In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
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1. Heiner Brummel – Tanz braucht keine Worte
2. 184. Roland Hefter – Keine Zeit
3. 183. BartolomeyBittmann - Von Barock bis Drum & Bass
4. 182. Lisa Maria Potthoff – Kein Plastik
5. 181. Johannes Fend - „Hinter jedem Hindernis versteckt sich auch etwas Gu...
6. 180. Christof Spörk - Der Natur beim Wachsen zuschauen
Montag 25.04.2022
Heiner Brummel – Tanz braucht keine Worte
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Fotos: Marta Tiberiu
Das in wenigen Wochen beginnende internationale Tanzfestival DanceFirst in Fürstenfeld ist die dritte Veranstaltungsreihe dieser Art seit 2016. In diesem Jahr werden Kompanien aus Spanien, Italien, China, Israel, Kanada, Deutschland und Slowenien im Veranstaltungsforum auftreten. Künstlerischer Leiter ist Heiner Brummel, der sich schon seit 2010 für die anspruchsvolle und überaus erfolgreiche Reihe „Theater Fürstenfeld“ verantwortlich zeichnet. Hier hat er in der zurückliegenden Zeit unter anderem das Hamburger Thalia Theater, das Berliner Ensemble, das Schauspiel Frankfurt oder das Maxim Gorki Theater Berlin nach Fürstenfeldbruck geholt.
Auf die Frage, was denn Tanz für ihn bedeute, sagte er hier an gleicher Stelle einmal: „Der Tanz braucht keine Worte. Ob Freud oder Leid, Mut oder Angst, Wirklichkeit oder Traum, er verkörpert unser Innenleben. Je phantasievoller und virtuoser die Bewegungen und Choreographien sind, umso berührender und mitreißender wird der Tanz.“

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Heiner Brummel: Als Kind habe ich Abenteuergeschichten geliebt. In meiner Phantasie konnte ich in andere Welten eintauchen und Erlebtes mit eigenen Geschichten fortschreiben. Zudem bin ich gern in andere Rollen geschlüpft und habe diese im vertrauten Kreis vorgespielt. Ohne dass es mir bewusst war, ist die Begeisterung fürs Theater schon früh geweckt worden. Den Weg in ein Amateurtheater habe ich aber erst als Student gefunden. Zusammen mit anderen freien Theatergruppen haben wir ein historisches Abwasserpumpwerk in Münster zum ‚Theater im Pumpenhaus‘ umgebaut. Als Schauspieler, Regisseur und Manager dieser Einrichtung habe ich viele Theaterbereiche kennengelernt und das Hobby wurde immer mehr zum Beruf. Die vielseitigen Erfahrungen haben mir beim Aufbau des Landsberger Stadttheaters und der Entwicklung der Fürstenfelder Theaterreihe natürlich sehr geholfen.

