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Iffeldorf: Isabelle Faust & Alexander Melnikow - Erfrischend wach und hinge...

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Fürstenfeldbruck: Sigrid Löffler - Die alte und die neue Weltliteratur

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Puchheim: Bastian Jütte Quartett - In die Höhen des Jazzzenits

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Gröbenzell: Cuarteto SolTango – Emotionale Entschlossenheit

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Germering: David Helbock Trio – Die Freiheit als Motor

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Dachau: Gemäldegalerie - Ekensund – im Kreis der Künstlerkolonien an ...

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Sonntag 12.02.2017
Iffeldorf: Isabelle Faust & Alexander Melnikow - Erfrischend wach und hingebungsvoll konsequent
Iffeldorf. Dass ein Wissensquiz keine Erfindung der Spaß orientierten Gegenwart ist, dürfte klar sein. Aber das diese Art des „Denksports“ auch schon Mitte des 19. Jahrhunderts und dann noch im Bereich der klassischen Musik ein Podium fand, ist vielleicht schon ein Novum. Aber genau aus dieser Intention heraus entstand die „F.A.E. - Sonate“ im Jahr 1853, komponiert von Robert Schumann, Albert Dietrich und Johannes Brahms. Gewidmet war sie dem damals alles überragenden Geiger Joseph Joachim, der, als ein enger Freund Schumanns, im Oktober desselben Jahres ein Konzert in Düsseldorf geben sollte. Die drei Komponisten überraschten ihn mit dem Stück und der Frage, wer wohl welchen Teil der Sonate geschrieben habe. Joachim tat sich nicht allzu schwer und konnte die einzelnen Sätze relativ genau zuordnen.
Spielen konnte er sie, laut Überlieferung, natürlich ausgezeichnet. Gedruckt erschien die „F.A.E. - Sonate“ („Frei aber einsam“ ist Joachims Lebensmotto in jenen Jahren) komplett erst 1935 und wird seitdem eher selten öffentlich aufgeführt. Gestern war nun so ein seltener Tag, da stand sie auf dem Programm, bei Isabelle Fausts und Alexander Melnikovs Auftritt im Rahmen der Iffeldorfer Meisterkonzerte. Sie bestimmte den ersten Teil eines überragenden Konzertabends. Die Violinistin und der Pianist haben in diesen vier Sätzen eine unglaubliche Perfektion als auch Hingabe präsentiert. Ein eingespieltes Team, das sich trotz der internen Abstimmung zu großartigen solistischen Momenten aufschwingen konnte.
Isabelle Faust faszinierte mit einem geschmeidigen, einfühlsamen Ton, dessen Melancholie und Weite verzauberte. Sie gab der Partitur eine Seele, die unabhängig wirkte, sich nur dem Moment hinzugeben schien und die Welt ringsum wie unbelastet ausblendete. Sie beherrschte den feinen Wechsel zwischen der Klarheit der Vorlage und einer ganz individuellen Nuancierung und nutzte die persönlichen Gestaltungsmöglichkeiten souverän. Keine verklebten Übergänge, kein süßlich schmerzendes Vibrato.
Die Spannung des Vortrags war aber auch ein Ergebnis der instrumentalen Gegensätze. Alexander Melnikovs Klavierpart geriet im Gegensatz zur Violinstimme kräftiger und präsenter - was aber nicht bedeutete, dass er die führende Stimme innehatte. Seine introvertierte, transparente Intensität beeindruckte und ergänzte sich stimmig mit Isabelle Fausts schlankem, aber doch körperreichen Ton. Immer wieder bauten sich im Wechselspiel Spannungsbögen auf, die sich dann besonders im furiosen vierten Satz in einem Feuerwerk der Leidenschaften entluden.
Die Sonaten für Klavier und Violine Nr. 1 G-Dur (op.78), Nr. 2 A-Dur (op.100) und Nr. 3 d-moll (Op.108) schrieb Brahms, als er sich von Hamburg, nicht unbedingt im Guten, verabschiedet hatte und nach neuen Möglichkeiten einer Anstellung Ausschau hielt, bzw. in Wien schon Fuß gefasst hatte. Auch hier nutzten die beiden Solisten ihre dynamischen Möglichkeiten, gaben den Partituren Farbe, spielten erfrischend wach und hingebungsvoll konsequent.
Als Zugabe gab es dann noch zwei Mythen von Karol Szymanowski, eine Art Kontrastprogramm. Aber sie rundeten mit ihren auf der griechischen Mythologie basierenden, sehr modernen, auf vielen Klangeffekten aufbauenden Kompositionen dieses grandiose Konzertab, das mit zum schönsten und eindringlichsten in Iffeldorf bisher gehörte.
