In INTERVIEW werden Persönlichkeiten vorgestellt, die auf unterschiedlichste Weise das kulturelle Leben gestalten und bereichern - dabei oftweit über die Landesgrenze hinaus wirkend. Grundlage für diese Portraits ist ein Fragebogen.
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1. 175. David Helbock – Die Mitte geht total verloren
2. 174. Tuija Komi - „Ich bin optimistisch!“
3. 173. Soenke Meinen - Flugzeuge, die mit Karotin statt Kerosin fliegen
4. 172. Michael Hornstein – Ich ende aber oft als Einzelkämpfer
5. 171. Juliana Blumenschein - Ich bin ein sehr euphorischer Mensch
6. 170. Klara Finck - Ich bevorzuge Gedrucktes
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Freitag 15.10.2021
175. David Helbock – Die Mitte geht total verloren
David Helbock absolvierte 2019, also ein Jahr bevor die Pandemie ausbrach, rund 150 Konzerte weltweit. Er saß somit jeden zweiten Tag auf irgendeiner Bühne und spielte meist vor einem begeisterten Publikum Klavier. Als er dann im März 2020 seine Südafrikatournee aufgrund des grassierenden Virus abbrechen musste, fühlte es sich an, als „würde ich in ein Loch fallen“, erzählte? der Österreicher der Wiener Zeitung. Doch dann machte er aus der Not eine Tugend, begann alte Projekte aufzuwärmen, übte wieder intensiv Klavierspielen und drehte Videos. Helbock nutzte die Zeit für Dinge, die ihm schon immer irgendwie am Herzen lagen – zu denen er jedoch nie gekommen war.
So entstand mit Sebastian Studnitzky (Trompete) und Arne Jansen (Gitarre) 2020 ein neues Album („The New Cool“), das insgesamt sechste für das Münchner Act-Label. Die Musik ist ein Bekenntnis für jene Zeit, als Lennie Tristano den Ton am Klavier angab, als mit bedächtigem Tempo und einer „unterkühlten“ Seele gespielt wurde. Tradition und Gegenwart finden bei ihm eine Einheit!
Die Kritik feiert David Helbock währenddessen als „gewieften Sound-Tüftler und konsequenten Spurensucher am Puls der Zeit“ (3sat Kulturzeit) und als „Shooting-Star der europäischen Szene“ (Süddeutsche Zeitung). Am 21. Oktober wird der 1984 in Vorarlberg geborene Pianist mit den beiden Multiinstrumentalisten Johannes Bär und Andreas Broger im Bürgerhaus Pullach auftreten. Beginn des Konzertes: 20.00 Uhr.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
David Helbock: Ich hatte immer großes Glück mit meinen musikalischen Lehrer und Lehrerinnen. Angefangen sicher bei meinem Vater, der selber Musiker ist und eine sehr großer Plattensammlung besitzt. Bei uns zu Hause ist einfach immer viel und gute Musik aus ganz verschiedenen Stilen gespielt worden. Mein größter Einfluss war dann sicher mein Lehrer Peter Madsen, ein amerikanischer Jazzpianist, der 2000 von New York nach Österreich gezogen ist.
Bei ihm habe ich lange studiert und viel gelernt - auch außerhalb der Musik - wir haben viel über Musik geredet, aber auch viel über Philosophie.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
DH: Genau das ist so eine philosophische Frage, über die man jetzt lange reden könnte. Warum macht man Musik? Warum mache ich Musik? Ich kenne Musiker*innen, die behaupten nur für sich selber zu spielen, oder nur für die Musik, oder für eine höhere Energie im Universum, für Gott - wieder andere nur um dem Publikum zu gefallen, viele auch um anderen Musiker*innen zu gefallen und in einer Szene akzeptiert zu werden. Wenn jemand so eine schwarz weiße Meinung hat, bin ich immer etwas skeptisch - für mich gehört das alles dazu und schließt sich auch nicht gegenseitig aus.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
DH: Na ja, das schwerste finde ich nach wie vor das ständige Bewerben um Arbeit, einen Job, in meinem Fall also ein Konzert. Viele Leute aus der älteren Generation haben ein Leben lang den selben Job. Manche Jüngeren wechseln vielleicht alle paar Jahre mal den Job. Aber Musiker müssen sich täglich aufs Neue immer wieder bewerben, mit vielen „Bewerbungsgesprächen“ (also Anrufen oder E-Mails an Veranstalter, Agenturen usw.) täglich. Und 90% davon ergeben Absagen. Damit muss man erst mal umgehen lernen, gehört aber einfach dazu.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
DH: Ich habe gerade in Wien zwei Konzerte mit Michael Mantler gespielt - Michael ist mittlerweile 78 Jahre alt und strahlt auf der Bühne ein sehr beeindruckende, fast jugendliche Energie aus.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
DH: Auf der Bühne im Moment sein. Dafür nimmt man die restliche, stressige, wohl 90% der Arbeit in Kauf.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
DH: Klassische Musik, im Moment gerade Scriabin. Manche Jazzplatten lassen mich nie los - Thelonious Monk zum Beispiel.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
DH: Nur Vinyl.

