassen konnte, so hat mich die Bildsprache schon damals fasziniert und mich vielleicht mehr beeinflusst als ich weiß.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JK: Mich faszinieren Einblicke in unsere Umgebung. Einblicke, die uns oft verstellt sind oder nur für einen kurzen Augenblick existieren. Eine Umgebung, in der wir uns stetig bewegen, aber selten wahrnehmen.
Dabei besteht die Umgebung in meinen Bildern oftmals aus Dingen, die wir selber geschaffen haben. Für mich sind es Einblicke in eine andere Welt. Vielleicht eine Art Parallelwelt.
Diese Bilder werden auch immer getragen von den eigenen Vorstellungen. Trotzdem empfinden viele ähnliches dabei. Es liegt also auch etwas Verbindendes darin.
Es fasziniert mich, diese Einblicke zu erkunden. Dabei verändert sich der eigene Blick stetig, ohne zu wissen, wohin es einen trägt.
Irgendwo habe ich vor kurzem gehört, dass der Mensch automatisch nach Mustern sucht, wenn er etwas nicht versteht. Dabei kann das etwas, alles mögliche sein.
Wahrscheinlich ist die Fotografie daher auch immer ein Versuch, uns und die Umgebung zu begreifen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JK: Da ich mit meiner fotografischen Arbeit meinen Lebensunterhalt nicht bestreite (was man auch als Vorteil sehen kann), haben sich mir bis jetzt keine großen Widrigkeiten in den Weg gestellt.
Ein Problem welches auftreten kann, ist, dass die Batterie meiner Kamera unvorhergesehen leer ist. Da es eine mechanische analoge Kamera ist, kann ich zwar weiter fotografieren, dann bedarf es aber Erfahrung über Lichtverhältnisse und den dazu passenden Belichtungszeiten.
Die ein oder andere Szene ist mir auch noch gut in Erinnerung, in der ich wünschte, eine Kamera dabei gehabt zu haben.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JK: Die analoge Fotografie lässt viel Raum und Zeit sich mit einem Thema zu befassen. Bis die Rolle im Apparat voll und der Film entwickelt ist, vergehen meist einige Wochen.
In dieser Zeit denke ich noch oft über die Situation, die Umgebung und die Motive nach, die ich durch den Sucher meiner Kamera betrachtet habe.
Teilweise baut sich dabei ein Spannungsbogen auf, bis die Bilder dann das erste Mal vor mir liegen.
Auch Fotos, die mich in der Situation des Fotografierens nicht übermäßig beeindruckt haben, dann aber beim Sichten der Negative einen ganz anderen Charakter als erwartet zeigen, sind tolle Momente.
Dabei bricht Unerwartetes immer wieder die eigenen Vorstellungen auf und die Gedanken nehmen einen neuen Weg. Diese Situationen helfen mir, mich weiter zu entwickeln.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JK: Besonders gern höre ich Ambient und Electro / House etc. In den letzten Jahren höre ich auch gern immer wieder Jazz.
Interessanterweise helfen mir beide Musikrichtungen meine Fotografie zu verstehen. Die Musik fühlt sich dann wie eine Art Verstärker an, für Gefühle oder Gedanken die die Bilder auslösen.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JK: Weder noch. Bei mir kommt die Musik digital aus dem Rechner.

KK: Was lesen Sie momentan?
JK: Das letzte Buch was ich gelesen habe ist schon eine Weile her. Ich glaube es war "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley. Ich bin eher ein Zeitungsleser.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JK: Umweltverschmutzung. Oftmals schon die Eigene.

KK: Was freut Sie ungemein?
JK: Eine Radtour Richtung Süden.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JK: Kleidungsstücke kann ich reparieren, das mache ich durchaus. Regale und andere einfachere Möbelstücke habe ich auch schon gebaut.
Oft fehlt mir aber der Platz oder eine Werkstatt, sonst würde ich das öfter machen. Vor ein paar Jahren habe ich damit angefangen, Lampen selber zu bauen.
Auslöser war, dass ich nichts passendes in den Läden gefunden habe. Es wäre toll, wenn ich irgendwann diese Prototypen soweit bringe, dass daraus ein Produkt entsteht.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JK: Da fallen mir zwei ein. Jared Harris als Captain Francis Crozier in der Serie "The Terror" hat mir sehr gut gefallen. Der Schauspieler war mir vorher nicht so bekannt.
Außerdem Matthew McConaughey, Filmübergreifend. Den Schauspieler kannte ich früher eher aus "Popkorn" Kinofilmen. In den letzten Jahren hat er mich durch Rollen von starken und gleichzeitig gebrochene Charakteren stark beeindruckt.
Das macht er so überzeugend, dass ich während des Films keinen Schauspieler erkenne. Zu nennen wäre die Serie "True Detective" und der Film "Dallas Buyers Club".