KK: Wen oder was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
HB: Mit dem Theater möchte ich möglichst vielen Menschen sinnliche Erlebnisse vermitteln, die sie animieren, sich mit ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit auseinanderzusetzen und die sie inspirieren, kreative Wege zu gehen, um befriedigende Lebensorientierungen zu finden. Da ich davon überzeugt bin, dass erstklassige künstlerische Leistungen Menschen intensiver und nachhaltiger erreichen, habe ich immer versucht, im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten mit den besten Künstlern und Ensembles zusammenzuarbeiten. Das Ziel, in der Auseinandersetzung mit dem Publikum und den Künstlern das Niveau stetig zu steigern und zukunftsweisende, innovative Perspektiven zu entwickeln, treibt mich bis heute an. Aktuell freut es mich sehr, dass wir auch für das diesjährige Tanzfestival DANCEFIRST (11.6. – 28.7.22) erstklassige internationale Choreografen und Kompanien gewinnen konnten. Auf der Website www.dancefirst.de können die Zuschauer schon im Vorfeld einen Eindruck davon bekommen, wie facettenreich, mitreißend und schön Tanz sein kann. Am besten ist es natürlich, die Aufführungen live zu erleben. Alle Vorstellungen sind Bayernpremieren, eine Aufführung feiert in FFB sogar ihre Deutschlandpremiere.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
HB: Im organisatorischen Bereich scheitern manche Projekte meist an finanziellen Engpässen, technischen Hindernissen oder terminlichen Problemen. Manchmal gilt es Stehvermögen zu bewahren, um doch noch Lösungen zu finden. Wenn unterschiedliche Vorstellungen und Interessen aufeinandertreffen, geht es im Theater bisweilen sehr emotional zur Sache. Gemeinschaftliche Lösungen für persönliche Konflikte zu finden, ist nicht immer einfach. Hat man sich dann doch zusammengerauft, können aus den Auseinandersetzungen neue kreative Ideen und Herangehensweisen entstehen, die tolle künstlerische Ergebnisse hervorbringen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
HB: Wie viele andere Menschen auch haben mich die Pandemie und der grauenvolle Ukraine-Krieg sehr beschäftigt. In der Pandemie haben mir vor allem die sozialen Kontakte gefehlt. Entsetzt und traurig bin ich darüber, wie der Streit um soziale Einschränkungen und Impfungen Menschen entzweit hat. Dass autokratisches Machtgehabe, nationalistische Interessen und eine skrupellose Gewaltbereitschaft zu einem Krieg mitten in Europa geführt haben, finde ich unerträglich. Obwohl ich befürchte, dass unser Leben in nächster Zeit weniger unbeschwert sein wird und soziale und kulturelle Gräben womöglich noch tiefer werden, möchte ich gemeinsam mit anderen versuchen, diesen negativen gesellschaftlichen Entwicklungen etwas Positives entgegenzusetzen. So wie den ukrainischen Flüchtlingen eine große Hilfsbereitschaft zuteilgeworden ist und der brutale Angriffskrieg von vielen Staaten verurteilt wurde, wollen wir mit dem geplanten Benefiz Tanzabend für die Ukraine (29.5.22) und dem darauffolgenden internationalen Tanzfestival DANCEFIRST ein völkerverbindendes Fest feiern, das ein Zeichen setzt gegen Gewalt und Krieg, das für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen wirbt. Was könnte unterschiedliche Kulturen und Nationen mehr zusammenbringen als die universelle Sprache des Tanzes. Erlebnisreiche Vorstellungen und intensive Begegnungen zwischen Künstlern und Zuschauern werden hoffentlich dazu beitragen, auch in schwierigen Zeiten zusammenzustehen und das Leben zu genießen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
HB: Wenn man im Zuschauerraum spürt, dass der Funken zwischen Künstlern und Publikum übergesprungen ist und alle bereichert und glücklich nach Hause gehen. Wenn sich die verschiedenen Puzzleteile einer Theaterproduktion oder einer Spielzeit langsam zusammenfügen, wenn man nach monatelanger Arbeit endlich das fertige Theater-Programmheft in Händen hält. Wenn Menschen im Spiel und Tanz verborgene Seiten ihrer Persönlichkeit entdecken.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Musik mögen Sie besonders?
HB: Ich bin kein ausgewiesener Musikkenner. Zum Entspannen höre ich gern klassische Musik. Als Tanzliebhaber animiert mich jede Art von rhythmischer Musik. In Verbindung mit Bewegung fasziniert mich die sinnliche, emotionale Dimension von Klängen. Die Synthese zwischen Musik und Bewegung macht für mich auch die Schönheit und Lebendigkeit des Tanzes aus. Bei der Auswahl der Tanzstücke für die diesjährige Festivalausgabe war die gelungene Synthese dieser beiden Elemente ein wichtiges Kriterium. Das werden die Zuschauer in den Vorstellungen hautnah erleben können.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
HB: In Ermangelung eines Plattenspielers eher CD.

KK: Was lesen Sie momentan?
HB: Die Vorbereitungen für das Tanzfestival im Sommer und die neue Theaterspielzeit 22/23 lassen mir derzeit wenig Zeit, Bücher zu lesen. So beschränkt sich meine Lektüre momentan auf fachspezifische Beiträge und tagespolitische Artikel. Ohnehin bin ich leider kein intensiver Leser. Lesestoffe müssen spannend sein, ansonsten fehlt mir Sitzfleisch und Ausdauer.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
HB: Intrigantes Verhalten, Machthunger, Dummheit und Intoleranz. Alles Eigenschaften, die in unserer globalen Gesellschaft aus meiner Sicht zugenommen haben und mitverantwortlich sind für viele Krisen vom Klimawandel bis zum Krieg.

KK: Was freut Sie ungemein?
HB: Das Lachen und die Neugier von Kindern. Überhaupt, Menschen wachsen zu sehen. Im Winter am Kamin zu sitzen und den Flammen zuzuschauen. Im Berufsalltag ein ehrliches Lob von Künstlern und Zuschauern.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
HB: Ich bin ein miserabler Handwerker, aber ich habe mir schon mehrere Pullover gestrickt.