KK: Was lesen Sie momentan?
DH: Ein Buch über Pilze.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
DH: Wenn so wie jetzt in der Coronakrise (und das hat ja schon lange vorher angefangen) viele Menschen, die zu gewissen Themen andere Meinungen haben, fast gar nicht mehr miteinander reden können. Die Mitte geht total verloren.

KK: Was freut Sie ungemein?
DH: Wenn eine neue musikalische Idee sich ganz langsam entwickelt, noch nicht ganz greifbar ist, aber man spürt wie die Samen sprießen, die man gesetzt hat.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
DH: Ja.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
DH: Ich sitze gerade im Zug von Wien nach Berlin und habe in der Mediathek der tschechischen Bahn einen Film gesehen, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe, aber von früher kenne.
„Under Suspicion“ mit Gene Hackman, Morgan Freeman und Moncia Bellucci - alle drei fantastisch – vor allem Gene Hackman.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
DH: Beamen - umweltfreundlich von Konzertort zu Konzertort reisen und das in Sekunden...

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
DH: Beides. Je nachdem. Ich spiele viele Solokonzerte. Da ist man schon ein Einzelkämpfer und bis auf die kurze Zeit mit dem Publikum meist ganz alleine unterwegs. Lieber ist mir da schon eine Band, vor allem wenn die Chemie zwischen den Musiker*innen stimmt. Ich spiele in verschiedenen Duos, Trios, manchmal auch großen Besetzungen. Die Abwechslung ist auch wichtig.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
DH: Im Traum.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
DH: Ich such mir schon hauptsächlich selber zusammen was ich online konsumiere. Viel natürlich auf Youtube. Aber da findet man alles und kommt vom Hundersten ins Tausendste. Manchmal ist es dann auch besser den Computer oder das Handy auszuschalten.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
DH: Wahrscheinlich würde man mich nicht viel ändern lassen. Dazu ist Kultur leider in unserer Gesellschaft nicht wichtig genug. Ständig weiter arbeiten in der Hoffnung, dass das irgendwann besser wird. Finanzminister wäre wohl besser um was zu ändern.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
DH: Jetzt sicher noch nicht - muss ja zuerst mal mein Leben leben, um dann event. drüber schreiben zu können.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
DH: Ich habe schon das Gefühl, wie wahrscheinlich viele Menschen, dass im Moment sehr viel passiert. Pandemie, Klimawandel, Digitalisierung - man weiß eigentlich nicht, wie die Welt in 5 Jahren aussehen wird. Aber ich denke schon, dass wir es in der Hand haben, ob die Zukunft sich als Utopie oder Distopie herausstellt. Auf jeden Fall bin ich fest der Überzeugung dass Kultur und speziell Musik uns andere Wege aufzeigen kann, wie es auch noch gehen könnte...
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Samstag 02.10.2021
174. Tuija Komi - „Ich bin optimistisch!“
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Tuija Komi hat in ihrem bisherigen Leben Dinge getan, die auch locker zwei bis drei Biographien füllen. Geboren in Joroinen, einer kleinen Gemeinde im Südosten Finnlands, kam sie 1992 zum ersten Mal nach Deutschland. Drei Jahre später entschied sie sich hier zu bleiben. Erst in Frankfurt am Main, dann als Projektmanagerin einer großen IT-Firma in München. Hier fasste sie 2006 auch den endgültigen Entschluss, ihr Leben völlig zu ändern: Sie wurde Sängerin, studierte noch einmal Jazz- und Popgesang und legte bis heute eine beachtliche Karriere hin. Etliche CDs zeugen von ihrem Können. „Eine echte finnische Jazz-Diva.“, schrieb die Süddeutsche Zeitung anläßlich ihres letzten Albums „Midnight Sun“. Am Freitag den 08. Oktober eröffnet Tuija Komi mit ihrem Quartett die 7. Gilchinger Kunst- und Kulturwoche. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr und findet im Veranstaltungssaal des Rathaus Gilching, am Rathausplatz 1 statt.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Tuija Komi: Ich habe zum Glück eine musikalische Familie und habe schon immer Freude an Musik und Singen gehabt.
Kreativität, Offenheit, Neugierde, Optimismus, Humor und Mut machen mich aus. Diese Eigenschaften haben mich auch immer weiter gebracht und werden mich auch weiter bringen.
In meinem „ersten Leben“ habe ich BWL studiert und bei internationalen Unternehmen gearbeitet. Zuletzt war ich bei Siemens in der IT-Branche als Projekmanagerin in internationalen Kundenprojekten tätig.
Ich habe seitdem ich 20 Jahre alt war Konzerte auf Bühnen gegeben. Wie es dazu und zum Jazz kam? Ein Bandleader einer Profi-Band in Finnland „entdeckte“ mich bei einem Gesangs-Seminar. Das war überhaupt der erste Gesangsunterricht für mich. Er fragte mich, ob ich in seiner Band als Solistin singen möchte. Ich habe sofort „JA“ gesagt und so ging es los mit Jazz und Singen für mich. Ich war anfangs Autodidakt, das heißt in meinem Fall, dass ich mir viele Platten, damals Vinyl, von u.a. Ella Fitzgerald und Frank Sinatra angehört habe und dazu mitgesungen habe. Die beiden waren meine ersten „Lehrer“.
Später habe ich dann Jazz- und Pop-Gesang an der Musikhochschule studiert und mich zum staatlich anerkannten Musiklehrer für Pop-Musik an der Bundesakademie in Trossingen weitergebildet.
Ich war früher jedes Jahr mehrere Wochen in New York - es war aufregend! Ich habe viele Konzerte besucht, selber auch Konzerte gegeben. Auch konnte ich tolle Meisterklassen besuchen u.a. bei Kurt Elling, Theo Bleckmann, Jay Clayton, Nancy Marano uvm. Ich wollte sogar hinziehen, das machte ich aber dann doch nicht und so bin ich in München geblieben.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
TK: Ich möchte Menschen Freude mit meinen Konzerten schenken. Da ist manchmal viel los, nicht nur musikalisch, sondern ich erzähle auch kleine Geschichtchen, Humor ist für mich sehr wichtig.
Als Gesangspädagogin möchte ich, dass viele Menschen den Spaß beim Singen für sich selbst entdecken.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
TK: Über die jetzigen Widrigkeiten wegen Corona brauche ich vermutlich nichts erzählen.
Ich kann zwar gut Konzerte akquirieren, aber es kostet jetzt so viel mehr Zeit. Meine primäre Aufgabe als Musikerin sollte neben Auftritten Musik-Schreiben sein, nicht stundenlang vorm Computer und am Telefon als Bookerin zu sitzen.
Hallo Agenten und Agentinnen da draussen ;-)

