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7. Asya Fateyeva „Jonny“ Kompositionen von Schulhoff / Busch / Web...
8. Pat Metheny „From This Place“
9. LBT „Stereo“
10. Masaa „Irade“
11. Markus Reuter „Truce“
12. Frederik Köster „Die Verwandlung – Golden Age“
Samstag 29.02.2020
Asya Fateyeva „Jonny“ Kompositionen von Schulhoff / Busch / Webern / Krenek / Hindemith / Weill
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Kaum ein anderes Instrument hat in der Geschichte seines Bestehens derart rassistische und ausgrenzende Erfahrungen machen müssen, wie das Saxophon. Namentlich im Dritten Reich, in der Zeit des Nationalsozialismus, wurde es als „Negerinstrument“ beschimpft. Die Deutsche Tonkünstler-Zeitung forderte gar ein „Verbot der Saxofone“ und Alfred Rosenberg, Chef-Ideologe der NSDAP, schimpfte auf „das Getute der Saxofone und anderer für Niggertrommelfelle gefertigter Instrumente“.
Dabei hatte das Saxophon erst kurz zuvor, in den Goldenen Zwanziger Jahren (des letzten Jahrhunderts) einen unglaublichen Popularitätsschub zu verzeichnen. „Es war geradezu das Symbol des kulturellen Umbruchs, Inbegriff der Jazz-Mode“, schreibt Autor Hans-Jürgen Schaal in seinem kenntnisreichen Artikel mit dem Titel „Das Saxofon im Nationalsozialismus“.
Doch nicht nur im Jazz gelang dieses von dem Belgier Adolphe Sax in den Jahren um 1840 entwickelte Instrument zu seinem ersten wirklichen Höhepunkt. Die 1920er Jahren waren derart frei und kreativ, dass sich auch die Komponisten der modernen klassischen Musik mit diesen klanglichen Möglichkeiten intensiv auseinandersetzten.
Asya Fateyeva, 1990 auf der Krim geboren, hat sich diesem Instrument schon in Jugendjahren verschrieben. Ausgebildet an der Hochschule für Musik in Köln und an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, beherrscht sie am Saxophon ein breites Ausdrucksspektrum, das sie erfolgreich in renommierten Orchestern als auch eine zeitlang im gefeierten Alliage Quartett einsetzte.
Mit „Jonny“ liegt nun ein weiteres Album von ihr als Solistin vor. Es ist eine exzellente Sammlung von Stücken, die alle vor 100 Jahren geschrieben wurden. Ihnen verleiht Asya Fateyeva einen eindrucksvollen, individuellen Klang, der sowohl Anmut als auch Ambitioniertheit verströmt.
Am Vorabend der Machtübernahme der Nazis, gab es nur wenige kreativ-künstlerische Grenzen. Erwin Schulhoff und Adolf Busch sind exemplarische Beispiele dafür, wie die Tonsprache des Jazz auch in die klassische Musik Einzug hielt. Ausgeweitet haben diesen anfangs noch vorsichtigen Ansatz dann Ernst Krenek mit seiner Oper „Jonny spielt auf“ und dann natürlich der Dauerbrenner unter den damaligen Theaterstücken mit Musik: Kurt Weills „Dreigroschenoper“. Asaya Fateyeva widmet sich all diesen wunderbaren Nummern mit kontrollierter Hingabe. Man spürt ihre Liebe zum Instrument und ihren Bezug zur Musik jener Jahre. Ob fröhlich beschwingt (Ernst Krenek „Shimmy“), melancholisch verhangen (Paul Hindemith (Trio, op. 47, Zweiter Satz“, ob atonal entfesselt (Anton Webern „Quartett, op.22“) oder bissig und leidenschaftlich (Kurt Weill „Kanonensong“), immer bringt die Saxophonistin die komplexen Vorgaben stimmig auf den Punkt. Sie klebt nicht an den Vorgaben sondern interpretiert mit einer entrückten Schönheit, die dem Instrument auch eine sehr schmeichelnde Note verleiht.
Begleitet wird Asaya Fateyeva von einem eingespielten Kammerorchester, das den Dialog sucht und empathisch die Gemeinsamkeiten zwischen Ensemble und Solist betont. So ist eine in sich geschlossene, zwingende Aufnahme entstanden, die allen Freunden der Klassik, aber auch des Jazz nur wärmsten empfohlen werden kann.
Jörg Konrad