KK: Von welchem Schauspieler/welcher Schauspielerin sind Sie in welchem Film beeindruckt?
HB: Isabelle Huppert, eine sehr facettenreiche Schauspielerin voller Geheimnisse. In fast allen Rollen ausgezeichnet wie z.B. in „Die Klavierspielerin“ oder früher in „Die Spitzenklöpplerin“.
Dustin Hoffmann, ein ebenso vielseitiger Schauspieler, der trotz seiner geringen Körpergröße immer herausragt. Viele beeindruckende Rollen in Filmen wie „Die Reifeprüfung“; „Rain Man“, „Kramer gegen Kramer“ oder „Tod eines Handlungsreisenden“:
Beide sind zudem hervorragende Theaterschauspieler, was man nicht von jedem Filmschauspieler sagen kann. Als Theatermensch bin ich ohnehin der Meinung, dass sich große Schauspieler auch auf der Bühne beweisen müssen. Zu den herausragenden deutschsprachigen Bühnenschauspielern gehören für mich Lina Beckmann, Ulrich Matthes, Bibiana Beglau, Sebastian Rudolph, Stefanie Reinsperger oder Peter Kurth. Es freut mich, dass die Zuschauer einige von ihnen schon in Landsberg und Fürstenfeldbruck erleben durften.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung nach bisher noch nicht gibt?
HB: Einen Flaschengeist, der einem im Haushalt alle ungeliebten Tätigkeiten abnimmt.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer oder Teamplayer?
HB: Ich arbeite gern mit Menschen zusammen, von denen ich lernen kann, die mich inspirieren, möchte aber auch gern selbst bestimmen, welche Ziele ich verfolge und wie ich diese realisieren kann. Also bei der Entscheidungsfindung eher Teamplayer, bei der Entscheidung eher Einzelkämpfer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
HB: In anregenden Gesprächen mit kreativen Menschen, beim Spazierengehen oder Autofahren, nach sinnlichen Erlebnissen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
HB: Als Mensch, der gern direkt mit anderen kommuniziert, nutze ich nicht viele digitale Medien. Im Beruf natürlich Theater- und Tanz-Seiten. Wenn möglich suche ich aber auch da den persönlichen Kontakt. Als Fußball-Liebhaber besuche ich Fan-Foren meines Lieblingsvereins, während der Pandemie habe ich einige Filme auf Netflix geschaut.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
HB: Was könnte man in den Mühlen der Kultur-Bürokratie an einem Tag schon verändern. Vermutlich nichts bis wenig. Hätte auch keine Lust auf ein Ministeramt, ich brauche die praktische Arbeit und die unmittelbare Begegnung mit Menschen. Verändern kann man aus meiner Sicht nur etwas, wenn man aktiv wird. Und das versuche ich, indem ich mit anderen Kulturschaffenden erlebnisreiche Kulturprojekte gestalte, die Menschen berührt und vielleicht auch ein wenig glücklich macht.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
HB: Von einem der auszog, leben zu lernen.

KK: Wie stellen Sie sich die Zukunft vor?
HB: Angesichts von Umweltkatastrophen, wachsender Intoleranz und Gewaltbereitschaft stelle ich mir die Zukunft derzeit nicht sehr rosig vor. Ich hoffe nur, dass wir als Kulturschaffende mit unseren Aktivitäten den Menschen ein wenig Lebenslust vermitteln und Perspektiven für ein friedliches, nachhaltiges Leben aufzeigen können.



11. Juni 2022:
La Veronal "Sonoma"
14. Juni 2022:
Cia. Naturalis Labor "Piazzola Tango / En tus Ojos"
21. Juni 2022:
Hessisches Staatsballett "Timeless"
28. Juni 2022:
tanzmainz "Promise"
03. Juli 2022:
Out Innerspace "Bygones"
14. Juli 2022
Ballett Maribor "Carmina Burana"
28. Juli 2022:
4(!)Tanzstudios "Made in FFB / Werkschau"

DanceFirst 2022 Trailer

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Montag 28.03.2022
184. Roland Hefter – Keine Zeit
Roland Hefter ist Künstler und Kommunalpolitiker. Eine seltene Mischung – aber auch eine wirksame. Als Künstler agiert er als Schauspieler, Sänger und Kabarettist. In die Politik bringt er sich als Stadtrat (München), stellv. Sprecher im Kulturausschuss und Fachsprecher für Tierschutz ein. Er engagiert sich für Flüchtlinge, gegen soziale Ungerechtigkeiten und für benachteiligte Minderheiten in Organisationen wie „Künstler mit Herz“, „Rentner mit Herz“ und „Helferschwein e.V.“. Fragt man ihn, könnte der Tag auch gern achtundzwanzig Stunden haben. Langweilig würde ihm nicht werden.
Wenn der gelernte Schildermacher und Grafiker am Freitag, den 8. April in der Germeringer Stadthalle mit seinen Isarridern und dem Programm „Solang’s no geht“ auftritt, widmet er sich „ … in einzigartiger Weise mal deftig ehrlich, mal witzig aber auch in nachdenklichen Tönen und mit viel Herzblut den Sonnenseiten, Niederlagen und Alltagsgeschichten, die das Leben bereithält.“

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Roland Hefter: Ich habe nie den Spaß verloren, an dem was ich gemacht habe und immer noch mache.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
RH: Ich will Freude haben an der Arbeit , meine Lebensunterhalt verdienen, Menschen mit Musik zu erfreuen und dass es mir nie langweilig wird.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
RH: Es gibt eigentlich keine Widrigkeiten - außer die Coronakrise, aber die war ja für alle hart

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
RH: Die große Hilfsbereitschaft unserer Bürger für Menschen, die unter dem Krieg in der Ukraine leiden

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
RH: Das Freude und das Lachen vom Publikum während des Auftritts

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
RH: Ich höre sehr selten Musik im Radio - jedoch gehe ich gerne auf Konzerte - von der Klassik bis zum Rock - alles.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
RH: Wenn dann CD. Ich hab keine Plattenspieler.