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
TK: Ich bin schockiert von dem Mord an dem jungen Studenten an der Tankstelle. Sind wir hier im Wilden Westen?! Was ist mit den Menschen los? Wo ist die Moral? Das Gesetz nimmt man nicht in die eigene Hand!

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
TK: Wenn dieselben Leute immer wieder zu meinen Konzerten kommen und begeistert und gutgelaunt nach Hause gehen.
Wenn ich die glücklichen Gesichter meiner Gesangsschüler sehe, wenn sie etwas neues gelernt haben und es hinbekommen haben.
Wenn ich einen tollen Song geschrieben habe.
Wenn wir mit Band im Konzert improvisieren, das Arrangement loslassen, total „open“ spielen und dann entsteht etwas Neues, das wir selbst noch nicht kannten oder erwartet haben.
Also Sie sehen, viele schöne Momente!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
TK: Ich höre vieles. Sehr gern mit Gesang, aber auch Instrumental. Viel Jazz, Latin, Blues, Soul und Pop - manchmal auch Klassik. Gerne nordische Musik aber auch aus verschiedenen Ländern und in verschiedenen Sprachen.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
TK: Nur CDs. Ich kaufe immer noch CDs. Da hat man die Musik sicher im Schrank, auch wenn heute das Streaming oder die Downloads der Stand der Technik sind. Das sollten gerne viele tun!

KK: Was lesen Sie momentan?
TK: Ein Buch von einem finnischen Autoren, er heisst Tuomas Kyrö.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
TK: Es ärgert mich nicht nur sondern macht mich traurig: Dass so viele Kinder leiden und sterben. Es ist so viel Geld in der Welt, wieso gibt es nicht schon eine Lösung dafür?
Oder dass wir so viele Kriege haben.
Und dass es immer mehr arme Leute gibt, und die Reichen werden immer noch gieriger.
Egoismus und Korruption ärgern mich auch.

KK: Was freut Sie ungemein?
TK: Wenn ich Kinder lachen höre.
Wenn Menschen sich gegenseitig helfen.
Ich freu mich sehr über die Sonne und Wärme! Ich liebe den Sommer. Ich bin sehr gerne in meiner Heimat Finnland im Sommer.
Meine Eltern haben ein hübsches Sommerhaus und wir gehen fast jeden Abend in die Sauna und aus der Sauna direkt in den See schwimmen. In der Ruhe und in der Natur kann ich mich wunderbar entspannen und Kraft auftanken.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
TK: Ja, Kleidung habe ich genäht als ich eine junge Frau war. Meine Mama ist handarbeitlich sehr begabt und hat mir vieles gezeigt.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
TK: Ich gehe sehr gerne ins Kino, konnte aber leider lange nicht mehr gehen.
Zuhause schauen wir auch Filme gerne. Ich habe nachgedacht, aber mir fällt keine ein…

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
TK: Beides. Mal muss ich alleine kämpfen, und dann zum Glück habe ich auch um mich herum viele ganz tolle Menschen mit denen ich zusammen vieles stemmen kann.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
TK: Früh morgens, was eigentlich gar nicht meine Zeit ist und spät abends, nach Mitternacht. Das sind die kreativsten Momente für mich.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
TK: Die Web-Seiten von Veranstaltern (lach!). Leider habe ich kaum Zeit Blogs zu lesen. Momentan gehe ich häufig auf Seiten die mit Musik für Kinder oder Kindern zu tun haben. Ich arbeite an einem Projekt das mit Kindern und Musik zu tun hat. Ich habe ein Arbeitsstipendium von der LH München dafür bekommen, in dem es darum geht, neue und moderne Songs für Kinder im Alter von ca. 6-9 Jahren in deutsch zu schreiben. Es sollen Lieder mit Themen „von Kindern für Kinder“ sein. Ich interviewe dazu Kinder und auch Eltern und Großeltern, Erzieher, Lehrer, Therapeuten, Phoniater, Musiker, Gesangspädgog:innen etc.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
TK: Ich würde mehr Künstler und Kulturschaffende in die ganzen Planungen einbinden.
Es sollte alles nicht so kompliziert sein mit dem Durchführen von Veranstaltungen. Warum dürfen so viele Fußballfans in die Stadien, aber 50 Zuhörer bei einem Open-Air-Konzert sind schon zu viel???

