Haben Sie einen Artikel verpasst? Dann klicken Sie hier. Im Archiv finden Sie auch ältere Veröffentlichungen.
1. DAS VORSPIEL
2. CRESCENDO
3. FREIES LAND
4. JUDY
5. Der Leuchturm
6. Joker
Donnerstag 23.01.2020
DAS VORSPIEL
Ab 23. Januar 2020 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Bilder
Anna Bronsky ist Geigenlehrerin an einem Musikgymnasium. Sie setzt gegen den Willen ihrer Kollegen die Aufnahme eines Schülers durch, den sie für sehr talentiert hält. Engagiert bereitet sie Alexander auf die Zwischenprüfung vor und vernachlässigt dabei ihre Familie. Ihren Sohn Jonas, den sie in Konkurrenz zu ihrem neuen Schüler bringt und ihren Mann Philippe. Ihr Kollege Christian, mit dem sie eine Affäre hat, überredet sie in einem Quintett mitzuspielen. Als Anna in einem Konzert als Geigerin versagt, treibt sie ihren Schüler zu Höchstleistungen an. Am Tag der entscheidenden Zwischenprüfung kommt es zu einem folgenschweren Unglück.

Ein Film von Ina Weisse
Mit Nina Hoss, Simon Abkarian, Serafin Mishiev, Ilja Monti u.a.

DAS VORSPIEL von Regisseurin Ina Weisse feierte im September 2019 Weltpremiere beim 44. Toronto International Film Festival. Anschließend war das Drama mit der herausragenden Nina Hoss in der Hauptrolle in den Wettbewerb des 67. Festival Internacional de Cine de San Sebastián eingeladen. Dort wurde Nina Hoss mit der Goldenen Muschel als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Beim 27. Filmfest Hamburg – dort feierte DAS VORSPIEL Deutschlandpremiere – ist Nina Hoss mit dem Douglas-Sirk-Preis geehrt worden. Anfang November kommt die deutsch-französische Koproduktion in Frankreich in die Kinos. DAS VORSPIEL ist nach dem preisgekrönten Drama DER ARCHITEKT (2008) der zweite Kinospielfilm, bei dem Ina Weisse Regie geführt hat. Für ihr Porträt einer Familie in all ihrer Widersprüchlichkeit hat die Filmemacherin die Hauptrolle mit der viel beschäftigten Theater- und Filmschauspielerin Nina Hoss (RÜCKKEHR NACH MONTAUK, A MOST WANTED MAN, BARBARA) besetzt und ihr den französischen Schauspieler Simon Abkarian (REBELLINNEN – LEG DICH NICHT MIT IHNEN AN, VORHANG AUF FÜR CYRANO, „Playground“) sowie seinen dänischen Kollegen Jens Albinus (NYMPHOMANIAC I, „Der Adler – Die Spur des Verbrechens“, IDIOTEN) an die Seite gestellt.  Vor der Kamera von Judith Kaufmann (NUR EINE FRAU, DER JUNGE MUSS AN DIE FRISCHE LUFT) standen in weiteren Rollen Sophie Rois („M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, DREI), Thomas Thieme („Babylon Berlin“, KUNDSCHAFTER DES FRIEDENS) sowie die Jungdarsteller Ilja Monti und Serafin Mishiev.



INTERVIEW MIT REGISSEURIN INA WEISSE 

Wie bei Ihrem ersten Film DER ARCHITEKT ist auch DAS VORSPIEL in Zusammenarbeit mit Ihrer Co-Autorin Daphne Charizani entstanden. Sind Annas hohe Ansprüche und ihr strenges Urteil ihrem Kind gegenüber, der Kern und Ursprung des Dramas?
Der Ursprung ist ihre Suche nach dem Absoluten und die Unerbittlichkeit, die Anna sich selbst gegenüber hat. Dazu kommen ihre Minderwertigkeitsgefühle. Schon als Kind sah sie in einem Lob nichts anderes als versteckte Kritik. Wir haben versucht, die Zerrissenheit und Unsicherheit dieser Frau zu beschreiben. Wenn man alles in Frage stellt, der Anspruch an sich selbst groß ist und gleichzeitig auch die Angst zu scheitern, wird man verletzlich, weil man weiß, dass einem die Zweifel niemand nehmen kann. Annas Überzeugung, dass sich alles der Musik unterzuordnen hat, dass man kämpfen muss, dass nie etwas gut genug ist, nie fertig, setzt sie unter großen Druck. Dieser Druck steigert sich nach ihrem Versagen im Quintett, wenn sie ihren Schüler zu Höchstleistungen treibt. Es geht ihr um den Jungen, aber letztlich geht es ihr um sich selbst.
 
Wie haben Sie dieses Umfeld recherchiert, um es so genau beschreiben zu können?
Wir haben beide selbst lange Cello und Geige gespielt und waren auch in einem Orchester. Das Milieu und der oft quälende Übe-Prozess war uns also vertraut. Es ging uns darum diesen Prozess zu beschreiben, die Arbeit an der Musik. Bei späteren Recherchen am Musikgymnasium in Berlin habe ich Ilja Monti getroffen, der den Geigenschüler von Anna spielt. Ich habe ihn vor den Dreharbeiten längere Zeit begleitet.
 
Wie haben Sie die Auswahl der Musikstücke im Film getroffen?
Das Presto von Bach, das der Schüler übt, und die Chaconne von Bach spielt jeder Geiger irgendwann. Beide Stücke standen sehr früh fest.  Anders beim Cello- Konzert, das am Ende des Films vom Schülerorchester gespielt wird. Hier habe ich nach einem Stück gesucht, das von der Stimmung her nicht den Schluss des Films kommentiert. Das Lied, dass Simon Abkarian am Anfang singt „Die Zeit der Kirschen“ ist das berühmte Lied der Pariser Commune. In Deutschland hatte ich es von Wolf Biermann gehört, daher war es mir vertraut. Dass wir im Film oft hart aus den Musikstücken raus gehen, war im Schnitt früh angelegt und bestimmt den Rhythmus des ganzen Films. 
 
Diese Härte findet sich teilweise auch in der Hauptfigur wieder.
Ich weiß nicht, ob ich Anna als hart bezeichnen würde. Sie zweifelt, ist zerrissen, sie will die Kontrolle behalten, sie ist widersprüchlich, mutig, sie setzt sich ihrer Unzulänglichkeit aus und kämpft damit. 
 