KK: Was lesen Sie momentan?
RH: Im Moment nichts - zumindest kein Buch. Keine Zeit.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
RH: Wichtigmacherei, Neid und Arroganz.

KK: Was freut Sie ungemein?
RH: Hunde - die erfreuen mich. Ich bin ein Hundefan.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
RH: Nur selbst bemalt - beides. Kleidungs- und Möbelstücke.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
RH: „Spiel mir das Lied vom Tod“ - Charles Bronson.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
RH: Autonomes Autofahren.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
RH: Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
RH: Beim Autofahren.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
RH: welt.de

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
RH: Die freie Szene besser unterstützen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
RH: Schee wars.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
RH: Gar nicht - ich denke in kleine Schritten.

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Montag 14.03.2022
183. BartolomeyBittmann - Von Barock bis Drum & Bass
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®Stephan Doleschal
Seit beinahe zehn Jahren existiert das Duo BartolomeyBittmann. Der Geiger (Klemens Bittmann) und der Cellist (Matthias Bartolomey) waren auf der Suche nach neuen musikalischen Herausforderungen und haben beinahe zwangsläufig ihren kreativen Kosmos erheblich erweitert. Zwar spielen und interpretieren sie noch immer und auch leidenschaftlich die klassischen Komponisten. „Stilistisch wiederum sind wir sehr an Rock-, Metal- oder Jazzeinflüssen interessiert“, erzählten sie vor einiger Zeit in einem Interview, „wo es darum geht, Grenzen auszuloten und in extremere Spieltechniken hineinzugehen.“
Anlässlich ihres auf Act Music veröffentlichten Albums „Dynamo“ lobte Wolfgang Muthspiel: „Selten hat man Streicher gehört, die sich so lustvoll dem Groove hingeben. BartolomeyBittmann bringen jene musikalische Tugenden leichtfüßig auf den Punkt, die man üblicherweise nicht mit klassischen Instrumenten verbindet: Unbändige Spiellust und radikalen Rhythmus.“
„Das ist virtuos und herrlich schräg, aber auch artistisch. Musikantentum der Extraklasse“, schrieb die Zeitschrift Stereo.
Am Mittwoch 23. März spielt das Duo BartolomeyBittmann in Fürstenfeld im Rahmen der Reihe JAZZ FIRST. Beginn des Konzertes um 20.00 Uhr.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Klemens Bittmann: Ein gemeinsames Ziel, die gemeinsame Ausdauer und eine klare Kommunikation.
Matthias Bartholonay: Geduld & Scheitern als wichtigen und essenziellen Teil des Lebens anzunehmen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
KB: Ein Musik & Kultur-interessiertes, offenes Publikum ohne Alterseinschränkung.
MB: Es geht immer darum Geschichten zu erzählen und das Publikum, in welche Richtung auch immer, im Innersten zu bewegen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
KB: Mangel an Zeit, verkrustete & institutionalisierte Veranstalter-Strukturen, visionslose Agenturen.
MB: Kalte Backstage-Räume.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
KB: Das Kriegsverbrechen gegen die Ukraine, die unfassbare Ohnmacht Europas gegenüber der russischen Diktatur.
MB: Die große Hilfsbereitschaft quer durch die Gesellschaft für Flüchtende aus der Ukraine.


KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
KB: Die kreativ schaffende Zeit mit Matthias, also das gemeinsame Komponieren eines BartolomeyBittmann Repertoires.
MB: Der Moment wenn wir mit BartolomeyBittmann, nach intensiver Entwicklungs- und Komponierarbeit ein neues Stück aus der Taufe heben.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
KB: Von Barock bis Drum & Bass, von Jazz bis Rock, am liebsten live.
MB: Früher habe ich deutlich mehr Musik gehört. Von Zeit zu Zeit höre ich aber eine Band, ein Ensemble oder einen Song und werde davon komplett in den Bann gezogen. Das kann aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen sein.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
KB: CD im Auto.
MB: Beides

KK: Was lesen Sie momentan?
KB: „Dummheit“ von Heidi Kastner.
MB: Christoph Ransmayr ‚Atlas eines ängstlichen Mannes'

KK: Was ärgert Sie maßlos?
KB: Der Krieg, die Ungerechtigkeit.
MB: Menschen, die sich in der Straßenbahn die Nägel klippen.