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
TK: I did it my way :-)

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
TK: Ich bin optimistisch! Es geht weiter mit Konzerten und anderen kulturellen Veranstaltungen.
Durch die Corona-Pandemie hatte ich auch mehr Zeit und so kamen mir auch viele neue Ideen. An denen werde ich arbeiten u.a. an meinem Songprojekt für Kinder. Ich sammele gerade in Interviews noch Themen und Inhalte von Kindern und werde mit diesen Input viele neue, hoffentlich für Kinder richtig interessante aber auch lustige Songs, schreiben.
Eine weitere wunderschöne Vision habe ich noch. Es hat mit Kultur, Gesundheit und Entschleunigung in Finnland zu tun.
Aber dies wird noch vielleicht ca. 7 Jahre dauern, bis es läuft.
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Foto: Manfred Pollert
Freitag 24.09.2021
173. Soenke Meinen - Flugzeuge, die mit Karotin statt Kerosin fliegen
Kein geringerer als Saitenlegende Tommy Emmanuel nennt ihn „einen der kreativsten Gitarristen der aktuellen Gitarrenszene“. Soenke Meinen, 1991 im friesischen geboren, gehört schon eine Weile zu den Shootingstars unter den Fingerstylisten. Er verbindet in seiner Musik geschick und virtuos Klassik, Jazz und Weltmusik. In der Vergangenheit wurde er für etliche nationale und internationale Preise nominiert, war Gewinner des „Guitar Masters“-Wettbewerbs und Sponsoring-Preisträger des „European Guitar Awards“. Konzerttourneen führten ihn unter anderen nach Australien, Russland, Japan, Südkorea und China. Am 8. Oktober ist Soenke Meinen Gast der Reihe Beer & Guitar im Maisacher Bräustüberl. Konzertbeginn: 20.00 Uhr

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Soenke Meinen: Die Mischung aus guten Lehrern und Mentoren, einer unterstützenden Familie und wichtigen Begegnungen zur richtigen Zeit auf der einen Seite, und viel Geduld, Disziplin und Leidenschaft auf der anderen. Ansonsten hätte ich die Gitarre wohl schnell im Koffer gelassen und hätte wahrscheinlich Architektur studiert.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
SM: Ich möchte vor allem bei jedem Konzert einen guten Job erledigen und dem Publikum ein bestmögliches Konzerterlebnis bieten. Wenn ich dabei jemanden für 2 Stunden aus seinem/ihrem Alltag herausholen kann, bin ich mit meiner Arbeit zufrieden.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
SM: Wahrscheinlich am ehesten mit fehlender Zeit. Da ich insbesondere in meinem Soloprojekt fast alles selbst mache und kein Team um mich herum habe, habe ich oft eine Menge „Baustellen“, die zur gleichen Zeit bearbeitet werden wollen. Andererseits bedeutet dieser Ansatz auch Unabhängigkeit und künstlerische Freiheit, die ich nicht missen möchte.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
SM: Ich hatte es natürlich gehofft, aber es war bei den Sommer-Konzerten in diesem Jahr gleichermaßen ermutigend und beeindruckend, wie spürbar wichtig es war, dass nach eineinhalb Corona-Jahren vereinzelt wieder Kultur möglich war. Der Kulturhunger ist groß und Erlebnisse wie Konzert- und Theaterabende wichtiger denn je - egal, ob auf der Bühne oder im Publikum.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
SM: Wenn das, an dem man Monate im stillen Kämmerlein arbeitet, endlich raus darf und im besten Fall einen Nerv trifft!

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
SM: Ich höre sehr viel Musik und für einen Gitarristen wahrscheinlich erstaunlich wenig Gitarrenmusik. Insbesondere begeistern mich Musiker, die so eigen sind, dass man sie nach wenigen Takten erkennt. Stilistisch bin ich dabei gar nicht festgelegt, tendiere aber stark zu handgemachter, akustischer Musik.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
SM: Seit einiger Zeit mehr und mehr Vinyl. Es ist einfach nostalgisch und entschleunigend, eine Platte aufzulegen und bewusst zu hören - und geht sehr gegen das ganze Schlamassel mit Spotify und Co, durch die Musik viel stärker zu wertloser Hintergrunddudelei mutiert ist.

KK: Was lesen Sie momentan?
SM: Wenn mich ein Themengebiet wirklich interessiert, bin ich sehr wissbegierig und lese eher Sachlektüre als einen Roman. In letzter Zeit ist es unter anderem der Klimawandel. Keine leichte Kost, aber so wichtig. Ich bin in Ostfriesland aufgewachsen, einer Gegend, die zum Teil unter dem Meeresspiegel liegt - da liegt es sehr nahe, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen.


KK: Was ärgert Sie maßlos?
SM: Menschen, die mit Verschwörungstheorien einen Haufen Geld verdienen und die, die ihnen nachlaufen.