KultKomplott
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Donnerstag 09.02.2017
Fürstenfeldbruck: Sigrid Löffler - Die alte und die neue Weltliteratur
Fürstenfeldbruck. Im Bereich der Klänge und der Töne spricht man seit den 1980er Jahren von einer „Weltmusik“. Im schwedischen Göteborg wurde 2004 das „Museum für Weltkultur“ eingeweiht. Es gibt „Weltwunder“, (sicher nicht nur) eine „Weltzeituhr“, den „Weltraum“ und - jetzt kommen wir der Sache schon näher – es gibt „Weltflucht“. Und in der Literatur? Hier wurde der Begriff „Weltliteratur“ vor gut 250 Jahren erstmals von Goethe genutzt.
Sigrid Löffler, die erfahrene Literaturkritikerin aus Wien mit heutigem Wohnsitz Berlin, definiert diesen Begriff hingegen neu. Sie verwies am gestrigen Abend in der Reihe „Literatur in Fürstenfeld“, in der sie ihr neues Buch „Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler“ vorstellte, auf ein Phänomen der Gegenwart. Denn seit einigen Jahrzehnten ist die „Weltliteratur“ das Ergebnis globaler politischer Prozesse, die speziell mit der Auflösung englischer und französischer Kolonien in Afrika, Asien und der Karibik im Zusammenhang stehen. Insofern ist „Weltliteratur“ heutzutage postkolonial, natürlich postnational und postethnisch und wird meist von Migranten in der Sprache ihrer neuen Heimat geschrieben.
Sigrid Löfflers Herangehensweise an diese Form der Literatur ist spannend, zutiefst menschlich und zugleich ein deutlicher Beitrag zur Integration von zigtausenden Migranten, die nach unvorstellbar strapaziösen Fluchten quer durch die Kontinente im Westen auf eine neues Lebensgefühl von Heimat hoffen. Dass dieser Blickwinkel auf die Literatur im deutschsprachigen Raum bisher vernachlässigt wurde, verwundert.
Vielleicht scheuen die Literaturwissenschaftler, Kritiker und Publizisten die damit einhergehenden, zwangsläufigen Auseinandersetzungen mit politischen Systemen und ihren weitreichenden, wie beklemmenden Wirkungen? Vielleicht. Sigrid Löffler war, bevor sie zur Literatur kam, politische Redakteurin!
In einem lebendigen und hochinteressanten Podiumsgespräch mit dem Literaturkritiker und Organisator der literarischen Veranstaltungsreihe Fürstenfeld Thomas Kraft wurde deutlich, dass diese „neue Weltliteratur“ von den Rändern der Gesellschaft kommt. Dort, wo Migranten oft über Generationen in großer Armut leben. Von hier aus schreiben sie über ihre tagtäglichen Erfahrungen und Auseinandersetzungen, die gekennzeichnet sind von Not und Unterdrückung, von Nichtsesshaftigkeit und den daraus resultierenden Sehnsüchten, von ihrem Glück und Unglück im Prozess der Integration. Damit geben sie zugleich Migranten eine Stimme, ein unverwechselbares Gesicht, eine spürbare Seele. Sie holen Menschen aus den Statistiken heraus, wo sie nicht selten mit bürokratischer Kaltschnäuzigkeit zu mathematischen Rechenexempeln oder, in der aktuellen Politik, zu sogenannten „Obergrenzen“ degradiert werden.
Sigrid Löffler hat für ihr Buch „Die neue Weltliteratur und ihre großen Erzähler“ ca. 50 Autoren herausgesucht, deren Bücher, bis auf eine Ausnahme, in deutscher Übersetzung vorliegen. Sie beschreibt ihre Herkunft und beleuchtet ihre Texte, schafft Querverbindungen und vermittelt neue Erkenntnisse. Zum Beispiel dass der hier verwendete Begriff der „neuen Weltliteratur“ erstmals in Karl Marx „Das Kapital“ 1867 als das logische Ergebnis eines anstehenden „Welthandels“ erwähnt wurde.
Mit dieser zeithistorisch wie literarisch unglaublich wichtigen Arbeit macht sie deutlich, welche Spuren der Veränderungen die Globalisierung nicht nur in den Identitäten, sondern auch in der Literatur hinterlässt. Literatur vermittelt, auch mit all ihren scheinbaren Schwächen, ein starkes, ein neues Selbstbewusstsein, das einem kosmopolitisch unabhängigen Lebensgefühl als Grundlage dient.