KB: Was freut Sie ungemein?
KB: Derzeit Tennis.
MB: Zeit zu haben.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
KB: Einmal einen alten Küchentisch mit einer Flex abgeschliffen und mich dabei beinahe selbst entmannt.
MB: Ich habe schon etliche Ikea-Regale aufgebaut.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
KB: Volodymyr Zelenskyy in„Being Volodymyr Zelenskyy"
MB: Joaquin Phoenix in ’The Master’.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
KB: Einen Ungerechtigkeits-Konsequenz-Generator. Menschen, die verbrecherisches Unrecht tun, lösen sich durch die Maschine in klimaneutrale Luft auf.
MB: Geräuschlose Nagelklipper.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
KB: In der Musik bin ich Teamplayer, im Tennis besser im Single.
MB: Je nach Situation.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
KB: Kann ich nicht sagen.
MB: Meistens plötzlich zwischendurch bei ganz alltäglichen Tätigkeiten.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
KB: DLF, CNN, Channel4, Eurosport
MB: Verschiedene Tageszeitungen.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
KB: Meine Ein-Tages-Befristung als Kulturstaatsminister.
MB: Meinen Namen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
KB: „Des hamma a no gmocht“
MB: 'Hummerchips Blues‘.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
KB: Ich hoffe auf eine Zukunft in Frieden.
MB: Die Zukunft wird sich selbst vorstellen, dafür braucht sie mich nicht.
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Montag 07.03.2022
182. Lisa Maria Potthoff – Kein Plastik
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Foto: Linda Rosa Saal
Seit neun Jahren ist Lisa Maria Potthoff in den Eberhofer-Krimis die „Susi“ und, wie sie selbst einmal sagte: „Die Susi wird mir nicht langweilig“. Dann verkörperte die mit dem österreichischem ROMY-nominierte Schauspielerin in etlichen „Usedom-Krimis“ neben Kathrin Sass die Kriminalhauptkommissarin Julia Thiel. Eine Rolle, die ihr wie auf den Leib geschneidert scheint, ist "Sarah Kohr" aus der gleichnamigen ZDF-Krimi-Reihe.
Seit 1995 steht Lisa Maria Potthoff vor der Kamera, war seitdem in über fünfzig(!) Fernsehproduktionen zu sehen, hat ca. zwanzig Kinofilme gedreht und, so ganz nebenbei, zweimal den Preis der Deutschen Akademie für Fernsehen in der Kategorie Stunt für „Sarah Kohr“ erhalten.
Aufgewachsen ist die Schauspielerin in München, wo sie bei Schauspiel München ihr künstlerisches Handwerk erlernte.
Am Montag, den 14. März läuft um 20:15 Uhr im ZDF eine neue Folge der Sarah Kohr – Reihe, unter dem Titel „Geister der Vergangenheit“.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Lisa Maria Potthoff: Beruflich, dass meine Eltern mich in der Berufswahl frei entscheiden ließen und ich immer wieder von Menschen gefördert wurde, die an mich geglaubt haben.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
LMP: Das Publikum.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
LMP: Kälte und lange Drehnächte….

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
LMP: Der beginnende Krieg in der Ukraine. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass wir in Europa in absehbarer Zeit mit so einer Situation umgehen müssen.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
LMP: Wenn Menschen durch unsere Filme berührt werden und dies zum Ausdruck bringen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
LMP: Ich höre je nach Situation gerne alles mögliche von 90er HipHop über Singer-Songwriter.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
LMP: Ich streame.

KK: Was lesen Sie momentan?
LMP: Von Sally Rooney „Schöne Welt wo bist du“ und von Doris Alderton „Gespenster".
Beide Romane sehr zu empfehlen….

KK: Was ärgert Sie maßlos?
LMP: Geiz, Arroganz und Stau.

KK: Was freut Sie ungemein?
LMP: Wenn ich an der Kasse in der richtigen Schlange stehe.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
LMP: Wir haben früher T-Shirts gebatikt. Diese furchtbaren Fotos von mir zusammen mit schlechten Neunzigerjahrefrisuren führen bei mir zu großer Erheiterung.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
LMP: Kevin Spacey in „L.A. Confidential“ und vielen anderen Filmen, Meryl Streep in all ihren Filmen, genauso wie Kate Winslet.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
LMP: Ein weltweites Verbot zur Produktion von Plastik.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
LMP: Natürlich kämpft ein Schauspieler viel für sich. Um die nächste Rolle etc. Aber ich liebe das Gefühl des Ensemblegeistes: Du bist nur so gut wie dein Partner. Die Eberhoferfilme: das perfekte Team vor und hinter der Kamera. Gucken Sie mal in dem Abspann eines Films wie viele Menschen zum Gelingen eines Films beitragen.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
LMP: Oft im Austausch und Gespräch mit Menschen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
LMP: SZ online.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
LMP: „Das hatte schon viel Schönes"