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JK: Ein Perpetuum Mobile, wenn da nicht die Physikgesetze wären ….. .

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JK: Ich fühle mich weder speziell als das Eine noch als das Andere. Oft habe ich von den Dingen klare Vorstellungen, was einen Einzelkämpfer vermuten lässt.
Ich kann mich aber auch gut zurück nehmen und im Team arbeiten.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JK: Definitiv in öffentlichen Verkehrsmitteln. Allein schon aufgrund der Menge an Zeit, die man dort verbringt.
Dementsprechend ist die Dichte der Einfälle im Winter höher, da ich im Sommer lieber mit dem Rad von A nach B fahre.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JK: Kunst und Kultur wird in Zukunft vermutlich das sein, das von der Automatisierung, Digitalisierung, künstl. Intelligenz, und anderen technischen Entwicklungen unberührt bleiben wird.
Ich meine damit nicht, dass wir im Bereich Kunst und Kultur die techn. Fortschritte nicht nutzen, sondern, dass Kunst und Kultur auch in Zukunft noch von Menschen erdacht wird.
Auch wenn nicht alle Arbeitsplätze in Zukunft durch den techn. Fortschritt verschwinden werden, könnte die Kultur helfen, entstehende Lücken zu schließen.
Die Arbeit der Menschen wird sich hin zur Kreativität verlagern müssen, um in Zukunft bestehen zu können.
Das ist allerdings nichts, was sich an einem Tag ändern lässt. Der Tag würde vielleicht reichen, in der Gesellschaft eine Debatte anzustoßen.
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Samstag 07.07.2018
Jütz – Eine Weltfriedensmaschine
Jütz leben in den Bergen – scheinen aber in der weiten Welt zu Hause. In Zeiten nationaler Abgrenzungen und neu entflammter Intoleranz haben es sich Isa Kurz (Stimme, Geige, Akkordeon, Hackbrett), Daniel (Dänu) Woodtli (Trompete, Flügelhorn, Stimme, Hackbrett) und Philipp Moll (Kontrabass, Stimme) zum Ziel gesetzt, ausgehend von der Musik ihrer Heimat viele andere Regionen zu erobern. Das heißt, das aus Südtirol und der Schweiz stammende Trio verleugnet in ihren Kompositionen und Improvisationen ihre Herkunft nicht, reichert aber die eigene Folklore mit exotischen Klängen und stilübergreifenden Ideen an, so das letztendlich eine ganz ganz besondere Magie entsteht. „Von Berghütten bis hin zu Konzerthallen“ war in einem Blog über sie zu lesen. „Diese Musik hat in ihrer Vertrautheit jede Menge Charme und geht zugleich neue Wege, die abgelegen aller breiten und ausgetretenen Wanderpfade des Mainstream liegen. Man kann sie ebenso für ein alternatives Volksmusikfestival buchen, als auch für eine moderne Jazzreihe“, war vor einigen Wochen an dieser Stelle über ihr Album „hin & über“ zu lesen. Jütz gehören auch zum neuen Programm der Reihe jazz first in Fürstenfeld. Am 23. Januar 2019 sind sie hier zu Gast im 15. Jahrgang.
Das komplette Programm:

27. November 2018; Klaus Paier & Asja Valcic Quartet „Cinema Scenes“
19. Dezember 2018: Pat Appleton Quintett „A Higher Desire“
23. Januar 2019: Jütz „hin & über“
27. Fabruar 2019: Florian Weber Solo
03. April 2019: Emil Brandqvist Trio „Within A Dream“
22. Mai 2019: Norma Winstone & Glauco Venier