Wie haben Sie Nina Hoss an diese Figur und ihre inneren Widersprüche herangeführt?
Ich habe mich jeden Tag darauf gefreut, mit ihr zusammenzuarbeiten. Mit großem Einfühlungsvermögen hat sie diese ambivalente Figur gespielt. Sie hat sich diese musikalisch schweren Stücke auf der Geige in bewundernswerter Weise angeeignet. 
 
Wie haben Sie mit den anderen Schauspielern gearbeitet? Wie viel Freiheit lassen Sie sich am Drehort?
Die Schauspieler für den Geliebten und den Ehemann zu finden, hat Zeit gebraucht. Simon Abkarian und Jens Albinus kannte ich natürlich aus Filmen. Als ich sie schließlich traf, Simon in Paris, Jens in Kopenhagen, war schnell klar, dass es wunderbar wäre, wenn wir zusammenarbeiten würden. Die Freiheit am Drehort kam durch das Vertrauen, durch den Respekt, die gegenseitige Wahrnehmung, beim Versuch die Szene zu einem bestimmten Punkt zu bringen.
 
Würden Sie das als Suche nach Wahrhaftigkeit beschreiben?
Natürlich sucht man den Kern, das Wesentliche in einer Szene. Man versucht sie zu einem Konzentrat zu bringen. Im Schnitt mit Hansjörg Weißbrich hat sich die Suche fortgesetzt. Wir haben weiter reduziert und verdichtet. 
 
Hatten Sie auch deswegen so großes Vertrauen zueinander, weil Sie selbst auch Schauspielerin sind?
Das glaube ich nicht. Natürlich kenne ich die Mechanismen, die man als Schauspieler in bestimmten Situationen abruft, um sich zu helfen. Und ich weiß, was es oft für Mut und Überwindung braucht, bestimmte Situationen zuzulassen. 
 
Viel menschliche Erfahrung steckt in dem Film zwischen den Zeilen. Die Komplexität der Beziehungen wird nicht auserklärt. Annas Affäre inszenieren Sie beispielsweise ganz beiläufig. Wie sind Sie zu dieser Erzählweise gekommen? 
Sie hat eine Affäre, die nur scheinbar beiläufig erzählt wird. Ihr Mann weiß wahrscheinlich davon, aber trotzdem gibt es eine große Nähe, Wärme zwischen den beiden. Ich wollte es nicht bewerten.
Auch das Verhältnis zum Vater wird eher angedeutet. Man spürt ihre Verletzungen und kann vermuten, was für eine Kindheit sie hatte, dass sie unter ihrem Vater gelitten hat.
 
Reproduziert Anna als Mutter bestimmte Verhaltensweisen, denen sie als Kind selbst ausgesetzt war?
Ja und nein. Sie kämpft damit. Sie gibt den Druck an ihren Sohn und an ihren Schüler weiter. Dadurch macht sie sich schuldig. Und das weiß sie. 
 
Ihr Mann, der Vater ihres Kindes, ist extrem wohlwollend. Können Sie uns etwas über diese Figur sagen?
Im Gegensatz zu Anna ist die Zuneigung des Vaters zu seinem Sohn nicht an Bedingungen geknüpft. Er lässt seinen Sohn frei wählen. So geht er auch mit Anna um. Er sieht ihre Probleme, aber er greift nicht ein, weil jeder sein Leben selbst bestimmen soll. Zwang und Einschränkung liegen ihm fern. Er ist für sie da. Und er sieht auch die Gefahr, auf die die Familie zuläuft.
 
DAS VORSPIEL ist Ihr zweiter Spielfilm nach DER ARCHITEKT. Mit dem Produzenten Felix von Boehm und der Bildgestalterin Judith Kaufmann hatten Sie schon einen Dokumentarfilm über DIE NEUE NATIONALGALERIE gedreht. 
Ja, Felix von Boehm war mein vertrauter Partner in beiden Filmen. Judith Kaufmann hat einen genauen, poetischen Blick. Er drückt sich in all’ ihren Bildern aus. Genau wie bei Susanne Hopf, unserer Szenenbildnerin. 
 
Ist das ein weiblicher Blick?
Das weiß ich nicht. Ich denke eher, es ist ein empathischer Blick. 




INTERVIEW MIT SCHAUSPIELERIN NINA HOSS 

Als Sie das Drehbuch bekommen haben, welche Welt ist Ihnen dort begegnet? Und warum hatten Sie Lust, in dieser Welt Zeit zu verbringen?
Mich hat die Figur der Anna interessiert und fasziniert. Schon beim ersten Lesen habe ich gedacht: Anna flirrt. Man lernt sie in einem Moment in der Mitte ihres Lebens kennen, wo sie instabil ist, nach Balance sucht, und sich selbst fragt: War es das jetzt? Habe ich mir meine Träume erfüllt? Bin ich glücklich? Und dann war sie mir gleichzeitig sympathisch und unsympathisch - und ich dachte: Diese Figur will ich untersuchen. Sie ist als Lehrerin viel stabiler als zuhause. Das hat mir etwas erzählt über ihre Disziplin, auch darüber, woher sie kommt. Was ihr Musik bedeutet. Sie entblättert sich im Laufe des Films. Das fand ich so wunderschön zart und klug gezeichnet von Ina Weisse, aber auch mit viel Humor und Biss, was ich besonders fand. Sie liebt ihre Figuren, die wahnsinnig widersprüchlich sind und lässt ihnen und uns Zeit, sie zu entdecken.
 
Wie haben Sie sich Anna in den Verhältnissen zu den verschiedenen Männern erschlossen? 
Anna ist tatsächlich von vielen Männern umgeben. Weil sie ihre Mutter relativ früh verloren hat, fehlt ihr die mütterliche Begleitung. Gleichzeitig ist sie mit einer starken Vaterfigur aufgewachsen, an der sie sich abarbeitet. Ihr Ehemann ist auch einer, an dem sie sich abarbeitet. Er bietet ihr einen Ruhepol – und eine starke Persönlichkeit. Anna ist zwar kein schwaches Püppchen, das Halt braucht, aber männliche Zuwendung und Bestätigung. Oder überhaupt Bestätigung. Und in diesem Moment ihres Lebens, in dem sie sich ihrer nicht sicher ist, braucht sie jemanden, der ihr keine Fragen stellt, sie ohne Palast neu entdecken will und ihr hilft, noch einmal mutig zu sein oder zu ihrem alten Selbst zu finden. Da kommt Christian dann genau richtig. Anna braucht Christian. Er ermuntert sie, wieder Geige zu spielen und auch nach einem Fehler weiterzumachen. Es geht im Film auch um das Fallen, das Wiederaufstehen und darum, sich selbst nicht permanent aus Versagensangst im Weg zu stehen. 