KK: Was freut Sie ungemein?
SM: Dass bald endlich mein neues Album erscheint, an dem ich die letzten vier Jahre gewerkelt habe. Und natürlich, dass ich kurz vorher die neuen Stücke schon einmal dem Publikum in Maisach vorspielen kann...

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
SM: Ich bin kein professioneller, aber ein umso leidenschaftlicherer Heimwerker. So habe ich nicht nur das ein oder andere Möbelstück gebaut, sondern kann auch unzählige Stunden damit verbringen, die eigene Wohnungseinrichtung oder auch die Wohnungen von Freunden bis ins Detail zu planen.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
SM: Da ich beruflich schon viel zu viel vorm Bildschirm verbringe, vermeide ich, dies privat auch zu tun. Dadurch reicht allerdings meine Kenntnis von Schauspielern und Filmen nicht aus, um eine zufriedenstellende Antwort zu finden.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
SM: Flugzeuge, die mit Karotin statt Kerosin fliegen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
SM: Als Solomusiker ist man eher Einzelkämpfer, in meinen Duo-Projekten wendet sich das Blatt. Ich möchte diese verschiedenen Arten zu arbeiten und zu musizieren beide nicht missen!

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
SM: Oft in den unpassendsten Situationen. Für kreative Ideen hilft tatsächlich manchmal Zeitdruck erstaunlich gut. Wenn man weiß, man hat genau 10 Minuten Zeit, um mit einer Komposition weiterzukommen oder etwas neues zu entwickeln, sind die Ergebnisse oft besser, als wenn man alle Zeit der Welt hat, jede kleine Idee endlos zu hinterfragen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
SM: Ich bin sehr daran interessiert, woran meine Musikerkollegen und Freunde gerade werkeln und finde es sehr spannend und inspirierend, dadurch regelmäßig neue Musik kennenzulernen. Diese Websites und Blogs sind also auch eher beruflicher Natur. Und: Ich schaue regelmäßig auf meiner eigenen Website nach, wo ich als nächstes spiele...

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
SM: Da gäbe es sicher viele Ideen - in jedem Fall sollte es mehr Konzerte in Schulen geben. Livemusik kann bei Kindern so viel Positives bewirken, aber viele haben diese Erlebnisse im familiären Umfeld nicht. Auch wird in Deutschland vergleichsweise wenig zuhause musiziert. Also wie auch immer das in der Praxis und im Detail aussehen mag: Mehr Musik in die Schulen!

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
SM: Da meine musikalische Laufbahn gerade erst so richtig startet, ist der Gedanke, eine Autobiografie zu schreiben doch ziemlich abwegig. Und dennoch: Es haben sich inzwischen einige besondere, überraschende und skurrile Erlebnisse auf meinen bisherigen Tourneen angesammelt, mit denen sich sicher Bücher füllen ließen. Ein möglicher Titel: "Von chinesisches Punkclubs, westfälischen Grusel-Schlössern und einem korsischen Männerchor“.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
SM: Es ist womöglich eine Wunschvorstellung: Aber es braucht mehr Wertschätzung für gute, handgemachte Musik und eine blühende Konzertlandschaft. Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, was da eigentlich fehlt, wenn die Kulturszene zum Erliegen kommt - das gilt es zu verhindern.
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Dienstag 07.09.2021
172. Michael Hornstein – Ich ende aber oft als Einzelkämpfer
Michael Hornstein ist kein Polystilist. Er ist als Künstler offen, umtriebig, scheut keine Provokationen und ist bei dem, was er umsetzt, beeindruckend effektiv und vor allem glaubwürdig. Im Grunde also der geborene Jazzmusiker.
Zum Saxophon kam er durch den Vater eines Freundes. Bei diesem hörte er erstmals Charlie Parker. „Ganz klar, Saxophonspielen ist die Welt. Das war für mich das Erweckungserlebnis, da war ich 14“, erzählte er in einem Interview vor knapp zehn Jahren. Nun hat sich der heute in München lebende Instrumentalist, Komponist und Musikproduzent aber nicht sein Leben lang in der Nähe von Parker und dem Bebop eingerichtet. Es gab Zeiten, da stand bei ihm allein Ornette Coleman im Focus, war später Professor in Kolumbien, lebte in Mexiko, Kuba, Spanien, beschäftigte sich eine Zeit intensiv wie erfolgreich mit elektronischer Musik und hat zuletzt das wunderbare Duo-Album „Ellington Now“ veröffentlicht, über das an dieser Stelle zu lesen war: „Michael Hornstein balanciert wunderbar elegant auf dem Hochseil des Jazz, welches straff zwischen Tradition und Moderne gespannt ist. Selbst Ohrwürmer wie „Caravan“ oder „In A Sentimental Mood“ gestaltet er erfrischend, gibt den fast totgespielten Melodien eine vitale Introvertiertheit. „Ellington Now“ macht mit Michael Hornstein und Oliver Hahn überdeutlich, warum diese Schlachtrösser des Jazz einfach nicht umzubringen sind. Neben der Schönheit dieser Songs zeigt sich an ihnen auch, wer über die Grundlagen der Standards hinaus eben noch etwas eigenes mitzuteilen hat.“
Am Freitag den 24. September ist Michael Hornstein mit dem Groovy Organ Trio featuring Pete York und Matthias Bublath zu Gast in der Stadthalle Germering. Beginn: 19.30 Uhr.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Michael Hornstein: Ich denke wir alle sind die Summe unseres Lebens. Nur in der Betrachtung gewichten wir Dinge, oft sehen wir die wirklich wichtigen Dinge in unserem Leben nicht.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
MH: Andere und mich glücklich machen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
MH: Projektionen, Erwartungen und Ungeduld.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
MH: Ein Solokonzert in der Kirche in Ahrenshoop am 21.08.2021 an der Ostsee. Am Ende war es kein Solokonzert, sondern ein gemeinsames Erlebnis. Die Grenze von Vortrag und Rezipienten war völlig aufgelöst. Oder auch wie meine Kollegin bei einem Auftritt kurz davor einen Szenenapplaus bekam, sie hat so toll performt.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
MH: Wenn ich mich selbst darin völlig verliere und mich überrasche.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
MH: Ich mag alle Arten von Musik, höre aber immer mehr Klassik, einfach weil das kompositorisch für mich am interessantesten ist.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
MH: Fast nur digital, oder Radio.