KULTKOMPLOTT: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
DÄNU WOODTLI: Eine schöne Kindheit in einfachen Verhältnissen. Es gab nicht viel, aber es gab Musik.
ISA KURZ: Eine Mischung aus dem Suchen nach neuen Erfahrungen, dem Ausloten von eigenen Grenzen, dem Setzten von hohen Zielen, aber auch dem Zufriedensein mit Erreichtem.
PHILIPP MOLL: Ich weiss eigentlich gar nicht so genau was ich heute bin. Von da her schwierig zu beantworten.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
DÄNU: Leute aus allen Generationen und sozialen Schichten, welche die Fähigkeit haben, sich unvoreingenommen auf etwas einzulassen.
ISA: Bei unserem Trio JÜTZ steht das Kennenlernen und Auseinandersetzen mit der „eigenen“ Musikkultur im Mittelpunkt. Dabei werden Fragen aufgeworfen wie: „Was ist die ‚eigene‘ Kultur?“, „Wo fängt sie an, wo hört sie auf?“, „Wer bestimmt die Grenzen und Regeln?“, „Brauchen wir überhaupt Grenzen und Regeln?“. Gleichzeitig ist mir aber auch die Frage der künstlerischen Ästhetik ohne Hintergedanken wichtig, es gefällt oder es gefällt nicht.
PHILIPP: Toll wäre, den Menschen einen ungezwungenen und unvoreingenommenen Zugang zur Musik ihrer eigenen Kultur zu bieten. Diesbezüglich hinken wir geschichtlich bedingt im Alpenraum im Vergleich zu anderen Ländern weit hinten nach. Ausserdem liesse sich mit einer diskursiv entlasteten Musik gut beweisen, dass die Erfindung der Nationalstaaten ein Auslaufmodel ist, weil unsere Art der Musik das Gemeinsame und Verbindende hervorhebt: Musik kennt keine politischen Grenzen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
DÄNU: Büroarbeit. Dafür bin ich mein eigener Manager, das gibt mir viel Freiheit Widrigkeiten zu minimieren.
ISA: Siehe Punkt 2: Den schmalen Grad zwischen rein musikalischem Wohlbefinden und künstlerisch-politischem Diskurs nicht zu verfehlen. Und manchmal die Arbeit mit Tontechnikern!
PHILIPP: Immer wieder mal sind wir damit konfrontiert dass Journalisten zwischen dem was wir machen - Kunst - und Strömungen, die die Volksmusik rein aus Eigeninteresse instrumentalisieren, unzulänglich differenzieren. Entweder weil sie es nicht können oder nicht mal sehen. Sehr ärgerlich.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
DÄNU: Ich werde oft engagiert als Musiker an Trauerfeiern und habe grad eine ganze Serie hinter mir. Wenn man all diese Lebensgeschichten hört, macht man sich auch Gedanken über sein eigenes Dasein.
PHILIPP: Neulich sah ich einen Mitschnitt eines Podiums der University of Oxford, über die Herkunft des Menschen und des Universums; die Teilnehmer waren Sir Richard Dawkins, Vertreter der Evolutionstheorie, und Sir Rowan Williams, ehemaliger Archbishop of Canterbury. Nichts beeindruckt mich mehr als ein mit Respekt geführtes Zwiegespräch mit so konträren Positionen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
DÄNU: Dann, wann die Kraft der Musik voll einschlägt; wenn der unmittelbare Moment alles Bewusste vergessen lässt.
ISA: Wenn man sich und seine Musik verstanden fühlt. Wenn man sieht, was Musik bewegen kann. Wenn man erlebt, wie Musik hören bzw. machen den Menschen Freude bringt. Wenn man sich selbst in einem Musikstück verliert.
PHILIPP: Es gibt sehr viele. Wenn ich merke wie sehr mir die Arbeit Spass macht, z.B. wenn ich mich auf ein Konzert vorbereite oder ein Stück schreibe und ich mich dabei total in der Materie vertiefe, fast darin auflöse - da denke ich schon, dass es kaum besser sein könnte. Aber auch ein Resultat kann irre sein - z.B. habe ich kürzlich das erste Mal Filmmusik von mir auf einer Leinwand vor 800 Leuten gehört, das war schon sehr cool. Oder wenn man merkt, dass die eigene Musik anderen Menschen etwas bedeutet. Das spüren wir mit Jütz sehr oft, v.a im Dialog mit den Leuten nach dem Konzert.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
DÄNU: Ja, oft im Auto. Und es ist kaum auszuhalten. Dafür weiss ich, was die mächtige Musikindustrie dem Konsument repetierend eintrichtert. Anderseits höre ich wenig, aber sehr bewusst Musik aus verschiedensten Sparten. Ich mag auch sehr simple, reduzierte Musik.
ISA: Hängt von den Umständen ab, beim Lesen klassisch, beim Sport Electro-Pop, im Badezimmer chilligen Jazz, beim Kochen Indie Pop, … aber gerne auch mal Radio, um auf dem Laufenden zu bleiben.
PHILIPP: Das ändert sich ständig. Aktuell Oscar Peterson „Night Train", Radiohead „A Moon Shaped Pool“, Arvo Pärt „Fratres“.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
DÄNU: Vinyl.
ISA: Beides.
PHILIPP: Im Auto CDs, zu Hause Vinyl - ein guter Mix: es gibt Musik die digital einfach fantastisch klingt und so manches gibt für mein Empfinden analog viel mehr her. Wer hätte auch Platz für einen Plattenspieler im Auto?