Alle reden über starke Frauenfiguren im Kino. Wo kann man dort Anna verorten? 
Im Kino muss man Räume für vielschichtige, komplizierte, interessante, komische, sperrige Frauenfiguren öffnen. Ich kann mich nicht beschweren, ich habe so viele tolle Frauenfiguren spielen können, wozu ich auch Anna zähle. Sie interessiert mich – eben, weil sie so kompliziert ist. Sie lässt sich das Leben nicht aus der Hand nehmen, aber sie weiß momentan nicht, was richtig ist für sie und wer sie ist. Und diese Frauenfigur zu entdecken und zu entwickeln, dabei nicht zu wissen, was letztlich mit ihr passiert – das ist aufregend. Bei Anna kann man andocken. Weil jeder diese Momente kennt, in denen man nicht genau weiß, ob es das jetzt schon war im Leben. Anna ist neugierig, lebenshungrig, sie hat eine Leichtigkeit und sie ist ein bisschen flirrend, manchmal unentschlossen und dann, speziell in ihrem Beruf, weiß sie sehr genau, wonach sie sucht. Es ist gut, wenn wir so widersprüchliche Figuren wie möglich erzählen können. 
 
Bei Anna geht es auch darum, dass einem das Leben innerhalb weniger Tage entgleiten kann. 
Ich glaube, sie entdeckt neue Dinge an sich. Was ihr mit dem Schüler passiert, das kennt sie nicht. Es ist ja letztlich auch eine Bestrafung ihrer selbst, was sie da macht. Diese Verhärtung führt dazu, dass sie nicht merkt, dass sie zu weit geht, dass sie an Grenzen ihrer Persönlichkeit kommt, die sie überraschen. Sie denkt ja, sie will ihm und ihrem Sohn doch nur Gutes. Aber sie setzt sich aus, ist nie selbstmitleidig, sondern macht weiter. 
 
Was macht das mit einer Geschichte, wenn Musik Teil der Filmsprache ist?
Die Musik ist ab einem gewissen Zeitpunkt fast eine Hauptfigur. Das birgt eine Gefahr, weil Musik die Kunstform ist, die am direktesten unser emotionales Zentrum berührt. Wenn Anna übt, merkt man, dass sie gut spielen kann und Ausdruckswillen hat. Doch ihr steht der Leistungsdruck im Weg. Der lässt sie zu nervös werden und nicht den Moment des Spielens genießen. Ich selbst spiele Klavier – dort kann ich gucken, ob ich die Tasten richtig treffe. Bei der Geige muss ich es fast erfühlen. Da liegt ein Instrument direkt an deinem Körper an, das hat auch etwas Sinnliches. Mir hat sich eine andere Welt eröffnet. Ich konnte über die praktische Arbeit am Geige spielen, sehr viel über die Figur Anna erfahren. 
 
Das Drehbuch erzählt sehr bodenständig aus dem Künstlermilieu, vor allem über den Unterricht. 
In den Unterrichtsstunden erfährt man viel darüber, was wirklich in Anna steckt, was – wie das Diszipliniertsein – auch von der Anspruchshaltung ihrer Kindheit kommt. Aber auch vom ganzen musikalischen Umfeld. Und gleichzeitig hat sie schon etwas Eigenes für sich entdeckt, etwas das ihr wichtiger ist als den anderen Lehrern. Sie sucht bei ihrem Schüler den besonderen den Klang. Sie spricht ja mit ihm darüber, dass er selbst, wenn er eine Etüde spielt, sich den Klang des Tones genau vorstellen muss, bevor er ihn produziert, sonst bleibt es nur ein Geräusch. Das ist sehr individuell: Jeder produziert einen anderen Klang mit demselben Instrument. Das ist etwas Besonderes für mich, dass Anna danach sucht. Die Unterrichtsstunden sind sehr konkret. Anna will ihrem Schüler beibringen, wie man zu der Tiefe des Klangs kommt – nämlich mit Vorstellungskraft, Einfühlungsvermögen und dann
 
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 15.01.2020
CRESCENDO
Ab 16. Januar 2020 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
Junge Musiker aus Palästina und Israel sollen zusammen ein Konzert geben. Hat die Musik die Kraft, trotz der vielen Herausforderungen und Hindernisse, Brücken zwischen den jungen Menschen verschiedener Religionen und verhasster Nationalitäten zu bauen?
 
Im Rahmen von Friedensverhandlungen zwischen Diplomaten aus Israel und Palästina soll in Südtirol ein Konzert eines Jugendorchesters junger Palästinenser und Israelis gegen allen äußeren Wiederstand stattfinden. Die Jugendlichen wollen die Friedensbemühungen, die in ihrem Mikrokosmos bereits gefruchtet haben, nicht aufgeben und sehen nach und nach im gemeinsamen Zueinanderfinden und Musizieren einen ersten Weg zur Überbrückung von Hass, Intoleranz und Terror. 
 

Ein Film von Dror Zahavi
Mit Peter Simonischek, Bibiana Beglau, Daniel Donskoy u.a.


Eduard Sporck (Peter Simonischek) ist ein weltberühmter Dirigent, der an einer Frankfurter Musikhochschule unterrichtet. Nun soll er ein Konzert vorbereiten, welches Jugendliche sowohl aus Palästina als auch aus Israel bestreiten. Das Konzert soll aktuelle Friedensverhandlungen zwischen beiden Ländern begleiten und ein Zeichen gegen den Hass setzen, der schon so lange vorherrscht. Eduard Sporck zweifelt. Nicht nur, weil er weiß, dass es nicht einfach wird, beide Seiten zusammenzubringen. Sondern auch, weil er eine schwierige, eigene Geschichte in sich trägt: Als Sohn von zwei NS-Ärzten wurde sein ganzes Leben von den grausamen Taten seiner Eltern geprägt. Doch Klara de Fries (Bibiana Beglau) schafft es, ihn zu überzeugen, die verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen und sich auf die Reise nach Israel zu begeben. Ihre „Stiftung für effektiven Altruismus“ ist für das Abendprogramm bei der Friedenskonferenz verantwortlich und veranstaltet das Konzert.
Zum Vorspielen in Tel Aviv erscheinen zahlreiche junge Musiker von beiden Seiten der israelischpalästinensischen Grenze. Während die Violinistin Layla (Sabrina Amali) und der Klarinettist Omar (Mehdi Meskar) aus dem Westjordanland erstmal die strengen Grenzkontrollen passieren müssen, kommen der israelische Violinist Ron (Daniel Donskoy) und seine Kollegen problemlos und selbstbewusst im Konzertsaal an. Doch die größte Hürde, die alle überspringen müssen, ist die strenge Auswahl des Dirigenten Eduard Sporck. Nur die Besten der Besten dürfen Teil seines Orchesters sein, die Nationalität spielt für ihn dabei keine Rolle. 
 