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
LMP: Ich stelle mir meine Zukunft nie vor. Das finde ich müßig, da es eh meist anders kommt.
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Foto: Thomas Huisman
Freitag 11.02.2022
181. Johannes Fend - „Hinter jedem Hindernis versteckt sich auch etwas Gutes"
Gut zwei Jahre ist es her, da gehörte Johannes Fend als Bassist zum Franz von Chossy Trio, das im Januar in der Reihe „Jazz First“ in Fürstenfeld gasstierte. Es war ein großer Musikabend über den damals in der SZ zu lesen war: „Mit schönen Melodien, mächtigen Harmonien und treibenden Rhythmen spielte dieses Trio eine Musik, die voller Unwägbarkeiten steckte. Und auch wenn Franz von Chossy an seinem Instrument zu außergewöhnlichen Fähigkeiten in der Lage ist - das Besondere an diesem Musikabend war das perfekte Ineinandergreifen von Stimmungen, Gedanken und Inspirationen aller drei Musiker.“
Dann schlug die Pandemie zu, das gesellschaftliche Leben wurde immer wieder bis auf das allernötigste heruntergefaheren. Künstler verloren ihre Engagements, Studiotermine fielen aus, mediale Veröffentlichungen wurden auf Eis gelegt. Was tun? Wovon leben?
Johannes Fend, Bassist aus Leidenschaft, wohnt in den Niederlanden, hat hier Jazz und Klassik studiert und in verschiedenen Formationen sich sein musikalisches Rüstzeug und die entsprechende Sicherheit erspielt.
In der Pandemie-Zeit reifte bei ihm der Gedanke, ein Soloalbum zu produzieren. Die Zeit hierfür schien reif (Bassisten wie Larry Grenadier, Marc Johnson, Mats Eilerstsen, Dieter Ilg u.a. sind dieses Wagnis zuletzt erfolgreich eingegangen). Die Ideen für dieses Projekt entstanden auf langen Spaziergängen und das Ergebnis, das mit „Journey“ vorliegt, ist faszinierend geraten. Es sind Aufnahmen voller Erhabenheit, akustische Landschaftsbegleitungen, Stimmungsbilder, verwunschene Illusionen, in denen Mensch und Instrument deutlich hörbar im Mittelpunkt stehen. Es ist ein melancholischer Grundgestus der den Kompositionen zugrunde liegt und die eine faszinierende Atmosphäre entstehen lassen.
(das Album ist zu beziehen unter: https://www.johannesfend.com/journeyalbum)


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Johannes Fend: Ich denke, dass immer viele Menschen, Einflüsse wie Bücher und auch Zufälle dafür mitverantwortlich sind, wo man sich gerade befindet. Davon abgesehen, ist wenn man lange genug konsequent arbeitet, alles möglich. Früh gute Lehrer zu haben war für mich sicher wichtig. Ich weiß nicht ob ich mich ohne ihre Ermutigung getraut hätte, ein Musikstudium ins Auge zu fassen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JF: Mit “Journey” möchte ich den Hörer/die Hörerin zu einer besonderen Erfahrung einladen. Es ist mehr eine Reise in Etappen als ein Album.
Das erste Stück ‘Enter’ transportiert uns in eine andere Welt, und jedes darauffolgende Stück repräsentiert ein Ereignis auf der Reise, bis uns ‘Return’ wieder zurück bringt.
Ich habe versucht so zu komponieren und aufzunehmen, dass ‘Journey’ in einem gang angehört werden kann. Ohne Pause, vom ersten bis zum letzten Stück. Es soll sein, wie wenn man im Kino einen Film ansieht. Nur, dass man hier die Augen schließt und jede(r) hinter geschlossenen Augen seine/ihre eigene Reise erfährt.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JF: Ich möchte mich nicht beschweren. Hinter jedem Hindernis versteckt sich auch etwas Gutes. So war zum Beispiel die COVID Pandemie für mich ein Geschenk von Zeit, um mein Solo Album zu verwirklichen.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JF: Ich war in den Weihnachtsferien Zuhause in Österreich und habe eines Morgens lange im Wohnzimmer meditiert. Da wurde mir klar, dass ich mein Unbehagen selber schüre, indem ich mein Wohlergehen an der Zukunft festmache. Aber es gibt keine Erlösung in der Zukunft, und keine Errungenschaft bringt bleibendes Glück. Alles Glück und Wohlbefinden kann nur jetzt, in diesem Moment (vor dem ich oft weglaufe), erfahren werden. Und so kommt man, wenn man nicht mehr versucht irgendwo hin zu gelangen, plötzlich an.
Und da finde ich es schön, dass Musik etwas ist, das im Moment passiert. Etwas, das gelebt wird und uns in die Gegenwart bringt.
Wie Alan Watts sagen würde (in etwa): Es geht nicht darum schnell zum Ende einer Symphonie zu gelangen. Denn man geht nicht in ein Konzert für den Schlussakkord, sondern für die Symphonie. Genau wie man nicht tanzt, um ans andere Ende der Tanzfläche zu gelangen. Man tanzt, um zu tanzen. Es geht darum, diesen Moment bewusst zu erleben.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JF: Ein Konzert, bei dem die Chemie stimmt. Wenn ich hinter der Bühne oder unterwegs zum Konzert eine gute Zeit mit den anderen Musikern habe. Wenn ich übe und mich in ‘Flow’ verliere. Und wenn ich nach einem Unterricht inspirierte Schüler sehe.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JF: Wenn ich viel zu tun habe mit Proben und Konzerten, komme ich weniger dazu Musik zu hören. Aber ich mag alle möglichen Stilrichtungen, wenn ich das Gefühl kriege, dass Magie drin steckt. Zum Beispiel beim Album “Last Dance” von Keith Jarrett und Charlier Haden, das Stück “Musica Dolorosa” von Peteris Vasks. Oder “We get Requests” vom Oscar Peterson Trio.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JF: Ich habe einen Plattenspieler. Vor kurzem habe ich mir aber sehr gute Kopfhörer gekauft und genieße damit hochauflösende Musik auf Qobuz oder Tidal.