KultKomplott
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Freitag 27.01.2017
Puchheim: Bastian Jütte Quartett - In die Höhen des Jazzzenits
Puchheim. Einzelne Plattenlabel arbeiten im Jazz bis heute mit sogenannten Hausschlagzeugern, auch Hausbassisten. Das sind ideal wie verlässlich begleitende Rhythmiker, die für verschiedene Besetzungen die musikalische Basis bilden. Allroundkönner, die aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit und Empathie als rhythmischer Motor, egal in welchem stilistischen Kontext, fungieren. Es gibt ebenso festangestellte Club-Musiker und selbst urbane Metropolen besitzen derartige Instrumentalisten, die das Rückrad sowohl für die heimische Szene, als auch für durchreisende Gaststars sind.
In München gehört Bastian Jütte zu diesen Ausnahmeerscheinungen. Der Schlagzeuger ist präsent auf breiter Szene, beteiligt an einem Dutzend (Münchner) Projekten und ist dazu Leader eines eigenen Quartetts. Das klingt nach Vollbeschäftigung im Jazz.
Am gestrigen Donnerstag war der Schlagzeuger mit seinem Quartett Gast der Reihe JAZZ AROUND THE WORLD im Puchheimer Kulturcentrum PUC. Es war ein großes, ein ergreifendes Jazzkonzert, wie es in in dieser wuchtigen Intensität in Puchheim lange nicht zu erleben war. Bastian Jütte hat in den zurückliegenden Jahren viele Kompositionen für seine Band geschrieben. Man könnte denken, seinen Begleitern direkt auf den Leib. Aber selbst leichte Veränderungen in der Besetzung (für den angekündigten Pianisten Rainer Böhm brachte Jütte Christian Elsässer mit nach Puchheim) schienen keinen Einfluss auf die Leidenschaft und das musikalische Miteinander zu haben. Die sehr komplexen Stücke lebten von einer treibenden Dynamik, für die sich neben dem Münchner Schlagzeuger Bassist Henning Sievert (auch Hausbassist der hiesigen Szene) verantwortlich zeichnete. Seine Konzentration und Geschwindigkeit sind wunderbarer Handlauf und rhythmische Inspiration für sämtliches instrumentale Geschehen um ihn herum. Christian Elsässer, seit vielen Jahren mit Jütte musikalisch unterwegs, ist aufgrund seiner Vielseitigkeit und seines improvisatorischen Geschicks für jede Besetzung eine Bereicherung. Subtil und Einfühlsam richtet er sich in der Musik ein, zeigt Emotionen ohne Sentimentalitäten. Saxophonist Florian Trübsbach beherrscht eine breite Palette an Ausdrucksmöglichkeiten. Seine lyrischen Linien überzeugen in Eleganz und Geschmeidigkeit. Und wenn er sich dann auf der Grundlage modaler Skalen in coltranscher Manier in die Höhen des Jazzzenits hinaufschraubt, beeindrucken Kraft und Kompromisslosigkeit – ohne dass sein Spiel an Transparenz verliert.
Bastian Jütte hält mit seinem ständigen Puls die gesamte Musik zusammen. Er bestimmt das (oft hohe) Tempo, er verdichtet die Musik, gibt ihr Luft zum atmen, leitet Wechsel und Verschiebungen ein – ohne aus dem Tritt zu kommen. So entsteht Musik voller Kraft und Schönheit, wobei die Waage mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung ausschlägt.
Jörg Konrad
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Sonntag 22.01.2017
Gröbenzell: Cuarteto SolTango – Emotionale Entschlossenheit
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Gröbenzell. Er ist längst angekommen in den Konzertsälen der Klassik, der Tango. Der Jazz hat ihn schon vor Jahrzehnten entdeckt. Nun haben sich die Kompositionen Piazollas, Puglieses und Fresedos auch in der Kammermusik bewährt. Ein frischer Wind durchlüftet deren Räume, mit dieser musikalisch explosiven Mischung aus Leidenschaft, Sehnsucht und Rebellion. Seit fast zehn Jahren bewegt sich das Cuarteto SolTango auf den Spuren dieser Musik, die, wie Peter Rüedi einmal schrieb, den Charme des Banalen und die Kraft des Proletarischen miteinander verbindet. Aber Tango ist weit mehr. Er verkörpert Stolz und Melancholie, ist Volks- und ist Ballmusik.