Nach einem anspruchsvollen Bewerbungsprozess wird ein Kammerorchester von zwanzig jungen Musikern aus Israel und Palästina zusammengestellt. Mit Beginn der Proben fangen auch die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen an, Vorurteile und gegenseitiges Misstrauen machen sich breit. Die Situation eskaliert und grenzt bald an Hoffnungslosigkeit: Können die jungen Israelis und Palästinenser wirklich nicht miteinander musizieren? Ist das Friedenskonzert zum Scheitern verurteilt? 

Um die Konzertvorbereitung vom Kontext des politischen Konflikts zu distanzieren, werden die Proben nach Südtirol verlegt. Dort, auf neutralem Boden, werden die jungen Musiker von ihrem Dirigenten aufgefordert, miteinander zu kommunizieren und Verständnis für die Sichtweise und die Probleme der anderen zu finden. Langsam und vorsichtig nähern sie sich aneinander an. Nur für Omar und die junge Israelin Shira (Eyan Pinkovich) ist die Kommunikation schon von Anfang an kein Problem. Sie sind die einzigen, die komplett ohne Vorurteile miteinander umgehen, denn ihre Freundschaft verwandelt sich schnell in Liebe. Sie wissen, dass ihre Beziehung in der israelischpalästinensischen Realität nicht existieren kann. Die einzige Möglichkeit zusammen zu bleiben, ist die Flucht zu Verwandten in Europa. Als Omar und Shira zusammen in der Nacht das Hotel heimlich verlassen, kommt es zu einem tragischen Missverständnis, dass das Schicksal des jungen Paares und das aller Musiker verändert. 
 


Pressenotiz
 
Auf inspirierende Weise erzählt Dror Zahavis Spielfilm CRESCENDO von jugendlichen Musikern aus Palästina und Israel, die in einem gemeinsamen Konzert ein Zeichen für ein friedliches Miteinander setzen sollen. CRESCENDO ist ein Film über die Kraft der Musik, die Menschen miteinander verbinden kann. Die Last der Geschichte, die sowohl Jugendliche aus Palästina als auch aus Israel immer mit sich tragen, stellt der Film in vielen aufreibenden Begegnungen dar. Hierbei werden alle Seiten, alle Meinungen gehört, doch es wird auch in Frage gestellt, ob ein Projekt wie ein gemeinsames Konzert überhaupt Probleme einer solchen Tragweite lösen kann. Durch viele kleine Einzelgeschichten und Dank eines überzeugend agierenden jungen Ensembles werden viele Facetten der Auseinandersetzung und des Austauschs gezeigt. Peter Simonischek ist als Eduard Sporck genau die richtige Autoritätsperson, die durch eine eigene berührende Geschichte den jungen Menschen den Weg weisen kann, um sich einer friedlichen Zukunft zu öffnen. Die wunderschöne gemeinsam erarbeitete Musik setzt den Rahmen der Geschichte, als Zuschauer wird man zu einem Teil der Gruppe, die miteinander streitet, diskutiert, musiziert und lacht. Und so setzt der Film ein mutiges, wichtiges und inspirierendes Zeichen über sein eigentliches Thema hinaus: Dass Grenzen dazu da sind, überwunden zu werden. Durch Zuhören, Reden und Aufeinander zugehen – und natürlich durch die Kraft der Musik.
 
 

Regisseur Dror Zahavi über seinen Spielfilm Crescendo
 
Was hat Sie an diesem Stoff besonders gereizt? 
Mich interessierten vor allem der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern – ein Thema, das mich seit vielen Jahren beschäftigt – und die Dynamik zwischen den beiden Gruppen, besonders vor dem Hintergrund der klassischen Musik. Das habe ich filmisch in dieser Form noch nicht gesehen.

Haben Sie für den musikalischen Part Fachberater herangezogen? 
Ich habe das Drehbuch mit meinem Freund Johannes Rotter geschrieben. Wir haben die Musikstücke ausgesucht. Unser Orchester im Film setzt sich aus Musikern und Schauspielern zusammen, einige Mitglieder konnten also nicht wirklich musizieren. Daher mussten wir Coaches einsetzen, die den Schauspielern die Instrumente so beibrachten, dass es im Bild aussieht, als würden sie sehr gut musizieren.

Welche war für Sie die größte Herausforderung? 
Es gab viele Schwierigkeiten auf einmal. Zum einen die Arbeit mit 70 Prozent Laien und 30 Prozent Schauspielern in einem Spielfilm, der sehr von der schauspielerischen Leistung lebt. Das zweite war, dass Israelis und Palästinenser in einer sehr aufgeladenen Zeit in einem Raum zusammenkamen. Drittens haben wir in drei Ländern gedreht, hatten dafür aber eigentlich nicht genug Geld. Wir mussten uns also bildlich viel einfallen lassen, um mit einfachen Mitteln so zu drehen, dass es dennoch nach Kinofilm aussieht. Eine große Herausforderung war auch, die Musikteile und Musiker ins Bild zu bringen. Peter Simonischek spielt einen weltberühmten Dirigenten – das ist sehr schwer für einen Schauspieler, der kein Musiker ist. Mimik, Rhythmus, die Arbeit mit den Händen, das war schwierig. Er hatte einen Coach, der ihn während des Drehs begleitet hat.
 
Inwieweit haben Ihnen Ihre Herkunft und ihr Wissen über den Nahen Osten geholfen, diesen Stoff zu bewältigen?  
Ohne dieses Wissen und diese Herkunft hätte ich den Film nicht machen können. Meine Familie lebt in Israel, daher kenne ich die tagtägliche Bedrohung des Lebens dort. Dieses Gefühl und diese Lebenserfahrung kann man nur herstellen, wenn man sie persönlich erlebt hat. Ich habe bei diesem Film versucht, mich nicht vordergründig mit Politik zu beschäftigen. Deswegen finde ich das auch so genial, dass der Film zwar den Konflikt anspricht und eine politische Haltung vertritt, aber im Hintergrund die Musik und eine Gruppendynamik hat, die nicht nur über die politische Ebene läuft.