KK: Was lesen Sie momentan?
JF: Ich höre sehr viel Hörbücher und Podcasts. Vor kurzem habe ich “Can’t hurt me” von David Goggins, “Lives of the Stoics” von Ryan Holiday und “The Wim Hof Method” gehört. Ich lese auch gerade “The 4 Hour Chef” von Tim Ferriss. “A book on learning disguised as a cookbook”. Weniger für das Kochen, als für seine Strategie “META” um alles Mögliche (z.B. Sprachen, Sportarten) in Rekordzeit zu lernen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JF: Das sind wahrscheinlich lächerliche Sachen, die mir gerade nicht einfallen.
Es bringt leider nichts sich zu ärgern. Sonst würden sich viele Probleme schnell lösen. Entweder man unternimmt etwas, oder man akzeptiert die Situation.

KK: Was freut Sie ungemein?
JF: Gutes Essen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JF: Ja, ich mache gerne selber Sachen. Zum Beispiel habe ich meinen Schreibtisch und zwei Boxen die ich für Konzerte verwende selber gebaut.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JF: Ich schaue nicht so oft Filme. Aber Hugh Jackman finde ich beeindruckend als Menschen, nachdem ich einen langen Podcast mit ihm gehört habe.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JF: Ein Portal, durch das ich Freunde und Familie auf der Ganzen Welt besuchen kann ohne zu reisen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JF: Beides. Ich bin eher introvertiert und arbeite gerne alleine und ohne Ablenkung wie im Buch “Deep Work” von Cal Newport illustriert. Aber am Ende ist fast alles was ich mache (Konzerte, Aufnahmen..) ein “Team Effort”.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JF: Oft am Morgen, bevor ich mir Mails und andere Nachrichten anschaue. Oder beim Spazieren.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JF: Bei mir sind es im Moment eher Podcasts wie “The Tim Ferriss Show”, “Making Sense” von Sam Harris und “Contrabass Conversations” von Jason Heath.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JF: Das ist eine große Aufgabe. Wahrscheinlich müsste ich mich erst ein Jahr lang auf diesen Tag vorbereiten.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JF: Darüber mache ich mir noch keine Gedanken.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JF: Die Welt verändert sich ständig. Die Klima Krise, das weltweite politische Klima und neue Technologien fordern uns heraus. Wir müssen schon aufpassen wo wir da hin steuern. Auf einer persönlichen Ebene denke ich, dass man mit einer Offenheit zu lernen und sich weiter zu entwickeln, am besten für die Zukunft gewappnet ist.

Zitat von einem belgischen Album Review:
“Nach dem Ausklingen des letzten Stückes Now konnten wir nur noch drei Buchstaben stammeln: Wow!” (Hans Vermeulen, Luminous Dash)
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Foto: Wolfgang Hummer
Mittwoch 19.01.2022
180. Christof Spörk - Der Natur beim Wachsen zuschauen
Christof Spörk ist vielseitig. Bekannt als Musiker und Kabarettist wissen hingegen die wenigsten, dass er auch Politikwissenschaften studiert hat. Seine Doktorarbeit lautete: „Musik und Politik in Kuba 1959 bis 1999“. In seinen Auftritten, wenn diese wegen der momentanen Pandemiesituation nicht gerade verschoben werden, kommen all diese Fähigkeiten wunderbar zur Geltung: Seine Liebe zur Musik (hier besonders zum Latin-Jazz), seine politische Beobachtungsgabe und Analysefähigkeit, seine nationale Zugehörigkeit (als Österreicher gehen einem, besonders momentan, die politischen Themen nicht aus). Sein neustes Programm heißt DAHAAM – mit dem er im März wieder auf Deutschland-Tour sein wird.
Alle Termine im Januar sind zumindest auf deutschen Bühnen abgesagt. KK hat er hingegen ein Interview gegeben – vielleicht als Appetit und Werbung auf spätere Gastspiele!


KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Christof Spörk: Ich würde sagen, eine gute Melange aus angeborenem Spieltrieb, grenzenloser Neugier, überschaubarem Ehrgeiz und großem Glück.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
ChSp: Wen? Das habe ich mir nie so recht überlegt. Publikum will jeder erreichen, der auf die Bühne geht. Logisch. Und was? Weltverbesserung wäre maßlos übertrieben. Obwohl ich natürlich als Zeitgenosse schon was Sinnvolles abliefern möchte.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
ChSp: Meiner eigenen Prokrastination. Es gibt ja immer soviel zu tun …

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
ChSp: Na ja, die Pandemie ist ja nicht unbedingt ein „Erlebnis“. Aber beeindruckend ist schon, was sie aus uns macht. Im Guten wie im Schlechten.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
ChSp: Zunächst einmal eindeutig der Kreativprozess an sich. Wenn etwas gelingt, ist es wunderschön. Und natürlich ein gelungener Abend auf der Bühne. Wenn alle oder fast alle strahlen. Das ist für mich Menschsein im besten Sinne des Wortes.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
ChSp: Leider viel zu wenig. Aber derzeit führt mich gerade mein neuer Bühnenpartner und musikalischer Begleiter Alberto Lovison auf längeren Autofahrten in seine Musikwelt ein. Das ist faszinierend. Wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack. Stark Latin-beeinflusst. Nur höre ich seit zwanzig Jahren dieselbe Musik. Und er ist wirklich am Laufenden.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
ChSp: Bisher klar CD. Hab mir jedoch zu Weihnachten einen Plattenspieler geschenkt. Und wir haben vor, unser neues Programm „DAHAAM“ auf CD und erstmals auch auf Vinyl zu pressen.

KK: Was lesen Sie momentan?
ChSp: Die Literatur der 1920er Jahre hat es mir gerade angetan. Lion Feuchtwanger, Erich Maria Remarque und Franz Werfel waren meine letzten Highlights. Mich erstaunt deren Sprachgewalt. Da ist wohl einiges verloren gegangen in den letzten Jahrzehnten.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
ChSp: Unverlässlichkeit. Und ja – auch wenn das kleingeistig klingt – notorische Unpünktlichkeit.

KK: Was freut Sie ungemein?
ChSp: Der Natur beim Wachsen zuzuschauen. Und ja, langjährige stabile Beziehungen, ob privat oder beruflich.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
ChSp: Nein. Nicht einmal dran gedacht.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
ChSp: Zu Weihnachten habe ich mir drei Adam McKay-Filme reingezogen. Er ist ein toller Regisseur. Und er hat was zu sagen. Obendrein besticht seine Arbeit durch Ideen und Schmäh, wie wir Österreicher sagen würden. Und er inspiriert ganz offensichtlich seine Schauspieler zu Höchstleistungen.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
ChSp: Ich glaube eher, es sollten eine Menge Dinge „entfunden“ werden. Es gibt viel zu viele sinnlose Erfindungen, die oft aus reiner Geldgier auf den Markt kommen und unsere natürlichen Ressourcen aussaugen und die Erde vermüllen. Also wenn man so will: eine Entfindungsmaschine würde ich sehr gerne erfinden.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
ChSp: Ich bin wohl eher der Typ Einzelkämpfer, der gerne Teamplayer wäre, es aber nicht wirklich kann.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
ChSp: Derzeit ganz klar beim Spazieren gehen. Aber man braucht schon ein paar flotte Kilometer, um überhaupt in einen Flow zu kommen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
ChSp: Blogs ehrlich gesagt kaum. Am liebsten lese ich Websites sogenannter seriöser Medien. Die „Süddeutsche Zeitung“ habe ich online abonniert. Offline lese ich „Die Zeit“. Die finde ich mit Abstand am besten. Ich finde, es geht in Sachen Information nach wie vor nichts über wirklich gut gemachten Journalismus. Ich lese aber auch alles andere, was mir unter die Augen kommt.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
ChSp: Da würde ich zunächst einmal eine Woche auf einen Berg gehen und lange nachdenken. Und dann würde ich mich mit jenen treffen, die es betrifft. Und wieder lange nachdenken. Und dann könnte ich vielleicht einen ersten sinnvollen Satz dazu abgeben.
Gut, eines weiß ich jetzt schon: In meinem Heimatland Österreich scheinen mir die Subventionen im Kulturbereich sehr einseitig auf staatliche Theater, Opernhäuser und ein paar Museen konzentriert zu sein. Da würde ich wohl ungeschauter mehr Innovation an der Basis fördern. Und die Schaffenden selbst unterstützen. Aber da geht es bei uns nicht nur um Kulturpolitik, sondern in hohem Maße auch um touristisch und somit wirtschaftlich relevante Investitionen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
ChSp: Um Gottes willen. Keine Autobiographien mehr.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
ChSp: Als notorischer Optimist, der ich bin, und als Vater vierer Kinder, würde ich sagen: Leider durchwachsen. Aber machbar. Wenn alle mitziehen.
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