KK: Was lesen Sie momentan?
DÄNU: Ihre Fragen. Ansonsten die Tageszeitung in Papierform.
ISA: Ich versuche viele englische Bücher zu lesen, um meinen Wortschatz zu erweitern. Zur Zeit Patrick Ness „The Crane Wife“
PHILIPP: George Eliot „The Mill On The Floss“, dazu braucht man Geduld, aber die Sprache der Autorin ist schlicht umwerfend. Bram Stoker „Dracula“ war davor dran - mein absolutes Lieblingsbuch. Eventuell lese ich es grad nochmal.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
DÄNU: Definition über Klicks und Likes.
ISA: Angeberisches Gerede über unnütze Sachen.
PHILIPP: Ungerechtigkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
DÄNU: Dass Klicks und Likes nichts mit der Realität zu tun haben.
ISA: Ein Tag in den Bergen.
PHILIPP: Die einfachen Sachen. Eine gute Tasse Tee. Ein Gespräch bei dem man dazulernt. Glück mit Familie und Freunden.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
DÄNU: Ja, ein Designer-Beistelltisch aus einer missglückten Vinyl-Pressung von meinem Jazztrio.
ISA: Ich bin leidenschaftliche Sockenstrickerin.
PHILIPP: Ich glaube in der Volksschule .. ich müsste nachdenken.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
DÄNU: Kann ich nicht konkret sagen. Ich mag die Ästhetik alter französischer Filme.
ISA: Von den meisten Kinderschauspielern. Wie man einem 3jährigen erklärt, er soll jetzt genau das machen, ist mir ein Rätsel
PHILIPP: Als ich das erste Mal „This is Spinal Tap“ gesehen habe, wohnte ich bereits mehrere Jahre in Grossbritannien. Ich bin voll auf den Film und die grossartigen Schauspieler reingefallen: meine englischen Kollegen haben sich neben mir auf dem Sofa vor Lachen gekrümmt und ich dachte nur „Was für Kindsköpfe“ - bis der Groschen gefallen war, dauerte es sicher bis in die Hälfte des Streifens.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
DÄNU: Vielleicht eine Weltfriedensmaschine?
ISA: Eine Maschine, mit der man auf Knopfdruck in verschiedenen Sprachen fließend sprechen kann.
PHILIPP: Ich dachte immer es gibt nichts dass es nicht gibt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
DÄNU: Tendenziell Einzelkämpfer. Obwohl das Wort “Kämpfer” mag ich nicht.
ISA: Überwiegend Teamplayer, kann mich aber auch sehr gut alleine behaupten.
PHILIPP: Ganz klar als Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
DÄNU: Im Traum.
ISA: Wenn ich mit anderen Dingen beschäftigt bin, beim Sport, beim Kochen, … ein Stück der letzten CD ist mir tatsächlich im Schlaf eingefallen, ich bin mitten in der Nacht aufgestanden und hab das ganze Lied in einem Rutsch aufgeschrieben. Wäre praktisch, wenn das immer so liefe.
PHILIPP: Je mehr Abstand - auch geographisch - von einer Sache, desto leichter fällt es mir sie zu beurteilen. Mit den Einfällen ist es auch so.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
DÄNU: Die der Konkurrenz, haha...nein, insbesondere Nachrichtenportale.
ISA: Da ich soviel unterwegs bin, habe ich keine Zeitung abonniert, also informiere ich mich auf orf.at über das aktuelle Tagesgeschehen. Gerne aber auch „Die Tagespresse“
PHILIPP: Manchmal checke ich Kurznachrichten auf NZZ, FAZ, BBC Websites.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
DÄNU: Ich würde subventionsverwöhnten Künstlern klar machen, dass künstlerische Arbeit früher oder später auch wirtschaftliche Aspekte beinhalten sollte.
ISA: Freier Eintritt in Museen, Chorsingen für alle.
PHILIPP: An einem Tag liesse sich wohl nur wenig ändern.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
DÄNU: “Vom Musikant zum Musiker und zurück”
ISA: Ich kann nicht nur weiße Tasten singen.
PHILIPP: Möglich ist alles.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
DÄNU: Wenn man zurück blickt, haben entscheidende Stationen im Lebensverlauf immer mit Begegnungen zu tun. Ich wünsche mir für die Zukunft wegweisende Begegnungen mit interessanten Menschen. Auf diese kann man nicht einfach warten, man muss sie aktiv herausfordern.
ISA: Mit vielfältigen musikalischen Erlebnissen, Erfahrungen und Begegnungen.
PHILIPP: So wie das Klaviertrio (No.3) von Werner Preisegott Pirchner: „Heute … war Gestern Morgen. Heute … ist Morgen Gestern."
Autor: Siehe Artikel
Sonntag 10.06.2018
Tatiana Flickinger – Alles im Fluss
Bilder
Tatiana Flickinger hat sich ihren Kindheitstraum erfüllt – sie ist Blockflötistin. Aber bevor sie in München und Zürich das schmale Holzblasinstrument bei renommierten Professoren perfekt zu spielen lernte, studierte sie Bauingenier. So vereint sich in ihrer Persönlichkeit das Bodenständige und das Musische. Eine Mischung, die ihr mit Sicherheit die Herangehensweise an Musik aus unterschiedlichen Jahrhunderten erleichtert. Für das umfassende Repertoire ihrer Konzerte ist eine starke Persönlichkeit gefragt.
Am 24. Juni wird Tatiana Flickinger gemeinsam mit Viktor Töpelmann (Barockvioloncello) und Helene Lerch (Cembalo und Orgel) zur 161. Matinee eleven-eleven in der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach (KOM) in der Hauptstraße 68 auftreten. Unter der Überschrift „Luftsprünge und Purzelbäume“ gibt es prachtvolle Musik des 17. Jahrhunderts mit Werken von Castello, Frescobaldi, Riccio, Merula und anderen. Beginn: Natürlich 11.11. Uhr.