Wie realistisch oder utopisch ist die Idee eines Friedenskonzerts? 
Im Moment sehr utopisch. Eine Figur sagt im Film auch, dass das Science-Fiction ist. Aber das ist nicht so wichtig. Erstmal wird im Film ausdiskutiert, warum es Science-Fiction ist. Zweitens will der Film eine klare Message vermitteln. Wir zeigen nicht die Realität, wie sie ist, sondern wie sie hätte sein können.

Sie wollten unbedingt Peter Simonischek für die Hauptrolle. Warum? 
Er ist nicht nur die ideale Besetzung des Dirigenten, sondern aus heutiger Sicht die einzige. Was er geleistet hat, ist unglaublich. Der Dirigent trägt ja einen großen Konflikt in sich, der in dieser Form selten zu sehen ist: Als Sohn deutscher Nazi-Verbrecher wird ausgerechnet er mit dieser NahostProblematik konfrontiert. Und ist als Mediator zwischen den Jugendgruppen gefragt. Peter hat es geschafft, diese Figur ins Zentrum zu stellen und mit seiner Wärme und überzeugenden Spielweise dem Film eine Qualität zu geben, die er mit keinem anderen bekommen hätte.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 09.01.2020
FREIES LAND
Ab 09.Januar 2020 im Kino
Bilder
Bilder
Bilder
1992 in Ostdeutschland: Über dem Land schwebt die vage Hoffnung auf eine rosige Zukunft, doch auf dem Boden der Tatsachen macht sich Enttäuschung breit. Dieser deutsche Winter der Unzufriedenheit entführt zwei sehr unterschiedliche Ermittler in ein entlegenes Dorf, aus dem zwei Schwestern spurlos verschwunden sind. Zunächst scheint der Fall klar: in den Westen abgehauen sind sie, so die einsilbige Aussage der Nachbarn. Wer wollte schließlich nicht dem allzu schnellen Niedergang der Region entfliehen? Die beiden Kommissare Stein (Trystan Pütter) und Bach (Felix Kramer) wundern sich zunehmend darüber, dass sich am Verschwinden der Schwestern scheinbar niemand stört, es herrscht diffuses Schweigen. Und auch bei der Kriminalleitung ist man selbst dann kaum interessiert als sich herausstellt, dass bereits früher Mädchen aus dem Dorf verschwunden sind. Als dann die schwer misshandelten Leichen der beiden Schwestern gefunden werden, dämmert Stein und Bach, dass sie es mit einer Mordserie zu tun haben und mit einer zutiefst verstörten Gemeinschaft, in der die Wahrheit ihren Wert verloren hat.

Ein Film von Christian Alvart
Mit Felix Kramer, Trystan Pütter, Nora Waldstätten

Regisseur Christian Alvart („Antikörper“, „Dogs of Berlin“, „Steig. Nicht. Aus.“) inszeniert seine beiden von Felix Kramer und Trystan Pütter genial verkörperten Ermittler mit großem Gespür für die Dichte und Temperatur, die für einen vielschichtigen Thriller unentbehrlich sind. Ihm gelingt eine zutiefst beunruhigende, aufregende und scharfsichtig komponierte Geschichte, die von einer schmerzenden Wunde aus unserer jüngsten Vergangenheit erzählt.


STATEMENT DES REGISSEURS
Nach nunmehr 30 Jahren Nachwendezeit zeigt sich mit wachsender Deutlichkeit, was für ein radikaler Bruch die Wiedervereinigung für die meisten Deutschen, vor allem (aber nicht nur) im Osten bedeutete. Im Freudentaumel der Wende kamen Ängste, Erschütterungen, Traumata nur leise und das Wunder-Narrativ störend zur Sprache.
Doch dieses fundamentale Ereignis schickt auch heute noch Schockwellen durchs Land. Wir müssen immer wieder neu erfahren, wie nachhaltig es Menschen prägt, wenn Systeme zusammenbrechen, Lebenswirklichkeiten über den Haufen geworfen werden und, im Falle der DDR, ein ganzes Land abgewickelt wird. Renovierte Straßen und Fassaden täuschen nicht länger über tiefgehende Verletzungen hinweg. Manchmal entsteht ein unverstellter Blick erst in der Distanz. Anlässlich des dreißigjährigen Jubiläums, aber auch der politischen Zerrissenheit des Landes, beschäftigt sich die Nation mit den Geburtsstunden des wiedervereinten Deutschlands. Was lief damals falsch? Was hat Narben hinterlassen? Wo ist man sich unehrlich begegnet, hat seine Vorurteile in die „neue“ Beziehung mit eingebracht?
Viele Filme beschäftigen sich mit den Ereignissen der Wende, andere mit dem Erstarken der Rechten im ehemaligen Osten. Es gibt starke Sozialdramen und historische Komödien. Das Wesen des Thrillers ist die Beschäftigung, die Auseinandersetzung mit der Angst.
FREIES LAND nähert sich dem Thema mit den Werkzeugen des Genres. Mit LA ISLA MÍNIMA – MÖRDERLAND (2014) fand sich eine starke Vorlage, die ihrerseits anhand des Kriminalfalls ein Portrait Spaniens in der Post-Franco-Ära zeichnet. Für die deutsche Version bot sich in der Begegnung der beiden Kommissare die Möglichkeit, sie als eine Begegnung von Ost und West zu erzählen, als ein Aufeinanderprallen unterschiedlicher Charaktere mit radikal entgegengesetzten Lebensläufen – nicht nur exemplarisch, sondern auch als Individuen. Und es geht nicht um urbane Wirklichkeiten, sondern die Landstriche, die seit Jahrzehnten ausbluten. Dort, wo junge, hoffnungsvolle Menschen nur die Tage zählen, bis sie weg können. Und wo man sich vielleicht nicht so schnell wundert, wenn junge Frauen verschwinden. Die Ängste des Westlers vor dem unbekannten Osten und des Ostlers vor der unbekannten Zukunft begleiten die Ermittlungen und finden ihren Ausdruck in teilweise mystisch überhöhten Begegnungen. Unsere gebrochenen Helden jagen ein Phantom in einem kargen Landstrich, der von Frost und Rost überzogen ist, als ob der Ereignissturm der Nachwende das Land in einem buchstäblichen Schockzustand festgefroren hält. Unsicherheit prägt nahezu alle Figuren, es gibt keine Gewissheiten mehr, und hinter jeder Antwort lauert die nächste Frage.