Asya Fateyeva
„Jonny“
Schulhoff / Busch / Webern / Krenek / Hindemith / Weill
Berlin Classics
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Donnerstag 20.02.2020
Pat Metheny „From This Place“
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Das wievielte Pat Metheny-Album ist „From This Place“? Schwer zu sagen. Vielleicht das 58., vielleicht auch Nummer 65. Rechnet man sämtliche Bootlegs mit hinzu, sind es wohl noch gut zwei Dutzend mehr.
Auf jeden Fall gehört diese Veröffentlichung einmal mehr zu jenen Aufnahmen, über die der Gitarrist selbst gesagt haben soll, das er diese schon sein ganzes Leben produzieren wollte. Nun, mit dieser Aussage rennt der Saiten-Apoll bei all seinen Fans offene Tore ein. Denn „From This Place“ ist ein typisches Pat Metheny-Album. Raffiniert transparente Harmonien, fantasievolle Ohrwurmmelodien und rhythmisch funkelnde Spielfreude. Alles in allem Musik gegen jede Vergänglichkeit und gegen jeden Zeitgeist.
Neben seinem momentanen Quartett mit dem englischen Pianisten Gwilym Simcock, der malaysisch-australischen Bassistin Linda May Han Oh und dem mexikanischen Schlagzeuger Antonio Sanchez kommt auf „From This Place“ noch ein knapp 50-köpfiges Orchester hinzu, das Hollywood Studio Symphony. Natürlich, eine Kleinbesetzung klingt anders. Hinzu kommen noch Gastmusiker, wie die Sängerin Meshell Ndegeocello, der Mundharmonikaspieler Gregoire Maret und der Perkussionsit Luis Conte.
Man hört dieser Sammlung von zehn neuen Kompositionen vom ersten Ton an, wer hier das musikalische Sagen hat. Michael Naura, der Schwadroneur der Jazzkritik, hat schon in den 1980er Jahren über den Amerikaner geschrieben: „In jedem besseren Musikgeschäft kann man eine Gitarrenausrüstung kaufen, mit der sich dieser angenehm hallige Metheny-Klang erzeugen lässt. Was man nicht für Geld kriegen kann, ist Pat Methenys geradezu gemsenhafte Trittsicherheit in Melodik und Rhythmik.“ Na also, da haben wir's: Vielleicht doch ein reines Naturtalent? Ja, sicher auch das. Aber wer Metheny Live erlebt, sieht zugleich, wie schweißtreibend eine Arbeit als Gitarrist auch sein kann. Nichts überlässt er dem Zufall. Selbst die Improvisationen klingen wie aus einem Guss, sind Schulbeispiele flüssiger Spontaneinfälle.
Die Dramaturgie des gesamten Albums, ähnlich den Arrangements von Gil Goldstein und Alan Broadbent, sind großes Kino für die Ohren. Die üppigen Soundgemälde klingen nach glattgeschliffenen Edelhölzern, bei denen man sich aber nach einer Maserung sehnt. Doch diese geht im Rahmen der Groß-Besetzung leider unter. Hingegen begeistern die positiven Stimmungsbilder, diese fließenden Lichtträume - wenn da nur nicht dieses zuckersüße Titelstück wäre …... .
Jörg Konrad

Pat Metheny
„From This Place“
Nonesuch
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Freitag 14.02.2020
LBT „Stereo“
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Sie sprengen die Stile – manchmal auch die kühnsten Visionen. Leo Betzl und seinen Begleitern gelingt auch auf „Stereo“ ein ungewöhnlicher Spagat. Der Pianist bringt nicht nur unterschiedliche Ansätze in der Musik zusammen. Sein Trio ist zudem in der Lage, mit Gegensätzen problemlos umzugehen, sie gegenüberzustellen und ihre Verschiedenartigkeit wirken zu lassen. Die Drei begreifen Musik als eine Art Spielwiese, auf der (fast) alles erlaubt ist. Allein ihre Leidenschaft und ihr Können zählen.
Da wäre auf der einen Seite (CD 1) der Husarenritt im Technotrend. Unbeirrt, erbarmungslos, minimalistisch. Auf der anderen Seite (CD 2) Improvisationen auf der Basis des zeitgenössischen Klaviertrios. Intelligent, differenziert, zeitlos. Hier hart getaktete Beats und rhythmisch schlüssige Überlagerungen. Dort feine Jazzharmonien und melodisch ausgeklügelte Ideen.
Betzl (Klavier), Maximilian Hirning (Bass) und Sebastian Wolfgruber (Schlagzeuger) brechen mit ihrer Art des Musizierens den Mutterboden auf, zerpflügen und zerpflücken die fruchtbaren Schollen und säen Neues. Das wächst und sprießt auf „Stereo“ in alle Himmelsrichtungen. Musikalische Kurzgeschichten, die für Spannung sorgen, kleinorchestrale Dramen, strukturiert und drängend. Sentimentalitäten sucht man vergeblich. Swingende Traditionen in Form ausufernden Standradrepertoires - Fehlanzeige. Stattdessen kollektive Gruppenarbeit, scharf formulierte, vor allem aber selbstbestimmte Emanzipation und eine mutige Umsetzung. Großstadtmusik eben.
Betzl ist am Klavier ein Tausendsassa, der mit Sicherheit Monk und Jarrett, Peterson und McCoy Tyner verinnerlicht hat, sie alle aber nicht zitiert. Es scheint, als beherzige er die Schulweisheit der Jazz-Kunst: Sauge alles schwammähnlich in dich auf und vergiss es anschließend wieder und beginn von vorn. Der mit Sicherheit beste Filter, der der eigenen Inspiration (und dem Publikum) Tür und Tor öffnet.
Jörg Konrad