KK: Was lesen Sie momentan?
MH: "Die Wand“ von Marlen Haushofer. Davor Houellebecq „Seratonin“ und davor „Die Seele will frei sein“ von Michael Singer. Alle drei finde ich, so verschieden sie sind, ganz grossartig.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
MH: Dass ich mich selbst immer noch ärgere anstatt zu staunen und zu beobachten.

KK: Was freut Sie ungemein?
MH: Das Leben.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
MH: Nur kleine Reparaturen.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
MH: Fällt mir spontan keiner ein, obwohl ich sogar einige Jahre als Drehbuchautor gearbeitet habe, ist mein Interesse an Filmen zur Zeit gering.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
MH: Die schönste, heilsamste und tröstlichste Musik der Welt!

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
MH: Ich wäre so gerne Teamplayer, ende aber oft als Einzelkämpfer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
MH: Sowohl bei der vorbereitenden Arbeit als auch vor Publikum. Es hat lange gedauert bis ich das verstanden habe und akzeptieren konnte. Die Einfälle kommen bei mir mit dem Machen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
MH: Alles querbeet. Ich lese gerne unterschiedliche Meinungen. Wie schrecklich langweilig wäre eine Welt, in der alle einer Meinung sind.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
MH: Sogar Gott hat für die Erde 7 Tage gebraucht, was soll ich da an nur einem Tag? Wahrscheinlich würde ich an genau dem Tag ruhen, um bei der Analogie zu bleiben.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
MH: Mit einem Saxophon um die Welt (schon in Arbeit).

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
MH: Gesund, gelassen, glücklich, also 3 G!!!
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Freitag 13.08.2021
171. Juliana Blumenschein - Ich bin ein sehr euphorischer Mensch
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Foto: Dumitrita Gore
Juliana Blumenschein hat im Grunde erst relativ spät ihre brasilianischen Wurzeln für sich entdeckt. 1992 in Freiburg geboren, spielte aber Musik ganz allgemein von Beginn an eine große Rolle in ihrem Leben. Die Eltern studierten klassisches Klavier, ihre Geschwister lernten, wie sie selbst, früh Geige spielen. Sie errang erste Preise beim Musikwettbewerb „Jugend musiziert“ und spricht selbst von einer Art Erweckungserlebnis, als sie mit 9 Jahren die amerikanische Filmkomödie „Sister Act 2 – In göttlicher Mission“ im Fernsehen sah. Reggea, Rap, R'n'B, Soul, Jazz waren von nun an ihre absoluten Favoriten und musikalischen Wegbegleiter.
Mit diesen Einflüssen und Erfahrungen ausgestattet, ist es eigentlich nur noch ein kleiner Schritt, um letztendlich in der erfrischenden Vielfalt brasilianischer Musik aufzugehen. Sie studierte Jazz-Gesang und begann vorsichtig erste Songs zu komponieren. So entstand ihr Debüt „A Vida“. Wunderbare Melodien, treibende Grooves, bemerkenswerte Jazzharmonien und jede Menge brasilianisches Esprit. Juliana singt zwanglos, unangestrengt, mit einer inspirierenden Leichtigkeit.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Juliane Bluemnschein: Vielleicht ist es eine sehr offensichtliche Antwort, aber der größte Faktor sind meine Eltern und meine Erziehung, dass ich so geworden bin, wie ich heute bin.
Meine Eltern sind 1982 von Brasilien nach Deutschland ausgewandert, um Musik zu studieren: ohne großartige Unterstützung, ohne die Sprache zu können. Sie haben mir sowohl vorgelebt wie wertvoll es ist, für die eigenen Träume einzustehen und zu kämpfen als auch offen und positiv zu sein. Dafür bin ich sehr dankbar.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
JB: Ich möchte mit meiner Musik gerne Menschen erreichen, die Musik mögen und besonders Live-Musik wertschätzen. Menschen, die sich gerne entführen lassen in eine Stimmung und Klangwelt, vielleicht sogar in eine Musik-Richtung, die sie noch gar nicht kennen.
Aber auch Leute, die niemals denken würden, dass sie von meiner Musik berührt werden könnten. Vor kurzem hatte ich ein Release-Konzert in Stuttgart und im Konzert war eine Schulklasse von 16-jährigen und es war so schön zu sehen, wie diese jungen Menschen plötzlich ganz leise wurden und wirklich zugehört haben, bei Soli oder zu brasilianischer Musik getanzt haben, die sie bisher noch nicht gehört hatten.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
JB: Am häufigsten stören mich Situationen in denen ich merke, dass Kultur und Musik für etwas selbstverständliches erachtet wird. Der Kampf für eine faire Bezahlung ist kräftezehrend.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
JB: Das Erlebnis nach Monaten ohne Live-Musik wieder im Konzertsaal zu sitzen und wunderbaren Musiker*innen zuzuhören.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
JB: Wenn ich auf der Bühne stehe und es schaffe, komplett im Moment zu sein und nur noch die Musik und meine Bandmitglieder wahrzunehmen.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
JB: Ja, ich höre sehr viel Musik und auch sehr unterschiedliche Musik.Von traditionellem Jazz, Vocal Jazz über instrumentalen Jazz und modernen Jazz zu RnB, Hip Hop, Brasilianischer Musik, Pop und Klassik.
In den letzten Wochen habe ich sehr viel Micheal Mayo gehört, der gerade sein Debütalbum „Bones“ veröffentlicht hat und Vanessa Moreno, eine unglaublich talentierte brasilianische Sängerin und Gitarristin.