INTERVIEW TRYSTAN PÜTTER

Gibt es für Sie einen persönlichen Bezug zum Thema des Films, und wenn ja, welchen?
Ich glaube nicht an einfache Wahrheiten und klare Bilder von Gut und Böse. Unser Film wertet nicht, übernimmt keine Position für oder gegen ein System, sondern erzählt von den Schattenseiten in Ost und West und der Ambivalenz der verschiedenen Biographien.

Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?
Patrick Stein ist ein gewissenhafter Vollblutpolizist, der starke Prinzipien hat. Er geht den Dingen auf den Grund, koste es, was es wolle. Er ist kurz davor zum ersten Mal Vater zu werden und ist gleichzeitig weit weg in der Fremde. Ein zerrissener Einzelgänger auf unbekanntem Terrain.

Wie war die Zusammenarbeit mit den KollegInnen und dem Regisseur?
Die Arbeit mit Christian Alvart ist sehr intensiv. Er ist ein absoluter Cineast, ein visueller Virtuose, ein One-Take-Wonder. Mit Felix Kramer hat man einen absoluten Profi an der Seite, der immer bis ans Limit geht. Ich finde, wir beide sind das sexiest Ermittlerpaar seit Starsky & Hutch!

Worin bestand die größte Herausforderung während der Dreharbeiten?
In den Abständen zwischen den relativ spröden Dialogen. Wir wollten eine besondere, fast schon mystische Atmosphäre kreieren und eine ambivalente Freund-Feind-Beziehung erschaffen, die einen nie ganz sicher fühlen lässt. Außerdem war es durchgehend 15 Grad minus.



INTERVIEW FELIX KRAMER

Gibt es für Sie einen persönlichen Bezug zum Thema des Films, und wenn ja, welchen?
Der Film hat mehrere Themen. Das Thema, das sicherlich am intensivsten nach vorne schreit, ist der Ort, aber noch vielmehr die Zeit, in der die Geschichte spielt. Deutschland kurz nach der Wiedervereinigung. Ich bin in Ost-Berlin aufgewachsen und ein Kind dieser Zeit. Ich kann das noch immer fühlen. Ich habe massenhaft Erinnerungen an diese Zeit. Für mich waren die Neunziger aufregend und sehr intensiv. In Berlin traf sich die Welt und es war zu dieser Zeit alles möglich.

Wie war die Zusammenarbeit mit den KollegInnen und dem Regisseur?
Ich genieße die Zusammenarbeit mit Christian sehr. Er ist ein Regisseur, der starke Visionen hat und dennoch mit wenigen Worten und kleinen Gesten auskommt. Er schafft dabei Räume, in denen ich agieren kann. Unvergessliches Statement: „Felix, ich halte keine Reden, bei denen ein Germanistikstudent feuchte Augen bekommt“. Das ist genau mein Ansatz. Einfach machen und nicht stundenlang diskutieren. Aber dieses „machen“ setzt natürlich voraus, dass man sich gegenseitig zu 100% vertraut. Und das tue ich. Christian, wenn Du das hier liest, ich will ein Kind von dir.
Die Zusammenarbeit mit Trystan war so unaufgeregt und selbstverständlich, dass ich das Gefühl hatte, ihn schon lange zu kennen. FREIES LAND war unsere erste Zusammenarbeit. Auf Trystan ist Verlass. Das ist was Großes, und in dem Beruf nicht immer so. Seine Figur hält die Geschichte zusammen. Er macht das mit einer Genauigkeit und Zurückhaltung, die mir sehr gefällt. Ich hätte mir keinen besseren Spielpartner wünschen können.

Worin bestand die größte Herausforderung während der Dreharbeiten?
Mein für die Rolle notwendiges Übergewicht von rund 20 Kilogramm zu halten.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?
Es gibt am Ende des Films eine Tanzszene. Ja, die hat mir sehr viel Spaß gemacht.




INTERVIEW NORA WALDSTÄTTEN

Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?
Katharina ist vom Leben desillusioniert. Die Dinge, von denen sie geträumt und die sie sich erhofft hat, haben sich nicht eingestellt. Der einzige Lichtblick sind ihre zwei Töchter. Doch plötzlich ist Katharina mit der fürchterlichen Tatsache konfrontiert, dass diese seit Tagen verschwunden sind. Sie kann kaum mehr schlafen oder essen. Sie ist gefangen in diesem unendlichen See der Angst, Sorge und Befürchtungen.

Wie war die Zusammenarbeit mit den KollegInnen und dem Regisseur?
Es war eine ganz tolle Zusammenarbeit. Trystan und Felix sind ganz wunderbare Kollegen und ich habe mich sehr gefreut mit ihnen zu drehen. Christian war bei diesem Projekt Regisseur und Kameramann gleichzeitig. Das ergibt ein unglaublich direktes Zusammenarbeiten. Er ist extrem gut vorbereitet, unglaublich schnell, sehr offen und interessiert.

Worin bestand die größte Herausforderung während der Dreharbeiten?
Die größte Herausforderung war wahrscheinlich die Kälte. Bei einer Szene, die wir außen auf einer freien Betonfläche drehten, waren es 15 Grad minus und ich trug nur einen Rock und ein kurzes Jäckchen. Es wurde darunter zwar so viel Thermounterwäsche versteckt wie nur möglich, das half aber leider nur bedingt. Es war unfassbar kalt und schauspielerisch echt eine Herausforderung bei der Kälte noch eine Mimik zu produzieren. (lacht)

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?
Ich mag Christians Arbeitsweise. Da er sehr viele Einstellungen von einer Szene dreht, macht er von einer bestimmten Einstellung vielleicht nur einen Take. Da heißt es immer wach und da sein. Das mag ich. Das hat etwas von Theaterarbeit. Da kannst du ja auf der Bühne auch nicht nochmal unterbrechen und sagen, das war jetzt nicht so, ich komm nochmal. Du musst direkt 100% geben und alles wagen.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Freitag 03.01.2020
JUDY
Ab 02.Januar 2020 im Kino
Bilder
Hollywood, 1939. Kinderstar Judy Garland (Darci Shaw) ist gerade 16 Jahre alt und völlig erschöpft von ständigen Dreharbeiten und den Ansprüchen des Filmstudios MGM, das ihr gesamtes Leben kontrolliert und über sie verfügt, als sei sie eine Leibeigene. Studioboss Louis B. Mayer stellt Judy vor die Wahl: Wenn sie alles tut, was er von ihr verlangt, macht er sie zur Legende. Spielt sie nicht brav mit, wird ihr Stern genauso rasant sinken, wie er aufgegangen ist…

Regie: Rupert Goold
Mit Renee Zellweger, Darci Shaw, Rufus Sewell u.a.