LBT (Leo Betzl Trio)
„Stereo“
Enja/Yellowbird

LBT spielen am Samstag, 15.02. um 20:00 Uhr im AMPERE - MUFFATWERK, München
( Zellstraße 4, 81667 München)
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Donnerstag 13.02.2020
Masaa „Irade“
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Auch wenn die Musik dieser Welt immer näher zusammen zu rücken scheint, ist der Grenzen überschreitende Klang nicht jedes Mal gleichbedeutend mit Weltmusik. Bestes Beispiel ist das Quartett Masaa. Seit mittlerweile acht Jahren besteht die Formation und ihr herausragendes Kennzeichen ist und bleibt ihr ganz eigener Sound. Man darf im vorliegenden Fall schon von einer Gruppenindividualität sprechen. Denn die vier Musiker verfolgen gemeinsam nur ein Ziel: Die Umsetzung ihrer sehr persönlichen Ideen in berührende Tonfolgen. Das gilt auch für das Album „Irade“.
Bei Masaa treffen unterschiedliche Kulturen, Charaktere und Visionen zusammen, die jedoch eines vereint: Die Musik an sich. Selbst dann, wenn ein Bandmitglied aussteigt (Pianist Clemens Pötsch) und durch einen neuen Instrumentalisten (Gitarrist Reetko Dirks) ersetzt wird. Der Gedanke innerhalb des Quartetts bleibt der gleiche. Auch wenn sich Nuancen im Gefüge der Musik verändern. 
Den orientalischen Grundcharakter setzt Masaa auf „Irade“ weiterhin um. Rabih Lahouds Gesang verkörpert Wärme und Stolz, seine Stimme besitzt etwas exotisch Herausforderndes und wirkt doch dabei so menschlich und einfühlsam. Der im Libanon geborene Lahoud versteht es, der Musik in Inhalt und Ausdruck eine poetische Dimension zu geben, die in ihrer Emotionalität und Würde tief berührt. „Die Willenskraft meines Herzens schläft, wenn ich nicht an sie glaube“, sagte er kürzlich in einem Interview. Hinzu kommt Trompeter Marcus Rust, der mit seinem Instrument Atmosphären schafft, die an kammermusikalische Architekturen erinnern, der aber auch in der Lage ist, zielstrebig zu improvisieren und spannungsgeladene Bögen zu formen. Reentko Dirks wechselt an der Gitarre die Stimmungen zwischen orientalischer Ornamentik und westeuropäischer Folklore. Das gelingt ihm durch eine Spezialanfertigung, durch eine Double-Neck Guitar, deren beide Hälse einen entsprechend unterschiedlichen Klang ermöglichen. Demian Kappensteins sinnliche Schlagzeugbegleitungen haben perkussiven Charakter, wirken weniger durch synkopierte Unruhe, als vielmehr durch ein flüssiges Untermalen, durch fundamentale Verstrebungen, die Klarheit, Durchsicht und Struktur geben. Alle vier bewegen sich linear, unterstützen sich gegenseitig, fordern sich heraus, wirken dabei gelassen. Damit bietet diese Musik statt eitlem Virtuosentum anregende Intensität und eine große mitteilsame Ruhe.
Jörg Konrad