Letzteres ist Ausgangspunkt für die klanglichen Meriten des Cuarteto SolTango, die gestern zu Gast in der Gröbenzeller Konzertreihe waren. Denn Tango, zu deutsch soviel wie „berühren“, ist Musik, Dichtung und Tanz. Martin Klett (Klavier), Sophie Heinrich (Violine), Rocco Heins (Bandoneon) und Karel Bredenhorst (Violoncello) haben einen wunderbaren Mittelweg gefunden, diese verschiedenen Eckpfeiler des Tangos unter einen Hut zu bringen. Ihre konzertant interpretierten Milongas, Walzer und Candombes verströmten sowohl den Geruch der Straße und die Lust der Leidenschaft, als auch die strahlende Eleganz rauschender Ballnächte. Da sind die zuckersüßen Melodien, die unverkennbaren komplexen rhythmischen Muster mit ihren Synkopierungen und die europäischen Harmonien, die allein schon die kulturelle Vielfalt des Tangos zum Ausdruck bringen. Das Cuarteto SolTango hat sich auf eine Instrumentierung geeinigt, die nicht unbedingt der klassischen Tango-Besetzung entspricht. Auch hier ist, trotz des in Argentinien und Uruguay typischen, aber eigentlich aus Deutschland stammenden Bandoneons, eine stärker europäisch ausgerichtete Idee der Interpretation zu erkennen.
Aber der Grundgedanke, ja die Authentizität des Tango steht beim Cuarteto SolTango weitab aller Klischeevorstellungen deutlich im Vordergrund. Die verschiedenen Ingredienzien dieser Musik finden bei ihnen eine Einheit. Die Virtuosität ist Teil ihrer musikalischen Geisteshaltung und wird nicht Mittel zum Zweck. Und der emotionale Teil ihrer Musik ist statt nostalgischer Verklärung und romantisierender Wehmut vor allem gekennzeichnet durch eine emotionale Entschlossenheit.
helga b
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Samstag 14.01.2017
Germering: David Helbock Trio – Die Freiheit als Motor
Wie würde heute das Piano im Jazz klingen, hätte es Thelonious Monk nicht gegeben? Ohne diesen sperrigen, exzentrischen wie genialen Klavierspieler? Eigentlich unvorstellbar. Das große schwarze Möbel gäbe es mit Sicherheit noch. Klar. Aber es klänge anders. Und der Jazz insgesamt klänge auch anders. Wie genau, ist schwer zu sagen. Das gleiche gilt natürlich für Ludwig van Beethoven, der ebenso großartig das Tasteninstrument beherrschte, wie er gleichzeitig die bis heute bedeutendste Klavierliteratur verfasste. Er hat die Klassik nachhaltig wie kaum ein anderer geprägt.
David Helbock, und jetzt sind wir in der Gegenwart, ist einer von jenen Pianisten, die stark von Monk und von Beethoven beeinflusst wurden. Wer den Österreicher am gestrigen Abend in Germering mit seinem Trio erlebte, weiß wovon die Rede ist. Denn hier fanden Tradition, in Form von Beethoven und Monk und moderner Zeitgeist eine Einheit. Ein musikgeschichtlich weiter Weg, den Helbock und seine beiden Begleiter da in eineinhalb Stunden zurücklegten. So weit, dass sie hin und wieder den stringenten Pfad des Jazz verließen und in einem Umfeld von Gongs und Sounds mäanderten, das sie selbst als „mystisch“ bezeichnen.
Mal faszinierten die stolpernden, fingerverrenkenden Figuren des Hohepriesters des Jazz (besonders in der ihm gewidmeten wunderschönen Ballade „Spiritual Monk“), dann gab es solistische Auszüge aus Beethovens Klavierkonzerten (mit tüchtig elektronischem Anschub). Blues und Swing, Bop und Rock – fast nichts, was David Helbock, Raphael Preuschel und Reinhold Schmölzer ausließen. Verbunden wurden all diese Versatzstücke mit sich blitzartig abwechselnden Ideen, mit jingelartigen Kabinettstücken, die in Hochgeschwindigkeit und in enormer Präzision umgesetzt wurden. Dann wieder großes Pathos, Akkorde aus dem Hier und Jetzt wie für die Ewigkeit - nicht mehr und nicht weniger.