Fast 30 Jahre später: Judy Garland (jetzt: Renee Zellweger), Mutter von drei Kindern, bereitet sich auf ihren Auftritt in einem kleinen Theater in Los Angeles vor. Im Showgeschäft ist sie ein alter Hase, doch Judys berühmte Stimme ist nicht mehr das, was sie einmal war. Der einstige Hollywoodstar hat kaum noch Fans, ist hoch verschuldet und ist inzwischen für ein paar Hundert Dollar zu haben. Peinlich: Da sie ihre Rechnung nicht bezahlt hat, darf Judy an diesem Abend nicht in ihre Hotelsuite zurück und weiß nicht, wohin.

Judy bleibt nichts anderes übrig, als ihre beiden jüngsten Kinder bei ihrem geschiedenen Mann Sidney Luft (Rufus Sewell) abzuliefern. Das Paar streitet um das Sorgerecht für Lorna und Joey. So auch jetzt, kaum dass die beiden im Bett liegen: Sid will, dass die Kids bei ihm leben. Doch Judy könnte es nicht ertragen, von ihnen getrennt zu sein – auch nicht, wenn sie auf Tournee geht.

Während Lorna und Joey bei ihrem Vater vorerst gut aufgehoben sind, verabredet sich Judy mit ihrer erwachsenen Tochter Liza Minnelli. Sie treffen sich bei einer Privatparty in den Hollywood Hills, wo Judy den attraktiven jungen Geschäftsmann Mickey Deans (Finn Wittrock) kennenlernt. Der charmante Mickey flirtet mit Judy, zwischen den beiden fliegen die Funken…

Und Judy erinnert sich an einen anderen Mickey, der 1938 ihr Herz eroberte: Kinderstar Mickey Rooney, ebenfalls bei MGM unter Vertrag. Die beiden trinken in einem Diner Milchshakes und überlegen, was die Publicity-Maschinerie des Studios wohl mit ihnen vorhat: Sollen die zwei bloß Freunde sein oder – was Judy sich insgeheim wünscht – mehr...?

Zurück im Jahr 1968 sucht Judy ihren Anwalt auf, der eine klare Ansage macht: Wenn sie ihre horrenden Steuerschulden in Höhe von vier Millionen Dollar begleichen und für ihre Kinder sorgen will, muss Ms Garland dringend Geld verdienen. In den USA ist sie nicht mehr gefragt, aber in London wird Judy nach wie vor verehrt. Und ein gewisser Bernard Delfont bietet ihr an, fünf Wochen lang in seinem angesagten Club "The Talk Of The Town" zu gastieren. Notgedrungen sagt Judy zu, der Abschied von den Kindern fällt ihr schwer.

In London wird Judy von Bernard Delfont (Michael Gambon) und Rosalyn Wilder (Jessie Buckley) empfangen. Der Impresario hat Rosalyn als "Assistentin", sprich: Babysitter für die notorisch kapriziöse Garland engagiert. Bei der Probe verliert Judy prompt die Nerven und weigert sich zu singen: Angeblich will sie ihre Stimme bis zur Premiere schonen. Die ist allerdings schon am nächsten Abend. Rosalyn und Bandleader Burt Rhodes (Royce Pierreson) sind konsterniert, können den Gast aus Hollywood aber schlecht unter Druck setzen. Judy verbringt eine schlaflose Hotelnacht. Was, wenn ihre Stimme versagt?

Der große Abend ist da, doch im "The Talk Of The Town" wartet man vergeblich auf den Star. Rosalyn findet die aufgelöste Judy schließlich in ihrem Hotelzimmer. Sie hat Beruhigungsmittel genommen und fleht Rosalyn an, die Show abzusagen. Stattdessen hilft die patente Assistentin ihr ins Cocktailkleid und liefert sie in allerletzter Minute im Club ab. Die desolate Judy stolpert auf die Bühne – und der Applaus, der ihr entgegenbrandet, trifft sie wie ein Stromschlag: Die Bühne ist ihr Zuhause, der Beifall ihr Lebenselixier. Judy Garland gibt eine sensationelle Performance.

Doch auf den Erfolgsrausch folgt der Kater: Nach der Show sitzt Judy völlig ausgelaugt und heiser in ihrer Garderobe. Wie soll sie das fünf Wochen durchhalten? Zurück im Hotel findet sie wieder keinen Schlaf. Judy muss an früher denken, als das Studio für jedes ihrer Probleme eine "Lösung" parat hatte: Schlaftabletten, Aufputschmittel, Diätpillen. Bei der Poolparty, die MGM zu ihrem 16. Geburtstag gibt, darf "Pummelchen" Judy keinen Kuchen essen und springt aus Protest in voller Montur in den Pool. Wahrscheinlich war es nicht mal ihr Geburtstag, sondern irgendein Tag, der in ihrem randvollen Terminkalender gerade passte…

Judys grandiose Shows sind Stadtgespräch. Doch Abend für Abend fühlt sie sich erschöpfter und einsamer, Judy vermisst ihre Kinder schmerzlich. Und so kommt es, dass die glühenden Garland-Fans Stan und Dan, die am Bühneneingang warten und auf ein Autogramm hoffen, ihr Idol sogar zum Dinner einladen dürfen. Bei einem mittelmäßigen Omelette erfährt Judy alles über ihre Gastgeber: Stan und Dan können ihre Beziehung nicht offen leben, Homosexualität ist 1968 noch strafbar. Aber Judys Musik gibt ihnen Kraft und Trost. Die Sängerin ist zutiefst gerührt.

Als plötzlich Mickey Deans in Judys Hotel auftaucht, ist sie überglücklich. Das Paar geht shoppen, Judy stellt Mickey die Band vor – keine Spur mehr von Einsamkeit. Mit dem neuen Mann an ihrer Seite fühlt sich Judy wieder jung. Ihr Glück wird jedoch empfindlich gedämpft, als sie in einem TV-Interview auf ihre Kinder angesprochen wird: Lassen sich Karriere und Mutterschaft vereinbaren? Von Schuldgefühlen gequält betrinkt Judy sich, besteht aber darauf, trotzdem aufzutreten. Die Show ist ein Desaster, der gefeierte Star wird ausgebuht.