Masaa
„Irade“
Traumton

MASAA spielen am Samstag, 15.02. um 20:30 Uhr im Münchner Jazzclub UNTERFAHRT
(Einsteinstraße 42, 81675 München)
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Montag 10.02.2020
Markus Reuter „Truce“
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Wem es im Zuge der ungeheuerlichen Thüringen-Rochade, des Julian- Assange-Politikums oder dem Trump-Dilemma an klaren Aussagen und Statements, bzw. an einer emotionalen Reaktion hierauf mangelt, dem sei an dieser Stelle das neue Album von Markus Reuter empfohlen. Denn wenn andere Musiker sich noch mit langen Vorreden aufhalten, eine Weile brauchen, um sich in Stimmung zu spielen, oder noch gedanklich an einem lyrischen Intro feilen, ist Reuter meist schon mitten drin, in wehrhaften Gitarrensalven und rastlosen Gitarrenläufen. Auch sein neues Album TRUCE ist so eine Mischung aus knallhartem, gitarrenbetontem Prog-Rock und psychedelischen Sound-Architekturen. Ohne Pathos und ohne zeitraubende Unverbindlichkeiten hält er in den sieben Kompositionen oft über lange Zeiträume ein hohes innovatives Level. Sein Spiel hat Charakter, sein Spiel wirkt inspirierend und fordert heraus, sein Spiel ist ebenso gradlinig überwältigend, wie künstlerisch effizient.
Reuter bricht mit seinem Gitarrenspiel und mit seinen Ideen physische Widerstände. Seine dabei freigesetzte Intensität scheint in der Lage Berge zu versetzen. Seine Improvisationen sind archaisch und zugleich intellektuell, als wolle er mit ihnen das ganze Universum zum Ausdruck bringen.
Das ginge in dieser Konsequenz und in dieser ungenierten Selbstsicherheit sicher nicht ohne seinen Bassisten Fabio Trentini und Schlagwerker Asaf Sirkis. Beide bilden nicht nur das rhythmische Rückgrat. Sie sind mit ihrer druckvollen Begleitung zugleich Impulsgeber für die eindringlichen und raffinierten Perspektiven ihres Leaders. Sie begleiten subtil, diskret, wenn es ein muss mit Verve und gegen jeden Vergleich von außen resistent. Sie füllen Räumen, lassen andere wiederum offen, sie gestalten komplexe Fundamente voller Aufrichtigkeit und Umsicht.
Dass der heute in Berlin lebende Markus Reuter neben seinen vielen Band-Projekten (Stick Men mit Pat Mastelotto und Tony Levin, das Duo Tuner oder Centrozoon mit Bernhard Wöstheinrich) zugleich Gitarren designt, ist eigentlich nur logisch. Denn alles kreist bei ihm um das Saiteninstrument, alles dreht sich um Sound und Technik. Doch das akustische Ergebnis seiner Leidenschaft klingt letztendlich so gar nicht verkopft. Es ist, wie auf TRUCE zu hören, rohe existenzielle Energie, die auf organisch anmutende Weise markante Klangquellen in Schwingungen versetzt.
Jörg Konrad

Markus Reuter
„Truce“
Moonjune Records

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Montag 03.02.2020
Frederik Köster „Die Verwandlung – Golden Age“
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Frederik Köster ist als Trompeter mittlerweile ein Institution. Das macht besonders sein neues Album „Golden Age“ deutlich. Es ist eine Sammlung von Kompositionen, die durch ungerade Metren und Skalen besticht und damit ganz neue Maßstäbe setzt, mit denen sich der Sauerländer mit Sicherheit auch international behaupten wird. Vielleicht liegt es ja daran, dass Köster schon einige Jahre zur Band des indischen Trommlers Trilok Gurtu gehört. Denn hier herrscht wie selbstverständlich weltmusikalisches Einvernehmen, welches auch auf die individuellen Stärken und Ausdrucksmöglichkeiten der Bandmitglieder Einfluss nimmt. Dadurch entsteht eine Musik von expressiver Toleranz auf der Grundlage von Rhythmusmustern ganz unterschiedlicher Kulturen.
Und hier setzt eben „Golden Age“ an. Deutlich hörbar sind arabische Einflüsse, die der Musik Farbe und Exotik geben. Kösters Quartett geht mit vollem Risiko und hörbarer Überzeugung auf die verschobenen Taktmuster ein und nimmt sie auf. Die Band reibt sich an den gesetzten Harmonien, erkundet im Miteinander von akustischen und elektronischen Instrumentarium immer wieder neue Klangräume.
Die solistischen Beiträge der Bandmitglieder sind das Ergebnis von klaren Überlegungen, von Authentizität und Temperament. Allen voran Kösters differenziertes, packendes, leidenschaftliches Trompetenspiel. Dadurch bekommt die Aufnahme eine explosive Bestimmtheit und spürbare Glaubwürdigkeit. Niemand biedert sich einem trügerischen Schönklang an, sondern fordert heraus, sucht die Momente der Provokation und der Motivation seines Mitmusikers.
Sie alle (Sebastian Sternal, Joscha Oetz und Jonas Burgwinkel) gehörten einst zur Nachwuchsgarde, zur Zukunftshoffnung des bundesdeutschen Jazz. Mittlerweile sind sie gereift, haben sich von ihren manchmal allzu nahen Vorbildern gelöst, haben sich frei gespielt und freigedacht. Aus den Samen von einst sind prachtvolle Blüten geworden, die im Saft stehen, bewusst und konsequent ihre eigenen Wege suchen und finden und somit zu einem Meisterwerk, wie es „Golden Age“ darstellt, fähig sind.
Jörg Konrad


Frederik Köster
„Die Verwandlung – Golden Age“
Traumton
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Autor: Siehe Artikel
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