Mit dem Monat November sind wir wieder zur Normalzeit zurückgekehrt. Schon ab 17 Uhr kann man in der Dämmerung das Sommerdreieck erkennen und im Süden ist das Herbstviereck sichtbar. In der zweiten Nachthälfte bis in die frühen Morgenstunden kommt das Wintersechseck zur Geltung. Damit sind in einer einzigen Nacht alle drei Großkonstellationen offenkundig.
Jupiter ist das hellste Objekt des Abendhimmels, da keine in der Nähe befindlichen Himmelskörper auch nur annähernd an seine strahlende Vorherrschaft heranreichen. Somit ist er problemlos erkennbar. Mars hingegen eifert in puncto Helligkeit mit den Sternen des Stiers und des Orions um die Wette. Dabei ist zu beachten, dass das Licht der Sterne in der Nachbarschaft des roten Planeten oft Jahre oder Jahrhunderte braucht, bevor es auf unsere Netzhaut fällt. So ist das Licht zum Beispiel von Aldebaran (Hauptstern des Stiers) 67 Jahre und von Beteigeuze (zweithellster Stern des Orion) 642 Jahre unterwegs. Die ruhige und deutlich rote Erscheinung des Mars rührt von der Tatsache her, dass sein Licht eigentlich von der Sonne stammt. Rund zwölf Minuten braucht es, ehe es von ihm reflektiert wird, bevor es nach weiteren acht Minuten auf der Erde angelangt ist.
Ringlein, Ringlein, du musst wandern, heißt es schon in einem alten Singspiel. Gleich zwei völlig ungewöhnliche kosmische Erscheinungen lassen ihre Ringe ebenfalls wandern, doch dies geschieht natürlich durch einen ganz anderen Antrieb.
Zu den absoluten Sonderlingen unter den fernen Himmelsobjekten zählen die Wolf-Rayet-Sterne. Diese teilweise mehr als 100 Sonnenmassen schweren und bis zu 100.000 Grad heißen Giganten verbrauchen ihren Wasserstoffvorrat enorm schnell und haben eine 2000fach geringere Lebenserwartung als unsere Sonne (Kosmos 84). Nach gerade einmal fünf Millionen Jahren endet ihre Existenz mit einer gewaltigen Supernova. Zuvor allerdings zeigen sie oft ungewöhnliche Formen von Energieausstößen. Das interessante Beispiel dieser Art wurde jetzt vom James-Webb-Space-Telescope erstmals in seiner vollen Größe erfasst. Die Aufnahme zeigt dabei den Wolf-Rayet Stern WR 140 und indirekt auch seinen unmittelbaren Nachbarstern, der ebenfalls zu den massereichen Sternen gehört. Das Doppelsternpaar bewegt sich in 8 Jahren einmal um seinen gemeinsamen Schwerpunkt. Sie kommen sich dabei auch alle 8 Jahre einmal so nah, dass der aktivere WR 140 eine Staubfront abstößt, die das System verlässt und eine neue Hülle erzeugt. Die dadurch entstehenden Ringstrukturen haben so immer den gleichen Abstand voneinander. Bisher waren nur zwei Ringe bekannt, doch das JWST hat schon auf den ersten Blick 12 weitere erfasst. Übrigens sind die Ringe nicht gleichförmig, denn sie werden teilweise vom Nachbarstern aufgesogen, sodass nur etwas mehr als die Hälfe der Hüllen sichtbar bleibt. Auf der Website https://webbtelescope.org/news/first-images/gallery kann man sich übrigens ausgiebig mit den neuen, teilweise sensationellen Bilder des neuen Weltraumteleskops beschäftigen.
Doch es gibt eigentlich eine ganze Armada von Raumteleskopen, die kontinuierlich Daten für die forschende Astronomie liefern. Auch hier sind von Zeit zu Zeit sehr aufschlussreiche Bilder zu sehen, die uns von zum Teil hochinteressanten Forschungsprojekten berichten.
So konnte unlängst das im Bereich der Gammastrahlung arbeitende Neil-Gehrels-SWIFT-Observatory einen GRB (GammaRayBurst) von bisher nicht gekannter Stärke detektieren. GRBs sind Gammastrahlungsausbrüche, bei denen in sehr kurzer Zeit enorme Energiemengen freigesetzt werden. Nun steht der offiziell GRB 221009 A genannte Blitz vom 10. September dieses Jahres uneingeschränkt an der Spitze aller bisher erfassten Ereignisse dieser Art.
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass bei diesem über 10 Stunden nachleuchtenden Ausbruch in einer einzigen Sekunde weit mehr als 100 Million Elektronenvolt freigesetzt wurden. Umgerechnet würde dies bedeuten, dass unsere Sonne in ihrem bisherigen Leben nur halb soviel Energie produziert hat, wie sie bei der Entstehung des neuen Schwarzen Lochs als Folge des GRB 221009 A ausgestoßen wurde. Erst in ungefähr 5 Milliarden Jahren wird die Strahlungsleistung unseres Zentralgestirns die unfassbare Energiemenge dieser eine Sekunde dauernden Gammastrahlenausbruchs ausgeglichen haben.
Doch zurück zu den Ringen, die auch hier zu wandern scheinen. Der leitende Astronom Andrew Beardmore von der University of Leicester in England erklärt dies so: „Diese Merkmale sind nicht Teil der Explosion, sondern „Lichtechos“, die entstehen, wenn die vom Ereignis ausgehende Röntgenstrahlung von mikroskopisch kleinen Körnern, die in Staubwolken in unserer eigenen Galaxis schweben, zur Erde gestreut wird.“
Abschließend sei vermerkt, dass es mittlerweile mehr als 60 Jahre her ist, dass die Gammastrahlungsausbrüche eher zufällig entdeckt wurden. Der kalte Krieg hatte damals dazu geführt, dass man mit Hilfe von Satelliten versuchte, möglichen Atombombenexplosionen auf die Spur zu kommen. Sinnigerweise sind wir momentan in genau der gleichen Situation wie einst, denn die „Satelliten-Ohren“ der Geheimdienste sind derzeit auf das Schärfste konzentriert, um im ukrainischen Kriegsgebiet genau eben diese Ereignisse – hoffentlich nicht – zu erfassen.
Klaus Huch, Planetarium Halberstadt





