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Tatiana Flickinger: Dass ich heute als Blockflötistin doch recht erfolgreich bin und im Grunde ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist, kann ich manchmal immer noch nicht so recht glauben. Die Musik gehörte schon immer zu meinem Leben, aber nach meinem Bauingenieurstudium war vor allem die Unterstützung meiner Familie ein essenzieller Faktor. Die Liebe zu meinem Instrument und die Freude an der Musik taten ihr übriges…

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
TF: Im Idealfall natürlich alle! Jeder Mensch hat das Bedürfnis Musik zu hören, und wenn ich Menschen erreiche, die zum ersten Mal ihre Begeisterung für Alte Musik durch mich entdecken, ist das das Großartigste was einem passieren kann.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
TF: Ein Problem ist immer noch, dass ganz viele Menschen die Blockflöte total unterschätzen. Selbst Konzertveranstalter sind da in Bezug auf Alte Musik und die Blockflöte recht vorsichtig. Für mich völlig unverständlich… Ich würde mir in der Beziehung mehr Mut und Aufgeschlossenheit aller Beteiligten wünschen, um zu entdecken was dieses vielseitige Instrument alles kann! Und es kann eine Menge….

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
TF: Musik auf der Bühne zu erleben, ob als Zuhörer oder Musiker bescheren einem viele Glücksmomente. Beeindruckend sind jedoch vor allem die Erfahrungen, die einen die Welt mit anderen Augen sehen lassen…
Zuletzt war das für mich Anton Webern, "Sechs Bagatellen, op. 9" gespielt vom Minguet Quartett im KOM in Olching bei der Eleven-eleven Matinee Konzertreihe. Ein ganzes Universum in ein paar Minuten Musik!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
TF: Wenn während eines Konzertes diese besondere Verbindung zwischen Publikum und Musikern entsteht. Alles ist dann im Fluss, wird unendlich leicht und es macht eine riesige Freude diese Erfahrung miteinander zu teilen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
TF: In der Regel höre ich sehr gerne was meine KollegInnen so machen… Barockmusik ist mein täglich Brot und es ist immer gut seinen Horizont zu erweitern. Aber so ist Musik hören auch immer mit der eigenen Arbeit verbunden. Zum Vergnügen bin ich seit über 20 Jahren ein großer Fan der Fantastischen Vier. Ich weiß, dass passt jetzt kaum. Überraschung!