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
JB: Ich höre CDs und kaufe mittlerweile aber auch viele Alben digital über Bandcamp.

KK: Was lesen Sie momentan?
JB: Ein Bandkollege hat mir das Buch „Jetzt!“ von Eckhart Tolle ausgeliehen und das habe ich jetzt angefangen zu lesen.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
JB: Menschen, die respektlos mit anderen und ihrer Umgebung umgehen.

KK: Was freut Sie ungemein?
JB: Ich bin ein sehr euphorischer Mensch und ich kann mich wirklich über die allerkleinsten Dinge im Leben freuen. Besonders freuen mich aber schöne Momente auf der Bühne oder Begegnungen mit Menschen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
JB: Leider noch nie. Außer in der 3. Klasse mal ein Batik T-Shirts, ich weiß aber nicht, ob das zählt.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
JB: Da ich Filme und Schauspielerei unheimlich liebe, fällt mir die Antwort sehr schwer, aber spontan fallen mir Timothée Chalamet in „Call Me By Your Name“ und Lupita Nyong’o in „12 Years a Slave“ ein.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
JB: Eine Möglichkeit sich von einem Ort zum anderen zu beamen.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
JB: Auf jeden Fall als Teamplayer.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
JB: Wenn ich jogge, beim duschen oder wenn ich mich langweile.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
JB: Blogs lese ich eigentlich keine regelmäßig, Websites die ich lese sind hauptsächlich Zeitungen wie ZEIT online, FAZ o.ä.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
JB: Ich finde einen Kulturpass für junge Menschen, so wie er in Frankreich eingeführt wurde, sehr interessant und würde so etwas auch hier in Deutschland testen wollen.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
JB: Wahrscheinlich A VIDA, so wie auch der Titel meines Debütalbums, da die Songs so etwas wie eine Autobiographie für mich darstellen.

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
JB: Ich hoffe auf eine Zukunft, in der Menschen überhaupt noch auf diesem Planeten leben können, eine Zukunft in der der Klimawandel und Menschenleben ernst genommen werden. Eine Zukunft ohne Diskriminierung mit mehr Offenheit und Toleranz
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Autor: Siehe Artikel
Dienstag 03.08.2021
170. Klara Finck - Ich bevorzuge Gedrucktes
Bilder
Foto: Milena Mayer
Klara Finck begleitet mit ihrer Musik zielsicher – egal wohin es geht. Sie trifft mit ihren Songs unterschiedliche Stimmungen, so, wie wir sie auf Entdeckungsreisen, als auch im Alltag erleben. Man könnte auch sagen erfühlen. Denn Klara Finck ist eine große Poetin, die Atmosphären zu entwickeln versteht, deren Texte berühren und vor allem deren kreative Leichtigkeit beeindruckt. Weil sie es wohltuend vermeidet, ihre Themen entschieden konkret und damit pragmatisch nüchtern zu vermitteln.
Die Chansonnière, Komponistin, Liedermacherin, Sängerin, Schauspielerin vermittelt auf ihrem Debütalbum „Recuerdo“ (Recordjet) Trauer und Melancholie, pure Freude und Nachdenklichkeit, Verlust und Erfüllung. Und noch einiges mehr. Sie bewegt sich zwischen den magischen Ebenen des Lebens, beschreibt eigene Befindlichkeiten geschickt durch einen milchigen Skeptizismus, der zugleich auch als eine poetische Weltläufigkeit verstanden werden kann. Sie versucht, mit ihrer Musik jedenfalls nicht die Welt zu beeinflussen, oder gar zu retten. Sie gibt ihr jedoch eine zusätzliche lyrische Note und gestaltet sie dadurch um einiges farbiger.

KultKomplott: Welche Faktoren waren ausschlaggebend, dass Sie wurden, was Sie heute sind?
Klara Finck: Mein liebendes, immerfrohes, musikalisches Familienhaus, welches mich in der Musik und meinen Ideen immer unterstützt und bestärkt. Meine Neugier. Meine Eigensinnigkeit. Meine Leidenschaft. Mein Durchhaltevermögen.