Wieder kommen die Erinnerungen an ihren 16. Geburtstag hoch: Nach dem peinlichen Zwischenfall stellt Louis B. Mayer seinen aufsässigen Schützling zur Rede und hält Judy vor, dass sie ihm alles verdankt – und er es ihr genauso schnell wieder wegnehmen kann. Die verängstigte Judy verspricht, ihren Boss nie mehr zu enttäuschen…

Nach ihrem katastrophalen Auftritt entschuldigt sich Judy persönlich bei Bernard Delfont. Der besteht darauf, dass sich sein angeschlagener Star untersuchen lässt. Der Arzt verordnet Judy dringend Erholung, am besten zu Hause mit ihren Kindern. Was nun? Mickey nimmt ihr die schwere Entscheidung ab. Er hat einen Deal mit einer Kinokette ausgehandelt: Judy müsste nicht mehr singen, könnte ein Haus in Los Angeles kaufen und endlich bei ihren Kindern bleiben. Judy kann sich ein Leben ohne diesen Traummann sowieso nicht mehr vorstellen und macht Mickey einen Heiratsantrag. Von ihrer Leidenschaft beeindruckt, sagt er spontan Ja.

Dennoch erfüllt Judy ihren Vertrag mit Delfont und tritt weiter im "The Talk Of The Town" auf. Ihr frisch angetrauter Mann ist in die USA geflogen, um den Kinodeal unter Dach und Fach zu bringen. Alles ist perfekt – bis Sid seine Ex in London besucht: Die Kinder haben entschieden, dass sie weiterhin bei ihrem Dad wohnen wollen – selbst wenn Mama wiederkommt. Verzweifelt stürmt Judy ins Hotel, wo zu ihrer Überraschung Mickey wartet. Doch die Wiedersehensfreude währt nur kurz: Der Kino-Deal ist geplatzt, Judy wird weiterarbeiten müssen und kann vorerst nicht in die USA zurück.

So allein und verlassen hat sie sich selten gefühlt, vor der Show betäubt Judy ihren Kummer mit Alkohol. Auf der Bühne vergisst sie den Text, ihre Stimme versagt, dann stürzt sie auch noch und flüchtet unter lauten Buh-Rufen aus dem Theater.

Ein Telefonat mit ihrer Tochter Lorna (Bella Ramsey) bestätigt, was die fassungslose Judy nicht wahrhaben will: Lorna und Joey möchten auf jeden Fall bei Sid bleiben. Judy ist am Boden zerstört, reißt sich aber zusammen und macht Lorna keine Vorwürfe.

Die nächste bittere Nachricht lässt nicht lange auf sich warten. Rosalyn überbringt sie persönlich: Nach dem Debakel vom Vorabend hat Bernard Delfont die restlichen Shows abgesagt. Das war's also. Jetzt möchte Judy nur noch ein letztes Mal zurück ins "The Talk Of The Town", um gebührend Abschied zu nehmen...
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Donnerstag 02.01.2020
Der Leuchturm
Bilder
Bilder
Bilder
Ein entlegener Leuchtturm-Außenposten an der Küste Neuenglands wird zum Schauplatz eines archaischen Duells zweier dem Wahnsinn nahen Männer. Thomas Wake (Willem Dafoe) und Efraim Winslow (Robert Pattinson) werden auf eine einsame Insel gesandt, um eine marode Leuchtturmanlage zu warten und in Betrieb zu halten. Zur Zeit der Jahrhundertwende an der rauen Atlantikküste eine wichtige Aufgabe, die sich mehr und mehr in einen Überlebenskampf wandelt.
Die zwei extrem unterschiedlichen Charaktere prallen ungebremst aufeinander, und als ein nicht enden wollender Sturm über sie hinwegzieht, wird aus psychologischen Sticheleien schon bald ein brutaler Nervenkrieg...

Ein Film von Robert Eggers
Mit  Willem Dafoe, Robert Pattinson

Mit „The Witch“ hat Regisseur Robert Eggers eindrucksvoll bewiesen, was für eine Begabung er nicht nur für das Geschichtenerzählen hat, sondern vor allem für die Details. Sei es die perfekte, zeitgemäße Ausstattung gewesen oder die grauenvoll-lauernde Atmosphäre. Mit „The Lighthouse“ geht er nun noch einen Schritt weiter, vor allem in Sachen Ästhetik und liefert einen Film, der zu aller Überraschung erst einmal an den frühen expressionistischen Film der Weimarer Republik erinnert.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
Mittwoch 01.01.2020
Joker
Bilder
Bilder
Gotham City Anfang der 1980er Jahre: Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) lebt gemeinsam mit seiner Mutter in einem heruntergekommenen Apartment. Aufgewachsen ohne Vater träumt Außenseiter Arthur schon lange von einer Karriere als Comedian, bisher reicht es aber nur, um als Partyclown zu arbeiten. Als die Treffen mit seiner Sozialarbeiterin sowie seine Medikamente gestrichen werden, entfernt sich der labile Mann mehr und mehr von seinen Mitmenschen und wird zu einem nihilistischen Kriminellen. Zeuge der Verwandlung in den Joker wird auch eine alleinerziehende Mutter (Zazie Beetz), die das moralische Gewissen des Filmes darstellen könnte.

Ein Film von Todd Phillips
Mit Joaquin Phoenix, Robert De Niro, Zazie Beetz

Seine Premiere feierte der „Joker“ Ende August 2019 im Rahmen der Filmfestspiele in Venedig. Nachdem es dort acht-minütige Standing Ovations gab, wurde der Film mit dem Hauptpreis der Veranstaltung, dem Goldenen Löwen, ausgezeichnet. Bisherige Kritiken fielen überwiegend positiv aus, wobei besonders Phoenix‘ Darstellung des „Joker“ hervorgehoben wurde. In den deutschen Kinos startet der Film am 10. Oktober 2019 und erhielt eine Altersfreigabe ab 16 Jahren.
Permalink zum ArtikelDiese Adresse können sie verwenden, um von ihrer Seite, ihrem Blog etc. direkt auf den Artikel zu verweisen.
Klicken sie dazu auf den Link und verwenden die Adresse in der Adressleiste, oder klicken mit der rechten Maustaste hier und kopieren den Link direkt.
Nach oben scrollenKlicken sie hier um schneller an den Anfang der Seite zu gelangen.
Autor: Siehe Artikel
© 2020 kultkomplott.de | Impressum
Nutzungsbedingungen & Datenschutzerklärung
KultKomplott versteht sich als ein unabhängiges, kulturelle Strömungen aufnehmendes und reflektierendes Portal.