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
TF: Ich bin mit der CD aufgewachsen und habe so leider gar keine Beziehung zu Vinyl…

KK: Was lesen Sie momentan?
TF: Ich lese sehr viel. Aber immer zweigleisig, etwas zum Vergnügen und etwas für die Arbeit. Als Musikerin, die sich mit historischer Aufführungspraxis beschäftigt ist es unerlässlich, die Quellen aus der entsprechenden Zeit zu studieren. Das ist so wichtig, denn schließlich gibt es keine CD Aufnahmen aus dem 16., 17. oder 18. Jahrhundert, so dass wir aber zum Glück auf viele schriftliche Traktate, Briefe und Tagebücher zurückgreifen können, um zumindest eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, wie die Musik damals vielleicht geklungen haben könnte. Gerade ist bei mir mal wieder Johann Joachim Quantz „Versuch einer Anweisung die Flöte traversière zu spielen“ an der Reihe.
Zum Vergnügen: Hermann Hesse „Glasperlenspiel“, ein fantastisches Buch!

KK: Was ärgert Sie maßlos?
TF: Grundsätzlich bin ich bestrebt immer das Positive und Nützliche in allen Dingen zu sehen. Selbst wenn einem mal etwas ärgerliches über den Weg läuft, gibt es doch immer doch etwas positives daran. Und sei es nur sich den Tag nicht verderben zu lassen, indem man sich über eine Sache - ob groß oder klein - eben nicht maßlos ärgert.

KK: Was freut Sie ungemein?
TF: Das ist schwierig, es gibt so Vieles über das ich mich freue und vor allem sehr dankbar bin. Aber am meisten denke ich, wenn ich schöne und erfüllende Moment mit meiner Familie verbringe.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
TF: Ich stricke für mein Leben gerne: Schals, Decken, Pullover, Socken,…

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
TF: Ganz ehrlich… Ich schaue nur ganz, ganz selten mal einen Film und Fernsehen eigentlich gar nicht. Beeindruckend finde ich das reale Leben mit echten Menschen, das ist doch viel spannender!

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
TF: Eine Maschine, um in der Zeit zu reisen: Wie gerne würde ich sie Alle mal treffen: Georg Philipp Telemann, die Herren Bach und Georg Friedrich Händel natürlich, Vivaldi nicht zu vergessen und einem kleinen Plausch mit Corelli wäre ich auch nicht abgeneigt, um nur mal die wichtigen zu nennen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
TF: Auf alle Fälle bin ich ein Teamplayer, als Musiker muss man das auch sein. Ich liebe es insbesondere im Ensemble zu spielen, z.B. mit Colori del barocco. Das Zusammenklingen von Oboe, Violine, Fagott, Cembalo und Blockflöte ist wahnsinnig schön und das miteinander ist dabei ganz essenziell und macht immer besonders viel Freude. Auch im nächsten Konzert am 24. Juni im KOM in Olching zusammen mit Viktor Töpelmann (Violoncello) und Helene Lerch (Orgel und Cembalo) ist perfekte Zusammenarbeit und blindes Verständnis gefragt.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
TF: Ganz klassisch: unter der Dusche!

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
TF: Nichts was man regelmäßig nennen könnte… Am ehesten bin ich noch immer bei facebook zu finden, wobei ich das nur beruflich nutze, um mit anderen Künstlern in Verbindung zu bleiben und man sieht auch immer was alle anderen gerade so machen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
TF: Ich würde gerade die kleinen, mutigen, oft unglaublich tollen und ausgefallen Produktionen, die sich außerhalb der ausgetretenen Pfade des klassischen Konzertbetriebes befinden, fördern. Für mehr Vielfalt und Kreativität!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
TF: … das würde wohl keiner lesen wollen, viel zu langweilig.
Obwohl, der Satz, den ich als Blockflötistin am meisten zu hören bekomme: „Blockflöte, ach das hab ich früher auch mal gespielt!“ wäre vielleicht kein schlechter Titel….

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
TF: Wenn es um meine Zukunft geht, dann wünsche ich mir, dass alles so im Fluss bleibt. Ich plane eigentlich nicht, die Dinge passieren, mit mir oder ohne mich. So wie es jetzt ist, ist für mich ein großes Glück! Für die Zukunft aller Menschen würde ich mir das Wünschen, was wir wohl alle wollen: Frieden, ein Leben ohne Angst und Hunger, vor allem mehr im Einklang mit unserem Heimatplaneten, Rücksicht und Verständnis untereinander.
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