KK: Wen bzw. was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?
KF: Ich möchte mit meiner Musik den Hörer*innen die Möglichkeit schenken, für einen Moment die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten und wahrzunehmen.

KK: Mit welchen Widrigkeiten müssen Sie sich bei Ihrer Arbeit am häufigsten auseinandersetzen?
KF: Die Hauptwidrigkeit ist vor allem fehlendes Geld und Anträge schreiben. Außerdem Selbst#Vermarktung.

KK: Welche Erlebnisse haben Sie zuletzt stark beeindruckt?
KF: Das erste Openair Live Konzert nach der langen Corona Durststrecke. Ohne dass ich es erwartet hatte, überkam mich eine so große Freude, sodass ich, als ich vor der Kasse stand, ein lautes „wohoooooo“ ausstieß. Noch schöner waren aber die Reaktionen darauf. Alle lachten und nickten mir zustimmend zu. Ein echtes Gemeinschaftsgefühl.

KK: Welches sind die schönsten Momente in Ihrer Arbeit?
KF: Der schönste Moment ist für mich, wenn ich auf der Bühne stehe, mein Bestes gebe, und für einen Moment meine Gedanken stillstehen. Dann bin ich da, im Moment. Und merke das Leben.
Außerdem liebe ich das Verbundenheitsgefühl, wenn ich gemeinsam mit anderen Musikern spiele.

KK: Hören Sie Musik und wenn ja, welche Art von Musik mögen Sie besonders?
KF: Ich höre alles und vor allem alles durcheinander. Am meisten höre ich aber Jazz, Chanson, Orchestermusik, Filmmusik, Swing und Popmusik aus den 80er und 90er Jahren. Sehr gerne höre ich die Musik meiner Musikerkolleg*innen. Dann ist das Genre ganz egal!

KK: Hören Sie eher CD oder Vinyl?
KF: Momentan lebe ich sehr minimalistisch. Ich besitze zur Zeit weder CD- noch Plattenspieler. Musik schallt lediglich aus einem alten Radio in der Küche und der Boombox, die mit Smartphone oder PC verbunden ist.

KK: Was lesen Sie momentan?
KF: „Die Sehnsucht der Schwalbe“ von Rafik Schami.

KK: Was ärgert Sie maßlos?
KF: Ungerechtigkeit. Egoismus. Gier.

KK: Was freut Sie ungemein?
KF: Ein gemeinsamer Sommerabend mit Familie und Freunden. Alle singen. Alle tanzen.

KK: Haben Sie jemals ein Kleidungs- bzw. Möbelstück selbst gemacht?
KF: Ich wollte einmal einen Schal stricken. Jedoch habe ich so viele Maschen verloren, dass es am Ende eher ein Springtanga war. Hab ihn nie getragen.

KK: Von welchem Schauspieler / welcher Schauspielerin sind sie in welchem Film beeindruckt?
KF: Jack Nicholson in „Einer flog übers Kuckucksnest“.

KK: Was würden Sie gern erfinden, was es Ihrer Meinung bisher noch nicht gibt?
KF: Ein Gerät, das einen Dinge vergessen lässt. So wie bei Harry Potter. Einfach „geblitztdingst“. Ein Gerät, welches unsere Bequemlichkeit, unseren Egoismus und unsere Gier aus dem Gehirn löscht. Außerdem ein Fortbewegungsmittel, welches das Auto und das Flugzeug ersetzt, aber der Umwelt in keinster Weise schadet.

KK: Fühlen Sie sich eher als Einzelkämpfer, oder Teamplayer?
KF: Ich kann beides. Aber lieber im Team.

KK: In welcher Situation haben Sie die besten Einfälle?
KF: Nachts im Bett. Beim Spazierengehen.

KK: Welche Websites oder Blogs lesen Sie?
KF: Ich lese ungern am Bildschirm. Ich bevorzuge Gedrucktes.

KK: Was würden Sie ändern, wenn Sie für einen Tag Staatsminister für Kultur wären?
KF: Ich würde ein bedingungsloses Grundeinkommen für freischaffende Künstler einführen.Vor allem in Krisenzeiten. Es muss nicht viel sein. Aber gerade so viel, dass einem die Existenzangst
genommen wird. Außerdem würde ich die 450 Euro Regel der KSK für immer abschaffen! Ich
würde mich um finanzielle Förderungen der kleinen Off - Bühnen und Kulturvereine einsetzen, um
die Vielfalt der deutsche Kulturszene zu erhalten und zu unterstützen. Mir fällt da noch viel mehr
ein. Aber ob das für einen Tag reicht.

KK: Wenn Sie eine Autobiographie schreiben würden, wie wäre der Titel?
KF:„Immer froh, immer frei, immer sexy“, oder „Empathisch mit dem Kopf durch die Wand“, oder „Ich lebe, wenn ich liebe, wenn ich lache“

KK: Wie stellen sie sich die Zukunft vor?
KF: Eigentlich mag ich gar nicht über diese Frage nachdenken, denn das tue ich sowieso schon zu oft. Das einzige Bild, welches ich von der Zukunft habe ist: Ich bin mit vielen Freunden und Familienmitgliedern im Garten, lache, singe, esse, tanze und genieße. Und das könnte ja auch
schon die Gegenwart sein
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