In den besten Momenten des Abends fanden die Drei eine hervorragend organisierte, berührende, mitreißende Musiksprache – fernab jeder Mystik. Dann zeigten sie sich als gleichberechtigte instrumentale Stimmen. Jeder auf seine Weise solierender Individualist und überzeugender Teamplayer. Gemeinsam beherrschen sie die Kunst der Dynamik. Dieses Mit- und Füreinander, dieses sich ein- statt unterzuordnen. Der Gedankenaustausch funktionierte in diesem Trio perfekt, die Reaktionszeit untereinander war enorm. Egal, ob Raphael Preuschl auf seiner Bass Ukulele dunkel groovende Muster entwarf, Reinhold Schmölzer am Schlagzeug hochgradige Rhythmusattacken aus dem Handgelenk schüttelte oder David Helbock mal leidenschaftlich virtuos über die Klaviatur rauschte oder mal mit berechnendem Kalkül große Gesten in Musik übersetzte - man kennt sich, weiß voneinander, wo die musikalischen Stärken des anderen liegen. So ist das gemeinsame Ziel umrissen. Die Freiheit, es zu erreichen, ist der Motor dieser Band.
Jörg Konrad
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Dienstag 10.01.2017
Dachau: Gemäldegalerie - Ekensund – im Kreis der Künstlerkolonien an der Ostsee
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Es war schon in der Vergangenheit das vorrangige Anliegen der Gemäldegalerie Dachau, das reiche künstlerische Schaffen, das sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts westlich von München manifestierte, zu dokumentieren und der Öffentlichkeit nahezubringen. Da Dachau eine von dutzenden Künstlerkolonien früherer Zeit in Europa war, sieht es die Galerie als ihre Aufgabe, auch die übrigen Lebens- und Arbeitsgemeinschaften freiluftmalender Künstler nach und nach vorzustellen. Noch bis zum 5. März ist in der Dachauer Gemäldegalerie in der Konrad-Adenauer-Straße 3 nun noch die Ausstellung „Ekensund – im Kreis der Künstlerkolonien an der Ostsee“ zu sehen.
Die Künstlerkolonie Ekensund existierte in der Zeit vom späten 19. Jahrhundert bis kurz nach dem 1. Weltkrieg am Nordufer der Flensburger Förde. Die Menschen in diesem heute zu Dänemark gehörenden Gebiet lebten vom Fischfang und von der Arbeit in den örtlichen Ziegeleien und häufig nahe dem Existenzminimum. Sie waren abhängig von Wind und Wetter und besaßen nicht zuletzt aus diesem Grund ein sehr spezielles und ausgeprägtes Verhältnis zu den Naturgewalten.
Als im Zuge der Begeisterung für die Freilichtmalerei mit Wilhelm Dreesen, Alexander Eckener und Otto Heinrich Engel die ersten Maler in diese Gegend kamen und langsam aber sicher die Künstlerkolonie Ekensund entstand, gab es auch für die Einheimischen die Möglichkeit, ihren Broterwerb etwas aufzubessern. Zugleich wurden sie, als auch ihr direktes Lebensumfeld, von den Malern als Motiv genutzt. So gibt die Dachauer Gemäldegalerie anhand über 80 Exponate zugleich einen breiten Ausschnitt über die Lebens- und Arbeitsbedingungen jener Zeit im Süden Jütlands. Auffällig ist dabei, mit welch farblicher Präsenz der überwiegende Teil der 22 ausgestellten Künstler die Landschaft und dortigen Menschen wahrgenommen haben. Viele der Maler kamen aus den großen Kunstzentren Berlin, Düsseldorf und München, waren zugleich in der Sommerfrische und vielleicht auch deshalb farblich besonders positiv gestimmt. Hier besonders auffällig die hellen, in die lichtdurchfluteten Weiten zielenden Arbeiten von Wilhelm Heuer und  Erwin Nöbbe. Oder die in ihrer unmittelbaren Flüchtigkeit stark an die impressionistische Malerei erinnernden Werke eines Otto Heinrich Engel. Diese Arbeiten sind als eine Art Mittler zwischen Natur und Kunst wirkliche Entdeckungen. Es ist schade, dass sich die Zusammenarbeit mit dem Landschaftsmuseum Flensburg etwas schwierig gestaltete und Kuratorin Elisabeth Boser allein auf (kleinformatige) Leihgaben aus Privatbesitz zurückgreifen musste. Doch die Arbeit hat sich gelohnt und zeigt eine besonders beeindruckende Facette der Freiluftmalerei.
Jörg Konrad 

Abbildungen: Heinrich Petersen-Angeln "Flensburger Hafen" um 1890 / Jacob Nöbbe "Fischerbrücke" 1895 / Jacob Nöbbe "Gelbes Meer" 1898.
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